<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Gefüllte Käsefladen mit Zucker</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-06-21">2026-06-21</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/wes-059/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>Wel ende edelike spijse</title>
          <date when="1475">1475</date>
          <idno type="URI">https://www.coquinaria.nl/kooktekst/Edelikespijse1.htm</idno>
          <note>Transkription: Christianne Muusers, Coquinaria.nl (2020), nach Hs. UB Gent 1035</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="nl-md">Mittelniederländisch (2. Hälfte 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="wes-059">
        <head>Gefüllte Käsefladen mit Zucker</head>
        <div type="original" xml:id="wes-059-orig" xml:lang="nl-md" corresp="#wes-059-trans">
          <p>xxvj Ghesoden vladen van deeghe gemaect Ghevult met muerwen case Ghe stampt ghetempert met doderen van eyeren ende dan vulse ende ziedse in smoute dan hebt sukers genouch ende wintelt die fruture daer in dat sijn ghesoden vladen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="wes-059-trans" xml:lang="de" corresp="#wes-059-orig">
          <p>Bereite Fladen aus Teig zu. Fülle sie mit mürbem Käse, den du zuvor gestampft und mit Eidottern vermischt hast. Dann fülle die Fladen und frittiere sie in Schmalz. Nimm danach reichlich Zucker und wälze die frittierten Fladen darin. Dies sind die gekochten Fladen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="deeghe">Teig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="muerwen case">Mürber Käse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="doderen van eyeren">Eidotter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smoute">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="sukers genouch">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#wes-059-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Frittierte, mit gesüßtem Frischkäse gefüllte Teigtaschen, die heiß in Zucker gewälzt werden - ein direkter Verwandter der süßen Käsekrapfen und ein naher Vetter von Martinos süßem Käsefladen (Zwilling mar-128). Wer Cannoli kennt, erkennt das Prinzip wieder: knuspriger Teigmantel, weiche Käsefüllung, süßer Abschluss. Trotz des Wortes 'gekocht' wird hier frittiert, nicht in Wasser gegart.

Das Verb ghesoden (gesotten) und ziedse (siede sie) ist die Crux: im Mittelniederländischen deckt 'sieden' auch das Garen in heißem Fett ab. Der Zusatz in smoute (in Schmalz) macht eindeutig, dass frittiert wird. Den Beleg liefert das Rezept selbst, indem es das Ergebnis fruture - das Frittierte - nennt.

Muerwen case ist ein weicher, mürber Frischkäse. Mit Eidottern verrührt wird er zur bindenden Füllung; die Dotter halten die Masse beim Ausbacken zusammen.

Praxis. Einen einfachen Mürbe- oder Nudelteig dünn ausrollen und in Quadrate oder Kreise teilen. Quark oder Ricotta gut abtropfen lassen, mit ein bis zwei Eidottern und einer Prise Salz zu einer streichfähigen Masse verrühren. Füllung aufsetzen, Teig zur Tasche verschließen und die Ränder gut andrücken. In reichlich Schmalz oder neutralem Öl bei etwa 170 Grad goldbraun frittieren, kurz abtropfen lassen und sofort in reichlich Zucker wälzen.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-059-orig" n="ghesoden vladen" resp="#fyndling">Wörtlich 'gekochte Fladen' - hier im Sinne von in Fett ausgebackenen Teigtaschen.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-059-orig" n="muerwen case" resp="#fyndling">Mürber, weicher Käse - krümeliger Frischkäse, vergleichbar mit Quark oder Ricotta.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-059-orig" n="smoute" resp="#fyndling">Schmalz, tierisches Fett, hier zum Frittieren.</note>
        <note type="gloss" target="#wes-059-orig" n="fruture" resp="#fyndling">Das Frittierte, das Ausgebackene - vom altfranzösischen friture.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
