Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187
Hechtklößchen aus dem Presstopf
Moderne Übersetzung
Noch ein Mus vom Hecht: Schuppe einen Hecht, entferne die Gräten, hacke ihn und stoße ihn im Mörser.
Gib Mehl und Hefe, Pfeffer und Salz dazu und menge alles zu einem Kloß.
Leg den Kloß in einen Topf, der unten ein Loch hat, etwa fingerdick, und drücke ihn durch das Loch in eine Pfanne, in der Öl oder Schmalz siedet. Backe die entstehenden Klößchen darin gut aus und richte sie an.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ein hecht | Hecht | 1 | Fischhändler | Zander oder Wels als milde Alternative |
| mel | Mehl | - | - | - |
| heffen | Hefe | - | - | - |
| pheffer | Pfeffer | - | - | - |
| salcz | Salz | - | - | - |
| Oll oder smalcz | Öl zum Ausbacken | - | - | Schmalz |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das?
Ein gestoßener Fischteig aus Hecht, Mehl und Hefe wird durch ein Loch im Topfboden direkt ins siedende Fett gepresst und dort ausgebacken - kleine, goldbraun ausgebackene Fischklößchen, geformt per Extrusion statt von Hand. Am nächsten steht stofflich und technisch die französische Quenelle de brochet (Lyoner Hechtklößchen): im Mörser fein gestoßenes Hechtfleisch, mit einem mehlbasierten Bindemittel zu einer Masse verarbeitet und in Klößchenform gegart - eine auffällige Konvergenz im Machprinzip, ohne belegte historische Linie zwischen dieser Handschrift und der späteren französischen Küche. Näher in der deutschsprachigen Gegenwart stehen klein ausgebackene Fischbällchen, wie sie an Fischbratständen verkauft werden, auch wenn die heute kaum noch durch ein Loch im Topfboden geformt werden.
Die Hefe im Teig.
Der Zwillingstext im Schwesterband W1 (w1-147, corema_recipe_id w1.146) beschreibt an der Parallelstelle denselben Ablauf, nennt dort aber keine Hefe - es heißt nur "mel vnd pheffer vnd salcz" statt B4s "mel vnd heffen pheffer vnd salcz". Das deutet darauf hin, dass die Hefe eine B4-spezifische Ergänzung sein könnte und nicht zwingend zum gemeinsamen Grundtext beider Handschriften gehört. Der Text nennt zudem keine Ruhezeit zwischen dem Einmengen der Hefe und dem Frittieren; ohne Gehzeit entfaltet Hefe kaum Triebkraft, bevor die Hitze sie abtötet - ihre Funktion dürfte hier eher der Bindung und dem Geschmack dienen als einem tatsächlichen Aufgehen des Teigs.
Praxis.
Hecht schuppen, entgräten, das Filet hacken und im Mörser zu einer feinen, streich- und pressfähigen Farce stoßen - eine Küchenmaschine oder ein kräftiger Blender leisten heute dasselbe. Mehl, Hefe, Pfeffer und Salz untermengen, bis eine feste, formbare Masse entsteht: Der Text nennt keine Mengenverhältnisse, und wie fest die Masse sein muss, damit sie sich durchs fingerdicke Loch drücken lässt, ohne im heißen Fett auseinanderzufallen, bleibt im Original offen - das ist ehrlich Erfahrungssache, keine feste Regel. Statt des historischen Lochtopfs leisten ein stabiler Spritzbeutel mit weiter Tülle oder eine Spätzlepresse denselben Dienst: die Farce portionsweise direkt in siedendes Öl oder Schmalz drücken und goldbraun ausbacken.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/b4-142/
fyndling.de/rezepte/b4-142/