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      <titleStmt>
        <title>Petersilie auf dem Herd ziehen</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-13">2026-07-13</date>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-242">
        <head>Petersilie auf dem Herd ziehen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-242-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-242-trans">
          <p>ITem will dw pettersill pawnn auff dem herdt oder auff ainem tisch dy weill dyw dw essen beraiczt das er dy weill wachs So nym den sam vnd lass den an dem tritten tag waickchen in ainem guetten wein vnd prenn pain pan strau czw vsell vnd nym gar er faulcz erdreich misch das nichcz ganczs In sey vnd misch das vndter einander vnd saa es auff den herdt oder auff den tisch vnd den + sam dar Inn vnd sprengs ye vnd ye so wachs es in ckurczer czeit vnd weill etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-242-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-242-orig">
          <p>Wenn du Petersilie auf dem Herd oder auf einem Tisch ziehen willst, während du das Essen zubereitest, damit sie in der Zwischenzeit wächst:</p>
          <p>Nimm den Samen und lasse ihn am dritten Tag in einem guten Wein einweichen. Verbrenne Knochen und Bohnenstroh zu Asche. Nimm sehr verrottete Erde und mische sie so, dass nichts Ganzes mehr darin ist.</p>
          <p>Mische alles untereinander und säe es auf den Herd oder auf den Tisch. Gib den Samen hinein und besprenge es immer wieder, so wächst es in kurzer Zeit und Weile.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie (Anzucht)</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="den sam">Petersiliensamen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ainem guetten wein">Wein</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="pain">Knochen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="pan strau">Bohnenstroh</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="faulcz erdreich">Humus</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-242-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Kochrezept, sondern eine Garten-/Anzuchtanleitung: Petersiliensamen sollen auf einer warmen Fläche - dem Herd oder dem Tisch - schneller zum Keimen gebracht werden. Der lebende Verwandte ist folglich nicht kulinarisch, sondern gärtnerisch: Das heutige Vorquellen harter Samenschalen und die anschließende Keimung auf einer Wärmequelle (Anzuchtheizmatte, Fensterbank über der Heizung) folgen demselben Prinzip. Petersilie keimt wegen ätherischer Öle in der Samenschale notorisch langsam und unregelmäßig - Einweichen und Wärme sollen das abkürzen.

Asche als Dünger. Knochen und Bohnenstroh werden zu Asche verbrannt (im Text „vsell“, ein bairisch-österreichisches Dialektwort für Glutasche). Knochenasche liefert Phosphor und Kalzium, Strohasche Kalium - zusammen mit fein zerkleinertem, vollständig verrottetem Humus entsteht ein nährstoffreiches, klumpenfreies Saatbett.

Einweichen des Samens. Der Petersiliensamen wird in gutem Wein eingeweicht, damit sich die harte, wachsig-ölige Samenschale löst und Feuchtigkeit später leichter eindringen kann. Ein eng verwandter Trick im Rheinfränkischen Kochbuch verwendet für denselben Zweck gebrannten Wein (Branntwein) - der höhere Alkoholgehalt löst die Wachsschicht wirksamer als einfacher Tafelwein.

Praxis. Petersiliensamen für einige Tage in gutem Wein einweichen (das Transkript spricht wörtlich vom „dritten Tag“, ein Vergleich mit dem Zwillingsrezept legt aber eher eine mehrtägige Einweichdauer nahe). Parallel Knochen- und Strohreste zu Asche verbrennen und mit feinkrümeligem, vollständig verrottetem Humus mischen. Das Gemisch in ein flaches Gefäß auf eine warme, aber nicht heiße Fläche geben - etwa den abkühlenden Herdrand -, den eingeweichten Samen einbringen und regelmäßig besprengen, bis er nach kurzer Zeit keimt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-242-orig" n="herdt" resp="#fyndling">Im Mittelalter war der Herd oft eine offene Feuerstelle oder eine gemauerte Kochstelle, die auch als wärmende Fläche für andere Zwecke genutzt wurde. Hier dient er als warmer Untergrund für die Anzucht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-242-orig" n="waickchen" resp="#fyndling">Das Einweichen des Samens in Wein löst die harte, wachsig-ölige Samenschale und keimhemmende Stoffe - dasselbe Prinzip nutzt das Zwillingsrezept rfk-076 mit gebranntem Wein (Branntwein), der aufgrund des höheren Alkoholgehalts stärker wirkt als einfacher Tafelwein.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-242-orig" n="prenn pain pan strau czw vsell" resp="#fyndling">Das Verbrennen von Knochen und Stroh zu Asche ist eine Methode zur Herstellung von Dünger. Knochenasche liefert Phosphor und Kalzium, Strohasche Kalium und andere Mineralien.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-242-orig" n="faulcz erdreich" resp="#fyndling">Verrottete Erde, also Humus, ist reich an organischen Nährstoffen und verbessert die Bodenstruktur.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-242-orig" n="vsell" resp="#fyndling">Bair.-österr. „Usel/Ussel“ = glühende Asche/Glutasche (belegt bei Lexer, Idiotikon, Grimm und MHDBDB unter dem Lemma „üsele“) - ein eigenständiges Dialektwort, nicht einfach das nhd. „Asche“. Auch die CoReMA-Objektseite (o:corema.gr1.241) lässt „vsell“ ungeglosst; es bleibt ein Hapax im Korpus.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-242-orig" n="pawnn" resp="#fyndling">‚pflanzen/anbauen‘ - im Kontext des Petersilienanbaus die plausibelste Lesart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-242-orig" n="an dem tritten tag" resp="#fyndling">„am dritten Tag“ - der Same wird an einem bestimmten Tag (dem dritten) behandelt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-242-orig" n="faulcz" resp="#fyndling">‚verrottet‘ - im Kontext von Erde als Nährboden positiv konnotiert.</note>
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