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      <titleStmt>
        <title>Würziger Kompost mit Wurzelgemüse und Früchten</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-06-21">2026-06-21</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/wes-015/</idno>
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          <title>Wel ende edelike spijse</title>
          <date when="1475">1475</date>
          <idno type="URI">https://www.coquinaria.nl/kooktekst/Edelikespijse1.htm</idno>
          <note>Transkription: Christianne Muusers, Coquinaria.nl (2020), nach Hs. UB Gent 1035</note>
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        <language ident="nl-md">Mittelniederländisch (2. Hälfte 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="wes-015">
        <head>Würziger Kompost mit Wurzelgemüse und Früchten</head>
        <div type="original" xml:id="wes-015-orig" xml:lang="nl-md" corresp="#wes-015-trans">
          <p>Compost neemt worttelen van pedercelle reene wel gezoden in watere ende vercoelt hebt dan sof fraen Caneele ghinghebare naglen al wel ghewreuen tempert met goeden mostaerde Ghemaect van wijnasijne ende doeter suker toe frijt die worttelen wel cleene kensenruwelen of anguwissen ende dadelen den steen daer vutgedaen Cabuse coolen gesoden ghescheeden vercoelt maect een sausse pentenine doeter vp die voorseide dingen ende doeter toe vinckel saet anijs vygen kernellen van criekelsteenen zeem ende suker Ghesoden wel ghe scuymt ende dan minget metter voorseide saussen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="wes-015-trans" xml:lang="de" corresp="#wes-015-orig">
          <p>Nimm Petersilienwurzeln, reinige sie gut, koche sie in Wasser und lasse sie abkühlen. Dann nimm Safran, Zimt, Ingwer und Nelken, alles gut zerrieben, und vermische es mit gutem Senf, der aus Weinessig gemacht ist, und gib Zucker hinzu. Reibe die gekochten Petersilienwurzeln sehr fein, ebenso die „kensenruwelen“ oder „anguwissen“ und die entkernten Datteln. Koche Kohlköpfe, zerlege sie in Blätter und lasse sie abkühlen. Mache eine pikante Sauce, indem du die fein geriebenen Wurzeln, Datteln und den zerlegten Kohl mit Fenchelsamen, Anis, Feigen, Kirschkernen, Honig und Zucker vermischst. Koche diese Mischung gut auf, schöpfe den Schaum ab und vermische sie dann mit der zuvor zubereiteten Senf-Essig-Zucker-Sauce.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="worttelen van pedercelle reene">Petersilienwurzeln</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="sof fraen">Safran</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Caneele">Zimt</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ghinghebare">Ingwer</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="naglen">Nelken</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="goeden mostaerde">Senf</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="wijnasijne">Weinessig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="suker">Zucker</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="kensenruwelen">Unbekanntes Wurzelgemüse (Kensenruwelen)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="anguwissen">Unbekanntes Wurzelgemüse (Anguwissen)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="dadelen">Datteln</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Cabuse coolen">Kohlköpfe</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="anijs">Anis</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="zeem">Honig</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#wes-015-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Compost - kein süßes Obstkompott, sondern ein süß-saures, würziges Einlege-Gemüse, die mittelalterliche Vorratsbeilage schlechthin. Wurzelgemüse und Kohl werden vorgekocht, fein zerrieben und mit einer scharf-süßen Senf-Essig-Zucker-Sauce sowie Trockenfrüchten und Gewürzen zu einer haltbaren Würzmasse gebunden. Eng verwandt mit dem englischen Compost aus Form of Cury (foc-097) und dem Ménagier-Winterkompost (men-312).

Compost (von lat. compositum, „das Zusammengesetzte") meint im flämischen 15. Jahrhundert durchgängig sauer Eingelegtes - die süße Lesart als Obstkompott ist hier anachronistisch.

Frijt die worttelen wel cleene ist die zentrale Crux: Trotz des Anklangs an „frittieren" verlangt der Kontext wel cleene („sehr fein") an bereits gekochten Wurzeln das feine Zerreiben/Zerstoßen zur Paste, nicht das Braten.

Kensenruwelen und anguwissen sind heute nicht sicher bestimmbare Wurzelgemüse-Bezeichnungen - vermutlich lokale Sortennamen. Sie als allgemeines Wurzelgemüse zu deuten bleibt eine offene philologische Entscheidung.

Praxis. Petersilienwurzeln (und ersatzweise Pastinaken/Schwarzwurzeln für die unklaren Wurzeln) sowie Kohl getrennt weich kochen, abkühlen, fein zerreiben bzw. den Kohl in Blätter zerlegen. Eine Würzpaste aus Safran, Zimt, Ingwer, Nelken anrühren, mit Senf, Weinessig und Zucker verrühren. Wurzelmasse, Datteln, Feigen, Fenchel, Anis, etwas zerstoßenen Kirschkern (Bittermandel-Aroma), Honig und Zucker aufkochen, abschäumen, mit der Senf-Essig-Sauce verbinden. Kalt durchziehen lassen.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-015-orig" n="Compost" resp="#fyndling">Im Mittelalter eine Bezeichnung für sauer eingelegtes oder fermentiertes Gemüse, ähnlich einem Sauerkraut oder Mixed Pickles, nicht für süßes Obstkompott.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-015-orig" n="ghewreuen" resp="#fyndling">Zerrieben, gemahlen oder zerstoßen.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-015-orig" n="frijt" resp="#fyndling">In diesem Kontext bedeutet es ‚reiben‘ oder ‚zerstoßen‘, nicht ‚braten‘. Die Zutaten sollen sehr fein zerkleinert werden.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-015-orig" n="kensenruwelen" resp="#fyndling">Eine heute nicht mehr eindeutig identifizierbare Wurzelgemüseart, möglicherweise eine lokale Bezeichnung oder eine alte Sorte.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-015-orig" n="anguwissen" resp="#fyndling">Eine weitere unbekannte Wurzelgemüseart, deren genaue Identität verloren gegangen ist.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-015-orig" n="pentenine" resp="#fyndling">Ein Adjektiv, das eine pikante, würzige oder scharfe Qualität der Sauce beschreibt.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-015-orig" n="zeem" resp="#fyndling">Honig.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-015-orig" n="criekelsteenen" resp="#fyndling">Kirschkerne. Diese wurden im Mittelalter oft als Gewürz für ein Bittermandelaroma verwendet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#wes-015-orig" n="frijt" resp="#fyndling">Als „reiben/zerstoßen" gelesen: die bereits gekochten Wurzeln und Datteln werden wel cleene (sehr fein) zu einer Paste verarbeitet, was zur Compost-Konsistenz passt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#wes-015-orig" n="kensenruwelen / anguwissen" resp="#fyndling">Zwei heute nicht sicher identifizierbare Wurzelgemüse, hilfsweise als allgemeines Wurzelgemüse (Pastinake, Schwarzwurzel, Karotte) gedeutet.</note>
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