Glauber: Reicher Schatz- und Sammelkasten, Zweite Centuria (Gefrierkonzentration) (Johann Rudolph Glauber, Reichen Schatz vnd Sammel-Kastens oder Appendicis Generalis Zweite Centuria (Amsterdam: Johan Jansson 1660), Kap. 42-43 und 96-97)
Geringes Bier im Winter verbessern: Wasser als Eis abziehen
Moderne Übersetzung
Wie jedes geringe Bier im Winter, zu Hause wie anderswo, durch dieses vorangestellte Geheimverfahren zu verbessern ist.
Es kommt bisweilen vor, dass ein Hausvater nur einerlei Wein oder Bier im Haus hat, von dem gewöhnlich getrunken wird, und zwar bisweilen aus Bedürftigkeit oder weil es ihm daran mangelt, ihn in verschiedenen Sorten einzulegen, oder aber auch deshalb, weil nur ein Keller im Haus ist, in dem jedermann aus und ein geht. Wenn der Knecht oder die Magd kleines Bier oder Wein für sich zapfen sollen, so vergessen sie absichtlich das rechte Fass und gehen an das beste. Und so bleibt gewöhnlich der geringe Wein oder das geringe Bier länger liegen als der gute, wie gesagt, weil der bessere angenehmer ist als der geringere.
Wenn nun den Alten bisweilen, nachdem sie etwa harte Speisen wie Stockfisch, geräuchertes Fleisch oder Fisch gegessen haben, der alte Magen solches nicht wohl verdauen oder verzehren will, so kann man durch dieses Geheimverfahren bald ein stärkeres Bier oder einen stärkeren Wein machen, besonders im Winter, wenn ein guter warmer Trunk den Alten am allerbesten bekommt. Denn im warmen Sommer kann man solches leichter entbehren als im Winter.
Mancher möchte einwerfen und sagen: Woher nehme ich eine solche konzentrierte Kälte, um damit das Wasser aus dem Wein oder Bier zu ziehen? Dem gebe ich zur Antwort, dass es künftig viele geben wird, die solches bereiten und anderen überlassen, und man braucht davon auch nicht viel. Wenn ein Hausvater ein einziges halbes Pfund hat, kann er sich sein Lebtag davon bedienen, wenn er es so bewahrt, dass es nicht zerbrochen wird. Denn wenn er einer Kanne Wein oder Bier das Wasser genommen hat, so tut er das Eis von dem Glas und setzt das Glas wieder in die Kälte, bis er es wieder nötig hat. Denn ein solcher Magnet, die Kälte zu konzentrieren und vielerlei Wunderdinge damit auszurichten, bleibt allezeit gut, und es ist gar kein Verderben daran.
NB: In Ermangelung der konzentrierten Salzfeuer kann nur ein schweres Oleum Salis, Oleum Vitrioli oder starkes Aquafort gebraucht werden. Diese leisten aber bei weitem nicht so viel wie ein konzentriertes Salzfeuer. Doch kann man wenigstens die Möglichkeit dadurch erfahren, auch wenn kein großer Nutzen damit zu schaffen ist, wie man leicht begreifen kann.
Denn es ist ein großer Unterschied zwischen einem wässrigen und einem unwässrigen Salzfeuer. Gewöhnliches, einfaches Wasser kann nicht so kalt werden wie Salzwasser, gesalzenes Wasser nicht so kalt wie ein gewöhnlicher Spiritus Salis und ein Spiritus Salis niemals so kalt wie ein konzentrierter Spiritus, von dem alles Wasser geschieden ist. Auch ein Pelzlappen wird nicht so kalt wie Holz, Holz nicht so kalt wie Stein, und Stein kann nimmermehr so kalt werden wie ein schweres Metall, und zwar um der Dichte willen. Denn je dichter die Dinge sind, desto mehr konzentrieren sie die Kälte und auch die Hitze und halten sie bei sich fest. Eine konzentrierte Kälte hat nämlich die Eigenschaft, zu töten, hart und starr zu machen, eine konzentrierte Hitze aber gibt schnelles Leben und Verbesserung, was die Erfahrung bezeugt.
O wie glücklich wäre der, der ein metallisches Salz so dicht und schwer wie ein Metall machen könnte und es seine Zeit in einer Feuersglut fließend zu erhalten wüsste, damit sich die Hitze nach und nach hineinziehe, sich konzentriere und festsetze. Der würde unfehlbar eine Tinktur erlangen, um schwere Krankheiten damit zu vertreiben und auch die unvollkommenen Metalle zu vollkommenen reifen zu lassen. Denn das Feuer allein macht reif, und je größer das Feuer, desto schneller die Verbesserung.
Was ich hier mit wenigen Worten zu erkennen gebe, hat mehr Gewicht, Würdigkeit und Wahrheit hinter sich, als mancher glauben wird. Und es ist kein Zweifel, dass bald einige aufstehen und ohne Scheu tingieren werden, so allgemein wird die wahre Alchemie in diesem Jahrhundert hervorleuchten, wie es in der Welt noch nie erhört worden ist, sodass mancher die teilweise Verbesserung der Metalle endlich wenig mehr achten wird.
Warum aber Gott solches geschehen lässt, bleibt uns verborgen; es wird aber ohne Zweifel eine große Veränderung in der Welt darauf folgen. Aber wohl denen, die Gott vor Augen haben: Denen werden weder der Teufel noch seine Mutter, die Sünde, schaden können.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| geringe Bier | geringes Bier | - | - | - |
| geringe Wein | geringer Wein | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Kein neues Getränk, sondern ein Verfahren am fertigen Bier oder Wein: Ihm wird Wasser als Eis entzogen. Mit dem „vorgesetzten Secretum“ verweist Glauber auf das Kapitel davor, in dem er es mit Wein am Tisch vorführt. Hier macht er daraus eine Sache für den Hausvorrat.
Das Glas. Dieser Eintrag nennt nur das Glas, das Eis und das erneute Kaltstellen. Die Kapitel davor ergänzen: kleine Gläser von etlichen Unzen, mit konzentrierten Salzfeuern gefüllt, wohl vermacht, an einem Schnürlein, in der Kälte bereitgestellt. Nach unserer Deutung ist das Glas ein Kältespeicher, der seine Winterkälte ins Getränk bringt, sodass sich außen Eis ansetzt; dazu passt, dass es nach jedem Gebrauch zurück in die Kälte muss. Glauber erklärt es anders: Der Magnet konzentriere die Kälte. Die Füllung bleibt im Glas. Dass ein halbes Pfund ein Leben lang reiche, ist seine Aussage.
Was davon trägt. Beim Gefrieren wird zuerst Wasser zu Eis, das Eis nimmt aber auch Getränk mit. Ob ein so kleines Glas eine Kanne überhaupt spürbar stärker macht, ist ungeprüft: Es kann nur die Kälte abgeben, die es vorher aufgenommen hat, und Robert Boyle berichtete 1661 von Schwierigkeiten, starken Wein zum Frieren zu bringen. Wie viel Wasser herauskommen soll und woran man das Ende erkennt, sagt der Text nicht. Aus geringem Bier wird so ein stärkeres, aber nicht von selbst ein gutes.
Die Ersatzfüllungen. Im NB nennt Glauber selbst starke Säuren und gibt zu, dass sie bei weitem nicht so viel leisten, sie zeigten nur die Möglichkeit. Das ist keine Anleitung: Es wären starke Säuren in einem Glas über dem Getränk, mit Bruchgefahr.
Praxis. Heutiger Weg, nicht Glaubers: Klares, fertig vergorenes Bier oder klaren Wein im Gefrierschrank anfrieren, dabei im Gefäß Platz zum Ausdehnen lassen, weil es sonst platzen kann, und das Flüssige vom Eis abziehen. Säuren, Bitterstoffe und Gärnebenprodukte bleiben im Getränk und werden stärker. Glaubers Glas nicht nachbauen. Kläre vorher die Rechtslage.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/gla-002/
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