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Rasch: Weinbuch (Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben)

Wien / München, um 1580 · Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, Wiener Verfasser, Münchner Druck um 1580; ai für ei, nit = nicht)

Kräuterwein nach Wahl: Krauseminze, Schlehen, Judenkirschen, Rosmarin und andere

Moderne Übersetzung

Kräuterwein zu machen, wie du willst. Nimm drei Handvoll Krauseminze in ein Fässlein. Nimm Schlehen, mit den Kernen zerstoßen, das ist gut für den Stein. Nimm Wacholderbeeren und zerstoße sie. Nimm drei Handvoll Judenkirschen in ein Fässlein. Nimm vier Handvoll Rosmarin auf einen Eimer. Salbei, Nelken, Ysop, Wermut - allerlei Kräuterwein mach so.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
(erschlossen) Wein oder Most - - -
Kraußmuͤntzen dꝛey hand voll Krauseminze, drei Handvoll 3 - -
Schlehẽ mit den kernern geſtoſſen Schlehen, mit den Kernen zerstoßen - Wildsammlung im Herbst -
Wechhalterboͤꝛ/ die zerſtoß Wacholderbeeren, zerstoßen - - -
Juden toͤcklin dꝛey hand voll Judendöcklein, drei Handvoll 3 - -
Roſmarin vier hand vol auff ein aymer Rosmarin, vier Handvoll auf einen Eimer 4 - -
Salbey Salbei - - -
Negelin Gewürznelken - - -
Iſop Ysop - - -
Wermut Wermut - - -

Zubereitungshinweis

Was ist das? Keine Schrittfolge, sondern eine Auswahl: Rasch reiht Kräuter, Früchte und Gewürze auf, aus denen man sich einen Kräuterwein macht, und schließt mit „allerley Kreuter wein mach also“. Wein oder Most nennt der Eintrag nicht, ebenso wenig eine Ziehdauer oder den Zeitpunkt im Kellerjahr. Im allgemeinen Abschnitt zu den Kräuterweinen lässt Rasch alle Wege zu: das Würzgut in den neuen Most vor der Gärung, erst nach der Gärung oder in alten Wein.

Die Mengen. Drei Handvoll Krauseminze und drei Handvoll Judenkirschen kommen „in ein väßlin“, ein kleines Fass ohne feste Größe. Nur der Rosmarin ist auf ein Maß bezogen, vier Handvoll auf einen Eimer. Für Schlehen, Wacholderbeeren, Salbei, Nelken, Ysop und Wermut nennt Rasch keine Menge. Schlehen und Wacholderbeeren werden zerstoßen, die Schlehen samt den Kernen; die Begründung „gut für den Stein“ ist Raschs eigene.

Judenkirschen. „Juden töcklin“ ist ein alter Name der Judenkirsche, heute Lampionblume (Physalis alkekengi); Leonhart Fuchs führt 1543 Judendöcklin, Judenhütlin und Judenkirschen als Namen derselben Pflanze. Welchen Teil Rasch meint, sagt er nicht. Heute gelten die grünen Teile der Pflanze als gering giftig, über die Essbarkeit der Beeren gehen die Ansichten auseinander.

Heute bedenklich. Schlehenkerne enthalten wie Kirschkerne Amygdalin, aus dem beim Zerstoßen Blausäure frei werden kann; zerstoßene Kerne sollten nicht in größerer Menge im Wein ziehen. Wermut enthält Thujon und gilt in größeren Mengen als bedenklich.

Praxis. Wer nachstellen will, nimmt ein Würzgut und hält sich an Raschs Verhältnis, wo er eins nennt. Most gibt es nur zur Lese im Herbst; heute liegt es näher, die Kräuter in fertigen Wein zu legen, was Rasch im allgemeinen Abschnitt ebenfalls zulässt. Wie lange sie ziehen, entscheidet der Geschmack, der Text gibt dafür nichts vor. Judenkirschen und Schlehenkerne lässt man heute besser weg. Die Heilwirkung gibt der Text so wieder, wie Rasch sie lobt; als heutiger Gesundheitsrat taugt sie nicht.

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