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        <title>Holunderblüten-Mus</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-07-09">2026-07-09</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mon-197/</idno>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-197">
        <head>Holunderblüten-Mus</head>
        <div type="original" xml:id="mon-197-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-197-trans">
          <p>ITem holler prein Nym holler plue vnd vnd prock das abe vnd laß das woll sieden in einer milich vnd seich sy dan durch ein teuch vnd mach ein taig mit airen das er dunner sey dan ein strawben taig vnd wan dy milich wider sewdt so choch das chlain dar ein das ist den heren gesundt +</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-197-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-197-orig">
          <p>Holunderblüten-Mus: Nimm Holunderblüten und zupfe sie von den Dolden ab. Lass die Blüten gut in Milch sieden. Seihe die Milch dann durch ein Tuch. Mache einen Teig mit Eiern, der dünner ist als ein Straubenteig. Und wenn die gesiebte Milch wieder siedet, so koche den Teig in kleinen Stücken hinein. Dies ist den Herren zuträglich.</p>
        </div>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="holler plue">Holunderblüten</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="milich">Milch</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="airen">Eier</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-197-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?

Kein bloßes Ei-Milch-Mus, sondern eine frühe Verwandte der bis heute in Bayern und Österreich bekannten Milchnudel: ein dünner Eierteig wird in kleinen Stücken direkt in die siedende, mit Holunderblüten aromatisierte Milch eingekocht. Der engste Verfahrens-Zwilling im Korpus ist kkm-034 (Kölner Kochbuch), wo ein ausgewellter Eierteig in „Würmlein“ geschnitten und ebenso in siedende Milch gegeben wird - das stützt die Lesart, dass mit „choch das chlain dar ein“ ähnlich kleine Teigstücke gemeint sind.

Straubenteig als Maßstab, nicht als Zutat.

Der Eierteig muss deutlich dünner sein als ein Straubenteig - fast gießfähig. Der Straubenteig selbst wird nicht verarbeitet, sondern dient nur als dem Koch bekannte Vergleichsgröße für die gewünschte Konsistenz.

Praxis.

Holunderblüten von den Dolden abbrechen und in Milch gründlich auskochen, danach durch ein Tuch seihen, um die Blütenreste zu entfernen. Die geseihte Milch erneut zum Sieden bringen. Für den Teig Eier zu einem dünnen, fast gießfähigen Eierteig verarbeiten - deutlich dünner als ein Straubenteig - und in kleinen Stücken, etwa löffel- oder trichterweise, in die sprudelnd kochende Milch einlaufen lassen, wo der Teig sofort stockt. Gesamtzeit rund 30 Minuten am offenen Feuer, ohne Ofen oder Kühlung durchführbar; Milch und rohe Eier an einem warmen Markttag aber zügig weiterverarbeiten, da sie ohne Kühlkette rasch verderben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-197-orig" n="holler prein" resp="#fyndling">Ein Holunderblüten-Mus oder -Brei. ‚Prein‘ bezeichnet im Mittelalter allgemein eine Art Brei oder Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-197-orig" n="holler plue" resp="#fyndling">Holunderblüten, die Blüten des Schwarzen Holunders (Sambucus nigra).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-197-orig" n="prock" resp="#fyndling">Von ‚brocken‘ (MHDBDB) - eher ein grobes Abbrechen der Blüten von der Dolde als einzelnes Zupfen; text_modern gibt es sinngemäß mit ‚abzupfen‘ wieder.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-197-orig" n="teuch" resp="#fyndling">Ein Seihtuch oder Passiertuch, zum Filtern von Flüssigkeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-197-orig" n="strawben taig" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#strawben-taig">Ein dünner, flüssiger Teig, der traditionell durch einen Trichter in heißes Fett gegossen und frittiert wird, um ein krauses, netzartiges Gebäck (‚Strauben‘) zu formen. Hier dient er als Vergleich für die gewünschte Dünnflüssigkeit des Eierteigs.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-197-orig" n="den heren gesundt" resp="#fyndling">‚Den Herren zuträglich‘ - ein typischer Hinweis auf die gesundheitliche Wirkung einer Speise im Sinne der mittelalterlichen Humoralpathologie.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-197-orig" n="strawben taig" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#strawben-taig">Straubenteig (eine Art Trichterkuchenteig)</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-197-orig" n="prein" resp="#fyndling">Brei / Mus</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-197-orig" n="choch das chlain dar ein" resp="#fyndling">koche den Teig in kleinen Stücken hinein</note>
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