Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897
Gerichte vom Schweinswal
Moderne Übersetzung
Von einem Schweinswal kannst du gute Speisen machen. Daraus werden gute Braten, gerade wie von einem anderen Schwein. Und du kannst auch gut Wurst davon machen. Und du kannst auch gutes Wildbret davon machen, vom Blut und vom Brät. Und du kannst auch gut einen Pfeffer davon machen und andere gute Muse.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| merswein | Schweinswal (Delfin) | - | ⚠ Nicht erhältlich, streng geschützt (FFH-Richtlinie Anhang IV). | - |
| plut | Schweinswalblut | - | ⚠ Nicht erhältlich, streng geschützt. | Schweineblut oder Rinderblut (für die Textur und Farbe), aber nicht authentisch. |
| gepreat | Brät (vom Schweinswal) | - | ⚠ Nicht erhältlich, streng geschützt. | Fettes Welsfilet oder Schweinefleisch (für die Textur), aber nicht authentisch. |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Kein einzelnes Gericht, sondern eine Verwertungsübersicht: Der Text zählt auf, was sich aus einem Schweinswal alles herstellen lässt - Braten, Wurst, ein Wildbret-Imitat aus Blut und Brät, dazu ein Pfeffer (eine dunkle, gewürzte Sauce) und weitere Muse. Der Text zieht den Vergleich selbst: der Schweinswal wird „recht als von einem anderm swein“ behandelt, also wie ein gewöhnliches Schlachtschwein. Eine lebende Entsprechung als Einzelgericht gibt es dazu nicht, aber das Grundprinzip - mehrere Produkte aus einer Schlachtung, nichts wird verschwendet - setzt sich in der Wurst- und Blutwurstküche bis heute fort.
Brät statt Fleisch. Was hier „gepreat“ heißt, ist Brät: fein zerkleinertes, rohes Fisch- oder Fleischmus. Zusammen mit dem Blut ist es der Ausgangsstoff für das im Text genannte Wildbret-Imitat - über kräftige Würzung und dunkle Färbung sollte es an echtes Wildfleisch erinnern, auch wenn der Text selbst den Grund dafür nicht ausspricht.
Praxis. Der Text listet nur auf, was sich herstellen lässt - kein einziges Garverb, keine Mengen, keine Zeitangaben. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung lässt sich daraus nicht seriös destillieren, ohne Details zu erfinden. Für das Blut im Wildbret-Imitat bietet sich das aus verwandten Rezepten bekannte Verfahren an: eingekocht statt roh zugesetzt. Ob das so gemeint war, sagt der Text nicht - das bleibt offen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/w1-187/
fyndling.de/rezepte/w1-187/