Worlidge: Britischer Weingarten (Getränke) (Vinetum Britannicum, or a Treatise of Cider, and other Wines and Drinks extracted from Fruits growing in this Kingdom (London 1676))
Cider mit Zusätzen: Wacholder, Ingwer, Kräuter, Beerensaft, Gartennelke
Moderne Übersetzung
Von Zusätzen zum Cider. Es gibt kein Getränk, das Zusätze weniger nötig hat als der Cider, denn er ist von sich aus so vortrefflich, dass jede Zugabe, welche auch immer, ihn weniger angenehm macht. Weil er aber ein so notwendiges Getränk zur Erhaltung der Gesundheit ist und zu einem langen Leben beiträgt, mag er der geeignetste Träger sein, um die Kräfte vieler aromatischer und arzneilicher Drogen, Gewürze, Früchte, Blüten, Wurzeln usw. in jeden Teil des Menschen zu bringen, mehr als jedes andere Getränk.
Wacholder. Mit ihm lässt sich Wacholder-Cider machen, indem man die getrockneten Beeren zusetzt, sechs, acht oder zehn auf jede Flasche beim Abfüllen, oder sonst eine entsprechende Menge ins Fass. Der Geschmack ist etwas fremd, wird aber durch Gewöhnung viel schwächer.
Ingwer. Ingwer kann mit gutem Erfolg zugesetzt werden, denn er macht den Cider spritziger und lebhafter, als er sonst wäre.
Rosmarin und Wermut. Getrockneter Rosmarin kann ins Gefäß gegeben werden und macht ihn nicht sehr unangenehm. Wermut, darin eingeweicht, bewirkt dasselbe wie im Wein.
Johannisbeere. Saft von Johannisbeeren, einfach eingemacht, ohne Zucker oder Wasser: Ein paar klare Tropfen davon färben jungen Cider, der manchem sonst zu süß erscheinen könnte, und lassen ihn reifen.
Himbeere. Der eingemachte Saft von Himbeeren oder der Wein daraus gibt diesem Getränk eine vortreffliche Färbung und macht es sehr angenehm, sofern der Cider nicht zu neu oder zu süß ist.
Maulbeere und Brombeere. Als kühlende Färbung für den Cider ist der Saft der Maulbeere vorzuziehen, gleich danach der Saft der Brombeere. Beide reifen etwa zu der Zeit, in der man Cider macht.
Holunder. Manche empfehlen sehr, Holunderbeeren zusammen mit deinen Äpfeln zu pressen oder ihren Saft deinem Cider zuzusetzen.
Gartennelke. Die Gartennelke, getrocknet und in Cider eingeweicht, gibt ihm eine vortreffliche Färbung und einen vortrefflichen Geschmack.
So lassen sich die Kräfte beliebiger getrockneter Blüten, Blätter, Wurzeln usw. ausziehen und durch den angenehmsten Träger, den es gibt, in unseren Körper bringen.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Cider | Cider | - | - | - |
| the Berries dried, ſix, eight, or ten to each Bottle | die getrockneten Beeren, sechs, acht oder zehn auf jede Flasche | - | - | - |
| Ginger | Ingwer | - | - | - |
| Dried Roſemary | getrockneter Rosmarin | - | - | - |
| Wormwood | Wermut | - | - | - |
| The Juice of Currants preſerv'd ſimply, without any Sugar or Water | Saft von Johannisbeeren, einfach eingemacht, ohne Zucker oder Wasser | - | - | - |
| The Juice of Rasberries preſerv'd, or the Wine thereof | der eingemachte Saft von Himbeeren oder der Wein daraus | - | - | Himbeerwein |
| the Juice of the Mulberry | der Saft der Maulbeere | - | - | - |
| the Juice of the Blackberry | der Saft der Brombeere | - | - | - |
| Elder-berries | Holunderbeeren | - | - | Holundersaft, dem Cider zugesetzt |
| The Clove-July-Flower dried | die Gartennelke, getrocknet | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Kein einzelnes Rezept, sondern Worlidges Liste möglicher Zusätze zum Cider. Grundlage ist fertiger, vergorener Cider, dessen Herstellung in den übrigen Abschnitten seines Buchs steht. Jeder Zusatz wird für sich genannt, eine Menge gibt Worlidge nur beim Wacholder an.
Wacholder beim Abfüllen. Sechs, acht oder zehn getrocknete Beeren kommen in jede Flasche, im Fass entsprechend mehr. Die Beeren geben ihr Aroma ab, solange der Cider auf ihnen liegt; wie lange, sagt Worlidge nicht. Er rechnet selbst damit, dass man sich an den fremden Geschmack erst gewöhnen muss. Heutiger Hinweis: Cider, der beim Abfüllen noch nicht ganz durchgegoren ist, gärt in der Flasche nach und baut Druck auf. Gewöhnliche Flaschen können dann platzen, deshalb druckfeste Flaschen nehmen und kühl lagern.
Ingwer. Dass Ingwer den Cider spritziger und lebhafter macht, ist Worlidges Beobachtung. Ob der Ingwer die Nachgärung anregt oder nur frisch und scharf schmeckt, erklärt er nicht. Form und Menge des Ingwers nennt er nicht.
Rosmarin und Wermut. Beide ziehen im Cider aus. „Wie im Wein“ verweist auf den Wermutwein, den man kannte und den auch Ludwig 1706 als „Wormwood-wine, wermuthwein“ führt. Wermut ist stark bitter und enthält Thujon; heute nur sparsam verwenden.
Beerensäfte. Der Johannisbeersaft soll jungen Cider ausgleichen, der noch zu süß schmeckt: Wenige Tropfen färben und bringen Säure. Wie der Saft ohne Zucker haltbar gemacht wird, beschreibt Worlidge hier nicht; heute würde man ihn erhitzt in saubere Flaschen füllen oder frisch verwenden. Himbeersaft oder Himbeerwein setzt er nur bei Cider ein, der nicht zu neu und nicht zu süß ist. Maulbeere und Brombeere nennt er „kühlend“, eine Wirkung, die er diesen Säften zuschreibt; sichtbar ist vor allem ihre dunkle Färbung. Beide reifen zur Ciderzeit und sind dann frisch zur Hand.
Holunder. Zwei Wege: Die Beeren werden mit den Äpfeln gepresst und gären mit dem Most zusammen, oder ihr Saft kommt in den Cider. Rohe Holunderbeeren, besonders unreife, sowie Stiele und Blätter können Übelkeit auslösen; heute nimmt man nur reife Beeren ohne Stiele, für den späteren Zusatz meist erhitzten Saft.
Gartennelke. Gemeint sind die getrockneten Blüten der Gartennelke, nicht Gewürznelken. Im Cider eingeweicht geben sie Farbe und ihren nelkenartigen Duft.
Praxis. Einen fertigen Cider nehmen und die Zusätze einzeln ausprobieren; außer beim Wacholder nennt Worlidge keine Mengen, also mit wenig beginnen. Wer Holunder mit den Äpfeln presst, braucht die ganze Cidergärung: Bei Worlidge kommt die Hefe von der Frucht und aus dem immer wieder benutzten Fass; ohne ein solches Fass setzt man heute Cider- oder Weißweinhefe zu.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/wor-004/
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