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      <titleStmt>
        <title>Gekochte Lamprete in Gewürzsud</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-06-20">2026-06-20</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/sev-061/</idno>
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          <title>Kuchařství o rozličných krměch, kterak se užitečně s chutí strojiti mají</title>
          <date when="1535">1535</date>
          <idno type="URI">https://zlatyfond.sme.sk/dielo/5236/Zibrt_Staroceske-umeni-kucharske/27</idno>
          <note>Transkription nach Čeněk Zíbrt, Staročeské umění kuchařské (1927)</note>
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        <language ident="cs-early">Frühneuzeitliches Tschechisch</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="sev-061">
        <head>Gekochte Lamprete in Gewürzsud</head>
        <div type="original" xml:id="sev-061-orig" xml:lang="cs-early" corresp="#sev-061-trans">
          <p>Takto máš strojiti lampredu.

Vezmi malvazí, aneb výborného vína pintu neb víc, i nalejž jeho na necky. I vsadiž do něho lampredu, a když se velmi napí (napije, nasákne), zabodni v každé díře, kterúž má pod hrdlem, až z ní to všecko vyjde, což jest vypila, a když umře, rozřež ji na dva kusy, neb na tři, prosoliž jí na míse, a kdyžť ponajde, odpeciž ji čistě na roště, tak až se s ní ta kuože pryskati bude. I strhni tu kůži doluo čistě přínozú (přínoza, nůž krájecí, kuchyňský) všecku. Potom řež v kusy, jakž se zdá, i vezmi topenek z bílého chleba a řeckého vína, i rozetřiž čistě v pánvi, i rozpusť tím vínem, v kterém jest lampreda byla, a protěhni skrze sítko a okořeň všemi kořeními, a přidaj cukru, nebo medu, i vkladiž tu lampredu tam, ať uvře v té jiše zakořenné hodinu neb puol. Chceš-li teplú, muožeš ji jísti, pakli chceš na studeno, tehdy chovaj do polévaného hrnce, přikryje čistě. Pakli by chtěl komu poslati ji, dajž tam řeckého vína i mandluov, hřebičkuov čistých a i zázvoru řezaného.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="sev-061-trans" xml:lang="de" corresp="#sev-061-orig">
          <p>Nimm Malvasier oder einen Pint oder mehr guten Weins und gieße ihn in ein Gefäß. Lege die Lamprete hinein, und wenn sie sich gut vollgesogen hat, stich in jedes Loch, das sie unter dem Hals hat, bis alles herauskommt, was sie getrunken hat. Wenn sie stirbt, schneide sie in zwei oder drei Stücke, salze sie auf einer Schüssel gut ein, und wenn sie durchgezogen ist, brate sie sauber auf einem Rost, bis die Haut davon abplatzt. Ziehe dann die ganze Haut mit einem Küchenmesser sauber ab. Danach schneide sie in Stücke, wie es dir beliebt. Nimm geröstetes Weißbrot und griechischen Wein, zerdrücke es sauber in einer Pfanne, löse es mit dem Wein auf, in dem die Lamprete gelegen hat, und streiche es durch ein Sieb. Würze mit allen Gewürzen und gib Zucker oder Honig hinzu. Lege die Lamprete hinein und lasse sie in dieser gewürzten Sauce anderthalb Stunden kochen. Willst du sie warm essen, so kannst du sie genießen. Willst du sie aber kalt, bewahre sie in einem glasierten Topf auf, sauber zugedeckt. Wenn du sie jemandem schicken möchtest, gib noch griechischen Wein, reine Mandeln, Nelken und geschnittenen Ingwer hinzu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="malvazí, aneb výborného vína pintu neb víc">Malvasier oder guter Weißwein</ingredient> - 0.5 l</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="lampredu">Lamprete</ingredient> - 1</item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="sůl (implied)">Salz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="topenek z bílého chleba">geröstetes Weißbrot</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="řeckého vína">Griechischer Wein</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="všemi kořeními">Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="cukru, nebo medu">Zucker oder Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandluov">Mandeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hřebičkuov čistých">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zázvoru řezaného">Ingwer</ingredient>
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      </div>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#sev-061-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gegrillte und in würziger Brot-Wein-Sauce geschmorte Lamprete (Neunauge) - ein Luxus-Fastengericht, das sich warm wie kalt (eingelegt) hält. Lebende Verwandte: die bis heute in Frankreich und Portugal gepflegte lamproie à la bordelaise und alle in Rotwein geschmorten Neunaugen-Gerichte.

Lampreda (Neunaugen) wurden lebend in Wein eingelegt: der Fisch saugt sich voll, dann sticht man in die Kiemenöffnungen, damit das Schleim-Wein-Gemisch austritt. Dieses Ausbluten-Lassen entfernt den charakteristischen Schleim und würzt das Fleisch von innen.

Topenek z bílého chleba ist geröstetes Weißbrot - das klassische mittelalterliche Saucen-Bindemittel: im Mörser zerrieben, mit Wein gelöst und passiert ergibt es eine samtige Sauce ohne Mehl.

Řecké víno (griechischer Wein) stand im Mittelalter für die süßen, oft harzigen Importweine des Mittelmeers (Malvasier-Familie); ein süßlicher, kräftiger Weißwein trifft den Charakter.

Polévaný hrnec ist ein innen glasierter Tontopf - die säurefeste Glasur macht ihn tauglich zum Aufbewahren des eingelegten Fisches.

Praxis. Fisch (ersatzweise Wels oder nachhaltiger Aal) in Wein einlegen, ausbluten lassen, in Stücke salzen. Auf dem Rost grillen, bis sich die Haut löst, dann abziehen. Für die Sauce geröstetes Weißbrot mit griechischem Wein und dem Einlege-Wein zu Brei reiben, passieren, alle Gewürze plus Zucker oder Honig zugeben; den Fisch darin rund 1,5 Stunden sanft schmoren. Warm servieren oder kalt im verschlossenen glasierten Topf aufbewahren; zum Verschicken extra Wein, Mandeln, Nelken und Ingwer dazugeben.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-061-orig" n="necky" resp="#fyndling">Ein Trog oder eine Wanne, hier im Kontext des Einlegens wohl ein größeres Gefäß.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-061-orig" n="pinta" resp="#fyndling">Ein historisches Hohlmaß, das je nach Region und Zeit variierte. Hier etwa 0,5 bis 0,6 Liter.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-061-orig" n="ponajde" resp="#fyndling">Wenn sie durchgezogen ist, d.h. das Salz gut eingewirkt hat.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-061-orig" n="roště" resp="#fyndling">Ein Rost oder Grillrost zum Braten über offenem Feuer.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-061-orig" n="pryskati" resp="#fyndling">Abplatzen, sich lösen.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-061-orig" n="přínozú" resp="#fyndling">Ein Küchenmesser oder Schneidemesser.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-061-orig" n="topenek" resp="#fyndling">Geröstetes Brot oder Croutons, oft zur Bindung von Saucen verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-061-orig" n="řeckého vína" resp="#fyndling">Griechischer Wein, der im Mittelalter oft süßer oder harziger war als heutige Weine.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-061-orig" n="jiše" resp="#fyndling">Ein Sud, eine Sauce oder Brühe.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-061-orig" n="hodinu neb puol" resp="#fyndling">Wörtlich ‚eine Stunde oder eine halbe', was im Kontext der Kochzeit ‚anderthalb Stunden' bedeutet.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-061-orig" n="polévaného hrnce" resp="#fyndling">Ein glasierter Tontopf, der für die Aufbewahrung von Speisen verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-061-orig" n="hřebičkuov čistých" resp="#fyndling">Reine Nelken, d.h. von guter Qualität und ohne Verunreinigungen, hier wohl gemahlen.</note>
        <note type="gloss" target="#sev-061-orig" n="zázvoru řezaného" resp="#fyndling">Geschnittener Ingwer, was auf frischen Ingwer hindeutet, im Gegensatz zu gemahlenem Pulver.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#sev-061-orig" n="hřebičkuov čistých" resp="#fyndling">‚reine Nelken' - ‚čistých' (rein) meint die Qualität (von Verunreinigungen befreit), nicht eine bestimmte Form.</note>
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