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        <title>Weichselkirschen-Latwerge</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-19">2026-06-19</date>
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          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632</title>
          <date when="1460">1460</date>
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          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M10 (CC BY 4.0, hdl.handle.net/11471/562.10)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch, Benediktinerkloster Rott am Inn, 1458/1464)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="ri15632-042">
        <head>Weichselkirschen-Latwerge</head>
        <div type="original" xml:id="ri15632-042-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ri15632-042-trans">
          <p>Item wildu machen ein gut latwaring von weychseln so thue sy in ein hafen vnd setz In auff ein glut vnd gewß nichtz dar an wen ez sieden wirt so la ez kalt werden vnd streych ez durch ein thuech vnd thue ez in einen kessel vnd setz in auff einen drifueß vnd thue ein glut dar vnter vnd la ez sieden piß ez dick wirt vnd thue dan dar ein honig vnd geriben leczelten vnd gewurtz ez wol vnd ruer ez furstar vnd wan du ez nicht gerueren magst so hat es genug</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ri15632-042-trans" xml:lang="de" corresp="#ri15632-042-orig">
          <p>Wenn du eine gute Latwerge aus Weichselkirschen zubereiten möchtest, gib die Kirschen in einen Topf und stelle ihn auf Glut. Gieße nichts hinzu. Wenn die Kirschen zu sieden beginnen, lass sie kalt werden und streiche sie durch ein Tuch.</p>
          <p>Gib das passierte Mus in einen Kessel und stelle diesen auf einen Dreifuß. Lege Glut darunter und lass es sieden, bis es dick wird. Dann gib Honig und geriebenen Lebkuchen hinzu, würze es gut und rühre es kräftig weiter. Wenn du es nicht mehr rühren kannst, ist es fertig.</p>
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        <div type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="weychseln">Weichselkirschen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="geriben leczelten">Geriebener Lebkuchen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurtz ez wol">Gewürze</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#ri15632-042-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Latwerge aus Weichselkirschen - ein dick eingekochtes, gewürztes Fruchtmus zur Vorratshaltung, im Geist verwandt mit Powidl/Pflaumenmus. Verwandt mit der Quitten-Latwerge kkm-106 (die sich ausdrücklich auf diese Weichsel-Methode beruft) und der Schwester-Latwerge aus Weinbeeren ri15632-043.

Technik. Die Kirschen ohne Flüssigkeit im Topf auf der Glut anziehen lassen (sie ziehen ihren eigenen Saft), abkühlen und durch ein Tuch streichen (entkernen/entfasern). Das Mus im Kessel über Glut bis zur Dicke einkochen, dann Honig und geriebenen Lebkuchen (leczelten) einrühren - der Lebkuchen bringt Süße, Bindung und Gewürzaroma zugleich - und gut würzen. Fertig ist es, wenn die Masse so dick ist, dass man kaum noch rühren kann.

Praxis. Entsteinte Sauerkirschen ohne Wasser weich köcheln, passieren, lange einreduzieren, mit Honig und 1-2 EL geriebenem Lebkuchen sowie Zimt/Nelken abschmecken, bis es zähflüssig-dick ist. Heiß in Gläser füllen - hält dann monatelang.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-042-orig" n="latwaring" resp="#fyndling">Eine ‚Latwerge' (von mittellateinisch electuarium) ist ein eingekochter Fruchtaufstrich oder ein Mus, das durch Reduktion und Zugabe von Süßmitteln und Gewürzen haltbar gemacht wird. Sie diente als Brotaufstrich, Süßspeise oder auch als medizinische Zubereitung.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-042-orig" n="weychseln" resp="#fyndling">Hier sind Weichselkirschen gemeint, eine Sorte der Sauerkirsche. Sie sind kleiner und herber als Süßkirschen und eignen sich hervorragend für Konfitüren und Latwergen.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-042-orig" n="hafen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">Ein einfacher Kochtopf, meist aus Keramik oder Metall.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-042-orig" n="glut" resp="#fyndling">Glühende Holzkohle oder Holzscheite, die eine gleichmäßige Hitze abgeben, ideal zum langsamen Köcheln und Reduzieren.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-042-orig" n="thuech" resp="#fyndling">Ein feines Leinentuch, das zum Passieren von Flüssigkeiten oder Mus verwendet wurde, um Kerne, Schalenreste oder Fasern zu entfernen.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-042-orig" n="kessel" resp="#fyndling">Ein großer Kochkessel, oft aus Kupfer oder Eisen, der über dem Feuer hing oder auf einem Dreifuß stand.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-042-orig" n="drifueß" resp="#fyndling">Ein Dreifuß aus Eisen, auf den ein Kessel gestellt werden konnte, um ihn über dem offenen Feuer oder Glut zu erhitzen.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-042-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">Bezeichnet hier geriebenen Lebkuchen oder ein ähnliches Gewürzgebäck. Lebkuchen war im Mittelalter ein beliebtes, oft mit Honig gesüßtes und stark gewürztes Gebäck, das auch als Zutat in anderen Speisen verwendet wurde, um Süße, Bindung und Aroma zu geben.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-042-orig" n="gewurtz ez wol" resp="#fyndling">Die Anweisung, ‚gut zu würzen', deutet auf die Verwendung der damals üblichen und geschätzten Gewürze hin. Dazu gehörten oft Zimt, Nelken, Ingwer, Muskat und Pfeffer, die nicht nur Geschmack, sondern auch einen gewissen Status verliehen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ri15632-042-orig" n="furstar" resp="#fyndling">Unsicheres Wort: in der Handschrift kaum lesbar, die wissenschaftliche Edition vermerkt ausdrücklich ‚Sinn unklar'. Aus dem Kontext (‚rühre es … und wenn du es nicht mehr rühren kannst, so hat es genug') ist die Handlung dennoch eindeutig: weiterrühren, bis die Masse so dick ist, dass es kaum noch geht. Die genaue Wortbedeutung (etwa ‚fürder/weiter' oder ‚kräftig') bleibt offen - der Sinn nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ri15632-042-orig" n="latwaring" resp="#fyndling">‚Latwerge' im Sinne eines eingekochten Fruchtmuses/Aufstrichs - Reduktion und Süßung passen dazu.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ri15632-042-orig" n="weychseln" resp="#fyndling">Weichselkirschen (Sauerkirschen) - die spezifische, im bairischen Raum geläufige Lesart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ri15632-042-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">Geriebener Lebkuchen (festes Gewürzgebäck) - bringt Süße, Bindung und Gewürzaroma zugleich; das ‚geriben' (gerieben) bestätigt ein reibbares Gebäck.</note>
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