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      <titleStmt>
        <title>Ingwer in Zuckersirup einlegen</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-07">2026-07-07</date>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
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          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-182">
        <head>Ingwer in Zuckersirup einlegen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-182-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-182-trans">
          <p>ITem von grun Ingwer nym der aller weissisten ingwer vnd der aller frischisten Vnd wasch den ausß czwain oder auß drein chalt gussen gar woll vnd dar nach payß In einen frischen chalten gusß vnd laß dar Innen drey tag vnd drey nacht dar Innen ligen nach dem so nymb chalch vnd thw In In ein schaff mit wasser wan das wasser lawtter ist worden an dem chalch So gew es gar seyberlich her ab das es nicht truebich werdt vnd payß den Ingwer dar ein ein tag vnd ein nacht so czewch In awß dem wasser In ein frischen prunn wasser vnd reib In gar woll auß dem wasser vnd leg In dar nach mer In ein prunn wasser vnd laß dar Innen ligenn ein tag vnd ein nacht vnd auß dem prunnn wasser leg in In einen guetten wein vnd laß ein tag vnd ein nacht dar Innen ligen Nym czwcker oder rayffel oder malmasyer oder weylich wein vnd nym des weins ein wenig in ein phan vnd nym des czucker woll vierstundt als vill mer dan des weins ist gewessen dar ein vnd laß den czucker woll sieden In dem wein vnd mach dir ein hubsches guecz schafflein da mit dw in rainest wan es czach ist worden so heb In her ab vnd thew den chrun Ingwer auß dem wein In ein schons verglastew ckrawssen vnd gewß den czwcker den dw gemacht hast dar vber in die chrawssen vnd vermach die chrawssen gar woll das es nicht awß riech Also machstw woll mischeren von weillischen nussen awch machen den Ingwer wellhisch nuß dy well sy frisch sindt so laß den cheren schellen vnd wan sy ge= schellett sindt So machtw sy woll in dy selbig pru legen da der grunn Ingwer In ist etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-182-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-182-orig">
          <p>Nimm den weißesten und frischesten Ingwer. Wasche ihn sehr gründlich zwei- oder dreimal mit kalter Lauge. Lege ihn danach in eine frische kalte Lauge und lasse ihn dort drei Tage und drei Nächte liegen.</p>
          <p>Danach nimm Kalk und gib ihn in ein Schaff (eine Wanne) mit Wasser. Wenn das Wasser vom Kalk klar geworden ist, gieße es sehr sauber ab, sodass es nicht trüb wird. Lege den Ingwer für einen Tag und eine Nacht in dieses Kalkwasser.</p>
          <p>Ziehe ihn dann aus dem Kalkwasser in frisches Brunnenwasser und reibe ihn sehr gut ab. Lege ihn danach erneut für einen Tag und eine Nacht in Brunnenwasser. Aus dem Brunnenwasser nimm ihn heraus und lege ihn in einen guten Wein, wo er einen Tag und eine Nacht liegen soll.</p>
          <p>Nimm Zucker, dazu wahlweise Rayffel-Wein, Malvasier oder welschen Wein. Gib ein wenig des Weins in eine Pfanne und füge viermal so viel Zucker hinzu, wie Wein vorhanden war. Lasse den Zucker im Wein gut sieden. Mache dir ein hübsches, gutes Schäfflein, mit dem du ihn (den Sirup) abschöpfst; wenn er zäh geworden ist, nimm ihn vom Feuer.</p>
          <p>Gib den frischen Ingwer aus dem Wein in einen schönen, verglasten Krug und gieße den zubereiteten Zuckersirup darüber in den Krug. Verschließe den Krug sehr gut, damit nichts entweichen kann. Auf diese Weise kannst du auch Mischungen von Walnüssen zubereiten. Wenn die Walnüsse frisch sind, schäle die Kerne. Sind sie geschält, kannst du sie in denselben Sirup legen, in dem der Ingwer liegt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="grun Ingwer / aller weissisten ingwer vnd der aller frischisten / chrun Ingwer">Ingwer, frisch</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="czwain oder auß drein chalt gussen / frischen chalten gusß">Kalte Lauge</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chalch">Kalk</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser / prunn wasser">Wasser</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein / des weins ein wenig">Wein</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="czwcker / des czucker woll vierstundt als vill mer dan des weins ist gewessen">Zucker</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="weillischen nussen / wellhisch nuß / cheren">Walnüsse, frisch, geschält (optional)</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-182-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist die spätmittelalterliche Vorstufe des noch heute erhältlichen kandierten Ingwers (Stem Ginger in Syrup): frischer Ingwer wird durch eine mehrtägige Lauge- und Kalkwasserbehandlung vorbereitet, in Wein eingelegt und schließlich in einem sehr dicken Zuckersirup konserviert. Fast identisch beschreibt das Tegernseer/Münchner Rezept „Wie man grün Ingwer machen sol“ (m725-022) dasselbe Verfahren - eine überregional geteilte Konfekttechnik, keine Mondsee-Eigenheit. Die angehängte Walnuss-Variante, bei der geschälte frische Kerne im selben Sirup eingelegt werden, ist die mitteleuropäische Verwandte der bis heute praktizierten Grünwalnuss-Konfitüren (frz. confiture de noix vertes, griech. glyko karydaki, balkanisch orahovo slatko).

Lauge und Kalkwasser - zwei verschiedene Aufgaben. Die Lauge wäscht und weicht die Rhizomoberfläche über mehrere Tage auf und mildert die Schärfe der frischen Knolle. Das anschließende Kalkwasser wirkt entgegengesetzt: Es festigt über Calcium das Zellgewebe, damit der Ingwer das lange Sirupkochen übersteht, ohne matschig zu werden - eine Texturfixierung, keine „Neutralisierung“ der Lauge. Beide Reste müssen danach durch zwei Brunnenwasser-Bäder mit aktivem Abreiben restlos entfernt werden, sonst bleibt der Ingwer ungenießbar.

Der Sirup und das Schäfflein. Zucker ist in diesem Schritt nicht optional - er wird immer zusammen mit einer der drei genannten Weinsorten (Rayffel-, Malvasier- oder welscher Wein) im Verhältnis eins zu vier eingekocht. Das „hübsche, gute Schäfflein“ dient zum Abschöpfen des Sirups selbst, nicht zum Reinigen des Ingwers; sobald der Sirup zäh geworden ist, wird die Pfanne vom Feuer genommen - der Ingwer liegt zu diesem Zeitpunkt noch im Wein und wird erst danach zum ersten Mal wieder erwähnt, wenn er in den Krug kommt.

Praxis. Frischen, möglichst hellen Ingwer zwei- bis dreimal in kalter Lauge waschen, dann drei Tage und Nächte darin liegen lassen (Vorsicht im Umgang mit Lauge - Handschuhe, gut belüfteter Raum). Danach einen Tag und eine Nacht in klar abgegossenem Kalkwasser einlegen, anschließend zweimal je einen Tag und eine Nacht in frischem Brunnenwasser gründlich abreiben und spülen, bis keine Lauge- oder Kalkreste mehr spürbar sind. Einen Tag und eine Nacht in gutem Wein einlegen. Für den Sirup Wein und die vierfache Menge Zucker gemeinsam sirupartig einkochen, den Schaum abschöpfen und vom Feuer nehmen, sobald er zäh ist. Den Ingwer aus dem Wein in ein verglastes Gefäß geben, mit dem heißen Sirup übergießen und luftdicht verschließen. Nach demselben Muster lassen sich auch frische, geschälte Walnusskerne im selben Sirup kandieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="chalt gussen" resp="#fyndling">Lauge. Eine stark alkalische Lösung, die im Mittelalter zur Reinigung, zum Enthäuten (z.B. von Mandeln) oder zur Texturveränderung von Lebensmitteln verwendet wurde. Hier dient sie wahrscheinlich dazu, die äußere Schicht des Ingwers zu reinigen und seine Fasern aufzubrechen. Vorsicht im Umgang mit Lauge!</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="chalch" resp="#fyndling">Kalk. Hier zur Herstellung von Kalkwasser verwendet. Anders als der Wortlaut nahelegt, „neutralisiert“ das ebenfalls stark alkalische Kalkwasser die vorherige Lauge nicht chemisch, sondern festigt über Calcium das Zellgewebe des Ingwers, damit dieser das anschließende lange Sirupkochen übersteht, ohne zu zerfallen - eine Texturfixierung vor dem Kandieren, wie sie auch bei anderen kandierten Früchten der Zeit üblich war.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="prunn wasser" resp="#fyndling">Brunnenwasser. Frisches, klares Wasser aus einem Brunnen, das zum gründlichen Spülen nach den chemischen Behandlungen verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="rayffel / malmasyer / weylich wein" resp="#fyndling">Verschiedene Weinsorten, die für den Sirup verwendet werden können. „Rayffel“ (Rainval) ist ein historischer, seltener Weinname - die CoReMA-Glossierung des inhaltlich entsprechenden Nachbarrezepts bestätigt diese Lesart (Q107262739) und löst damit die im Manuskript vermerkte Randnotiz-Verwunderung („* Rayffel ?!“) auf. „Malvasier“ ist ein süßer Dessertwein, „welscher Wein“ (weylich wein) bezeichnete oft südliche, insbesondere italienische Weine.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="vierstundt als vill mer" resp="#fyndling">Wörtlich 'vier Stunden so viel mehr', hier im Sinne von 'viermal so viel'. Eine sehr hohe Zuckerkonzentration, die für die Konservierung notwendig ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="schafflein" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schafflein">Diminutiv von Schaff, ein kleines Gefäß. Bezieht sich auf das Abschöpfen des Sirups selbst während des Kochens, nicht auf ein Reinigen des Ingwers - Korpusparallelen (mon-003, mon-039) zeigen dieselbe Formulierung für das Kochgut, das „her ab“ (vom Feuer) genommen wird, sobald es zäh geworden ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="czach" resp="#fyndling">Zäh, dickflüssig. Bezieht sich auf die Konsistenz des Zuckersirups, wenn er ausreichend eingekocht ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="ckrawssen" resp="#fyndling">Ein Gefäß oder Krug, hier verglast, zur luftdichten Aufbewahrung des eingelegten Ingwers.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="pru" resp="#fyndling">CoReMA glossiert als 'ginger broth'. Im Kontext der Walnuss-Variante bezieht sich dies auf den fertigen Ingwer-Zuckersirup, in dem die Walnüsse ebenfalls eingelegt werden können.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-182-orig" n="chalt gussen" resp="#fyndling">Kalte Lauge. CoReMA glossiert 'chalt gussen' als 'lye'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-182-orig" n="grun Ingwer / chrun Ingwer" resp="#fyndling">Frischer Ingwer. Im Kontext von 'weißestem und frischestem' Ingwer ist die Lesart als 'frisch, ungetrocknet' wahrscheinlicher, da frischer Ingwer oft eine grünlich-gelbe Tönung hat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-182-orig" n="mach dir ein hubsches guecz schafflein da mit dw in rainest wan es czach ist worden so heb In her ab" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schafflein">Mache dir ein hübsches, gutes Schäfflein, mit dem du ihn (den Sirup) reinigst/abschöpfst; wenn er (der Sirup) zäh geworden ist, nimm ihn (die Pfanne) vom Feuer. Korpusparallelen in mon-003 und mon-039 ('so heb es her ab' / 'heb es her ab') zeigen dieselbe Idiom-Konstruktion für 'vom Feuer nehmen, sobald es eingedickt ist' - bezogen auf das Kochgut, nicht auf den Ingwer, der an dieser Stelle noch im Wein liegt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-182-orig" n="pru" resp="#fyndling">Ingwer-Sirup (oder die Flüssigkeit, in der der Ingwer zuvor lag). CoReMA glossiert 'pru' als 'ginger broth'.</note>
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