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Das Buch von guter Speise (Daz buoch von guoter spîse)

Würzburg, ~1350 · Mittelhochdeutsch

Würziger Senf-Anis-Sud zum Einlegen

Moderne Übersetzung

Mahle Kümmel und Anis mit Pfeffer, Essig und Honig. Färbe die Mischung gelb mit Safran und rühre Senf hinein. In diesem Sud kannst du nun einlegen: Petersilie, Beeren, klein geschnittenes Sauergemüse oder Rüben, oder was immer du magst.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
kuemel Kümmel, gemahlen 1 TL - -
enis Anis, gemahlen 1 TL - -
pfeffer schwarzer Pfeffer, gemahlen ½ TL - -
ezzige Weinessig 200 ml - -
honige etwas Honig - Supermarkt -
saffran Safranfäden (in wenig warmem Wasser einweichen) 1 Prise Leitung -
senf gelbe Senfsaat (ganz oder grob geschrotet) 1 EL Supermarkt, Gewürzhandel Wenn keine Senfsaat zur Hand: 2 EL mittelscharfer Senf, schmeckt anders, da die Paste schon mit Essig und Aromen angerührt ist.
petersielien (zum Einlegen) frische Petersilie, gewaschen - Supermarkt, Markt Andere frische Kräuter wie Dill, Estragon
bern (zum Einlegen) Handvoll frische oder getrocknete Beeren (Wacholder, Holunder, Schlehen) 1 Wald, Wochenmarkt, Online-Gewürzhandel Wacholderbeeren passen klassisch zu solchen Würzsuden
clein cumpost (zum Einlegen) Klein geschnittenes Eingelegtes (z.B. Sauerkraut, eingelegte Rüben, Salzgurken) - Supermarkt Cumpost = mhd. für eingelegtes/fermentiertes Gemüse, NICHT süßes Obstkompott
rueben (zum Einlegen) Rüben, klein geschnitten - Supermarkt, Markt Im Text als gleichrangige Alternative zum eingelegten Cumpost genannt ('clein cumpost oder rueben')

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Dies ist eine kalte, würzige Essig-Senf-Lake zum Einlegen von Kräutern, Beeren und bereits eingelegtem Gemüse - kein eigenständiges Gericht, sondern eine Würzmarinade zur Vorratshaltung. Die nächste lebendige Verwandtschaft findet sich heute in gewürzten Essig-Suden mit Senfkörnern, wie sie für Senfgurken verwendet werden, sowie strukturell in der englischen Piccalilli-Tradition (Essig, Senfsaat, Gelbfärbung, eingelegtes Gemüse) - unabhängig entstanden, aber demselben Konservierungsprinzip folgend.

Der Senf. "Senf" konnte im 14. Jahrhundert Saat, Mehl oder fertige Paste meinen. Für einen mehrtägigen Einlege-Sud passt Senfsaat am besten: Sie gibt ihre Schärfe langsam an die Lake ab, während sich fertige Paste beim Durchziehen auflösen würde und Mehl den Sud eintrübt.

Suelze - einlegen, nicht Sülze. "In mahtu suelze" meint hier das Verb "sülzen" im Sinn von "einlegen, in Essig konservieren", verwandt mit "salzen" und "pökeln". Sülze als feste Gallerte wäre hier kulinarisch unpassend, sie würde sich im Essigsud auflösen.

Cumpost. Das im Rezept genannte "cumpost" ist bereits eingelegtes, saures Gemüse (Sauerkraut, eingelegte Rüben, Salzgurken) - kein süßes Obstkompott. Es kommt fertig in den Sud, wird also nicht selbst neu angesetzt. Als gleichwertige Alternative dazu nennt das Rezept klein geschnittene Rüben.

Praxis. Zerstoße Kümmel, Anis und Pfeffer im Mörser und verrühre sie mit dem Weinessig und etwas Honig zu einem Sud. Rühre die eingeweichten Safranfäden für die Gelbfärbung ein, dazu die Senfsaat. In diesen kalten Sud gibst du Petersilie, Beeren, bereits eingelegtes Gemüse oder Rüben - für sichere Lagerung empfiehlt es sich, alles vollständig von Flüssigkeit bedeckt zu halten, während es durchzieht (eine feste Vorgabe dazu nennt der Text nicht). Eine Kochstelle brauchst du für keinen Schritt.

Sicherheits-Hinweis. Bewahre Sud und Eingelegtes gekühlt auf und verzehre es innerhalb weniger Tage bis maximal zwei Wochen - für unbegrenzte Lagerung bei Raumtemperatur ist die historische Methode nicht ausgelegt.

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