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      <titleStmt>
        <title>Wildente oder Auerhahn in zwei Saucen</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-06-23">2026-06-23</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/sev-019/</idno>
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          <title>Kuchařství o rozličných krměch, kterak se užitečně s chutí strojiti mají</title>
          <date when="1535">1535</date>
          <idno type="URI">https://zlatyfond.sme.sk/dielo/5236/Zibrt_Staroceske-umeni-kucharske/27</idno>
          <note>Transkription nach Čeněk Zíbrt, Staročeské umění kuchařské (1927)</note>
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        <language ident="cs-early">Frühneuzeitliches Tschechisch</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="sev-019">
        <head>Wildente oder Auerhahn in zwei Saucen</head>
        <div type="original" xml:id="sev-019-orig" xml:lang="cs-early" corresp="#sev-019-trans">
          <p>O ptácích: divoké kačice neb tetřevy, chceš-li najprv v černé jíše.

Vezmi švestek, daj je do kyselého vína a usuše topenek z bílého chleba, daj je do toho vína, ať vře, a kačice vezma, vymej a prosol a odpec na rožně, protáhna jíchu, dajž do ní kačice aneb tetřevy, aby vřely, až by dobře byly, a zdálo-li by se, že by ostrá jícha byla, oslaď, čímť se zdá, a okořeň a máš-li jablka, usmaž, daj svrchu. - Pakli chceš žlutú jíchu míti. Tehda, těch kačic, neb tetřevuov netřeba odpékati, než uvařit na místo, a takto na ně jichu udělati, usekaj křídla, neb krky, odpec je na rožníku, neb na roště, a usuš topynek z bílého chleba a daj to spolu do moždíře, ať se čistě utluče jako kaše, i vezmi polévky z masa hovězího, nevelmi tučné a slané, rozpustě, protáhni skrze fěrtoušek aneb sítko, i vlož kačice neb tetřevy do té jichy a okořeň, a daj trošku sádla, a zdáliť se, topenek nasušiti z bílého chleba a položiti svrchu na kačice a posúti (posypati) to zazvorem aneb čímť se líbí.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="sev-019-trans" xml:lang="de" corresp="#sev-019-orig">
          <p>Über Vögel: Wildenten oder Auerhähne, wenn du sie zuerst in schwarzer Sauce zubereiten möchtest.</p>
          <p>Schwarze Sauce: Nimm Pflaumen und gib sie in sauren Wein. Trockne Croutons aus Weißbrot und gib sie ebenfalls in diesen Wein, sodass er kocht. Nimm die Wildenten oder Auerhähne, wasche und salze sie und brate sie am Spieß. Wenn die Sauce durchgezogen ist, gib die Enten oder Auerhähne hinein, damit sie darin kochen, bis sie gut gar sind. Sollte die Sauce zu scharf erscheinen, süße sie nach Belieben und würze sie. Hast du Äpfel, brate sie und gib sie obenauf.</p>
          <p>Gelbe Sauce: Willst du eine gelbe Sauce haben, so ist es nicht nötig, die Enten oder Auerhähne zu braten, sondern koche sie stattdessen. Bereite die Sauce wie folgt zu: Hacke die Flügel oder Hälse der Vögel ab, brate sie am Spieß oder auf dem Rost und trockne Croutons aus Weißbrot. Gib alles zusammen in einen Mörser und zerstoße es gründlich zu einem Brei. Nimm dann Rinderbrühe, nicht zu fett und nicht zu salzig, löse sie auf und passiere sie durch ein Tuch oder Sieb. Lege die Enten oder Auerhähne in diese Sauce, würze sie und gib ein wenig Schmalz hinzu. Wenn es dir beliebt, trockne weitere Croutons aus Weißbrot und lege sie oben auf die Enten. Bestreue das Gericht mit Ingwer oder einem Gewürz deiner Wahl.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="divoké kačice neb tetřevy">Wildenten oder Auerhähne</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="švestek">Pflaumen (getrocknet)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="kyselého vína">Saurer Wein</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="topenek z bílého chleba">Croutons aus Weißbrot</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="prosol">Salz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="oslaď, čímť se zdá">Süßmittel (Honig oder Zucker)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="okořeň">Gewürze (Pfeffer, Ingwer, Nelken, Zimt)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="jablka">Äpfel</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="křídla, neb krky">Flügel oder Hälse (der Vögel)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="polévky z masa hovězího">Rinderbrühe</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="sádla">Schmalz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="zazvorem">Ingwer (gemahlen)</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#sev-019-trans" resp="#fyndling">Modernes Pendant: Wildgeflügel (Wildente, Auerhahn) in zwei Saucen zur Wahl - dunkel-fruchtig oder hell-gebunden. Ein Schaugericht, das Severins Gelb/Schwarz-System voll ausspielt.

Technik - schwarz (gebraten) vs. gelb (gekocht): Für die schwarze Sauce werden die Vögel am Spieß gebraten, dann in einer Pflaumen-Sauerwein-Sauce mit gerösteten Croutons gargezogen, süß-sauer abgeschmeckt. Für die gelbe werden sie gekocht (nicht gebraten); Flügel/Hälse werden geröstet und mit Croutons im Mörser zu einer Bindung zerstoßen, mit Rinderbrühe gelöst und passiert. Bewusste Kopplung: gebraten → dunkle Sauce, gekocht → helle Sauce.

Cluster: Zwei-Saucen-Zwilling von sev-013. Geflügel-Sektion: sev-020-sev-025. Cross-Source: gebratenes Geflügel in schwarzer Sauce boc-025, Leber-süß-sauer ant-029.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-019-orig" n="jíše" resp="#fyndling">Alttschechischer Begriff für eine Sauce, Brühe oder einen Sud. Hier im Kontext von zwei verschiedenen Saucen verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-019-orig" n="tetřevy" resp="#fyndling">Bezeichnet Auerhähne oder Birkhühner. Beide sind heute in Deutschland und der EU streng geschützt und dürfen nicht gejagt oder gehandelt werden. Für die Nachstellung sind Zuchtgeflügel wie Ente, Gans oder Fasan zu verwenden.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-019-orig" n="odpec na rožně" resp="#fyndling">Am Spieß braten oder rösten. Eine gängige Zubereitungsart für Geflügel und Fleisch im Mittelalter.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-019-orig" n="protáhna jíchu" resp="#fyndling">Wörtlich ‚die Sauce durchziehen'. Im Kontext bedeutet dies, die Sauce zu passieren oder zu klären, um eine feinere Konsistenz zu erhalten, oder sie einfach durch die Zutaten ziehen zu lassen, um den Geschmack zu intensivieren.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-019-orig" n="moždíře" resp="#fyndling">Ein großer Mörser, wie er im Mittelalter zum Zerstoßen von Fleisch, Nüssen oder Brot zu einer feinen Paste verwendet wurde. Nicht zu verwechseln mit einem kleinen Gewürzmörser. Modern kann dies durch einen leistungsstarken Mixer oder eine Küchenmaschine ersetzt werden.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-019-orig" n="fěrtoušek" resp="#fyndling">Ein feines Tuch, oft aus Leinen, das zum Passieren oder Abseihen von Flüssigkeiten verwendet wurde, um sie zu klären oder von festen Bestandteilen zu befreien.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-019-orig" n="sádla" resp="#fyndling">Schmalz, in der Regel Schweineschmalz. Ein häufig verwendetes Fett in der mittelalterlichen Küche.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-019-orig" n="zazvorem" resp="#fyndling">Ingwer. Ein beliebtes und häufig verwendetes Gewürz in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Küche.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#sev-019-orig" n="tetřevy" resp="#fyndling">Wir haben 'Auerhähne' als primäre Übersetzung gewählt, da sie große, repräsentative Wildvögel sind, die gut zu einem Gericht mit zwei Saucen passen und den Status des Rezepts unterstreichen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#sev-019-orig" n="protáhna jíchu" resp="#fyndling">Wir interpretieren 'protáhna jíchu' als 'die Sauce passieren', um eine feinere und klarere Konsistenz zu erzielen, was in der gehobenen Küche der Zeit üblich war.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#sev-019-orig" n="okořeň" resp="#fyndling">Wir haben eine typische mittelalterliche Gewürzmischung (Pfeffer, Ingwer, Nelken, Zimt) angenommen, da das Rezept keine spezifischen Gewürze nennt, außer Ingwer für die gelbe Sauce.</note>
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