Rasch: Weinbuch (Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben)
Alantwein mit ungekochten Wurzeln im Fass
Moderne Übersetzung
Andere - und das ist zu loben - nehmen die Alantwurzeln, wie gesagt, und hängen sie ungekocht in das Fass.
Wo man diesen Wein auch viel braucht, soll man die Wurzeln umso öfter gegen neue austauschen, damit der Wein bei Kraft bleibt. Denselben soll man fleißig und stets wieder auffüllen.
Dies ist ein sehr nützlicher Trank, besonders für Haupt und Hirn, ebenso um die Nerven zu wärmen und zu kräftigen, wo sie mit Flüssen beladen sind. Er nimmt auch die kalten Gebrechen der Lunge und der Brust, reinigt sie, kräftigt den feuchten, schlecht verdauenden Magen, stärkt die Verdauungskraft, weckt die natürliche Hitze, wärmt die Nerven, öffnet die Harngänge, taugt der Blase und den Geburtsgliedern der Frauen, reinigt diese von allen kalten, phlegmatischen Feuchtigkeiten und fördert auch die Monatsblutung.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Alantwurtzen | die Alantwurtzen/ wie geſagt/ … on geſotten | - | - | - |
| wein | dieſen wein | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Die zweite Art des Alantweins. Statt die Wurzel im eingekochten Most zu sieden wie im Eintrag davor, hängt man sie ungekocht in das Fass mit dem Wein; Rasch hält das für lobenswert. Der Wein zieht Geschmack und Kraft der Wurzel kalt aus. Eine Gärung beschreibt der Text hier nicht, die Rede ist von „dieſen wein“.
Die Wurzel. „Wie gesagt“ greift auf den Eintrag davor zurück: Alantwurzel, im Frühling gegraben, in dünne Scheiben geschnitten, an einen Faden gefasst und an der Luft getrocknet. Am Faden lässt sie sich ins Fass hängen; das ist naheliegend, aber Rasch sagt nicht, wie der Faden befestigt wird.
Tauschen und Auffüllen. Wird viel von dem Wein getrunken, sollen die Wurzeln umso öfter gegen neue getauscht werden, „damit der wein bey krafft bleib“. Zugleich wird das Fass fleißig und immer wieder aufgefüllt. Womit, sagt der Text nicht; mit demselben Wein aufzufüllen, damit der Auszug nicht verdünnt wird, ist eine heutige Annahme. Heute würde man ergänzen: Ein volles Fass lässt wenig Luft an den Wein und schützt ihn so vor Kahm und Essigstich.
Die Wirkungen. Die lange Liste folgt der Säftelehre: Der Wein soll wärmen, die natürliche Hitze wecken und kalte, phlegmatische Feuchtigkeit austreiben. Das ist Raschs Medizin, kein heutiger Gesundheitsrat.
Praxis. Rasch nennt weder Menge noch Dauer. Wie stark der Wein nach Alant schmeckt, regelt man nach Geschmack und über den Wurzeltausch. Wie bitter die Wurzel ist, sagt Rasch beim Sud selbst: dort wird gesotten, bis „jr bittrin vnnd krafft“ herausgezogen ist.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/ras-070/
fyndling.de/rezepte/ras-070/