Das Kochbuch des Balthasar Staindl (Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...)
Holhipen mit Zucker oder Honig
Moderne Übersetzung
Nimm Zucker und weiche ihn in lauwarmem Wasser ein, bis er zergeht. Bereite mit diesem Wasser und Weizenmehl einen Teig und verarbeite ihn fein glatt. Gieße immer nur wenig nach, bis der Teig dick wie ein dünner Salbenteig wird. Nimm dann das Eigelb von einem oder zwei Eiern, rühre es darunter und gib ein wenig zerlassenes Schmalz hinzu. Erhitze das Eisen, gieße mit einem Löffel Teig darauf und drücke es zu. Halte es über das Feuer und wende es mehrmals, je nachdem, wie knusprig du die Waffel haben willst, und achte darauf, dass das Eisen nicht zu heiß wird, sonst verbrennt der Teig. Die Eigelb machen außerdem, dass sich die Waffeln leichter vom Eisen lösen.
Holhipen mit Honig: Nimm Honig, gib ihn unter warmes Wasser und verfahre damit wie oben beschrieben. Gib ebenfalls ein oder zwei Eigelb darunter. Honigwaffeln lösen sich lieber vom Eisen. Die Waffeln mit Zucker dagegen müssen sich beim Backen eher beeilen, denn sie werden schnell knusprig. Von Zeit zu Zeit kannst du Honig und Zucker auch miteinander mischen, denn dann lösen sie sich ebenfalls leicht vom Eisen.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Zucker | Zucker | - | - | Honig |
| laws waſſer | Lauwarmes Wasser | - | Leitung | - |
| waitzen mel | Weizenmehl | - | - | - |
| von eim ay oder zway ſden dotter | Eigelb von 1-2 Eiern | - | - | - |
| zerlaſſens ſchmaltz | Zerlassenes Schmalz | - | - | Butter |
| eiſen | Waffeleisen | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Holhipen sind dünne Waffeln aus einem gesüßten Wasser-Mehl-Teig, die in einem heißen Eisen gebacken werden - Vorläufer der heutigen Waffel-Familie und nahe Verwandte der Hohlhippen und der italienischen Pizzelle. Der Name deutet ursprünglich auf ein zu einer Röhre gerolltes Gebäck; dieses Rezept beschreibt jedoch nur das Backen im Eisen, ein Rollen im Anschluss wird im Druck nicht erwähnt.
„Fein abziehen" - rühren oder ziehen? Der Druck verlangt, den angerührten Teig „fein ab[zu]ziehen". In den übrigen Staindl-Rezepten steht dieselbe Wendung stets mit einem „durch etwas"-Objekt, das hier fehlt; es geht zudem um einen gießbaren Waffelteig, keinen formbaren Teig zum Ausziehen. Wahrscheinlicher ist deshalb der Kochsinn von „abziehen" als „glattrühren", auch wenn eine wörtliche Zug-/Streckbewegung nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen ist.
Praxis. Zucker oder Honig in lauwarmem Wasser auflösen, mit Weizenmehl zu einem glatten, dickflüssigen Teig verrühren - Konsistenz etwa wie eine streichfähige Salbe, nicht wie ein fester Teig; das Wasser dabei in kleinen Portionen nachgießen statt auf einmal, damit der Teig nicht zu dünn gerät. Ein bis zwei Eigelb und etwas zerlassenes Schmalz untermischen; sie helfen zusätzlich, die Waffeln später leichter vom heißen Eisen zu lösen. Das Waffeleisen gut vorheizen, mit dem Löffel eine Kelle Teig eingießen, das Eisen schließen und über der Glut mehrmals wenden, bis die gewünschte Bräunung erreicht ist - eine feste Backzeit nennt der Text nicht, nur die gewünschte Kross-Stufe als Maß, also die Farbe laufend prüfen statt nach der Uhr zu backen. Dabei die Hitze im Auge behalten - der dünne Teig verbrennt bei zu großer Glut schnell. Wer die Zuckervariante bäckt, sollte etwas genauer hinsehen: sie wird nach dem Textbefund schneller knusprig als die Honigvariante.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/std-194/
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