Das Kochbuch des Balthasar Staindl (Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...)
Gebackene Eierstricke
Moderne Übersetzung
Nimm vier oder fünf Eier und schlage sie auf. Nimm die doppelte Menge süßen Rahm im Vergleich zu den Eiern und rühre beides gut zusammen. Gib Semmelmehl hinein und mache den Teig so dick wie ein Straubenteig.
Nimm einen Löffel, der etwa eine Nussschale fasst, und gieße damit den Teig einmal rundherum in die Pfanne, fingerdick. So werden sie hübsch locker und luftig. Der Rahm darf nicht zu fest stehen, sonst werden die Stricke zu schmalzig.
Willst du eine reinere, hellere Fassung der Stricke, nimm von vier oder fünf Eiern nur das Klare, also das Eiweiß. Schlage es mehrmals gut sauber ab und bewahre es in einem kleinen Häfelein auf.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| vier oder fünff ayer | Eier | 4 | - | - |
| zwir ſouil ſuͤſſen rawm als der ayer | Süßer Rahm, doppelte Menge wie die Eier | - | - | Ungeöffnete H-Sahne funktioniert im Lager problemlos ohne Kühlung |
| ſemelmehl | Semmelmehl | - | - | Feines Weißbrot-Paniermehl aus dem Supermarkt |
| von vier oder fünff ayern / nur das klar | Eiklar von 4 Eiern | 4 | - | - |
| Fett zum Ausbacken (im Text nicht wörtlich benannt, aus der Pfann-Technik und den Parallelrezepten des Kapitels erschlossen) | - | - | Pflanzenöl geht ebenfalls |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein dünn ausgegossener Eier-Rahm-Semmelmehl-Teig, der ringförmig in heißes Fett gegossen und gebacken wird - verwandt mit dem Straubenteig-Gebäck desselben Buchs, hier aber zu einem fingerdicken Ring statt zu wirren Schlangen gegossen. Am ehesten vergleichbar mit einem gerollten, ungesüßten Crêpe-Streifen.
Zur Textur ('rogel'). Der Text verspricht, dass die Stricke beim Gelingen 'hübsch rogel' werden - ein oberdeutsch-bairisches Wort für 'locker, porös, luftig' (mehrfach im selben Buch in genau dieser Bedeutung belegt), keine eigene Formbezeichnung neben dem 'Strick'. Steht der Rahm zu fest, werden die Stricke stattdessen fettig statt luftig - eine im Text selbst begründete Beobachtung: ein dickerer Teig braucht länger zum Durchgaren und nimmt dabei mehr Fett auf.
Praxis. Eier und Rahm im Verhältnis 1:2 verquirlen, Semmelmehl einrühren, bis der Teig gießfähig, aber nicht zu dünn ist (Straubenteig-Konsistenz). Löffelweise (etwa ein Teelöffel voll) einmal rundherum in die geschmalzte Pfanne gießen, fingerdick, bei mittlerer Hitze backen, bis die Ränder fest und leicht gebräunt sind, etwa 1-2 Minuten pro Seite. Wer mag, würzt nach Vorbild eines Paralleltextes im selben Buch mit einer Prise Salz - im Text von std-211 selbst kommt Salz nicht vor. Für die hellere Eiweiß-Variante nur das Eiklar von vier bis fünf Eiern mehrfach steif schlagen und bis zur Verwendung kühl aufbewahren.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/std-211/
fyndling.de/rezepte/std-211/