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        <title>Süß-saures Weißkraut</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-19">2026-06-19</date>
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          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632</title>
          <date when="1460">1460</date>
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          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M10 (CC BY 4.0, hdl.handle.net/11471/562.10)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch, Benediktinerkloster Rott am Inn, 1458/1464)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="ri15632-044">
        <head>Süß-saures Weißkraut</head>
        <div type="original" xml:id="ri15632-044-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ri15632-044-trans">
          <p>Item wildu machen ein gemacht kraut so seudt weysse haupper vnd czway tayl seniff vnd drew tayl honigk vnd die selben prue mach durch ein ander mit wein vnd thue dar ein kum vnd aniß dez genueg sein vnd leg dann daz gesoten kraut dar ein vnd gib ez kalt ze essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ri15632-044-trans" xml:lang="de" corresp="#ri15632-044-orig">
          <p>Wenn du ein zubereitetes Kraut machen willst, dann koche weiße Kohlköpfe. Vermische zwei Teile Senf und drei Teile Honig mit Wein zu einer Brühe. Gib darin ausreichend Kümmel und Anis hinzu. Lege dann das gekochte Kraut in diese Mischung und serviere es kalt.</p>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="weysse haupper">Weißkohlköpfe</ingredient>
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            <item><ingredient en="" commodity="" orig="czway tayl seniff">Senf</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="drew tayl honigk">Honig</ingredient> - 3</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kum">Kümmel</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="aniss">Anis</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#ri15632-044-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süß-saures, eingemachtes Weißkraut - gekochter Weißkohl, kalt in einer Senf-Honig-Wein-Tunke mit Kümmel und Anis angemacht. Der Vorfahr von Senfkraut und süß-saurem Krautsalat; verwandt mit den süß-sauren Eingemachten wie dem Erdbeer-Relish rfk-068 und dem Winter-Kompost men-312.

Süß-sauer-Achse. Senf (scharf) + Honig (süß) + Wein (Säure) ergeben die typische Agrodolce-Würze; Kümmel und Anis sind die klassischen Kohl-Verträglichkeitsgewürze. Die Mengen ‚zwei Teile Senf, drei Teile Honig' sind ein Verhältnis (2:3), keine absolute Menge.

Praxis. Weißkohl in Stücke schneiden und weich kochen. Aus 2 Teilen Senf, 3 Teilen Honig und Wein eine glatte Tunke rühren, mit Kümmel und Anis abschmecken. Den abgetropften, noch warmen Kohl darin einlegen und durchziehen lassen; kalt servieren. Hält im Kühlen einige Tage.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-044-orig" n="haupper" resp="#fyndling">Bezeichnet hier die Köpfe von Gemüse; im Kontext von ‚Kraut' sind damit Weißkohlköpfe gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-044-orig" n="czway tayl seniff / drew tayl honigk" resp="#fyndling">‚Tayl' (Teile) ist eine relative Mengenangabe, die das Verhältnis der Zutaten zueinander beschreibt, nicht eine absolute Menge.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-044-orig" n="prue" resp="#fyndling">Bezieht sich hier auf die flüssige Mischung aus Senf, Honig und Wein, die als Marinade dient.</note>
        <note type="gloss" target="#ri15632-044-orig" n="dez genueg sein" resp="#fyndling">Bedeutet ‚davon soll genug sein' oder ‚nach Geschmack', also eine flexible Mengenangabe.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ri15632-044-orig" n="haupper" resp="#fyndling">Als ‚Kohlköpfe' interpretiert, da ‚Kraut' im Mittelhochdeutschen oft Kohl bedeutet und ‚Haupt' eine gängige Bezeichnung für den Kopf eines Kohls ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ri15632-044-orig" n="czway / drew" resp="#fyndling">Als ‚zwei' und ‚drei' übersetzt, was die gängige Lesart der frühneuhochdeutschen Schreibweise ‚cz' für ‚z' und ‚dr' für ‚drei' ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ri15632-044-orig" n="prue" resp="#fyndling">Als ‚Brühe' (im Sinne einer flüssigen Mischung/Marinade) übersetzt, da es sich um die Vermischung von flüssigen und halbflüssigen Zutaten handelt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ri15632-044-orig" n="kum" resp="#fyndling">Als ‚Kümmel' übersetzt, da dies in der bayerischen Küche des Mittelalters ein sehr gebräuchliches Gewürz für Krautgerichte war.</note>
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