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      <titleStmt>
        <title>Gebratenes Kalb mit Kamelinsauce</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-06-21">2026-06-21</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/via-137/</idno>
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          <title>Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent</title>
          <date when="1300">1300</date>
          <idno type="URI">https://www.gutenberg.org/cache/epub/26567/pg26567.txt</idno>
          <note>Transkription: Jérôme Pichon &amp; Georges Vicaire, Le Viandier de Taillevent (1892), Project Gutenberg #26567</note>
        </bibl>
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      <langUsage>
        <language ident="fro">Moyen Français (ca. 1300-1400)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="via-137">
        <head>Gebratenes Kalb mit Kamelinsauce</head>
        <div type="original" xml:id="via-137-orig" xml:lang="fro" corresp="#via-137-trans">
          <p>Veau rosty soit pourbouilly &amp; larde menges a la cameline en paste a

pouldre fine &amp; saffran.
Fraise de veau</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="via-137-trans" xml:lang="de" corresp="#via-137-orig">
          <p>Brate Kalbfleisch, sei es vorgekocht und gespickt. Serviere es mit Kamelinsauce, die mit feinem Gewürzpulver und Safran zubereitet ist. Auch Kalbsbries kann auf diese Weise zubereitet werden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Veau">Kalbfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="larde">Speck</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied for cameline)">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied for cameline)">Verjus</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied for cameline)">Brot</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(part of pouldre fine)">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(part of pouldre fine)">Zimt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(part of pouldre fine)">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(part of pouldre fine)">Pfeffer</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Fraise de veau">Kalbsbries</ingredient>
            </item>
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        </div>
      </div>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#via-137-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gespickter Kalbsbraten mit Cameline-Sauce - der höfische Klassiker schlechthin. Cameline ist die meistgenannte Sauce des französischen Mittelalters: kalt, säuerlich, zimtbetont, mit eingeweichtem Brot gebunden. Heute am ehesten vergleichbar mit einer würzig-fruchtigen Bratensauce; die nächste lebende Verwandte ist die englische Cumberland sauce in ihrer süß-sauren, gewürzten Machart.

Pourbouilly („vorgekocht"): das Kalbfleisch wird vor dem Braten kurz überbrüht/blanchiert - macht es zarter und entfernt Trübstoffe. Anschließend wird es larde (gespickt): mit einer Spicknadel werden Speckstreifen durch das magere Fleisch gezogen, damit es beim Braten saftig bleibt.

A la cameline en paste a pouldre fine &amp; saffran: die Cameline wird hier ausdrücklich mit feinem Gewürzpulver und Safran abgeschmeckt. Pouldre fine ist die Standard-Süßgewürzmischung (Ingwer, Zimt, Nelken, Pfeffer, oft Muskat/Galgant). Safran färbt die Sauce golden - reine Speisefarbe der Periode.

Fraise de veau (Kalbsbries, die Thymusdrüse) steht im Original als eigene Zeile und bildet zugleich die Überschrift des Folgerezepts; hier ist gemeint, dass man Bries auf dieselbe Art zubereiten kann.

Praxis. Kalbsbraten (Nuss/Schulter) kurz blanchieren, mit Speckstreifen spicken, dann am Spieß oder im Topf/Dutch Oven über dem Feuer braten. Cameline am besten zuhause vorbereiten: Brot in Verjus oder mildem Essig einweichen, mit Zimt, Ingwer, Nelken, Pfeffer und etwas Safran würzen, glatt passieren - sie wird kalt zum heißen Braten gereicht. Am offenen Feuer gut machbar.</note>
        <note type="gloss" target="#via-137-orig" n="pourbouilly" resp="#fyndling">Vorkochen/Blanchieren des Fleischs vor dem Braten - macht es zarter und entfernt Trübstoffe.</note>
        <note type="gloss" target="#via-137-orig" n="larde" resp="#fyndling">Spicken: mit der Spicknadel Speckstreifen durch das magere Fleisch ziehen, damit es saftig bleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#via-137-orig" n="cameline" resp="#fyndling">Die häufigste mittelalterliche Sauce: kalt, sauer (Essig/Verjus), zimtbetont, mit eingeweichtem Brot gebunden.</note>
        <note type="gloss" target="#via-137-orig" n="pouldre fine" resp="#fyndling">Feine Standard-Gewürzmischung der höfischen Küche: Ingwer, Zimt, Nelken, Pfeffer, oft Muskat oder Galgant.</note>
        <note type="gloss" target="#via-137-orig" n="Fraise de veau" resp="#fyndling">Kalbsbries (Thymusdrüse), eine Delikatesse; steht hier zugleich als Überschrift des Folgerezepts.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#via-137-orig" n="Fraise de veau" resp="#fyndling">Eigene Zeile am Ende: Kalbsbries kann auf dieselbe Weise (gespickt, gebraten, mit Cameline) zubereitet werden; das Wort ist zugleich die Überschrift des Folgerezepts.</note>
      </div>
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