Rasch: Weinbuch (Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben)
Kräuterwein: Würzgut in Most oder Wein, vor oder nach der Gärung
Moderne Übersetzung
Lässt man aber das Sieden und Destillieren beiseite, so hat der Wein von Natur die Art, dass er leicht Farbe, Geschmack, Geruch, Kraft und Wirkung der Dinge annimmt, die man in ihm ziehen lässt.
In den neuen Most: Manchen gefällt es, die Kräuter, Wurzeln, Blumen, Früchte oder was sonst dem Wein seinen Geschmack geben soll, ins Fass zu tun und den neuen, frisch gekelterten Most darüberzuschütten, viel oder wenig, je nachdem, wie stark der Most oder das, was darübergegossen wird, werden soll.
Nach der Gärung: Andere stecken solche Kräuter, Wurzeln, Blumen oder anderes erst ins Fass, nachdem der Most vergoren hat.
In alten Wein: Die Dritten nehmen dazu einjährigen oder firnen Wein.
Frisch oder trocken: Manche wollen, dass Kräuter, Wurzeln und dergleichen frisch sind, andere nehmen sie getrocknet. Der eine hackt sie, der andere pulvert sie und füllt sie in ein Säcklein, um es hineinzuhängen.
Daraus wähle jeder nach seinem Gefallen. So viel sei nun im Allgemeinen hiervon gesagt; jetzt wollen wir zu den einzelnen Weinen greifen und sie aufzeigen.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Kreuter | Kräuter (frisch oder getrocknet, gehackt oder gepulvert) | - | - | - |
| Wurtzen | Wurzeln (frisch oder getrocknet) | - | - | - |
| Blumen | Blumen (frisch oder getrocknet) | - | - | - |
| Fruͤcht | Früchte | - | - | - |
| den newen außgekelterten Moſt | Neuer, frisch gekelterter Most (vor der Gärung) | - | Winzer, zur Lesezeit im Herbst | - |
| jaͤrigen oder Fuͤrnen wein | Einjähriger oder firner Wein (statt Most) | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Kein Einzelrezept, sondern Raschs Übersicht, wie man Kräuter, Wurzeln, Blüten und Früchte in Wein bringt, ohne zu sieden oder zu destillieren. Seine eigene Begründung: Wein nimmt von Natur leicht Farbe, Geschmack, Geruch, Kraft und Wirkung dessen an, was in ihm zieht.
Most oder Wein. Kommt das Würzgut in den neuen Most, macht es die Gärung mit; heute würde man sagen, der entstehende Alkohol zieht dabei mit aus. Kommt es erst nach der Gärung oder in einjährigen oder firnen Wein, ist es ein Auszug im fertigen Wein. Der Most gärt mit dem Most, eine Hefe nennt Rasch nicht und braucht er nicht.
Frisch, trocken, im Säcklein. Frisch oder getrocknet, gehackt oder gepulvert, alles gleichwertig nach Gefallen. Das Säcklein hält Gehacktes und Pulver beisammen, wenn es ins Fass gehängt wird.
Praxis. Mengen und Zeiten stehen hier nicht; die liefern die Einzelweine, die Rasch anschließt, etwa der Alantwein. Wie man Kräuter sammelt und trocknet und das Grundverfahren mit Spänen im Fässlein steht am Beginn des Abschnitts.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/ras-068/
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