Rasch: Weinbuch (Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben)
Edler Trunk von Brombeeren, mit Honig in Wein gesotten
Moderne Übersetzung
Nimm ein Maß Honig und fünf Maß Brombeeren und mische das gut zusammen. Danach gib sechsmal so viel Wein dazu. Das siede bei einem Feuer und schäume es gut ab, dass es gut aufwalle. Danach seihe es durch ein Tuch, und wenn es dann erkaltet ist, so setze es wieder ans Feuer und schäume es ab wie zuvor. Dann fülle es in ein sauberes Fässchen und lass es gut zu sich selbst kommen.
Und wenn du es dann trinken willst und es ist zu stark, so mische mehr darunter und mach es so, wie du es gern trinkst. Und dieser Trank ist für alle natürliche Hitze.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ein maß hoͤnig | Maß Honig | 1 | - | - |
| fuͤnff maß Braunbeer | Maß Braunbeeren | 5 | - | - |
| ſechs mahl ſo viel wein | sechsmal so viel Wein | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Ein Trank aus Brombeeren und Honig, nicht mit Wasser, sondern mit Wein angesetzt, zweimal gesotten und abgeschäumt und danach im Fässchen aufbewahrt. Ein Met ist das nicht: die Grundlage ist Wein.
Sechsmal so viel Wein. Worauf sich das „sechsmal so viel“ bezieht, sagt Rasch nicht. Am nächsten liegt die eben gemischte Masse aus Honig und Beeren; die älteren Fassungen desselben Rezepts werden als sechsmal der Honig gelesen. In beiden Fällen ist der Wein der weitaus größte Teil.
Zwei Siedegänge. Erst sieden und abschäumen, bis es gut aufwallt, dann durch ein Tuch seihen, das die Beeren zurückhält. Abkühlen lassen, ein zweites Mal ans Feuer und wieder abschäumen. Wie lange jeweils, sagt der Text nicht; das Zeichen für das Ende des ersten Gangs ist das kräftige Aufwallen. Heute würde man ergänzen: beim Sieden geht ein Teil des Weingeists verloren.
Im Fässchen. „Zu sich selbst kommen lassen“ heißt hier ruhen lassen, bis der Trank sich gesetzt hat. Ob er dabei gärt, sagt Rasch nicht; die älteren Fassungen schreiben an dieser Stelle „lass es gären“. Der Trank ist gesotten und damit weitgehend keimfrei. Gärt er im Fässchen, kommt die Hefe aus dem Holz eines schon für Wein benutzten Fasses. Heute: ohne ein solches Fass etwas Weinhefe zusetzen, wenn er nachgären soll. Eine Nachgärung im fest verschlossenen Gefäß baut Druck auf.
Zu stark? Was „mehr darunter“ gemischt wird, sagt Rasch nicht. Die älteren Fassungen nennen Wein, auf ein Glas Trank zwei Gläser Wein. Rasch überlässt das Maß dem Geschmack.
Praxis. Honig und Brombeeren gut vermengen, den Wein dazugeben, aufsetzen, sieden und abschäumen, bis es gut aufwallt. Durch ein Tuch seihen, abkühlen lassen, noch einmal aufsetzen und abschäumen. In ein sauberes Fässchen füllen und ruhen lassen. Vor dem Trinken kosten und, wenn er zu stark ist, nach Geschmack verdünnen. Ein zuckerreicher Ansatz schäumt beim Aufwallen stark und kocht leicht über.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/ras-111/
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