Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich))
Jungfernhonig aus weißen Waben ohne Brut
Moderne Übersetzung
Man nimmt und sucht die weißesten und reinsten Honigwaben aus, in denen keine Bienenbrut oder Brutwerk ist, wie Palladius lehrt. Die Brut ist sauber wegzunehmen, wenn man den Honig reinigen will.
Und man bricht sie und füllt sie in die vorgenannten langen Körbe und lässt sie in einige Fässer abtropfen. Und man stellt sie an kühle Orte, damit sie hart werden.
Dieser Honig wird ganz weiß und rein und ist anfangs, ehe er erstarrt, wie ein sehr dicker, klarer venezianischer Terpentin. Das ist der beste ungepresste oder Jungfernhonig oder Seemhonig.
Ungepresster oder Jungfernhonig heißt er deshalb, weil er ohne Pressen durch die Körbe läuft. Den Honig, den man durch Pressen gewinnt, nennt man schlicht Honig. Den Rest, der dann im Korb geblieben ist, gibt man gesondert in ein Fass, sei es für groben Honig oder um Met zu machen, wovon wir hiernach sprechen werden.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| witſte eñ ſuyverſte Honichraten | die weißesten und reinsten Honigwaben | - | Imker | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Honiggewinnung, keine Speise: der Honig, der ohne Druck aus zerbrochenen Waben läuft. Clutius kündigt das als besseren Weg an als das gewöhnliche Verfahren in clu-042, bei dem der Korbinhalt samt Bienen und Brut in die Tonne gestoßen wird.
Auslesen. Der Unterschied liegt vor dem ersten Tropfen: Nur die weißesten Waben ohne Brut kommen in den Korb. Gleich im Anschluss sagt Clutius, dass die Brut und was sonst mitgepresst wird die Menge zwar mehrt, aber nicht verbessert.
Durch den Korb. Das Brechen öffnet die Zellen, der Korb hält das Wachs zurück, und der Honig tropft ins Fass. Es ist derselbe lange Korb wie in clu-042, dort mit den Seihkörben der Brauer verglichen. Wie lange das Tropfen dauert, sagt er hier nicht; dort endet es, wenn das meiste Tropfen aufhört. Dass die Masse noch lauwarm sein soll, steht ebenfalls nur dort.
Hart werden. Frisch ist der Honig so dick und klar wie zähes Harz, an kühlen Orten wird er hart. Heute nennt man das Kristallisieren.
Der Rest. Was im Korb bleibt, wird getrennt verwahrt. Das Pressen zu grobem Honig steht in clu-042, der Met aus dem abgespülten Rest in clu-016.
Praxis. Das ist heute Imkerarbeit, Honig wird meist geschleudert. Im Kleinen lässt sich das Verfahren mit brutfreien Wabenstücken nachvollziehen; ein Sieb über einem Gefäß ersetzt dabei den Korb.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/clu-043/
fyndling.de/rezepte/clu-043/