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        <title>Blattgold richtig auflegen</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-29">2026-07-29</date>
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          <title>Solothurn, Zentralbibliothek, Cod. S 490</title>
          <date when="1487">1487</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.so1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch, vermutlich elsässisch, spätestens um 1487)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="so1-001">
        <head>Blattgold richtig auflegen</head>
        <div type="original" xml:id="so1-001-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#so1-001-trans">
          <p>fon ???er spis Holltzin scher damit du daz golt hebst vnd rure daz mit blosser hand nit ann och dehein attem es flige sunst hin weg</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="so1-001-trans" xml:lang="de" corresp="#so1-001-orig">
          <p>Nimm eine hölzerne Schere, mit der das Blattgold aufgenommen wird.</p>
          <p>Berühre das Gold dabei nicht mit bloßer Hand an und hauche es auch nicht an, sonst fliegt es einfach davon.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="golt">Blattgold</ingredient>
            </item>
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        <note type="preparation_tip" target="#so1-001-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?

Kein eigenständiges Rezept, sondern der Schlussteil einer Anleitung zum Vergolden einer bereits fertigen Süßspeise - eine an spätmittelalterlichen Festtafeln übliche Dekoration. Der Zwilling kkm-025 ('Vergülden') aus der Koch- und Kellermeisterei überliefert den vollständigen Ablauf: Mandeln oder Lebkuchen werden mit Honigwasser bestrichen, das noch feuchte Blattgold wird aufgelegt und mit Baumwolle angedrückt. so1-001 setzt erst bei diesem letzten Schritt ein - dem sicheren Aufnehmen und Auflegen des Goldes mit einer hölzernen Schere statt mit bloßer Hand. Die lebende Verwandtschaft dazu ist bis heute in Konditorei und Patisserie zu finden: Blattgold auf Torten, Pralinen oder Getränken wie dem Danziger Goldwasser wird aus demselben Grund mit Werkzeug statt mit den Fingern aufgelegt.

Der fehlende Klebe-Schritt. Der überlieferte Text nennt keine Menge Blattgold und keinen Haftgrund. Vermutlich standen beide Angaben in den nicht mehr überlieferten, vorausgehenden Zeilen (siehe editors_note). Der Zwilling kkm-025 legt nahe, dass auch hier ein Honigwasser-Anstrich als Klebegrund diente - das ist aber eine aus dem Zwilling übertragene Annahme, kein eigener Beleg dieses Textes.

Praxis. Lebensmittelechtes Blattgold gibt es im Konditoreibedarf, meist als kleine Bögen zwischen Trennpapier. Die Fläche, auf die vergoldet werden soll, nach Vorbild von kkm-025 mit Honigwasser bestreichen und noch feucht arbeiten. Das Blatt nie mit den Fingern greifen, sondern mit einer hölzernen Zange, einem trockenen, feinen Pinsel oder speziellem Vergolder-Werkzeug anheben - Fett und Feuchtigkeit der Haut lassen das hauchdünne Blatt reißen oder daran kleben bleiben. Nicht anhauchen: Schon ein Atemzug erzeugt genug Luftbewegung, um das nahezu gewichtslose Blatt fortzutragen, bevor es platziert ist. Am windstillen, staubfreien Ort arbeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#so1-001-orig" n="Holltzin scher" resp="#fyndling">Eine hölzerne Schere oder Zange, mit der das hauchdünne Blattgold aufgenommen wurde, ohne es mit bloßer Hand zu berühren. Der Zwilling kkm-025 nennt als Grund nur, es verderbe sonst 'alles' - vermutlich, weil das nahezu gewichtslose Blatt an Fett und Feuchtigkeit der Haut haften bleibt oder reißt.</note>
        <note type="gloss" target="#so1-001-orig" n="golt" resp="#fyndling">Blattgold, hauchdünn ausgeschlagenes Gold. Auf Festtafeln des Spätmittelalters wurde es direkt auf Speisen aufgelegt, ein Statussignal für besonders vornehme Gerichte. Echtes Blattgold ist lebensmittelecht (heute als Zusatzstoff E175 geführt) und unbedenklich zu verzehren.</note>
        <note type="gloss" target="#so1-001-orig" n="attem" resp="#fyndling">Atem. Blattgold ist so hauchdünn und leicht, dass schon ein Atemzug es fortwehen kann, deshalb die Warnung, nicht darauf zu hauchen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#so1-001-orig" n="fon ???er spis" resp="#fyndling">Als laufender Seitenkopf zu lesen ('von etlicher/etwelcher Speise'), keine Einzelrezept-Überschrift: Mehrere andere so1-Kapitelköpfe folgen demselben Muster 'Von [Zutat/Kategorie] Spis' (z.B. 'Von fasten spis', 'Von fleisch Spis', 'Von hünren', 'Von leber sultz'). Die unleserliche Stelle ist laut CoReMA-Transkription auf stark verblasste Tinte zurückzuführen, nicht auf eine Beschädigung.</note>
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