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      <titleStmt>
        <title>Hecht in würzigem Gelee</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-22">2026-06-22</date>
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          <title>Wel ende edelike spijse</title>
          <date when="1475">1475</date>
          <idno type="URI">https://www.coquinaria.nl/kooktekst/Edelikespijse1.htm</idno>
          <note>Transkription: Christianne Muusers, Coquinaria.nl (2020), nach Hs. UB Gent 1035</note>
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      <langUsage>
        <language ident="nl-md">Mittelniederländisch (2. Hälfte 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="wes-007">
        <head>Hecht in würzigem Gelee</head>
        <div type="original" xml:id="wes-007-orig" xml:lang="nl-md" corresp="#wes-007-trans">
          <p>vjj. Geleye vp snouken Neemt den snouc ende te tinken ende spoutse ende dwaet se wel ende snijt se in sticken metten schellen ende die tincken hooc metten huut doet zieden deen metten an deren in wijne ende soutet zoeteliken ende alst gesoden es doet vercoelen dan soo nemt die huut van al ende wrijfse in eenen mortier ende tempert met bruwette vanden visschen ende doet liden duer een stermise ende laetet zieden in eenen eerdinen pot ende dan laet coelen ende doeter in soffraen Ginghebare caneele ende nagelkine</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="wes-007-trans" xml:lang="de" corresp="#wes-007-orig">
          <p>Nimm den Hecht und seine Flossen. Schuppe und wasche den Fisch gut und schneide ihn in Stücke, mitsamt den Schuppen. Koche die Flossen samt der Haut zusammen mit den Hechtstücken in Wein und salze es angemessen. Wenn der Fisch gar ist, lasse ihn abkühlen. Dann nimm die gesamte Haut vom Fisch und den Flossen und reibe sie in einem Mörser fein. Vermische die geriebene Haut mit der Fischbrühe und lasse die Mischung durch ein Sieb passieren. Lasse diese Flüssigkeit in einem irdenen Topf aufkochen und dann erneut abkühlen. Gib anschließend Safran, Ingwer, Zimt und Nelken hinzu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den snouc">Hecht</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="tinken">Flossen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="huut">Haut</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="wijne">Wein</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="sout">Salz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="soffraen">Safran</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Ginghebare">Ingwer</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="caneele">Zimt</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagelkine">Nelken</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#wes-007-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Hecht in würzigem Gelee - ein kalter, selbstgelierender Fisch im Gewürzsud, der direkte Vorläufer von ‚Hecht in Aspik‘ und der böhmisch-süddeutschen Sulzfisch-Tradition. Der Zwilling im Korpus ist mha-148 (Fisch in würzigem Aspik); eng verwandt ist der Karpfen-Sulzfisch teg-009.

Das Gelee kommt aus dem Fisch selbst. Der Clou des Rezepts: Es wird kein Geliermittel zugesetzt. Haut, Flossen (tincken) und sogar die Schuppen (metten schellen) werden mitgekocht, weil ihr Kollagen beim Erhitzen in Gelatine übergeht. Die abgekochte Haut wird danach im Mörser fein zerrieben, mit dem Kochsud (bruwette) vermischt und durch ein Sieb (stermise) passiert - so geht möglichst viel Gelierstoff in die Flüssigkeit über.

Würzen erst zum Schluss. Safran (gelb), Ingwer, Zimt und Nelken kommen erst nach dem zweiten Aufkochen hinzu, in die schon leicht abgekühlte Flüssigkeit - so verfliegen die feinen Aromen nicht im langen Kochen.

Praxis. Hecht schuppen, waschen, in Stücke schneiden; Flossen und Haut dazugeben. Alles in Weißwein mit etwas Salz sieden, bis der Fisch gar ist. Fisch herausnehmen und kalt stellen. Haut und Flossen im Mörser (oder kurz im Blender) zerkleinern, mit dem Sud verrühren, durch ein feines Sieb oder Tuch passieren. Den Sud erneut aufkochen, dann etwas abkühlen lassen und mit einer Messerspitze Safran, gemahlenem Ingwer, Zimt und Nelken abschmecken. Fischstücke in eine Form legen, mit dem Sud übergießen und kalt fest werden lassen. Wer auf Nummer sicher gehen will, hilft mit etwas eingeweichter Gelatine (modernes Äquivalent zur Hausenblase) nach.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-007-orig" n="snouc" resp="#fyndling">Hecht (mnl. snoec). Magerer Raubfisch mit festem Fleisch, im Spätmittelalter ein hochgeschätzter Fasten- und Festtagsfisch.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-007-orig" n="tincken" resp="#fyndling">Flossen des Hechts. Werden hier bewusst mitgekocht, weil sie - wie Haut und Schuppen - Kollagen abgeben, das die Brühe geliert.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-007-orig" n="metten schellen" resp="#fyndling">‚mitsamt den Schuppen‘. Die Schuppen bleiben am Fisch und liefern beim Kochen zusätzliche Gelierkraft.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-007-orig" n="zoeteliken" resp="#fyndling">‚maßvoll, gefällig‘ (zu zoete, süß/mild) - bezieht sich auf das Salzen, nicht auf Süße: salze mit Augenmaß.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-007-orig" n="bruwette" resp="#fyndling">Brühe, hier der Kochsud des Fisches (mnl. bruwet, vgl. frz. brouet).</note>
        <note type="gloss" target="#wes-007-orig" n="stermise" resp="#fyndling">Sieb oder Durchschlag, durch den die Masse passiert wird (mnl. stramijn, Seihtuch/Haarsieb).</note>
        <note type="gloss" target="#wes-007-orig" n="eerdinen pot" resp="#fyndling">Irdener (Ton-)Topf. Säuretolerantes Material, das beim langsamen Auskochen der gelierenden Brühe gebräuchlich war.</note>
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