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Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a

Entstehungsort unbekannt (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a), um 1389 · Mittelhochdeutsch (ostmitteldeutsch)

Pulver aus Samen und Erde

Moderne Übersetzung

Nimm aber Kürbis- oder Melonensamen und lege sie in Menschenblut. Lass sie darin sieben Tage lang in der Sonne liegen. Danach nimm sie heraus und gib sie in einen Beutel oder eine Tasche.

Nimm dann reiche, fette Erde, trockne sie und zerkleinere sie ganz klein. Gib sie auch in ein Tuch. Wenn du dann willst, streue das Pulver auf die Erde.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
kerbes zomen ader pfeben zomen Kürbis- oder Melonensamen - Supermarkt, Gärtnerei -
menschen blut Menschenblut - - -
eyn butel ader taschen Beutel oder Tasche - - -
geile veiste erden Reiche, fette Erde - Gärtnerei, Baumarkt -
eyn tuechel Tuch - - -

Zubereitungshinweis

Was wird hier gemacht? Kürbis- oder Melonensamen liegen sieben Tage in Menschenblut in der Sonne, danach kommen sie in einen Beutel. Parallel wird fette, gedüngte Erde getrocknet und ganz fein zerkleinert, das Erd-Pulver kommt in ein Tuch und wird bei Bedarf auf den Boden gestreut.

Funktioniert das? Der Text nennt keinen versprochenen Effekt - anders als der benachbarte Petersilien-Wachstrick. Als Blutdüngung gelesen widerspricht sich das Verfahren selbst: sieben Tage Sonne fördern eher Fäulnis als Nutzwert, und das am Ende gestreute Pulver stammt ohnehin nur aus der Erde, nicht aus dem Blut-Samen-Gemisch - die blutgetränkten Samen im Beutel werden im Text nie wieder erwähnt oder ausgesät. Die Kombination aus Menschenblut und Erde ohne Speisezweck ist als spätmittelalterliche volksmagische Praxis einzuordnen, nicht als nachvollziehbare Anleitung.

fyndling.de/rezepte/n2-010/