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        <title>Gefüllter Kalbsdarm</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-10">2026-07-10</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mon-212/</idno>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-212">
        <head>Gefüllter Kalbsdarm</head>
        <div type="original" xml:id="mon-212-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-212-trans">
          <p>ITem wil dw machen ain affter darmm So nym ain affter darmm aus ainem chalb mach den gar sawber hach lungel vnd speck vntter ein ander vnd geburcz woll vnd reibs + vnd thue das in den darmm sneyd wurst dar aus vnd pracz vnd gibs trucken czw Essenn</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-212-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-212-orig">
          <p>Wenn du einen Afterdarm zubereiten willst, so nimm einen Afterdarm von einem Kalb und reinige ihn sehr gründlich. Hacke Lunge und Speck untereinander. Würze gut und reibe es. Und fülle dies in den Darm. Schneide Würste daraus. Und brate sie und gib sie trocken zu essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ain affter darmm aus ainem chalb">Kalbs-Afterdarm</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="lungel">Kalbslunge</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="geburcz">Gewürze</ingredient>
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        <note type="preparation_tip" target="#mon-212-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Lungenwurst im Naturdarm: Kalbslunge und Speck gehackt, gewürzt, im gereinigten Kalbs-Afterdarm gegart und trocken - ohne Sauce - serviert. Ein über mehrere Rezeptbücher belegtes Standard-Genre der spätmittelalterlichen Innereienverwertung (Zwillinge: mha-020, m384-042, rfk-028, m384-069), kein Einzelrezept. Der Vorfahr der heute seltenen, bei traditionellen bairisch-österreichischen Metzgern aber noch erhältlichen Lungwurst; die international bekanntere noch existierende Schwester ist die französische Andouillette.

„reibs“ - durchreiben, nicht kneten. Nach dem Hacken wird die Füllung zusätzlich gerieben bzw. durchgerieben: fein zerrieben, etwa im Mörser oder durch ein Sieb gepresst. Der lexikalische Zwilling mha-020 hat exakt dieselbe Formel („bereibs“) und belegt diese Lesart eindeutig. Es geht nicht um Kneten wie bei einem Teig, sondern darum, Sehnen und Klümpchen aus der Lunge-Speck-Masse zu entfernen, damit sie klumpenfrei in den engen Darm passt.

Fehlender Siede-Schritt gegenüber den Zwillingen. mon-212 springt direkt von „Füllen“ zu „Schneiden und Braten“ - alle vier nächsten Zwillinge (mha-020, m384-042, rfk-028, m384-069) haben an dieser Stelle übereinstimmend einen Siede-Schritt, bevor die Wurst auf den Rost kommt. Ob hier ein Abschreibefehler vorliegt oder bewusst eine direkt gebratene Rohwurst-Variante gemeint ist, lässt sich aus dem Text allein nicht entscheiden.

Praxis. Kalbs-Afterdarm gründlich reinigen. Kalbslunge und Speck fein hacken und zusammen durchreiben, bis die Masse homogen ist. Kräftig würzen, in den Darm füllen und in Portionen abschneiden. Zur sicheren Zubereitung empfiehlt sich - wie bei den Zwillingsrezepten - die Würste vor dem Braten kurz zu sieden: das gart die Füllung schonend durch, lässt das Lungen-Fett-Eiweiß gleichmäßig stocken und macht den Darm reißfester, bevor er der trockenen Hitze des Rostes ausgesetzt wird. Danach auf dem Rost braten und trocken, ohne Sauce servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-212-orig" n="affter darmm" resp="#fyndling">Der Afterdarm ist der Enddarm des Kalbes, der hier als natürliche Wursthülle dient. Er muss vor der Verwendung gründlich gereinigt werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-212-orig" n="lungel" resp="#fyndling">Die Lunge des Kalbes, eine Innerei, die in der mittelalterlichen Küche häufig für Füllungen oder Pasteten verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-212-orig" n="geburcz" resp="#fyndling">‚Gewürze‘ - im Mittelalter meist eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat und Safran, je nach Verfügbarkeit und Budget des Haushalts.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-212-orig" n="trucken czw Essenn" resp="#fyndling">‚Trocken zu essen‘ bedeutet hier wahrscheinlich, dass die Würste gut durchgebraten oder geröstet und ohne zusätzliche Sauce serviert werden sollen, um eine feste Konsistenz zu erhalten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-212-orig" n="sneyd wurst dar aus vnd pracz (kein sieden vor dem Braten)" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pracz">Direkt-Braten-Variante: mon-212 verzichtet bewusst auf einen Siede-Schritt und brät die rohe Fülle direkt - eine schlankere, direkt gebratene Rohwurst-Variante.</note>
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