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Jungfernhonig aus weißen Waben ohne Brut

Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich) · Leiden (Holland) · 1597

RezeptSonstigesMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchClutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (~1597)

Man nimmt und sucht die weißesten und reinsten Honigwaben aus, in denen keine Bienenbrut oder Brutwerk ist, wie Palladius lehrt. Die Brut ist sauber wegzunehmen, wenn man den Honig reinigen will.

Und man bricht sie und füllt sie in die vorgenannten langen Körbe und lässt sie in einige Fässer abtropfen. Und man stellt sie an kühle Orte, damit sie hart werden.

Dieser Honig wird ganz weiß und rein und ist anfangs, ehe er erstarrt, wie ein sehr dicker, klarer venezianischer Terpentin. Das ist der beste ungepresste oder Jungfernhonig oder Seemhonig.

Ungepresster oder Jungfernhonig heißt er deshalb, weil er ohne Pressen durch die Körbe läuft. Den Honig, den man durch Pressen gewinnt, nennt man schlicht Honig. Den Rest, der dann im Korb geblieben ist, gibt man gesondert in ein Fass, sei es für groben Honig oder um Met zu machen, wovon wir hiernach sprechen werden.

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witſte eñ ſuyverſte Honichraten die weißesten und reinsten Honigwaben - Imker -

Was ist das? Honiggewinnung, keine Speise: der Honig, der ohne Druck aus zerbrochenen Waben läuft. Clutius kündigt das als besseren Weg an als das gewöhnliche Verfahren in clu-042, bei dem der Korbinhalt samt Bienen und Brut in die Tonne gestoßen wird.

Auslesen. Der Unterschied liegt vor dem ersten Tropfen: Nur die weißesten Waben ohne Brut kommen in den Korb. Gleich im Anschluss sagt Clutius, dass die Brut und was sonst mitgepresst wird die Menge zwar mehrt, aber nicht verbessert.

Durch den Korb. Das Brechen öffnet die Zellen, der Korb hält das Wachs zurück, und der Honig tropft ins Fass. Es ist derselbe lange Korb wie in clu-042, dort mit den Seihkörben der Brauer verglichen. Wie lange das Tropfen dauert, sagt er hier nicht; dort endet es, wenn das meiste Tropfen aufhört. Dass die Masse noch lauwarm sein soll, steht ebenfalls nur dort.

Hart werden. Frisch ist der Honig so dick und klar wie zähes Harz, an kühlen Orten wird er hart. Heute nennt man das Kristallisieren.

Der Rest. Was im Korb bleibt, wird getrennt verwahrt. Das Pressen zu grobem Honig steht in clu-042, der Met aus dem abgespülten Rest in clu-016.

Praxis. Das ist heute Imkerarbeit, Honig wird meist geschleudert. Im Kleinen lässt sich das Verfahren mit brutfreien Wabenstücken nachvollziehen; ein Sieb über einem Gefäß ersetzt dabei den Korb.

Was unterscheidet Jungfernhonig vom gepressten Honig?

Jungfernhonig läuft ohne Pressen von selbst durch den Korb. Clutius nennt ihn den besten und beschreibt ihn als ganz weiß und rein. Den gepressten nennt er schlicht Honig. Der Rest im Korb geht gesondert in ein Fass, für groben Honig oder für Met.

Was meint Clutius mit dem Terpentin?

Ein zähes, klares Harz, nicht das dünne Terpentinöl. Der Vergleich zeigt, wie dick und durchsichtig der frisch abgelaufene Honig ist, ehe er erstarrt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (1597, Leiden - Holland). Aus dem Bienenbuch des Leidener Apothekers und Hortulanus Theodorus Clutius, im Gespräch mit Carolus Clusius: das dritte Buch über Honig und Wachs mit der Honiggewinnung (ungepresster, Jungfern- und grober Honig), geläutertem Honig, in Honig kandierten Schalen, Früchten, Wurzeln und Rosen, Quittenbrot, Fruchtpasten, Marzipan, Met, weinartigem Honigwasser, rotem und weißem Hypocras, Branntwein, Wermutwein und Essig aus Met, dazu Wachs läutern und bleichen, Kerzen, Fackeln, Siegelwachs, Pfropfwachs und Wachstuch.

Men neemt ende ſoert de witſte eñ ſuyverſte Honichraten daer geen Byenbꝛoet ofte Bꝛoetwerc in is, gelijck Palladius leert; het Bꝛoet ſal ſuyver wech te nemen alſmen den Honich wil ſuyveren, ende men bꝛeectſe ende vultſe inde vooꝛſ. lange manden ende laetſe lecken in eenige vaten, ende men ſteltſe in coele plaetſen, om datſe hert woꝛden ſoude. Dees Honich valt geheel wit eñ ſuyver, eñ is int begintſel eer hy ſtolt, gelijc een ſeer dicken claren Veneetſchen Terpentijn, ende dit is den beſten ongepijnde ofte Maechden-Honich ofte Seemhonich: Wert daerom ongepijnden ofte Maechden-Honich geheeten, om dat hy ſonder perſſen loopt dooꝛ de manden, ende den Honich die met perſſen wert vercregen, heetmen ſimpelic Honich, die reſte die vooꝛts inde mant is geblevẽ, doetmen byſonder in een vat, het ſy om groven Honich ofte om Meede te maken, waer van wy hier na ſpꝛeken ſullen.
Palladius

Spätantiker römischer Schriftsteller über die Landwirtschaft, hier als Gewährsmann für die Wahl der Waben genannt.

lange manden

Körbe. „Vooꝛſ.“ heißt vorgenannt und verweist auf clu-042, wo der lange Korb mit den Seihkörben der Brauer verglichen wird.

Veneetſchen Terpentijn

Kein Lösungsmittel, sondern das zähe Harz: Kiliaan erklärt „Venedschen termentijn“ als resina oleosa. Hier nur Vergleich für die Dicke.

ongepijnde / Maechden-Honich / Seemhonich

Drei Namen für denselben Honig. Kiliaan (1599): „onghepijnden honigh“ ist ungepresst, maeghden honigh ist mel non pressum, „seem-honigh“ das holländische und friesische Wort dafür.

Druck
Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich)
Teil
Nachtrag: Honig gewinnen
Sprache
Frühneuniederländisch (Leiden 1597), Fraktur; Gespräch zwischen Theodorus Clutius und Carolus Clusius
Entstehung
Leiden (Holland), 1597

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartſoert

Gewählte Lesart: „sucht aus“: Nach „neemt ende“ und vor den Superlativen ist Auswählen gemeint, was immer das Verb genau ist. Im Druck sind c und r hier kaum zu trennen, „ſoect“ (sucht) passt am besten.

Andere mögliche Lesart:

  • „ſoert“ wie gedruckt, als Form von „sortieren“ - Ergäbe denselben Sinn, ist so aber in den Wörterbüchern nicht belegt; Kiliaan kennt nur „sortéren“. Mnw „soeren“ verweist auf „soren“ und passt nicht.

Lesartſuyveren

Gewählte Lesart: „reinigen“: Hier geht es darum, die Brut herauszuhalten, nicht um einen weiteren Arbeitsgang.

Andere mögliche Lesart:

  • „läutern“ wie in clu-001 - Dort wird der Honig mit Eiweiß und Wasser gekocht; davon steht hier nichts.

Originalwerk (~1597) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 166, Google Books (Y0NnAAAAcAAJ)
Transkription
Eigene Transkription (Kraken-OCR nach dem Google-Digitalisat, je Rezept am Scan korrigiert) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/clu-043
LagerkücheLagerküche
Imkerarbeit: Honig aus Waben gewinnen, keine Zubereitung.
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Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.