<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Rosinenmueß (Weinbeermueß)</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-06-22">2026-06-22</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/teg-021/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>Tegernseer Wirtschaftsbüchlein (Speisenbuch)</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00076122</idno>
          <note>Kochbüchlein-Rezepte nach der gemeinfreien Edition von Anton Birlinger (Germania 9, 1864), gesicherte philologische Transkription. Pilot-Rezepte teg-001 bis teg-011 zusätzlich nach OCR-Faksimile (MDZ/BSB). Ostmittelbairisches Frühneuhochdeutsch.</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (Ostmittelbairisch, 15./16. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="teg-021">
        <head>Rosinenmueß (Weinbeermueß)</head>
        <div type="original" xml:id="teg-021-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#teg-021-trans">
          <p>weinpermueß: 6 maß wein, 8 semel, 8 prot, 4 pfd. feygen darein ziehen, 1 pfd. weinper, gewürz und gilbt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="teg-021-trans" xml:lang="de" corresp="#teg-021-orig">
          <p>Weinbeermus: 6 Maß Wein, 8 Semmeln, 8 Brote, 4 Pfund Feigen hineinziehen, 1 Pfund Weinbeeren, Gewürz und gelb gefärbt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="4 pfd. feygen">Getrocknete Feigen</ingredient> - 280 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="1 pfd. weinper">Rosinen</ingredient> - 70 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="6 maß wein">Weißwein</ingredient> - 600 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="8 semel, 8 prot">Weißbrot/Semmel (geröstet)</ingredient> - 3 Scheiben</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewürz und gilbt">Gewürze und Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#teg-021-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süßes, brotgebundenes Trockenfrucht-Mus, namensgebend nach den weinper (Weinbeeren = Rosinen), aber tatsächlich von den Feigen getragen - das fast identische Zwillingsrezept zum Feigenmueß teg-020. Cross-Source steht das Feigen-Rosinen-Mus foc-081 (Form of Cury) im selben Verfahren.

Die Quelle ist eine Mengenliste der Klosterküche: 6 maß wein, je 8 semel und 8 prot zum Binden, 4 pfd. feygen und 1 pfd. weinper, dazu gewürz und gilbt (gewürzt und gelb gefärbt). Auffällig: Trotz des Namens Weinbeermus überwiegen die Feigen deutlich - die Rosinen geben nur den Akzent.

Gilbt meint die Gelbfärbung mit Safran. Gebunden wird mit geröstetem Weißbrot und Semmel (Brotbindung, nicht Mehl); durchgeschlagen - durchs Sieb getrieben - wird das Mus glatt.

Praxis. Rund 280 g Feigen mit etwa 70 g Rosinen in 600 ml Weißwein weich kochen. Etwa 3 Scheiben geröstetes Weißbrot/Semmel einweichen und alles zu dickem Mus durchtreiben. Mit je 1 TL Ingwer und Zimt würzen und mit 1 Prise Safran gelb färben. Über die Brotmenge die Bindung steuern: löffelfest soll es sein, bei zu festem Mus mit etwas Wein verdünnen.</note>
        <note type="gloss" target="#teg-021-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Weinbeeren = Rosinen (getrocknete Weintrauben). Im Kloster ein gängiger Importsüßstoff für Fastenmuse.</note>
        <note type="gloss" target="#teg-021-orig" n="gilbt" resp="#fyndling">Gelb gefärbt - mit Safran goldgelb getönt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#teg-021-orig" n="wein" resp="#fyndling">Die Quelle nennt nur wein ohne Sorte. Hier ist trockener Weißwein gewählt; ein leichter Rotwein ist ebenso period-tauglich und gibt dem Mus eine dunklere Tönung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#teg-021-orig" n="gewürz / gilbt" resp="#fyndling">gewürz bleibt im Original unkonkret. Ingwer und Zimt sind für ein süßes Fastenmus dieser Epoche die naheliegenden Würzungen und hier als nachkochbare Empfehlung ausgeführt; gilbt (gelb färben) ist als Safran umgesetzt.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
