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        <title>Kalte Lebzelten-Weinsoße</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-12">2026-07-12</date>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-258">
        <head>Kalte Lebzelten-Weinsoße</head>
        <div type="original" xml:id="mon-258-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-258-trans">
          <p>ITem ein besunders ckostel nym guetten wein vnd esseich honig vnd guett le= czelten vnd stoss das also durch ein ander vnd streichs dar nach durch ein tuech seucz geuss dar nach auff vnd iss so es chalt wirtt etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-258-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-258-orig">
          <p>Willst du eine besonders köstliche Speise machen, nimm guten Wein, Essig, Honig und gutes Lebzelten und zerstoße das alles im Mörser miteinander, bis sich die Zutaten vermengen.</p>
          <p>Streich die Masse danach durch ein Tuch, damit sie glatt wird.</p>
          <p>Sied es auf und gieß es danach in ein Gefäß.</p>
          <p>Iss es, wenn es kalt geworden ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Wein</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="guett leczelten">Lebzelten (Gewürzhonigkuchen)</ingredient>
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        <note type="preparation_tip" target="#mon-258-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?

Eine kalte, süß-saure Wein-Essig-Honig-Soße, die ihre Bindung und Würze allein aus aufgelöstem Lebzelten (Gewürzhonigkuchen) bezieht - keine Mehlschwitze, kein geriebenes Brot. Die Technik ist eine Vorstufe der bis heute bekannten Lebkuchen-Sauerbraten-Soße und bairisch-österreichischer Lebkuchen-Wildbret-Soßen. Im Mondseer Kochbuch selbst findet sich mit mon-053 ein nahezu wortgleicher Zwilling (gleiche vier Zutaten, gleiche Schrittfolge) - die Salse gehört zu einer feststehenden Formel des Küchenrepertoires, nicht zu einem Einzelfall. Weitere Verwandte sind die 'Galray'-Kaltsalsen m384-036 und m384-037, die statt Lebzelten gewürztes Pfefferbrott als Binder verwenden.

Das Lebzelten als Binder und Gewürzträger.

Der dichte, gewürzte Honigkuchen muss mechanisch aufgebrochen werden, damit sich seine Krume in der Flüssigkeit verteilt - deshalb zuerst Mörsern, dann Durchstreichen durchs Tuch, das die verbliebenen groben Krumen- und Gewürzstücke entfernt und erst die gießfähige, glatte Soße liefert. Das Lebzelten übernimmt damit eine Doppelfunktion: Bindemittel (wie sonst geriebenes Brot) und Gewürzträger zugleich, da die im Kuchen enthaltenen Gewürze in die Soße übergehen. Diese Technik ist im Mondseer Kochbuch mehrfach belegt, keine Einzelerfindung für dieses Rezept.

Praxis.

Wein, Essig, Honig und ein Stück Lebzelten im Mörser (oder in einer Schüssel mit Löffel) zerstoßen, bis sie sich vermengen. Die Masse durch ein sauberes Tuch streichen, damit nur die glatte Flüssigkeit übrigbleibt. Kurz aufkochen, dann in ein Gefäß gießen und kalt werden lassen. Da die Soße kalt serviert wird, entfällt jede Warmhalte-Logistik - ideal auch für die Lagerküche. Mengenverhältnisse gibt der Text nicht vor: mit gutem Wein, mildem Essig und genug Honig für die süß-saure Balance experimentieren, das Lebzelten dosiert man nach gewünschter Bindung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-258-orig" n="ckostel" resp="#fyndling">Belegtes Wort: mittelniederdeutsch 'kostel/kustel' (kostbar, wertvoll, köstlich), MHDBDB-Lemma 'koste'. Der engste Zwilling mon-053 verwendet 'kostel' substantivisch ('guettew kostel' = eine gute Köstlichkeit). 'ein besunders ckostel' meint damit 'eine besonders köstliche [Speise]' - die einleitende Ankündigung des Rezepts, keine eigene Zutat oder ein unbekannter Gerichtsname.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-258-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">Lebzelten, ein gewürzter Honigkuchen (Vorform des Lebkuchens). Wird hier nicht gegessen, sondern in der Soße aufgelöst und dient als Bindemittel und Gewürzträger zugleich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-258-orig" n="seucz" resp="#fyndling">Schreibung für 'sewd es' (sied es, koche es auf) - gestützt durch den Zwilling mon-053, der an derselben Satzposition wörtlich 'vnd sewd es vnd so gewss dar nach' liest, sowie durch das korpusweite Idiom 'sewd(cz)/sewt ... an dy stat(t)' (mon-047, mon-048, mon-134, mon-224, mon-225).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-258-orig" n="esseich" resp="#fyndling">Essig, hier zusammen mit Honig für die süß-saure Balance der Soße.</note>
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