<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Eingelegter Mangold mit Wein und Honig</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-07-08">2026-07-08</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mon-187/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="mon-187">
        <head>Eingelegter Mangold mit Wein und Honig</head>
        <div type="original" xml:id="mon-187-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-187-trans">
          <p>ITem ein guett ckrawtt nym piersen ckrawtt Wol durich lessen thue die stingel da vonn Vnd wasch Das rain vnd schneyds das czw dreyn taillen vnd pru sy in einem ckessell ab gar woll vnd czewch sy dann auff ein syb das das wasserr woll da von gee + Nym guetten wein vnd honig vnd weinperern woll durich lessen vnd gebuercz es ab mit pheffer mit czymen vnd Ingwerr vnd well dy prue da mit ab vnd leg das ckrawtt in ein schons vassel vnd gewß dy prue dar vber vnd ruer es mit einem loffel vnd In dem vassel wol durch ein ander Nym geschelten mandell vnd las In schneyden czw dreynn oder viertaill vnd nym sein ein guett tail vnd thue es in das ckrawtt vnd ruer es aber durch ein ander vnd secz ab dem weg vnd decks schon czw das ckrawtt so magstu es behalten Iar vnd tag vnd nit salcz etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-187-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-187-orig">
          <p>Nimm für ein gutes Kraut Mangold. Lies es gut durch, entferne die Stiele und wasche es rein. Schneide es dann in drei Teile und brühe es in einem Kessel sehr gut ab. Gieße es anschließend auf ein Sieb ab, damit das Wasser gut abläuft.</p>
          <p>Nimm guten Wein, Honig und gut verlesene Rosinen. Würze die Mischung mit Pfeffer, Zimt und Ingwer und koche diese Würzsauce damit auf. Lege dann den Mangold in ein sauberes Fass und gieße die Würzsauce darüber. Rühre es mit einem Löffel in dem Fass gut durcheinander.</p>
          <p>Nimm geschälte Mandeln und lass sie in Drittel oder Viertel schneiden. Nimm davon eine gute Menge und gib sie zum Mangold. Rühre es nochmals gut durch. Stelle das Kraut dann beiseite und decke es gut zu. So kannst du es Jahr und Tag aufbewahren und es nicht salzen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="piersen ckrawtt">Mangold</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinperern">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czymen">Zimt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ingwerr">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geschelten mandell">Mandeln, geschält</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-187-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Mon-187 ist ein süß-saures Mangold-„Kompost“ (von lateinisch compositum): blanchierter Mangold wird in eine gewürzte Wein-Honig-Rosinen-Lake mit Pfeffer, Zimt und Ingwer eingelegt, mit grob geschnittenen Mandeln vermengt und im Fass zur Vorratshaltung verschlossen. Die Gattung honig-weinbasierter Süßsauer-Gemüsekonserven ist im Korpus unter genau diesem Namen belegt: Der Zwilling m384-008 aus dem Cgm 384 nennt das Gericht im Original „Suess gumpost“ und folgt exakt demselben Verfahren - Mangold blanchieren, Wein-Honig-Sud mit Trockenfrüchten aufkochen, übergießen, mit Mandeln bestreuen -, ist dort aber für den baldigen Verzehr statt für die Jahresvorratshaltung gedacht. In der weiteren Familie süß-saurer Wintergemüse mit Trockenfrüchten und Nüssen steht bis heute etwa der weihnachtliche Rotkohl mit Rosinen und Äpfeln.

Die Blanchier- und Abtropf-Schritte. Das kurze Abbrühen im Kessel macht die festen Mangoldblätter biegsam und reduziert Bitterstoffe, das anschließende Abtropfen auf dem Sieb ist entscheidend: Restwasser würde die nachfolgende Würzsauce verdünnen und damit ihre konservierende Wirkung schwächen. Das heiße Übergießen mit dem fertig aufgekochten Wein-Honig-Sud setzt zusätzlich zum Blanchieren auf thermische Keimreduktion, vergleichbar dem Prinzip des Heißeinlegens.

Zur Haltbarkeit „Jahr und Tag“. Der Text nennt keine Mengenverhältnisse von Wein und Honig zum Mangold - ohne diese Angabe lässt sich nicht beurteilen, ob die Zucker- und Alkoholkonzentration tatsächlich ausreicht, ein wasserreiches Blattgemüse wie Mangold über tatsächlich zwölf Monate ungekühlt zu konservieren. „Jahr und Tag“ ist zudem eine in mittelalterlichen Texten gebräuchliche Redewendung für „sehr lange Zeit“ und muss nicht als exakt geprüftes Lagerversprechen gelesen werden. Der Verzicht auf Salz („nit salcz“) ist im Vergleich zu salzbasierten Verfahren wie Sauerkraut ungewöhnlich, für die Kompost-Gattung mit ihrem süß-sauren statt salzig-sauren Charakter aber genretypisch.

Praxis. Mangold putzen, Stiele entfernen, waschen, dritteln und im Kessel kurz abbrühen, dann auf einem Sieb gut abtropfen lassen. Wein mit Honig und gut verlesenen Rosinen sowie Pfeffer, Zimt und Ingwer aufkochen und noch heiß über den abgetropften Mangold in einem sauberen Gefäß gießen, gut durchrühren. Geschälte, in Drittel oder Viertel geschnittene Mandeln roh untermengen (kein weiterer Garvorgang nötig, nur für Biss und Textur), nochmals gut durchrühren, abdecken. Für den baldigen Verzehr am Lager ist das Gericht damit fertig - mit Kessel, Sieb und einem sauberen Gefäß schnell und ohne Ofen herstellbar. Für eine tatsächliche Lagerung über Monate ist dagegen ein kühler Keller nötig, den ein Marktlager in der Regel nicht bietet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-187-orig" n="piersen ckrawtt" resp="#fyndling">Mangold (Beta vulgaris subsp. vulgaris). Eine in der mittelalterlichen Küche beliebte Blattgemüseart, die sowohl als Gemüse als auch in süß-sauren Kompositionen verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-187-orig" n="czewch sy dann ab auff ein syb" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czewch">‚Abziehen‘ bedeutet hier das Abgießen der Flüssigkeit durch ein Sieb, um das Gemüse abzutropfen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-187-orig" n="vassel" resp="#fyndling">Ein Fass oder kleineres Gefäß zur Aufbewahrung. Die Größe deutet auf eine Vorratsspeise hin.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-187-orig" n="Iar vnd tag behalten" resp="#fyndling">Die Anweisung, das Gericht „Jahr und Tag“ - eine gebräuchliche Redewendung für eine sehr lange Zeitspanne - aufzubewahren, setzt auf den Zucker- und Säuregehalt von Wein und Honig als Konservierungsstütze; genaue Mengenverhältnisse nennt der Text nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-187-orig" n="nit salcz" resp="#fyndling">Die explizite Anweisung, nicht zu salzen, ist im Vergleich zu salzbasierten Verfahren wie Sauerkraut ungewöhnlich, entspricht aber der eigenständigen Gattung honig-weinbasierter Süßsauer-Konserven („Kompost“/„Gumpost“), zu der auch dieses Rezept gehört.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
