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Glauber: Reicher Schatz- und Sammelkasten, Zweite Centuria (Gefrierkonzentration) (Johann Rudolph Glauber, Reichen Schatz vnd Sammel-Kastens oder Appendicis Generalis Zweite Centuria (Amsterdam: Johan Jansson 1660), Kap. 42-43 und 96-97)

Amsterdam (deutschsprachiger Druck), 1660 · Frühneuhochdeutsch, gedruckt in Amsterdam 1660; chemisch-technisches Werk von Johann Rudolph Glauber

Met aus braun eingekochtem Honig mit Wasser-Magnet

Moderne Übersetzung

Auf solche Weise könnte man auch aus Honig und Zucker einen guten Met oder Trank machen, dem Wein nicht sehr ungleich. Das ist eine nützliche Kunst an den Orten, wo kein Wein wächst und doch Honig und Zucker in Menge anfallen.

Den Honig einkochen: Man soll dem Honig so viel Wasser zusetzen, wie nötig ist, um ihn darin aufzulösen, und es in einem Kessel aufkochen, den Schaum immerzu fleißig abnehmen und so lange kochen lassen, bis der Honig wieder ganz dick und braun geworden ist, je brauner, je besser. So geht während des Kochens der unliebliche Honiggeschmack weg.

Ansetzen und Gären: Diesem dicken Honig setzt man wieder so viel anderes, reines Wasser zu, wie nötig ist, kocht es zusammen auf und gießt es in Fässer. Wenn das Honigwasser milchwarm geworden ist, setzt man es mit junger Bierhefe zum Gären an. So wird ein lieblicher Trank daraus, dem Wein nicht viel ungleich. Soll er ihm aber noch gleicher werden, muss man ihm bei der Gärung auch seine gebührende Menge gelösten Weinstein zusetzen und mitgären lassen. Davon bekommt der Honigtrank einen Weingeschmack.

Das Wasser nicht sparen: Auch soll man dies beachten, und zwar zuerst bei der letzten Auflösung des Honigs: dass man nicht zu wenig Wasser nimmt, sondern eher ein gutes Stück mehr, als sonst für Met oder Honigtrank üblich ist. Denn wenn dem Honig nicht genug Wasser zugesetzt wird, kann er nicht gut gären, bleibt immer süß und widerlich zu trinken und kann nicht stark oder weinig werden. Gibt man ihm aber genug Wasser, gärt er besser und wird eher klar und wohlschmeckender.

Klären und Wasser entziehen: Wenn er dann klar geworden ist, kann man ihm das überschüssige Wasser mit dem Wasser-Magneten nehmen. So wird er nicht allein lieblicher als ein anderer Honigtrank, weil das Wasser, das man mit dem Magneten davonzieht, den restlichen unlieblichen Honiggeschmack mit sich zieht, sondern dieser Honigwein wird auch recht stark von Geistern und durch den Weinstein weinsäuerlich.

Gewürze: Und wenn man will, kann man dem Honigwasser beim ersten Kochen einige wohlriechende Gewürze zusetzen. Oder, noch besser, man hängt sie bei der Gärung in einem Leinensäcklein zum Spund hinein und lässt sie mitgären. Davon bekommt der Honigtrank einen lieblichen Geschmack. Die Gewürze können so genommen werden: 1 Teil Kardamom, 2 Teile Koriander und 3 Teile der wohlriechenden Iriswurzel. Diese geben dem Honigwein einen lieblichen Geschmack und Geruch. Die Holunderblüten und der Scharlei geben auch einen lieblichen Muskatellergeschmack. Zimt und Nelken sind auch nicht übel. Doch steht es jedem frei, solche Gewürze hineinzuhängen, die ihm nach Geruch und Geschmack am angenehmsten sind.

Ein solcher Honigtrank gibt einen so guten Essig, wie nur irgendein Wein ihn geben kann.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Honig Honig - - -
Zucker Zucker - - -
Waſſer Wasser, zum Lösen und nochmals reines Wasser zum zweiten Ansatz - - -
jungem Biergeſt Junge Bierhefe - Brauereibedarf -
Tartari ſoluti Gelöster Weinstein (optional, für mehr Weingeschmack) - Weinbedarf, Apotheke -
Cardamomi Kardamom (optional, 1 Teil) - - -
Coriander Koriander (optional, 2 Teile) - - -
Irios Wurtzel Iriswurzel (optional, 3 Teile) - Gewürzhandel, Apotheke -
Hollunder Bluemen Holunderblüten (optional) - Kräuterhandel -
Scharley Scharlei (optional) - Gärtnerei, Kräuterhandel -
Cinamom Zimt (optional) - - -
Cariophili Nelken (optional) - - -

Zubereitungshinweis

Was ist das? Ein Met aus Honig, der vor der Gärung bewusst braun eingekocht wird und dem nach der Klärung Wasser als Eis entzogen werden soll. Beide Eingriffe gehören an verschiedene Enden des Verfahrens und dürfen nicht vermischt werden. Mengen für Honig, Wasser, Hefe und Weinstein nennt Glauber nicht, auch keine Dauer.

Das Einkochen. Das erste Wasser dient nur dem Lösen und Abschäumen und geht beim Einkochen wieder weg. Als Ende nennt Glauber allein "dick und braun", je brauner, je besser. Eine Grenze setzt er nicht. Heutiger Hinweis: vor dem Verbrennen aufhören, verbrannter Honig wird bitter. Das frische Wasser vorsichtig zugeben, der heiße dicke Honig schäumt und spritzt.

Der Neuansatz. Jetzt erst zählt das Wasser, und davon will Glauber ausdrücklich mehr als sonst üblich, wie viel, sagt er nicht. Seine Begründung: Zu wenig Wasser gärt schlecht und bleibt süß. Das passt zur Erfahrung, dass Hefe in sehr süßen Ansätzen schlechter arbeitet. Milchwarm wird die genannte Bierhefe zugegeben, damit die Hitze ihr nicht schadet. Der Weinstein ist wahlweise, der Gewürzbeutel auch.

Der Wasserentzug. Er kommt erst, wenn das Getränk klar ist. Beim Gefrieren friert zuerst Wasser, das Eis nimmt aber auch Getränk mit. Nach unserer Deutung wirkt Glaubers Glas als Kältespeicher, ob es das Versprochene leistet, ist ungeprüft. Robert Boyle hatte 1661 Mühe, starken Wein überhaupt zu frieren. "Stärker" und "lieblicher" sind Glaubers Aussagen. Dass der Honiggeschmack mit dem Eis geht, ist eher nicht zu erwarten, denn das meiste, was schmeckt, bleibt im flüssigen Teil.

Praxis. Heutiger Weg, nicht Glaubers Verfahren: Das Glas nicht nachbauen. Seine Füllungen, darunter starke Säuren, hingen in einem Glas im Getränk, und Glas kann brechen. Stattdessen das klare, vergorene Getränk in ein Gefäß mit Platz zum Ausdehnen füllen, im Gefrierschrank anfrieren und das Flüssige vom Eis abziehen. Säuren, Bitterstoffe und Gärnebenprodukte bleiben dabei im Getränk und werden stärker. Die Rechtslage vorher klären.

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