Das Kochbuch des Balthasar Staindl (Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...)
Rosensirup Lupp
Moderne Übersetzung
Mache es also: Nimm ein Maßlein gutes Rosenwasser und zehn Lot feinen Zucker. Gib dies in ein Messinggeschirr oder Pfännlein und lass es kurz aufwallen. Fülle es dann in einen sauberen, neuen, bedeckten Topf. Sobald es kühl ist, gieße es in ein bedecktes Glas.
Solcher Lupp ist sehr gut für kranke Leute, wenn man ihn unter ihren Trank mischt, oder sonst als Labung. Ein wenig davon eingenommen, löscht es den Durst.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ain maͤßlin gut roſenwaſ ſer | Rosenwasser | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Handel | - |
| zehen lot zucker fein | feiner Zucker | 150 g | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein gekochter Rosenwasser-Zucker-Sirup („Lupp“), der kurz aufgekocht und kalt in ein Glas abgefüllt wird - pur oder ins Getränk gemischt als Stärkung für Kranke. Die lebende Verwandtschaft ist der bis heute gebräuchliche Rosensirup beziehungsweise das Rosen-Cordial: Rosenwasser und Zucker eingekocht, verdünnt getrunken oder pur als Labung genommen.
Wie viel „ein Maßlein“ ist. Der Text beziffert das Maß nicht. Für die angegebene Ausbeute von rund 300 ml fertigem Sirup passt eine Menge von etwa 150 bis 200 ml Rosenwasser auf 150 g Zucker - das ergibt eine ausreichend zuckerkonzentrierte, bei Raumtemperatur einige Tage bis Wochen haltbare Lösung. Ein größeres „Maß“ anzunehmen (in Süddeutschland historisch auch um einen Liter) ergäbe einen deutlich verdünnteren, weniger lange haltbaren Trank, der zeitnah verbraucht werden müsste.
Praxis. Rosenwasser und Zucker in einem Messinggeschirr oder Pfännlein nur kurz bis zum sichtbaren Aufwallen erhitzen und sofort vom Feuer nehmen - das schont das flüchtige Rosenaroma und deckt sich mit der knappen Angabe „ein kleins erſieden“ (ein kurzes Aufwallen). In einen sauberen, neuen, bedeckten Topf umfüllen; das vermeidet während der Abkühlphase Fremdgeschmack aus einem bereits benutzten Gefäß - sinnvoll bei einer für Kranke gedachten Zubereitung. Erst nach dem Erkalten in ein bedecktes Glas füllen: Glas ist inert, dicht verschließbar und macht Klarheit und Farbe des Sirups sichtbar.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/std-224/
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