Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897
Exotische Pfannküchlein im Wein-Honig-Sud
Moderne Übersetzung
Bereite einen Teig mit Eiern zu, so fest wie du ihn nur machen kannst. Färbe den Teig und rolle ihn zu dünnen Blättern aus. Daraus werden Pfannküchlein. Backe diese Pfannküchlein in Schmalz aus.
Nimm einen guten Wein und die Hälfte dieser Menge an Honig. Erhitze beides miteinander, bis es aufwallt. Ziehe die gebackenen Pfannküchlein durch diesen Wein-Honig-Sud, wenn du sie anrichten möchtest.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| taig | Mehl (für den Teig) | - | - | - |
| ayren | Eier | - | - | - |
| verb das | Färbemittel | - | - | - |
| smalcz | Schweineschmalz | - | Metzger | Pflanzenöl (für eine vegetarische Variante) |
| ein guetem wein | Guter Wein | - | - | - |
| halb als vil honig | Honig (halb so viel wie Wein) | - | - | Milder Waldhonig oder Wildblütenhonig |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Dünne, in Schmalz gebackene Teigblätter aus festem Eierteig, anschließend durch einen kurz aufgekochten Wein-Honig-Sud gezogen - kein vergorener Met, sondern lediglich aufgekochter Wein mit Honig. Verwandt ist das Prinzip mit dünnem, in Fett gebackenem Teig, der in Sirup getunkt serviert wird, wie es sich in der Grundidee auch bei griechischen Loukoumades oder spanischen Torrijas findet. Eine konkrete moderne Nachfahre lässt sich nicht benennen, der Vergleich bleibt auf der Ebene des Prinzips.
Das Rezept ist im Korpus außergewöhnlich gut bezeugt, u. a. durch den fast wortgleichen Zwilling b4-213. Einziger inhaltlicher Unterschied: B4 verlangt einen Teig „mit eitel Eiern“ (nur mit Eiern, ohne Wasser oder Milch angemacht), W1 nennt an dieser Stelle nur „mit Eiern“ - eine echte, kleine Handschriftenvariante.
Offen bleibt, womit der Teig gefärbt wurde („verb das“): der Text nennt kein Mittel. Ein period-treues Färbemittel wie Safran ist denkbar, bleibt aber unbelegte Vermutung; eine moderne Lebensmittelfarbe wird hier nicht empfohlen.
Praxis. Mehl mit Eiern zu einem möglichst festen Teig verkneten, dünn ausrollen und in heißem Schmalz backen. Der feste Teig ohne Wasser oder Milch reißt beim Ausrollen leicht; eine kurze Ruhephase vor dem Ausrollen hilft. Parallel dazu einen guten Wein mit halb so viel Honig kurz aufkochen, bis sich beides verbindet. Die gebackenen Teigblätter vor dem Anrichten durch den warmen Sud ziehen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/w1-216/
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