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        <title>Der mittelalterliche Erdkeller - Sülze über den Sommer haltbar machen</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-22">2026-06-22</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/rfk-014/</idno>
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          <title>Rheinfränkisches Kochbuch (ohne Originaltitel; Ms. germ. fol. 244, fol. 285r-294v)</title>
          <date when="1445">1445</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.b1</idno>
          <note>Transkription: fyndling.de 2026 (Vision-Transkription nach dem PD-Faksimile der SBB Berlin) - CC BY-NC-SA 4.0. Verifikations-Eichung für die ersten 5 Rezepte (fol. 285r-285v): Thomas Gloning, Sample-Edition rfk1.htm (Universität Giessen) - als Methodik-Anker, nicht als Goldstandard. Gedruckte Edition Adelmann/Ehlert/Gloning 1998 (Auer Verlag) lag der Transkription NICHT zugrunde - der Volltext entstand unabhängig aus dem freien Faksimile.</note>
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        <language ident="mhd">Rheinfränkisch (Mittelhochdeutsch, Mittelrhein, ca. 1445)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="rfk-014">
        <head>Der mittelalterliche Erdkeller - Sülze über den Sommer haltbar machen</head>
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          <p>Wiltu aber galreyen machen So lasz dir machen ein geschire von erden das ubir gleset sy dar in gus die galrein ein sommer vnd grab das geschirre indie erde einer spannen dieff So besteet sy.</p>
        </div>
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          <p>Wie hält eine Sülze den heißen Sommer aus, wenn ein Kühlhaus noch nicht erfunden ist? Mit einem Verfahren, das thermisch wie ein moderner Kühlschrank funktioniert - dem Erdkeller-im-Topf.</p>
          <p>Willst du Sülze machen, so lass dir ein irdenes Geschirr machen, das vollständig glasiert ist. Gieß die Sülze hinein, einen Sommer lang, und vergrabe das Geschirr eine Spanne tief in die Erde.</p>
          <p>So besteht sie - sie hält sich über die heißesten Monate.</p>
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          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="geschire von erden das ubir gleset sy">Glasiertes Tongefäß</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="galreyen">Fertige Galree</ingredient> - 1000 ml</item>
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        <note type="preparation_tip" target="#rfk-014-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern eine Lager-Technik: der mittelalterliche Erdkeller-im-Topf. Eine fertige Galree (Sülze/Aspik) wird in einem glasierten Tongefäß über den Sommer kühl gehalten, indem man das Gefäß in die Erde versenkt. Das lebende Pendant ist der klassische Erdkeller oder die Quark-/Butter-Töpfe, die Bauern bis ins 20. Jahrhundert im Brunnenschacht oder Gartenbeet kühl stellten.

galreyen / galree ist die mittelalterliche Sülze - ein gelierter Sud, der bei Wärme schmilzt. Genau das ist das Problem: Aspik-Gelatine wird ab ca. 25-35 °C wieder flüssig, im Sommer also unbrauchbar. Das Rezept löst das thermisch.

ubir gleset heißt vollständig glasiert - innen und außen mit Blei- oder Zinnglasur überzogen. Erst die Glasur macht das poröse Tongefäß feuchtigkeitsdicht: keine Bodenfeuchte dringt ein, keine Aromen treten aus.

einer spannen dieff - eine Spanne tief, also etwa eine Handbreite (ca. 20 cm). Tief genug, dass das Gefäß im Erdmantel sitzt, wo die Temperatur auch im Hochsommer konstant bei 10-12 °C bleibt. Bei dieser Temperatur bleibt die Sülze fest.

Praxis. Heute genauso machbar: ein 25-30 cm tiefes Loch im schattigen Gartenbeet, hinein ein glasiertes Steingut- oder Tongefäß mit dicht schließendem Deckel, die fertige lauwarme Sülze einfüllen, Deckel drauf, mit Erde überdecken. Bei konstanten 10-12 °C hält der Aspik problemlos zwei bis vier Wochen. Nach jedem Öffnen schnell wieder verschließen und im Boden lassen. Ein Steinzeug-Topf mit dichtem Deckel tut es ebenso gut wie das historische glasierte Gefäß.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-014-orig" n="geschire von erden" resp="#fyndling">Tongefäß - im 15. Jh. der Standard-Behälter für Vorräte aller Art. Wichtig: vollständig glasiert (`ubir gleset`), damit weder Boden-Feuchtigkeit eindringen noch Lebensmittel-Aromen austreten.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-014-orig" n="ubir gleset" resp="#fyndling">„Übergaβen / vollständig glasiert" - Innen- und Außenseite des Topfes mit Bleiglasur oder Zinnglasur überzogen. Das macht das Gefäß lebensmittelecht und feuchtigkeitsdicht.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-014-orig" n="ein sommer" resp="#fyndling">Mhd. temporaler Akkusativ „einen Sommer [lang]" - das Erdkeller-Verfahren wird explizit für die warme Jahreszeit beschrieben. Im Winter braucht man die Erdmasse-Kühlung nicht, weil dann ohnehin überall kalte Temperaturen herrschen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-014-orig" n="einer spannen dieff" resp="#fyndling">Eine Spanne = Handbreite = ca. 20 cm. `dieff` (= tief) zeigt im Scan eine klare doppel-f-Endung. Das Gefäß wird etwa 20 cm tief in die Erde versenkt, also gerade so weit, dass es vollständig im Erdmantel sitzt. Unterhalb der oberen Erdschicht beginnt der Bereich konstanter Tiefen-Temperatur.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-014-trans" n="1" resp="#fyndling">`ubir gleset` - „vollständig glasiert“, innen und außen mit Blei- oder Zinnglasur überzogen. Macht das Gefäß lebensmittelecht und feuchtigkeitsdicht, sodass keine Boden-Feuchtigkeit eindringt und keine Lebensmittel-Aromen austreten.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-014-trans" n="2" resp="#fyndling">`ein sommer` - mhd. temporaler Akkusativ („einen Sommer [lang]“). Das Erdkeller-Verfahren ist explizit für die warme Jahreszeit beschrieben - im Winter braucht man die Erdmasse-Kühlung nicht.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-014-trans" n="3" resp="#fyndling">Eine Spanne = Handbreite, ca. 20 cm. Das Gefäß wird so tief versenkt, dass es vollständig im Erdmantel sitzt. Unterhalb der oberen Erdschicht beginnt der Bereich konstanter Tiefen-Temperatur (ca. 10-12 °C ganzjährig).</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-014-trans" n="4" resp="#fyndling">`dieff` - „tief“, mit doppel-f-Endung im Scan. Frühere Vision-Lesung als `dick` war falsch - Scan-Verifikation hat `dieff` bestätigt.</note>
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