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        <title>Mus von Lunge</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-19">2026-06-19</date>
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          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632</title>
          <date when="1460">1460</date>
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          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M10 (CC BY 4.0, hdl.handle.net/11471/562.10)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch, Benediktinerkloster Rott am Inn, 1458/1464)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="ri15632-037">
        <head>Mus von Lunge</head>
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          <p>Item wer ein gut gemueß wel machen von lungel der nem die lungel vnd reyb dar vnter ein prosen vnd mach ez darnach ab mit gewurtz</p>
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          <p>Wer ein gutes Mus aus Lunge zubereiten möchte, der nehme die Lunge. Reibe Brösel darunter und würze es danach ab.</p>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="lungel">Lunge</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurtz">Gewürze</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#ri15632-037-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein schlichtes Lungenmus (gemüeß von lungel) - gekochte Lunge, fein zerkleinert, mit Semmelbröseln gebunden und gewürzt. Eine der einfachen Innereien-Resteküchen des Spätmittelalters; verwandt mit anderen Lungengerichten wie den frittierten Lungenbällchen koe-008 und der Lungen-Hirn-Wurst rfk-028.

Technik. Die Lunge (Rind, Kalb oder Schwein) erst weich kochen, dann fein hacken. Semmelbrösel (prosen = Brotkrumen, kein Mehl) unterreiben - sie binden die Masse zu einem sämigen Mus -, danach mit Pfeffer und Ingwer abschmecken.

Praxis. Gekochte Lunge sehr fein hacken oder wolfen, mit eingeweichten oder trockenen Semmelbröseln und etwas Brühe zu einem streichfähigen Mus verrühren, kräftig würzen. Als herzhafte, günstige Beilage oder Brotaufstrich.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-037-orig" n="gemueß" resp="#fyndling">Im Mittelhochdeutschen bezeichnet ‚Mus' (mhd. muos) eine breiige Speise, einen Eintopf oder ein Püree, nicht zwingend Gemüse im modernen Sinn.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-037-orig" n="lungel" resp="#fyndling">Lunge als Innerei. Sie wird zuerst gar gekocht - roh ist Lunge zäh und ungenießbar; der knappe Text setzt das Garen als selbstverständlich voraus und nennt es nicht. Erst die gekochte Lunge wird fein zerkleinert und mit Bröseln zum Mus verarbeitet.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-037-orig" n="prosen" resp="#fyndling">‚Prosen' (mhd. brōse) sind Brösel oder Brotkrumen, die hier als Bindemittel und zur Texturgebung dienen - aus altbackenem Brot gerieben (Ehlert: ‚Krumen, Brosamen').</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-037-orig" n="gewurtz" resp="#fyndling">‚Gewürz' (Gewürze) als allgemeine Bezeichnung. Typisch waren Pfeffer, Ingwer, Nelken, Safran - je nach Anlass.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ri15632-037-orig" n="[Garen der Lunge - im Text nicht genannt]" resp="#fyndling">Die Lunge wird zuerst gar gekocht, bevor sie zum Mus verarbeitet wird. Der Text nennt den Garschritt nicht (er galt als selbstverständlich), aber roh ist Lunge zäh und ungenießbar - sie wird stets gekocht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ri15632-037-orig" n="prosen" resp="#fyndling">‚Brösel' (Brotkrumen) als Bindemittel - so auch in Ehlerts Glossar (‚Krumen, Brosamen'). Das Verb ‚reiben' passt dazu.</note>
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