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        <title>Runde Mandel-Dotter-Küchlein</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-18">2026-06-18</date>
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          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.m10/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M10 (CC BY 4.0, hdl.handle.net/11471/562.10)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch, Benediktinerkloster Rott am Inn, 1458/1464)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="ri15632-022">
        <head>Runde Mandel-Dotter-Küchlein</head>
        <div type="original" xml:id="ri15632-022-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ri15632-022-trans">
          <p>Item nym geschelten mandel vnd stoß den in einem morser vnd ob du wilt so reyb ein wenig weyß protz darvnder vnd machs sinbel in ein pfannen vnd setz die warmen toter dar ein vnd wan du wilt an richten so gewß hayß schmaltz dar auff vnd seych daz darnach wider ab vnd gibs also ze essenn</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ri15632-022-trans" xml:lang="de" corresp="#ri15632-022-orig">
          <p>Nimm geschälte Mandeln und stoße sie in einem Mörser fein. Wenn du möchtest, reibe ein wenig Weißbrot darunter.</p>
          <p>Forme die Masse zu runden Küchlein in einer Pfanne und setze die warmen Eigelbe darauf. Wenn du das Gericht anrichten willst, gieße heißes Schmalz darüber und seihe es danach wieder ab.</p>
          <p>Serviere die Küchlein auf diese Weise.</p>
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          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="geschelten mandel">Mandeln, geschält</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="weyß protz">Weißbrot (optional)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="warmen toter">Eigelb</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="hayß schmaltz">Schmalz</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#ri15632-022-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein feines Mandel-Küchlein mit Eigelb - eine marzipanartige Mandelmasse, rund geformt, mit warmem Eidotter belegt und mit heißem Schmalz übergossen. Verwandt mit den Mandelmus-Zubereitungen der Zeit (vgl. das Mandelmus rfk-017).

Technik. Geschälte Mandeln im Mörser fein zerstoßen, nach Belieben etwas geriebenes Weißbrot unterarbeiten (das gibt Stand). Die Masse in der Pfanne zu runden (sinbel = sinwel, rund) Küchlein formen und je einen warmen Eidotter daraufsetzen. Zum Anrichten heißes Schmalz darübergießen und gleich wieder abseihen.

Wozu das heiße Schmalz? Das übergossene Fett gart Dotter und Mandelmasse kurz und gibt Glanz; das Abseihen nimmt das überschüssige Fett wieder weg, damit das Küchlein nicht zu schwer wird. Ein Finish-Schritt, kein Einlegen oder Konservieren.

Praxis. Etwa 150 g gemahlene Mandeln mit 1-2 EL eingeweichtem, ausgedrücktem Weißbrot zu einer formbaren Masse verkneten, kleine runde Laibchen formen, je ein gegartes Eigelb auflegen, mit heißem Butterschmalz übergießen und sofort abtropfen lassen. Süß oder als feine Beilage.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-022-orig" n="morser" resp="#fyndling">Ein großer Mörser, wie er im Mittelalter üblich war, diente zum Zerstoßen von Mandeln, Nüssen oder Fleisch zu einer feinen Paste. Für moderne Nachkocher ist eine Küchenmaschine oder ein Blender eine gute Alternative.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-022-orig" n="sinbel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sinbel">Aus dem Mittelhochdeutschen ‚sinewel', bedeutet ‚rund' oder ‚kugelig'. Die Küchlein sollen also eine runde Form erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-022-orig" n="toter" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für ‚Dotter', also das Eigelb. Es wird warm auf die geformten Mandel-Küchlein gesetzt.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-022-orig" n="seych daz darnach wider ab" resp="#fyndling">Das heiße Schmalz wird über das Gericht gegossen (es gart und glänzt) und anschließend wieder abgeseiht, damit das Küchlein nicht zu fett wird - ein Finish-Schritt, keine Konservierung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ri15632-022-orig" n="protz" resp="#fyndling">Die Lesart 'Brot' oder 'Weißbrot' wurde gewählt, da der Kontext 'reib ein wenig weyß protz darvnder' auf eine Zutat zum Reiben hindeutet, die die Konsistenz beeinflusst.</note>
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