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Glauber: Reicher Schatz- und Sammelkasten, Zweite Centuria (Gefrierkonzentration) (Johann Rudolph Glauber, Reichen Schatz vnd Sammel-Kastens oder Appendicis Generalis Zweite Centuria (Amsterdam: Johan Jansson 1660), Kap. 42-43 und 96-97)

Amsterdam (deutschsprachiger Druck), 1660 · Frühneuhochdeutsch, gedruckt in Amsterdam 1660; chemisch-technisches Werk von Johann Rudolph Glauber

Obstwein für kalte Länder, nach der Gärung entwässert

Moderne Übersetzung

Wie man in den sehr kalten Ländern, wo weder saurer noch süßer Wein wächst, etwa in Polen, Dänemark, Schweden, Norwegen etc., trotzdem jedes Jahr dort einen guten, beständigen und gesunden Wein und Essig erzeugen kann.

Wenn man wegen der Kälte auch keine Weinstöcke pflanzen kann, so hat man doch Äpfel, Birnen und anderes Baumobst umso reichlicher. Dieses Obst presst man und lässt es gären, und nach der Gärung zieht man einen Teil des unnützen Wassers davon ab.

So wird der Rest umso besser, beständiger und gesünder zu trinken als ein gewöhnlicher Apfel- oder Birnenwein. Dieser kann sich wegen der überflüssigen Feuchtigkeit nicht halten, sondern muss notwendigerweise zäh und fadenziehend, sauer oder schimmelig werden und so verderben.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Apfel Äpfel - - -
Birn Birnen - - -
ander Baum Obſt anderes Baumobst - - -

Zubereitungshinweis

Was ist das? Kein ausgeführtes Rezept, sondern ein Verfahren in drei Schritten: Baumobst pressen, gären lassen, danach einen Teil des Wassers entziehen. Mengen, Zeiten und Gefäße nennt Glauber nicht. Gären soll nach dem Sinn der Saft, die englische Fassung von 1689 sagt ausdrücklich "Juice". Woher die Hefe kommt, sagt der Text nicht.

Der Wasserentzug. Hier nennt Glauber kein Gerät. Im nächsten Abschnitt desselben Kapitels steht aber dieselbe Wendung mit Gerät: "mit dem Wasser Magneten daß vbrige Wasser davon gezogen". Deshalb lesen wir auch hier den Wasser-Magneten, ein vorgekühltes, verschlossenes Glas an einer Schnur, an dem sich im fertigen Getränk außen Eis bildet. Nach unserer Deutung arbeitet es als Kältespeicher. Beim Gefrieren friert das Wasser zuerst, das Eis nimmt aber auch Getränk mit. Ob das Glas genug Eis bildet, ist ungeprüft; wann man aufhört, sagt der Text nicht.

Glaubers Versprechen. Besser, beständiger und gesünder sind seine Aussagen, ebenso die Begründung, die überflüssige Feuchtigkeit lasse gewöhnlichen Obstwein verderben. Bestätigt ist davon nichts, und ein Gesundheitsrat ist es heute nicht.

Praxis. Heutiger Weg, nicht Glaubers: Klaren, fertig vergorenen Obstwein im Gefrierschrank anfrieren, dabei im Gefäß Platz zum Ausdehnen lassen, weil es sonst platzen kann, und das Flüssige vom Eis abziehen. Säuren, Bitterstoffe und Gärnebenprodukte bleiben im Getränk und werden stärker. Glaubers Glas nicht nachbauen: Als Ersatzfüllung nennt er in Kapitel 43 starke Säuren, und die hingen im Glas über dem Getränk, mit Bruchgefahr. Kläre vorher die Rechtslage.

fyndling.de/rezepte/gla-003/