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      <titleStmt>
        <title>Hühnchen mit geriebener Sauce</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-22">2026-06-22</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/wes-001/</idno>
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          <title>Wel ende edelike spijse</title>
          <date when="1475">1475</date>
          <idno type="URI">https://www.coquinaria.nl/kooktekst/Edelikespijse1.htm</idno>
          <note>Transkription: Christianne Muusers, Coquinaria.nl (2020), nach Hs. UB Gent 1035</note>
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        <language ident="nl-md">Mittelniederländisch (2. Hälfte 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="wes-001">
        <head>Hühnchen mit geriebener Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="wes-001-orig" xml:lang="nl-md" corresp="#wes-001-trans">
          <p>.J. Poelgen metten rasspeyte inden somer ziedse in eenen pot met sticken ende alsij taluen ghezoden sijn doe ter in wijns ghenouch ende lettel waters daer toe druuen van rosinen ende barghin smout ende dodere / van eyers ghenouch</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="wes-001-trans" xml:lang="de" corresp="#wes-001-orig">
          <p>Nimm junge Hühnchen und koche sie im Sommer in einem Topf in Stücke geschnitten. Wenn sie halb gar sind, gib genug Wein und ein wenig Wasser hinzu.</p>
          <p>Füge Rosinen, Schweineschmalz und ausreichend Eigelb hinzu. Lasse alles zusammen gar ziehen, bis eine gebundene Sauce entsteht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Poelgen">Hühnchen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="wijns ghenouch">Wein</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="lettel waters">Wasser</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="druuen van rosinen">Rosinen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="barghin smout">Schweineschmalz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="dodere van eyers ghenouch">Eigelb</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#wes-001-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Hühnerfrikassee in Weinsauce, am Ende mit Eigelb gebunden - ein früher Verwandter der Blanquette und des klassischen Frikassees. Junge Hühnchen werden in Stücken im Wein gegart, dann mit Rosinen, Schmalz und Eigelb zu einer reichen, gebundenen Sauce vollendet. Verwandt mit den eigelbgebundenen Hühnergerichten hkb-023 und mha-061.

Die geriebene Sauce. Rasspeyte (zum Verb raspen = reiben, raspeln) bezeichnet eine Sauce, die durch eine geriebene Zutat ihre Textur bekommt - im zeittypischen Rahmen am ehesten geriebenes Brot zur Bindung, ergänzt durch das Eigelb am Schluss. Der genaue Reibe-Bestandteil wird nicht genannt; der Begriff selbst ist mittelniederländisch selten, weshalb wir die Lesart als wahrscheinlich, nicht als gesichert führen.

Sommer-Garung. Das Rezept nennt ausdrücklich inden somer: junge Hühnchen der Sommersaison, die schnell und zart gar werden. Erst zur Hälfte in eigenem Saft angaren, dann mit reichlich Wein und wenig Wasser ablöschen - der Wein ist Garflüssigkeit und Würze zugleich.

Eigelb als Bindung - nicht kochen. Das dodere van eyers wird zum Schluss eingerührt und darf nur noch ziehen, nicht mehr sprudelnd kochen, sonst gerinnt es zu Rührei statt zu binden. Genau das meint „lasse alles zusammen gar ziehen, bis eine gebundene Sauce entsteht".

Praxis. Ein zerteiltes Hühnchen (ca. 1,2 kg) in etwas Schmalz anziehen lassen, mit reichlich Weißwein und einem Schuss Wasser bis knapp zur Hälfte garen. Eine Handvoll Rosinen zugeben. Wenn das Fleisch fast gar ist, 2-3 Eigelb mit etwas warmer Sauce verquirlen, unterrühren und bei sehr milder Hitze unter Rühren binden lassen - nicht mehr aufkochen. Wer die geriebene Brotbindung will, gibt 1-2 EL fein geriebenes, rindenfreies Weißbrot vor dem Eigelb dazu.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-001-orig" n="Poelgen" resp="#fyndling">Junge Hühnchen oder Küken, die für ihre Zartheit geschätzt wurden.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-001-orig" n="rasspeyte" resp="#fyndling">Ein mittelniederländischer Begriff, der sich wahrscheinlich vom Verb 'raspen' (reiben, raspeln) ableitet und eine Sauce bezeichnet, die durch das Reiben von Zutaten (wie Brot zur Bindung oder Gewürzen) eine besondere Textur oder Geschmacksnote erhält.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-001-orig" n="ziedse" resp="#fyndling">Kurzform von 'ziede sie', bedeutet 'koche sie'.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-001-orig" n="taluen ghezoden" resp="#fyndling">'Halb gekocht' oder 'halb gar'.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-001-orig" n="barghin smout" resp="#fyndling">Schmalz vom 'Borg', einem kastrierten Schwein, also Schweineschmalz.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#wes-001-orig" n="rasspeyte" resp="#fyndling">Eine „geriebene" Sauce (zu raspen = reiben): durch eine geriebene Zutat, am ehesten Brot, gebundene Sauce. Im Verbund mit dem Eigelb am Schluss ergibt das eine reichhaltige, sämige Sauce.</note>
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