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        <title>Der Wurst-Trick mit Quecksilber</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-06">2026-07-06</date>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-154">
        <head>Der Wurst-Trick mit Quecksilber</head>
        <div type="original" xml:id="mon-154-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-154-trans">
          <p>ITem wil dw wurst auss ainem chossel wurst machen lassen / so nym lebendigß chochsilber vnd wirff das in den chossel so er aller pest sewdt so lauffen sy her auß</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-154-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-154-orig">
          <p>Wenn du Würste aus einer Kesselwurst erscheinen lassen willst, dann nimm lebendiges Quecksilber und wirf es in den Kessel, wenn dieser am besten siedet. Dann laufen die Würste heraus.</p>
        </div>
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          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="wurst auss ainem chossel wurst">Kesselwurst (als Requisite)</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="lebendigß chochsilber">Quecksilber</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-154-trans" resp="#fyndling">Kein Kochrezept - ein historischer Tischtrick. Dieser Eintrag beschreibt keine Speise, sondern eine Verblüffungs-Nummer für die Festtafel: siedendes Quecksilber sollte scheinbar von selbst Würste aus einem Kessel "herauslaufen" lassen. Die zugrundeliegende Physik-These steht in den Anmerkungen unten.

Für die Praxis (Reenactment): Echtes Quecksilber gehört niemals in die Nähe von Lebensmitteln oder eine Feuerstelle mit Publikum - das Original ist mit heutigem Wissen schlicht ein Giftanschlag, kein Kunststück. Wer die Verblüffung historisch korrekt nacherzählen möchte, tut das am besten erzählerisch (als Anekdote über mittelalterliche Tafel-Kuriositäten) statt als nachgestellte Vorführung. Dieses Rezept dient in Fyndling ausschließlich der dokumentarischen Einordnung, nicht als Anleitung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-154-orig" n="chossel wurst" resp="#fyndling">Hier als ‚Kesselwurst' interpretiert, eine Art Wurst, die als Requisite für den Trick dient. Es könnte sich um eine große Wurst handeln, aus der kleinere Würste scheinbar hervorkommen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-154-orig" n="lebendigß chochsilber" resp="#fyndling">‚Lebendiges Quecksilber' ist der historische Begriff für flüssiges Quecksilber. Es ist hochgiftig und darf unter keinen Umständen in Kontakt mit Lebensmitteln oder zum Verzehr kommen. Dieses Rezept ist ein historisches Kuriosum und nicht zum Nachkochen geeignet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-154-orig" n="Physikalische These zum Mechanismus" resp="#fyndling">Eine chemische Reaktion findet nicht statt - Quecksilber reagiert nicht mit siedendem Wasser, und sein eigener Siedepunkt liegt bei 357°C, weit über jeder Kochtemperatur; es verdampft hier also nicht. Plausibel ist stattdessen ein rein physikalischer Effekt aus zwei Eigenschaften des Quecksilbers: Es ist rund 13,6-mal dichter als Wasser und sinkt daher praktisch augenblicklich auf den Kesselboden, dorthin, wo die Hitze der Feuerstelle am größten ist; zugleich leitet es Wärme etwa 800-mal besser als Wasser. Am Boden angekommen, überträgt es die Hitze schlagartig und lokal in das umgebende Wasser - ein plötzlicher, heftiger Siedeausbruch genau unter den (durch eingeschlossene Gase in der Wursthülle leicht schwimmenden) Würsten, der sie durchaus kräftig hochschleudern könnte. Damit wäre der ‚Trick' eine reale, aber vermutlich stark überzeichnete Beobachtung - ein plötzliches, heftiges Aufwallen beim Eintauchen eines dichten Fremdkörpers in siedende Flüssigkeit (vergleichbar dem ‚Stoßsieden' bei überhitzten Flüssigkeiten) -, keine verlässliche, wiederholbare Vorführung wie im Text behauptet. Dasselbe Prinzip - Quecksilber als dichte, stets in Bewegung bleibende Flüssigkeit, die einem toten Gegenstand ‚Leben' verleiht - nutzen im selben Buch auch mon-159 (Quecksilber im Hals eines gebratenen Huhns lässt es beim Aufsetzen scheinbar krähen) und mon-160 (erbsengroße Mengen in kleinen Sülze-Fischen lassen sie beim Bewegen der Schüssel zappeln) - dort geht es aber um fortgesetzte Eigenbewegung nach der Störung, nicht um einen einmaligen Siede-Ausbruch wie hier.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-154-orig" n="chossel / chossel wurst" resp="#fyndling">'Kessel' (Kochgefäß) und ‚Kesselwurst' (eine Art Wurst, die als Requisite dient). Die Phrase ‚wurst auss ainem chossel wurst' wird als ‚Würste aus einer Kesselwurst' interpretiert, wobei die Kesselwurst der Ursprung der erscheinenden Würste ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-154-orig" n="Gesamtrezept" resp="#fyndling">Das Rezept beschreibt einen Tischtrick oder ein Schau-Element, bei dem Würste scheinbar aus einem Gefäß erscheinen, nicht die Zubereitung einer Speise zum Verzehr.</note>
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