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      <titleStmt>
        <title>Gefüllte Feigen mit Rosinen-Gewürz-Paste</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-07-13">2026-07-13</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/mon-265/</idno>
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          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
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      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-265">
        <head>Gefüllte Feigen mit Rosinen-Gewürz-Paste</head>
        <div type="original" xml:id="mon-265-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-265-trans">
          <p>ITem wildw gefult veigen machen so mach also gefult veigen vnd Mach ander veigen an dem dickisten ortein loch vnd nym veigen vnd nym weinpern ge= stossen vnter ein ander vnd mach das mit guetten geburcz vnd fuls in dy veigen stoß dar nach an vnd pracz etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-265-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-265-orig">
          <p>Willst du gefüllte Feigen machen, so gehe so vor: Mache in Feigen an der dicksten Stelle ein Loch.</p>
          <p>Nimm weitere Feigen und Rosinen, stoße beides im Mörser zusammen und vermenge es gut miteinander. Würze die Masse mit guten Gewürzen.</p>
          <p>Fülle diese Paste in die vorbereiteten Feigen. Drücke die Füllung danach fest hinein und brate die Feigen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="veigen">Feigen (getrocknet, zum Füllen mit Loch versehen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="veigen">Feigen (getrocknet, für die Fülle zerstoßen)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="weinpern">Rosinen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten geburcz">Gewürze (gute, nach Wahl)</ingredient>
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      </div>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-265-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein doppeltes Feigen-Konfekt: Ganze getrocknete Feigen werden an der dicksten Stelle aufgeschnitten und mit einer im Mörser gestoßenen Paste aus weiteren Feigen, Rosinen und Gewürzen gefüllt, zugedrückt und anschließend gebraten. Im Kern also Feigen gefüllt mit Feigen-Rosinen-Konfekt - eine Süßspeise für festliche Anlässe, keine Alltagskost. Die nächsten lebenden Verwandten dieser Technik sind die süditalienischen Fichi mandorlati (auch Crocette di fico), bei denen ganze getrocknete Feigen aufgeschnitten, mit einer Paste gefüllt, zugedrückt und geröstet werden - bis heute ein klassisches süditalienisches Weihnachtskonfekt. Auch die heute auf Weihnachtsmärkten verkauften gefüllten Datteln folgen derselben Konfekt-Idee, nur mit anderer Frucht und Füllung.

Zum Hapax 'ortein'. Das Wort ist im Korpus sonst unbelegt und lässt sich als Zusammenschreibung von 'ort' (Stelle) und 'ein' (unbestimmter Artikel) lesen: an der dicksten Stelle ein Loch. Diese Lesart wird indirekt durch das verwandte italienische Rezept mar-173 gestützt, das dieselbe Technik als 'geöffnet und durchlocht von unten' beschreibt.

Zu den 'weinpern'. Rosinen oder frische Trauben? Der Korpus liest die Zutat meist als Rosinen, weil sie sich besser zu einer gestoßenen, lagerfähigen Fülle verarbeiten lassen als wasserreiche frische Trauben - eine Lesart, die auch das Zwillingsrezept mar-173 stützt, das für dieselbe Fülltechnik ausdrücklich 'uva passa' (Rosinen) nennt.

Praxis. Weitere Feigen und Rosinen im Mörser zu einer klebrigen Paste stoßen - die Zuckerklebrigkeit der Trockenfrüchte selbst hält die Masse zusammen, ein zusätzliches Bindemittel braucht es nicht. Mit guten Gewürzen abschmecken, in die aufgeschnittenen Feigen füllen und die Öffnung fest zudrücken, damit die Fülle beim Braten nicht herausquillt. Der Mondsee-Text nennt für das abschließende Braten weder Fett noch Hitzegrad - eine zuckerreiche Masse brennt in der trockenen Pfanne aber leicht an. Etwas Fett und mäßige Hitze, wie sie das verwandte Rezept mar-173 ausdrücklich verlangt, sind daher ratsam.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-265-orig" n="weinpern" resp="#fyndling">Wörtlich 'Weinbeeren'. Im Korpus meist als Rosinen (getrocknete Weinbeeren) übersetzt; CoReMA verlinkt das Wort für dieses Rezept abweichend mit 'grape' (frische Traube), praktisch ist aber die getrocknete Variante plausibler.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-265-orig" n="geburcz" resp="#fyndling">Allgemeiner Begriff für 'Gewürz(e)', ohne Angabe welche genau - typische Mischungen der Zeit waren Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-265-orig" n="pracz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pracz">Bairische Verbform von 'braten' (Imperativ: brat es!), nicht das Substantiv 'Bratwurst'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-265-orig" n="ortein" resp="#fyndling">Vermutlich Zusammenschreibung von 'ort' (Stelle, Ende) und 'ein' (unbestimmter Artikel) - ein Hapax Legomenon im Korpus.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-265-orig" n="weinpern" resp="#fyndling">Rosinen (getrocknete Weinbeeren), der korpusweiten Standardlesart folgend, da sie sich besser zu einer gestoßenen Fülle verarbeiten lassen. Gestützt wird diese Lesart auch durch das verwandte italienische Rezept mar-173, das für dieselbe Fülltechnik ausdrücklich 'uva passa' (getrocknete Rosine, nicht frische Traube) nennt.</note>
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