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Rasch: Weinbuch (Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben)

Wien / München, um 1580 · Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, Wiener Verfasser, Münchner Druck um 1580; ai für ei, nit = nicht)

Kräuterwein: Grundverfahren mit Spänen und Kräuterlagen im Fass

Moderne Übersetzung

Vom Kräuterwein im Allgemeinen.

Hierin gibt es mancherlei Weisen, wie es eben einem jeden gefällt. Die gebräuchlichste ist, dass man anweist, die Kräuter im Dreißigsten zu sammeln, das ist ungefähr von Mitte August bis Mitte September. Die beste Zeit aber ist, wenn sie blühen. Man soll sie im Schatten trocknen oder wenigstens in einer lauwarmen Stube und sie gut vor Staub bewahren, bis man sie brauchen will.

Um nun Kräuterwein zu machen, richte ein Fässlein her, so groß du willst. Gib Buchen- oder Haselspäne hinein, streue darauf eine Lage Kräuter, ungedrückt, danach wieder Späne und Kräuter, bis das Fässlein voll wird. Ist es zugeschlagen, so fülle es mit Most. Ist er stark, soll er umso öfter abgetrunken und wieder aufgefüllt werden.

Damit man aber weiteren Bericht habe, sollen auch andere Weine gezeigt werden, die man gebraucht, entweder wenn es eilen muss oder um Mühe zu ersparen.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
kreuter kreuter - - -
Buchen Buchen oder Haͤßlin ſpaͤn - - -
Haͤßlin ſpaͤn Buchen oder Haͤßlin ſpaͤn - - -
Moſt fuͤlls mit Moſt - beim Winzer zur Lese -

Zubereitungshinweis

Was ist das? Die Einleitung zu Raschs Abschnitt über Kräuterweine und zugleich sein Grundverfahren: getrocknete Kräuter werden lagenweise zwischen Holzspänen in ein Fässlein geschichtet, das Fass wird mit Most gefüllt. Welche Kräuter, sagt der Text hier nicht; das folgt in den einzelnen Einträgen.

Sammeln und Trocknen. Rasch nennt zwei Zeitpunkte: üblich ist der Dreißigst, also etwa Mitte August bis Mitte September, besser aber die Blütezeit der jeweiligen Pflanze. Getrocknet wird im Schatten, sonst in einer lauwarmen Stube, und staubfrei aufbewahrt.

Die Späne. Wozu die Buchen- oder Haselspäne dienen, sagt dieser Eintrag nicht. Rasch selbst klärt an anderer Stelle trüben Wein mit Buchenspänen und gießt abgezogenen Wein durch Haselspäne, um ihn zu reinigen; beim Beerwein verweist er auf dieses Einmachen mit Spänen zurück. Naheliegend ist auch, dass die Spanlagen die ungedrückten Kräuter locker halten, sodass der Most sie überall erreicht. Das ist eine Deutung, kein Textbefund.

Gärung und Nachfüllen. Das Fass wird erst zugeschlagen, also geschlossen, und dann mit Most gefüllt; die Kräuter gären mit dem Most zu Wein. Wie lange, sagt Rasch nicht. Danach wird vom Fass getrunken und wieder aufgefüllt, umso öfter, je stärker „er“ ist. Ob damit der Most gemeint ist oder der fertige Kräuterwein, lässt der Satz offen.

Praxis. Heute gilt: nur unbehandeltes, ungeräuchertes Holz für die Späne nehmen. Ein mit gärendem Most voll gefülltes Fass schäumt auf und bildet Kohlendioxid; solange es gärt, darf es nicht fest verspundet werden. Dazu sagt Rasch hier nichts, es ist ein heutiger Hinweis.

fyndling.de/rezepte/ras-064/