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      <titleStmt>
        <title>Stockfisch auf dreierlei Art</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-05">2026-07-05</date>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-156">
        <head>Stockfisch auf dreierlei Art</head>
        <div type="original" xml:id="mon-156-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-156-trans">
          <p>ITem wil dw ettwas von vischen geben so machs wan stock visch must pey der nacht ein waichen In ein wasser das gesalczen sey des morgens wen dw In wilt czw seczen so wasch In aus dem wasser mit roglar hantt secz in in ein anders wasser wider czw vnd la In gar ein wenig erballen so nym yn her auß vnd lueg das dw In machst dy hautt ab czichen So nym das nur her auß auff ein schone anricht vnd hack das pratig chlain so es czw czeitten So nym czway air dar vnder vnd ein wol erlessen weinper vnd ein frische ymberr muscat vnd muscat plue temperir es woll vntter ein ander wenn dw das alles hast gethan so nym dy full wider vnd thue sew In dy hautt dy dw ab hast geczogen war es dan czeitig so magstu es woll in dem airen vmb cziechen so mustu es pachenn in ainer phann das es prawn werdt so magstu in gebben den visch wie dw willt / wildw der frawen geben in einer sulz So mustu dy sulcz ab geburczen mit ymber muscat vnd muscat plue den selbigen visch machtw ir woll dar Innen sulczen ain taill willdw ir dan pratten geben / so pratt In Inainem laybel protts das selbig pratt mustu sneyden mitten von ein ander dar auß mustu nemmen die smollen vnd leg den visch In die rindten den dw pratten wilt vnd sneydt ettliche locher In die rindten verstreich dw die rindt mit einem taig so schueß in In das offel hin ein vnd laß es pachen das dw dan gehaicz hast vnd wan es dan sein genug hatt so nym es her auß den selben visch macht dw woll geben wan die fraw vier wo= chen alt ist so thue ein wenig galraydt dar auff vnd gib irs czw essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-156-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-156-orig">
          <p>Wenn du etwas aus Fisch servieren möchtest, bereite es aus Stockfisch zu. Diesen musst du über Nacht in gesalzenem Wasser einweichen. Am Morgen, wenn du ihn zubereiten willst, wasche ihn gründlich aus dem Wasser. Lege ihn dann in frisches Wasser zurück und lasse ihn nur ein wenig aufwallen. Nimm ihn anschließend heraus und achte darauf, dass du die Haut abziehen kannst.</p>
          <p>Nimm nun das reine Fischfleisch heraus und richte es auf einer sauberen Unterlage an. Hacke das Fleisch fein in Stücke. Mische zwei Eier, gut verlesene Rosinen, frischen Ingwer, Muskatnuss und Muskatblüte darunter und verrühre alles gut miteinander. Wenn du dies alles getan hast, nimm die Füllung und gib sie zurück in die abgezogene Fischhaut. War es dann bereit, kannst du es gut in den Eiern wenden. Dann musst du es in einer Pfanne backen, bis es braun wird. So kannst du den Fisch servieren, wie du möchtest.</p>
          <p>Als Sülze für die Dame: Willst du es der Dame in einer Sülze servieren, so würze die Sülze mit Ingwer, Muskatnuss und Muskatblüte. Den Fisch kannst du ihr darin gut als eine gute Portion einlegen.</p>
          <p>Als Braten im Brotleib: Willst du ihr dann einen Braten geben, so brate ihn in einem Laib Brot. Diesen Brotleib musst du in der Mitte auseinanderschneiden. Daraus musst du die Brotkrume entnehmen und den Fisch, den du braten willst, in die Rinde legen. Schneide einige Löcher in die Rinde und bestreiche die Rinde mit einem Teig. Schiebe ihn dann in den Ofen und lasse ihn backen, was du geheizt hast. Und wenn es dann genug gebacken ist, nimm es heraus. Diesen Fisch kannst du gut geben, wenn die Dame vier Wochen alt ist. Gib dann ein wenig Gallerte darauf und serviere es zum Essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stock visch">Stockfisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wasser das gesalczen sey">Salzwasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein anders wasser">Wasser</ingredient>
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            <item><ingredient en="" commodity="" orig="czway air">Eier</ingredient> - 2</item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wol erlessen weinper">Rosinen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ein frische ymberr">Ingwer</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="muscat">Muskatnuss</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="muscat plue">Muskatblüte</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="dy sulcz">Sülze</ingredient>
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            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ainem laybel protts">Brotlaib</ingredient> - 1 Stück</item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="einem taig">Teig</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig galraydt">Gallerte</ingredient>
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      </div>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-156-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Grundzubereitung für gefüllten Stockfisch mit drei Serviervarianten - gebraten, in Sülze, oder im Brotlaib gebacken. Die dritte Variante war laut Text eigens für eine Frau im Wochenbett gedacht (siehe FAQ) - ein leicht verdauliches, in Brotrinde geschütztes Schongericht.

So gelingt es. Stockfisch über Nacht in gesalzenem Wasser einweichen, am Morgen gründlich auswaschen, in frischem Wasser nur kurz aufwallen lassen (nicht durchgaren) und dann die Haut vorsichtig ganz abziehen, ohne sie zu zerreißen - sie wird später als Füllhülle wiederverwendet. Das reine Fischfleisch fein hacken und mit zwei Eiern, gut verlesenen Rosinen, frischem Ingwer, Muskatnuss und Muskatblüte zu einer Füllung verrühren. Diese Füllung zurück in die abgezogene Fischhaut geben, sodass wieder eine fischförmige Hülle entsteht.

So wird es richtig gut - drei Varianten. Für die gebratene Version die gefüllte Fischhaut in Ei wenden und in der Pfanne braten, bis sie braun ist. Für die Sülze die Gallerte separat mit Ingwer, Muskatnuss und Muskatblüte würzen und die gefüllte Haut darin einlegen. Für die Brotlaib-Variante einen Brotlaib quer halbieren, die Krume aushöhlen, den gefüllten Fisch in die Rinde legen, einige Löcher in die Rinde schneiden und diese mit Teig verstreichen, dann im Ofen backen - die Brotrinde wirkt wie eine schützende Kruste, die den Fisch gart, ohne ihn auszutrocknen. Vor dem Servieren mit etwas Gallerte bestreichen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-156-orig" n="stock visch" resp="#fyndling">Stockfisch ist ungesalzener, an der Luft getrockneter Fisch, meist Kabeljau. Er muss vor der Zubereitung lange gewässert werden, um wieder weich zu werden und seinen intensiven Geschmack zu mildern.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-156-orig" n="schone" resp="#fyndling">Im Mittelhochdeutschen bedeutet 'schon' hier nicht 'schön' im ästhetischen Sinne, sondern 'sauber' oder 'gründlich'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-156-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Weinbeeren sind im Kontext von Kochrezepten meist getrocknete Weinbeeren, also Rosinen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-156-orig" n="ymberr" resp="#fyndling">Ymberr ist die mittelhochdeutsche Bezeichnung für Ingwer.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-156-orig" n="muscat plue" resp="#fyndling">Muskatblüte (Macis) ist der Samenmantel der Muskatnuss. Sie hat ein feineres, blumigeres Aroma als die Muskatnuss selbst.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-156-orig" n="sulcz" resp="#fyndling">Eine Sülze ist eine gelierte Speise, oft aus Fleisch oder Fisch, die in einer würzigen Brühe zubereitet und kalt serviert wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-156-orig" n="galraydt" resp="#fyndling">Gallerte ist ein Gelee, das durch das Auskochen von kollagenreichen Tierprodukten (Knochen, Haut) oder durch Zugabe von Geliermitteln entsteht und oft als Überzug oder Beilage dient.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-156-orig" n="vier wochen alt" resp="#fyndling">Nicht das Alter einer Person, sondern das Wochenbett: die vier- bis sechswöchige Erholungszeit einer Frau nach der Geburt, die im Deutschen bis heute "die Wochen" heißt ("im Wochenbett liegen"). "Die Fraw ist vier Wochen alt" = sie ist vier Wochen im Wochenbett. Der leicht verdauliche, in Brotrinde geschützte Fisch ist damit eine gezielte Schonspeise für die Rückbildungszeit, kein Rätsel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-156-orig" n="roglar hantt" resp="#fyndling">‚kräftiger Hand' - Dies impliziert ein gründliches und energisches Waschen des Stockfischs, was für die Vorbereitung dieser Zutat notwendig ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-156-orig" n="czw czeitten" resp="#fyndling">‚in Stücke' - Die Anweisung, das Fleisch 'chlain' (klein) zu hacken, wird durch 'czw czeitten' als 'in kleine Stücke' präzisiert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-156-orig" n="czeitig" resp="#fyndling">‚bereit' - Im Kontext der Zubereitung bedeutet 'czeitig' hier, dass das Gericht den passenden Zustand erreicht hat, um den nächsten Schritt (in Eiern wenden) auszuführen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-156-orig" n="ain w taill" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#taill">‚eine gute Portion' - Im Kontext des Einlegens von Fisch in Sülze ist 'Teil' als 'Portion' am plausibelsten. Das 'w' könnte eine Abkürzung für 'wol' (wohl/gut) sein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-156-orig" n="smollen" resp="#fyndling">‚Brotkrume' - Aus einem aufgeschnittenen Brotleib wird die weiche innere Brotkrume entnommen, um Platz für den Fisch zu schaffen.</note>
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