Das geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby (The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c.)
Kräuter-Met für Leber und Lunge
Moderne Übersetzung
Nimm von den Wurzeln des Huflattichs, des Fenchels und des Farns je vier Unzen. Von Wegwartenwurzeln, Sauerampferwurzeln, Erdbeerwurzeln, Bittersüßwurzeln je zwei Unzen, von Skabiosenwurzeln und Alantwurzeln je anderthalb Unzen. Gundermann, Andorn, Jerusalemeiche, Lungenkraut, Leberkraut, Frauenhaarfarn, Hirschzungenfarn, von jedem zwei gute Handvoll. Süßholz vier Unzen. Jujuben, Sonnenrosinen und Korinthen, von jedem zwei Unzen.
Lass die Wurzeln in Scheiben schneiden und die Kräuter mit den Händen ein wenig zerbrechen. Koche all das in zwanzig Quart klarem fließendem Wasser oder, wenn du es hast, in Regenwasser, mit fünf Pint gutem weißem Honig, bis ein Drittel verkocht ist.
Gieße dann die Flüssigkeit oft durch einen Geleebeutel auf ein wenig Koriandersamen und Zimt. Wenn sie ganz klar läuft, fülle sie in gut verschlossene Flaschen und stelle sie kühl für deinen Gebrauch. Trink jeden Morgen einen guten Schluck davon, und um fünf Uhr am Nachmittag.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Roots of Coltsfoot | Huflattichwurzel | 4 Unzen | - | - |
| Fennel | Fenchelwurzel | 4 Unzen | - | - |
| Fearn | Farnwurzel | 4 Unzen | - | - |
| Succory-roots | Wegwartenwurzel | 2 Unzen | - | - |
| Sorrel-roots | Sauerampferwurzel | 2 Unzen | - | - |
| Strawberry-roots | Erdbeerwurzel | 2 Unzen | - | - |
| Bitter-sweet-roots | Bittersüßwurzel | 2 Unzen | - | - |
| Scabious-roots | 1,5 Unzen Skabiosenwurzel | 1½ Unzen | - | - |
| Elecampane-roots | 1,5 Unzen Alantwurzel | 1½ Unzen | - | - |
| Ground-ivy | 2 gute Handvoll Gundermann | 2 Handvoll | - | - |
| Hore-hound | 2 gute Handvoll Andorn | 2 Handvoll | - | - |
| Oak of Jerusalem | 2 gute Handvoll Jerusalemeiche | 2 Handvoll | - | - |
| Lung-wort | 2 gute Handvoll Lungenkraut | 2 Handvoll | - | - |
| Liver-wort | 2 gute Handvoll Leberkraut | 2 Handvoll | - | - |
| Maiden-hair | 2 gute Handvoll Frauenhaarfarn | 2 Handvoll | - | - |
| Harts-tongue | 2 gute Handvoll Hirschzungenfarn | 2 Handvoll | - | - |
| Licorish four Ounces | Süßholz | 4 Unzen | - | - |
| Jujubes | Jujuben | 2 Unzen | - | - |
| Raisins of the Sun | Sonnenrosinen | 2 Unzen | - | - |
| Currents | Korinthen | 2 Unzen | - | - |
| twenty quarts of fair running water, or, if you have it, in Rain water | klares fließendes Wasser oder Regenwasser | 20 Quart | - | - |
| five Pints of good white honey | guter weißer Honig | 5 Pint | - | - |
| a little Coriander-seeds | Koriandersamen | - | - | - |
| Cinnamon | Zimt | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Ein Arzneitrank aus Wurzeln, Kräutern und Trockenfrüchten, in Honigwasser gekocht. Digby nennt ihn Meath, schreibt aber weder Hefe noch Fass noch eine Gärung vor. Der Trank ist als Zeugnis zu lesen, nicht als Anleitung zum Trinken: Unter den Wurzeln sind Bittersüßer Nachtschatten und Huflattich.
Das Kochen. Alles kommt zusammen ins Wasser, auch der Honig, und kocht, bis ein Drittel verkocht ist. Eine Zeit nennt Digby nicht, das Maß ist allein die eingekochte Menge. Warum die Wurzeln geschnitten und die Kräuter nur leicht zerbrochen werden, begründet er nicht. Vom Abschäumen ist hier keine Rede.
Klären und Würzen. Klar wird der Trank durch das oftmalige Gießen durch den Beutel, das Ende zeigt sich daran, dass er ganz klar läuft. Wo Koriander und Zimt dabei liegen, sagt der Satz nicht eindeutig. Heute würde man das Gewürz in den Beutel legen, damit es nicht in die Flaschen gelangt.
Abfüllen. Gut verschlossene Flaschen und ein kühler Platz, mehr verlangt Digby nicht. Eine Haltbarkeit nennt er nicht. Nach heutiger Erfahrung kann eine gesüßte Abkochung in der Flasche von selbst angären; bei Digby steht das nicht.
Für Metmacher: die Zahlen
Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.
| Lesart | Zucker | SG (OG) | °Oe | °Brix | Alkohol bis trocken |
|---|---|---|---|---|---|
| 5 Pint Honig auf 20 Quart Wasser (1 : 8), ein Drittel eingekocht | 174-190 g/l | 1,067-1,073 | 67-73 | 16,4-17,8 | 10,4-11,3 % |
„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.
Annahmen: Honig und Wasser stehen im selben Maßsystem (ein Pint ist ein Achtel Gallone, ein Quart ein Viertel Gallone), fünf Pint auf zwanzig Quart sind also ein Teil Honig auf acht Teile Wasser, und die Frage nach der Größe der Gallone kürzt sich heraus. Das Einkochen beziffert Digby selbst: Ein Drittel soll verkochen. Nicht eingerechnet sind Wurzeln, Kräuter, Süßholz, Jujuben, Rosinen und Korinthen, die beim Kochen selbst Zucker abgeben können, sowie Koriander und Zimt. Eine Gärung schreibt Digby nicht vor; die letzte Spalte zeigt nur, was ein ganz vergorener Ansatz ergäbe.
Praxis. Getrunken wird nach seiner Vorschrift zweimal am Tag, morgens und um fünf Uhr nachmittags, wie groß der Schluck ist, bleibt offen. Nachgekocht zum Trinken werden sollte das Rezept nicht. Wer es zeigen will, zeigt die Zutaten und das Verfahren.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/dig-050/
fyndling.de/rezepte/dig-050/