Das Kochbuch des Balthasar Staindl (Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...)
Hadersuppe mit Eierflocken
Moderne Übersetzung
Hadersuppe: Ein Ei sauber aufschlagen. Eine Nussschale voll Wasser nehmen und darin Schmalz zergehen lassen; die Suppe kann dabei nach Belieben gelb gefärbt werden.
Das Pfännchen oder den Topf vom Feuer nehmen, das geschlagene Ei mit dem Wasser hineinschlagen und kurz sieden lassen. So entstehen weiche Eierflocken. Auf ein Brett oder in ein anderes Gefäß gießen; diese Suppe ist für Wöchnerinnen gut.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ain ay | Ei | 1 | - | - |
| nußſchal vol waſſer | Wasser | - | - | - |
| ain ſchmaltz | Schmalz | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine einfache Ei-Wasser-Suppe: geschlagenes Ei wird in eine heiße Wasser-Schmalz-Mischung eingerührt und gerinnt darin zu weichen, zerfahrenen Eierflocken - dasselbe Grundprinzip wie beim heutigen Eierstich oder der italienischen Stracciatella. Der Name „Hadersuppe“ ist kein Rätselwort: Grimm belegt ihn direkt als Suppe mit zerfahrenen Eiern, benannt nach dem zerfetzten, lappigen Aussehen der Eiflocken („Hader“ = Lappen, Stofffetzen - nicht Zank oder Streit). Das Rezept steht im letzten Buch des Werks („Von Suppen“) in einer Reihe eigens für Wöchnerinnen gedachter leichter Suppen (Erbsen-, Wein-, Eier- und Hadersuppe).
Die Vorlage nennt nur einen einzigen wählbaren Schritt: das Gelbfärben („ob du wilt“, wenn du willst). Das Schmalz-Zergehenlassen im Wasser davor ist dagegen ein fester, nicht optionaler Schritt - ohne die Fett-Basis fehlt der Suppe der Charakter.
Welche Zutat die gelbe Farbe liefert, nennt das Rezept an dieser Stelle nicht. Im ganzen Buch ist Gelbfärben aber durchgängig mit Safran verbunden, ein zweites Gelbmittel kommt im Korpus nicht vor - Safran ist daher die naheliegende, period-treue Wahl.
Aus dem Ei entstehen keine geformten Klößchen - ein Kloß setzt eine Bindung mit Mehl oder Semmelbröseln voraus, die hier fehlt. Geschlagenes Ei wird direkt in die heiße Flüssigkeit eingerührt und stockt zu losen, unregelmäßigen Fetzen: Eierflocken, kein Eierkloß.
Praxis. Ein Ei sauber aufschlagen. Eine Nussschale (grob 1-2 Esslöffel) Wasser in ein kleines Pfännchen oder einen Topf geben, etwas Schmalz darin zergehen lassen und, wer möchte, mit etwas Safran gelb färben. Das Gefäß vom Feuer nehmen, das geschlagene Ei einrühren und nur kurz nachziehen lassen, bis es sichtbar gestockt, aber noch weich ist - nicht länger sieden, sonst werden die Flocken zäh statt zart. Auf ein Brett oder in eine Schüssel gießen und warm servieren.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/std-264/
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