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        <title>Eier kochen mit ungelöschtem Kalk</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-18">2026-06-18</date>
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          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632</title>
          <date when="1460">1460</date>
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          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M10 (CC BY 4.0, hdl.handle.net/11471/562.10)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch, Benediktinerkloster Rott am Inn, 1458/1464)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="ri15632-025">
        <head>Eier kochen mit ungelöschtem Kalk</head>
        <div type="original" xml:id="ri15632-025-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ri15632-025-trans">
          <p>Item wildu ayer an fewer sieden so nym vngeleschten kalch vnd zermall den klain vnd leg in in ein hefen vnd wasser vnd ayer dar ein so werden sy hert oder waich wie man wil</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ri15632-025-trans" xml:lang="de" corresp="#ri15632-025-orig">
          <p>Wenn du Eier ohne Feuer sieden willst, dann nimm ungelöschten Kalk und zermahle ihn klein. Lege ihn in einen Topf mit Wasser und gib die Eier hinein. So werden sie hart oder weich, wie du es wünschst.</p>
        </div>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="vngeleschten kalch">Ungelöschter Kalk</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer">Eier</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#ri15632-025-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Gericht im eigentlichen Sinn, sondern ein Kunststück: Eier ohne Feuer garen. Genutzt wird die stark wärmebildende Reaktion von ungelöschtem Kalk (Branntkalk, Calciumoxid) mit Wasser - sie wird heiß genug, um die Eier weich oder hart werden zu lassen, ganz ohne Flamme.

Historisches Kuriosum. Solche ‚ohne Feuer'-Tricks zeigen die experimentelle, halb haushalts-chemische Seite spätmittelalterlicher Sammelhandschriften. Denselben Branntkalk nutzt der Korpus an anderer Stelle zum Kandieren (vgl. den kandierten Ingwer m725-022).

⚠️ Nicht nachmachen. Ungelöschter Kalk ist stark ätzend, die Hitzeentwicklung ist heftig und schwer kontrollierbar; Spritzer und Kalkstaub verätzen Haut und Augen. Wir dokumentieren das Verfahren als historisches Kuriosum - zum Eierkochen heute bitte schlicht Feuer oder Herd nehmen (vgl. das Eierkochen mar-192).</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-025-orig" n="vngeleschten kalch" resp="#fyndling">Ungelöschter Kalk (Calciumoxid) reagiert stark exotherm mit Wasser, wobei Hitze entsteht, die zum Garen der Eier genutzt wird. Dies ist eine chemische, nicht-kulinarische Methode und potenziell gefährlich.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-025-orig" n="hefen" resp="#fyndling">Ein Gefäß oder Topf. Nicht zu verwechseln mit Hefe (dem Backtriebmittel).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ri15632-025-orig" n="vngeleschten kalch" resp="#fyndling">Ungelöschter Kalk (Calciumoxid). Die Lesart ist durch den Kontext des Kochens ohne Feuer und die chemische Reaktion mit Wasser eindeutig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ri15632-025-orig" n="zermall" resp="#fyndling">Zermahlen/zerkleinern. Das Verb 'zermall' ist eine bairische Form von 'zermalmen' oder 'zerreiben', hier im Sinne von fein zerkleinern.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ri15632-025-orig" n="hefen" resp="#fyndling">Ein Gefäß oder Topf. Im Kontext des Kochens ist 'hefen' hier als Behältnis zu verstehen, nicht als Hefe (Backtriebmittel).</note>
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