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        <title>Eingelegte Weichseln in Gewürz-Honig-Sirup</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-06">2026-07-06</date>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-180">
        <head>Eingelegte Weichseln in Gewürz-Honig-Sirup</head>
        <div type="original" xml:id="mon-180-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-180-trans">
          <p>ITem wil dw weichsel wehalten jar vnd tag So nym dy aller frischisten weichsell so dw sy gehaben magst vnd prock sy von dem stingel nym ein schussel voll oder mer vnd als vill honig das dich geduncht dw hast sein genug czw denn weichsell vnd sol die selbigen weichseln mit dem honig sieden wan sy dan vber slagen sein So streich sy durch ein tuech vnd laß woll wider auff sieden vnd gburcz sy ab mit yngber mit pfeffer mit muscatplue vnd la dir machen ein schons vassell vnd die weichslein dar ein die man ab ge= prock hatt vnd wan die prue erchalt ist So gewß sy vber die weichsel vnd verslach das vassel vnd secz in einen chalten cheler vnd cher es all tag ain stund vmb von ainem poden auff den anderen zw weinnachten prich das vassel auff vnd gib da von czw essen vnd als offt dw es auff prichst als offt sla es wider czw die weichsell + machstw woll behalten pys in dy vasten oder vber Iarr etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-180-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-180-orig">
          <p>Willst du Sauerkirschen ein Jahr und einen Tag lang haltbar machen, so nimm die allerfrischesten Sauerkirschen, die du bekommen kannst. Zupfe sie von den Stielen und nimm eine Schüssel voll oder mehr.</p>
          <p>Gib so viel Honig hinzu, dass es dir scheint, du hast genug davon zu den Kirschen. Siede dieselben Kirschen mit dem Honig. Wenn sie dann aufgekocht sind, streiche sie durch ein Tuch und lass die Flüssigkeit gut wieder aufkochen.</p>
          <p>Würze sie ab mit Ingwer, mit Pfeffer und mit Muskatblüte. Lass dir ein passendes Gefäß machen und gib die abgezupften Kirschen hinein. Wenn die Brühe (der Saft) erkaltet ist, so gieße sie über die Kirschen und verschließe das Gefäß. Setze es in einen kalten Keller und drehe es jeden Tag einmal um, von einem Boden auf den anderen.</p>
          <p>Zu Weihnachten brich das Gefäß auf und gib davon zu essen. Und so oft du es aufbrichst, so oft verschließe es wieder zu den Kirschen. So kannst du es gut bis in die Fastenzeit oder über ein Jahr lang behalten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="dy aller frischisten weichsell / ein schussel voll oder mer / die selbigen weichseln / die weichslein / die weichsel">Sauerkirschen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="als vill honig das dich geduncht dw hast sein genug">Honig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="yngber">Ingwer, gemahlen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer">Pfeffer, gemahlen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="muscatplue">Muskatblüte, gemahlen</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-180-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ganze Sauerkirschen, in einem gewürzten Honigsirup eingelegt und im verschlossenen Fass haltbar gemacht - trotz des überlieferten Wortes „Mus" ist es kein passiertes Püree, sondern ganze Früchte, die im Sirup schwimmen. Der nächste lebende Verwandte ist die eingemachte Kirsche im Glas; durch das tägliche Wenden im verschlossenen Gefäß ist es zudem ein Methoden-Vetter des süddeutschen Rumtopfs (nur mit Honigsirup statt Alkohol). Damit hebt es sich vom breiten Weichsel-Latwerge-Cluster ab, der die Frucht zu einem dicken, gebundenen Mus einkocht.

Die Klippe „durch ein Tuch streichen". Wörtlich klingt „streiche sie durch ein Tuch" nach Passieren der ganzen Frucht - doch danach kommen ausdrücklich ganze entstielte Kirschen ins Fass. Ein reines Mus hätte keine ganzen Kirschen mehr. Aufgelöst wird das durch das nah verwandte bgs-084 („Cumpost von wisseln"): dort wird ebenfalls durchs Tuch gestrichen und danach werden ganze Kirschen eingelegt - durchs Tuch gewonnen wird also nur der klare, gewürzte Saft (die „prue"), die ganzen Kirschen bleiben erhalten. Das zweite Aufkochen dient dem Einreduzieren des Sirups: höhere Zuckerdichte, bessere Haltbarkeit.

Die Klippe „ain stund vmb". „Cher es all tag ain stund vmb" lässt sich als „eine Stunde lang wenden" oder als „einmal wenden" lesen (mhd. stunt = ein Mal, Zählwort). Ein Fass eine Stunde lang zu drehen ergibt keinen Sinn; gemeint ist das tägliche einmalige Wenden von einem Boden auf den anderen, damit der Sirup alle Kirschen gleichmäßig benetzt und die oben liegende Frucht nicht trockenfällt oder schimmelt.

Praxis. Entstielte Sauerkirschen mit reichlich Honig aufsetzen - so viel, dass die Früchte am Ende vollständig bedeckt sind; davon hängt die Konservierung ab. Aufkochen, bis die Kirschen Saft gezogen haben, dann den Saft durch ein Tuch abgießen und die Kirschen beiseitestellen. Den abgeseihten Saft gut einkochen und heiß mit Ingwer, Pfeffer und Muskatblüte würzen. Die ganzen Kirschen in ein sauberes, dicht schließendes (idealerweise ausgepichtes) Gefäß geben und den erkalteten Sirup darübergießen - kalt, damit die Frucht nicht zerfällt. Verschließen, kühl stellen, täglich einmal wenden. Als frisch angesetzter, in ein bis zwei Wochen verzehrter Kirschen-Honig-Ansatz problemlos; die im Text beschriebene Ganzjahres-Lagerung braucht einen konstant kühlen Keller. Es gibt keine Mehl- oder Brotbindung und keine Andickung - reines Sirup-Konservat, kein gebundenes Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="weichsel" resp="#fyndling">Sauerkirschen (Prunus cerasus), auch Weichselkirschen genannt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="wehalten" resp="#fyndling">‚behalten‘, hier ‚haltbar machen‘ - bairischer b/w-Wechsel (wehalten = behalten).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="geduncht / dich" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#dich">‚das dich geduncht‘ = ‚dass es dich dünkt‘, also ‚dass es dir scheint‘. Unpersönliches Verb dünken (mich/dich dünkt = mir/dir scheint); ‚dich‘ ist hier das Pronomen im Akkusativ, nicht ‚dick‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="vber slagen" resp="#fyndling">aufwallen, aufkochen (‚übergeschlagen sein‘ = aufgekocht sein). MHDBDB-Lemma ‚überslahen‘; im Korpus gleichlautend in mon-178 (‚wan die prue vber slagen sey‘).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">‚schons vassell‘ = ein sauberes, ordentliches Gefäß; ‚schon‘ hier im Sinne von ‚sauber/rein‘, nicht ‚schön‘ im ästhetischen Sinn.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Verbform zu ‚Gewürz‘, hier ‚würze (ab)‘ (bairischer b/w-Wechsel).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="muscatplue" resp="#fyndling">Muskatblüte, auch Macis genannt, ist der Samenmantel der Muskatnuss und ein feineres, milderes Gewürz.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="prue" resp="#fyndling">Hier der durch das Tuch geseihte und wieder aufgekochte Saft der Sauerkirschen (nicht die ganze Frucht).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="prock / abgeprockt" resp="#fyndling">(ab)pflücken, abzupfen; ‚prock sy von dem stingel‘ = zupfe sie von den Stielen. Die Kirschen werden entstielt und bleiben ganz.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="vassell" resp="#fyndling">Ein kleines Fass oder ein anderes geeignetes Gefäß zur Aufbewahrung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="verslach" resp="#fyndling">‚verschließe‘ oder ‚versiegele‘, um das Fass luftdicht zu machen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="chalten cheler" resp="#fyndling">Ein kühler, dunkler Lagerraum, idealerweise ein Erdkeller mit konstant niedriger Temperatur.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="cher es all tag ain stund vmb von ainem poden auff den anderen" resp="#fyndling">Das tägliche einmalige Wenden des Fasses von einem Boden auf den anderen. ‚ain stund‘ hier als Zählwort (ein Mal) gelesen, nicht als ‚eine Stunde lang‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="jar vnd tag" resp="#fyndling">‚Ein Jahr und einen Tag‘ - feste mittelalterliche Rechts- und Fristformel, hier für die angestrebte volle Haltbarkeitsdauer.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="weinnachten" resp="#fyndling">Weihnachten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="vasten" resp="#fyndling">Die Fastenzeit vor Ostern, in der bestimmte Speisen (Fleisch, Eier, Milchprodukte) verboten waren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-180-orig" n="cher es all tag ain stund vmb von ainem poden auff den anderen" resp="#fyndling">drehe es jeden Tag einmal um, von einem Boden auf den anderen (das Fass wenden)</note>
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