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      <titleStmt>
        <title>Rutschart, Gerste in safrangelber Erbsbrühe</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-21">2026-06-21</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/teg-011/</idno>
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          <title>Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch)</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00076122</idno>
          <note>Kochbüchlein-Rezepte nach der gemeinfreien Edition von Anton Birlinger (Germania 9, 1864), gesicherte philologische Transkription. Pilot-Rezepte teg-001 bis teg-011 zusätzlich nach OCR-Faksimile (MDZ/BSB). Ostmittelbairisches Frühneuhochdeutsch.</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (Ostmittelbairisch, 15./16. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="teg-011">
        <head>Rutschart, Gerste in safrangelber Erbsbrühe</head>
        <div type="original" xml:id="teg-011-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#teg-011-trans">
          <p>[Liste „Ander speis für das lest", fol. 53r] … behamisch arbeß, getämpft arbeß, rutschart, rezl von öpfel oder milch, gesotten haberknödl … [§-Rezept: „rutschhart, 3 scheffel gersten und arbaßbrie, gilbt und gewürzt"]</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="teg-011-trans" xml:lang="de" corresp="#teg-011-orig">
          <p>Setze die Gerstengraupen mit der klaren Erbsbrühe auf und bringe alles zum Kochen. Lass die Graupen bei mittlerer Hitze gut eine Stunde leise köcheln, bis sie weich sind und die Brühe sämig bindet. Rühre dabei immer wieder um, damit nichts ansetzt. Färbe das Gericht safrangelb: löse ein paar Safranfäden in etwas heisser Brühe an und rühre sie unter, bis die Masse goldgelb leuchtet. Würze mit Pfeffer, etwas Ingwer und Salz ab. Der fertige Brei soll dick und sämig sein, sodass die Gerstenkörner beim Rühren im Kessel leicht „rutschen". Heiss auftragen.</p>
          <p>Hinweis: Das Tegernseer Original nennt das Gericht nur knapp in einer Mengen-Form („3 scheffel gersten und arbaßbrie, gilbt und gewürzt") - also Gerste in Erbsbrühe, safrangelb gefärbt und gewürzt. Die genauen Gewürze und Mengen für den Haushalt sind hier nachkochbar rekonstruiert.</p>
          <p>Späterer Verwandter: Aus der Tradition dieser „Rutschart"-Gerichte entwickelte sich das heutige Ritschert der steirisch-kärntnerisch-bayerischen Küche - ein deftiger Eintopf aus Gerste, Bohnen und geräuchertem Schweinefleisch. Die mittelalterliche Tegernseer Form ist davon zu unterscheiden: Sie ist fleischlos und beruht auf Gerste in Erbsbrühe, nicht auf Bohnen und Speck.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gerſten">Gerstengraupen (mittelgrob)</ingredient> - 250 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="arbaßbrie">klare Erbsbrühe (von getrockneten Erbsen abgeseiht)</ingredient> - 1200 ml</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gilbt">Safran (zum Gelbfärben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer">schwarzer Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ingber">Ingwer (gemahlen)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#teg-011-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein fleischloser Getreidebrei aus Gerstengraupen, die in einer klaren Erbsbrühe weich gekocht und safrangelb gefärbt werden - ein klassisches Fasten- und Klostergericht des Tegernseer Speisenbuchs. Die lebende Verwandtschaft ist das heutige Ritschert der steirisch-kärntnerisch-bayerischen Küche, das denselben Namen und dieselbe Getreidegrundlage trägt, aber inzwischen mit Bohnen und geräuchertem Schweinefleisch deftig geworden ist. Die mittelalterliche Form hier ist davon ein früher, fleischloser Vorfahr: Gerste in Erbsbrühe statt Bohnen und Speck.

arbaßbrie als Basis. Die Brühe entsteht nicht aus Fleisch, sondern aus getrockneten Erbsen (arbaß = Erbse, brie = Brühe): Erbsen einweichen, weich kochen, die Brühe abseihen. Das macht das Gericht fastentauglich und gibt ihm einen sämigen, vollmundigen Körper, ohne dass tierisches Fett nötig ist. Die abgeseihten Erbsen selbst lassen sich getrennt als Püree weiterverwenden (vgl. die reinen Erbsmuse foc-068, mha-288).

gilbt - safrangelb. Die Quelle nennt ausdrücklich, dass das Gericht gelb gefärbt wird. Period-typisch geschah das mit Safran, der hier vor allem die leuchtende Farbe liefert und weniger den Geschmack - ein verbreitetes Statussignal der gehobenen Klosterküche. Eine günstigere Lager-Färbung sind Ringelblumenblüten.

rutschen. Der Name spielt vermutlich auf die Konsistenz an: Die weich gekochten Gerstenkörner sollen in der dicken, sämigen Masse leicht „rutschen", also in einer steifen, zähfliessenden Brühe schwimmen. Kein dünner Eintopf, sondern ein fester Brei.

Praxis. 250 g mittelgrobe Gerstengraupen mit gut 1,2 l klarer Erbsbrühe aufsetzen und etwa eine Stunde bei mittlerer Hitze leise köcheln, bis die Körner weich sind und die Brühe durch die Stärke der Gerste von selbst sämig bindet. Immer wieder umrühren, damit nichts ansetzt. Ein paar Safranfäden in etwas heisser Brühe anlösen und unterrühren, bis die Masse goldgelb leuchtet, dann mit Pfeffer, etwas Ingwer und Salz abschmecken. Wer keine Erbsbrühe zur Hand hat, kann auf Gemüsebrühe ausweichen - die fastentaugliche Erbsbrühe bleibt aber das Quellengerechte. Heiss auftragen.</note>
        <note type="gloss" target="#teg-011-orig" n="rutschhart" resp="#fyndling">Rutschart / Rütschart, im Tegernseer Speisenbuch als Speise der Klosterküche gelistet. Die Etymologie ist umstritten: wahrscheinlich von „rutschen", die weich gekochten Gerstenkörner gleiten beim Rühren im Kessel. Aus dieser Tradition entwickelte sich später das deftige „Ritschert" der Alpenküche (heute meist mit Bohnen und Speck) - die hier belegte Tegernseer Form ist davon zu unterscheiden.</note>
        <note type="gloss" target="#teg-011-orig" n="arbaßbrie" resp="#fyndling">Erbsbrühe (arbaß = Erbse, brie = Brühe). Getrocknete Erbsen wurden weich gekocht und die Brühe abgeseiht; sie bildet die fleischlose, sämige Grundlage des Gerichts. Arbaß meint im Tegernseer Kontext die Gartenerbse (Pisum sativum), nicht die Ackerbohne (Vicia faba): Im gesamten Speisenbuch ist ausschließlich arbeß/arbaß als Hülsenfrucht belegt; die Ackerbohne war im süddeutschen Raum des 15./16. Jh. auf dem Rückzug und taucht hier nicht auf.</note>
        <note type="gloss" target="#teg-011-orig" n="gilbt" resp="#fyndling">„gilbt" = gelb gefärbt. Period-typisch mit Safran (gelegentlich Ringelblume) - der Safran dient hier vor allem der Farbe, weniger dem Geschmack, ein verbreitetes Muster der gehobenen Klosterküche. Es ist eines der wenigen konkreten Zubereitungsdetails, die die sonst knappe Quelle überliefert.</note>
        <note type="gloss" target="#teg-011-orig" n="gerſten" resp="#fyndling">Gerste, Graupen (entspelzte, geschliffene Gerste) war im Kloster Tegernsee eine der häufigsten Getreidebeilagen. In Erbsbrühe gekocht ergibt sie ein sättigendes, fleischloses Gericht, ernährungsphysiologisch klug für Fastentage.</note>
        <note type="gloss" target="#teg-011-orig" n="rutschen" resp="#fyndling">Rutschen, das charakteristische Gleiten der weich gekochten Gerstenkörner in der sämigen Brühe. Kontinuierliches Rühren verhindert das Ansetzen und erzeugt die typische sämige Konsistenz.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#teg-011-orig" n="rutschhart" resp="#fyndling">Fleischloses Klostergericht aus Gerste (Graupen) in klarer Erbsbrühe, safrangelb gefärbt und gewürzt - so wörtlich in der Tegernseer Mengen-Form belegt.</note>
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