Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°
Gewürzter Lebkuchen
Moderne Übersetzung
Zwipachen-Lebzelten. Nimm fünf Lot Zimtröllchen, drei Lot Nelken, vier Lot Ingwer, drei Lot Pfeffer und sechs Quint Muskatnuss. Stoße alles, doch nicht zu klein.
Nimm dann ein Pfund Zucker und lege ihn in ein Quärtlein Malvasierwein oder etwas mehr. Nimm danach ein Maß Honig, setze es über ein Feuer, lass es zergehen und schäume es gut ab. Lass es dann ein wenig erkalten und gib den Zucker samt dem Malvasierwein in den Honig; danach das oben genannte Gewürz.
Knete es gut mit den Händen, wälze es dann mit Lebzeltenmehl aus und mache es wie einen anderen Lebzelten.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| 5 lot zimetrorlen | 5 Lot Zimtröllchen | - | Online-Gewürzhandel | - |
| 3 lot Negelen | 3 Lot Nelken | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| 4 lot Imber | 4 Lot Ingwer | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| 3 lot pfeffer | 3 Lot Pfeffer | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| 6 quint Muscatnuss | 6 Quint Muskatnuss | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| 1 pfund zucker | 1 Pfund Zucker | - | - | - |
| ain quertlin Maluasier | 1 Quärtlein Malvasierwein oder etwas mehr | - | gut sortierter Supermarkt, Weinhandel | ein anderer süßer Weißwein |
| ein mass honig | 1 Maß Honig | - | - | - |
| lezelten melb | Lebzeltenmehl - kein Weizenmehl, sondern fein geriebener/gemahlener, schon gebackener Lebzelten | - | selbst herstellen: eine Charge einfachen Honig-Lebzelten backen und fein reiben (vgl. wo10-007), oder Reste einer Vorcharge verwenden | Weizenmehl zum Auswälzen (verändert Bindung und Geschmack spürbar - nur Notlösung, kein authentischer Ersatz) |
Zubereitungshinweis
Was der Text vorgibt. Gewürze werden grob gestoßen. Zucker wird in Malvasier eingelegt; Honig wird über dem Feuer zergehen gelassen, abgeschäumt und etwas abgekühlt. Dann kommen Zuckerwein und Gewürze hinzu; die Masse wird mit den Händen geknetet und mit Lebzeltenmehl ausgewälzt.
Kein Weizenmehl. Das „Lebzeltenmehl“ zum Auswälzen ist keine gewöhnliche Backzutat, sondern fein geriebener, bereits gebackener Lebzelten - dasselbe Zwischenprodukt, das das Schwesterrezept wo10-007 ausführlich beschreibt (dort als Bindemittel im Teig selbst, hier zum Auswälzen der fertigen Masse). Wer das nachkochen will, backt vorab eine einfache Charge Honig-Lebzelten, reibt sie fein und verwendet diese Krume statt Mehl. Gewöhnliches Weizenmehl ist eine Notlösung, verändert aber Bindung und Geschmack.
Offenes Backverfahren. Der Schluss „mache ihn wie einen anderen Lebzelten“ verweist auf bekannte Praxis, nennt aber weder Form, Triebmittel noch Backweise oder Temperatur. Diese Lücke lässt sich aus dem Rezept nicht schließen. Wer den Teig heute erprobt, muss ein Backverfahren eigenständig wählen und dies als moderne Rekonstruktion ausweisen.
Mengen heute. Lot, Quint, Pfund, Quärtlein und Maß werden hier absichtlich nicht als feste Gramm- oder Literwerte ausgegeben. Für eine heutige kleine Erprobung müssen die historischen Verhältnisse bewusst auf eine gewählte Probegröße übertragen werden; diese Skalierung ist ein moderner Richtwert, keine im Text belegte Menge.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/wo10-004/
fyndling.de/rezepte/wo10-004/