aines gelides lang
→ ein Fingerglied lang (ca. 2-3 cm) (Lemma: fingerglied lang)
Technikalemannisch
Schnittangabe
Fremde Wörter im Originaltext entschlüsselt: 238 kuratierte Lesefallen mit Beleg & Quelle, plus ein automatisch geerntetes Register mit rund 1125 weiteren Begriffen.
Eine Lesefalle ist ein Wort, das wie modernes Deutsch aussieht, aber etwas anderes bedeutet - „arwis" ist keine „erwiesene" Sache, sondern alemannisch für Erbse. Mittelalterliche Kochtexte sind voll solcher Fallen, und wer sie übersieht, übersetzt am Sinn vorbei.
Die 238 kuratierten Einträge unten sind von Hand gegen Editionen und historische Wörterbücher geprüft (Ehlert 1999, Lexer, Schweizerisches Idiotikon, Fischer, Goetze, MHDBDB, Gloning, CoReMA/Wikidata) und mit Beleg-Rezepten verknüpft. Das Begriffsregister darunter ist automatisch aus den Anmerkungen aller Rezepte geerntet und nicht redaktionell geprüft - nützlich zum Stöbern, aber ohne dieselbe Verlässlichkeitsgarantie. Wörterbuch-Belege basieren auf OCR historischer Drucke (19. Jh.) und sind kritisch zu lesen.
→ ein Fingerglied lang (ca. 2-3 cm) (Lemma: fingerglied lang)
Technikalemannisch
Schnittangabe
→ Erbsen (bair./österr. Arbeis/Erbeis) (Lemma: erbse)
ZutatbairischLesefalle
bair./österr. Arbeis/Erbeis = Erbse (Goetze, Grimm); Wortfamilie mit arwis (alem.) und aribassen (Backerbsen). NICHT Ackerbohne/Saubohne (das wäre „Bohne"). mon-047/048: Erbsen-Püree als Schau-/Imitationsgericht (Scheinbraten bzw. „Regenwürmer" durchs Sieb).
→ Backerbsen (erbsengroße Teigtröpfchen, durch den Schaumlöffel ins heiße Schmalz ausgebacken) (Lemma: erbse)
GerichtbairischLesefalle
bair. Dialektform zu „Erbsen"; hier der Gerichtsname (Backerbsen), nicht als Eigenname stehenlassen. Wortfamilie vgl. alem. arwis = Erbse (m384). Technik: Teig durch Schaumlöffel ins Fett gießen.
→ Erbse (Lemma: erbse)
ZutatalemannischLesefalle
arwiszen/ärwißen; NICHT „erwiesen/bekannte Art"
→ Schalotte, von lat. ascalonia (Ascalon) (Lemma: schalotte)
Zutatmittelhochdeutsch
Wiederkehrende Zutat im Buch von guter Speise, klar von "Knoblauch" (knobelouch) zu unterscheiden.
→ Den Duft/das Aroma verlieren, ausdünsten (Grimm DWB: "exhalare, evaporare, den geruch verlieren") - NICHT "verderben/schlecht werden" (Lemma: ausriechen)
BegrifffrühneuhochdeutschLesefalle
Naheliegende Fehllesart "verderben" im Konservierungskontext, durch Grimms DWB widerlegt (nur "Geruch verlieren" belegt, Beispiel Hans Sachs). mon-186 trennt textlich klar Aroma-Frische ("nicht awsriech über 8 Tage") von Gesamthaltbarkeit ("Iar vnd tag") - zwei verschiedene Eigenschaften, kein Widerspruch. Löste den bis dahin ungeklärten Hapax-Crux in mon-184 auf.
→ Bein / Knochen (bei Krebsen: Beine/Scheren) (Lemma: bein)
SonstigesalemannischLesefalle
bain von den buchen; NICHT Schalen/Brühe
→ Pastetenkopf - eine geformte, mit Fleisch gefüllte oder ausdrücklich leere ("ler") Teighülle als Aufbau-Element von Schaugerichten (Lemma: pastetenkopf)
Gerichtmittelhochdeutsch
"Bastel" meint im Buch von guter Speise sowohl gefüllte Pastetenschalen (bastel kopf) als auch reine Teig-Zierstücke (bgs-093) - je nach Rezept zu unterscheiden, keine feste Einheitsbedeutung.
→ Pastete (Lemma: pastete)
GerichtalemannischLesefalle
auch basteten; NICHT „rätselhaft/Bastard"
→ Beeren (e-Vokal) (Lemma: beere)
ZutatbairischLesefalle
beren (e) = Beeren, ABER biren/piren/pirnen (i) = Birnen - Vokal entscheidet. 'dezgleichen' kann Methode meinen, nicht Frucht
→ Barsch (Fisch), NICHT ein Adjektiv zur Mandelmilch (Lemma: barsch)
TiermittelhochdeutschLesefalle
bgs-062 galt bisher als reines Mandelmus ("bersige mandelmilich" = kräftige/zerstoßene Mandelmilch, angeblich zu mhd. "birsen" = jagen/fischen - dafür existiert aber kein Wörterbuchbeleg als Adjektiv). Im selben Buch bezeichnet "bersige" an zwei anderen Stellen (bgs-055, bgs-056) eindeutig den Fisch Barsch. Alle vier Quadriga-Personas konvergierten auf die Fisch-Lesart - bgs-062 ist damit ein Fastenfischgericht, kein veganes Mus.
→ Schneidet/putzt sie sauber zurecht (Lemma: sauber zurecht)
Verbmittelhochdeutsch
Vorbereitungsschritt vor dem eigentlichen Garen, keine eigene Garanweisung.
→ Rote Bete - liefert im Buch von guter Speise die rote Färbung für Saucen wie Agraz (Lemma: bete)
Zutatmittelhochdeutsch
Nicht zu verwechseln mit dem neuhochdeutschen "Benzin" (rein orthografische Ähnlichkeit, kein etymologischer Zusammenhang).
→ Birnen (Plural von Birne) (Lemma: birne)
Zutatüberregional (fnhd.)Lesefalle
bieren/biren/pyern = Birnen, NICHT Bier(e) (auch wenn die Form heute wie ein Plural von "Bier" aussieht) und NICHT Beeren - Letzteres die eigentliche historische Verlesungsgefahr wegen Nähe zu (Wacholder)beeren (Ehlert übersetzt durchweg Birnen)
→ flaches Gewürz-Backwerk (mit Piment gebacken); zelten = Fladen/flacher Kuchen (Lemma: zelten)
ZutatalemannischLesefalle
bimezelten/bymenczelten; Pfeffer-/Lebzelten-artig, gerieben als Binder+Gewürzträger; NICHT neutrale Semmelbrösel. Verwandt: leczelten/lepczelten=Lebzelten
→ Birsing/Bersing = Barsch (Fisch), NICHT Pfirsich (Lemma: barsch)
Zutatfnhd.Lesefalle
KKM schreibt Pfirsich getrennt "Pfirsing" (kkm-039); Birsing/Bersing immer Fisch (Sülze/Fischbrüh). Modell-Falle: als Pfirsich gelesen.
→ Blancmanger (weißes Prunkgericht aus Geflügel oder Fisch, Mandelmilch, Reismehl) (Lemma: blancmanger)
Gerichtbairisch
Handschriftlicher Name des Blancmanger im Buch guter Speise (auch „blamenser"). Kein Hapax innerhalb dieser Quelle, aber außerhalb des BvgS im Korpus nicht belegt - andere Quellen nennen dasselbe Gericht anders (mhd./frnhd. „weißmus"/„weißes gericht", katalanisch „menjar blanc", italienisch „biancomangiare"). Siehe Grundlagen-Kapitel Blancmanger für die vollständige Familie.
→ Eierpfannkuchen (Deckel/Einlage) (Lemma: eierpfannkuchen)
Zutatalemannisch
ayer plat; flacher Eier-/Pfannkuchen
→ Blüte
Pflanzealemannisch
plüst; z.B. bonen bluost=Bohnenblüte
→ Baumnüsse = (grüne) Walnüsse (Lemma: baumnuss)
ZutatalemannischLesefalle
boun nusz; NICHT Bohnen
→ Acker-/Saubohne (Vicia faba); vor 1500 die einzige Bohne (Lemma: ackerbohne)
ZutatalemannischLesefalle
bonen/bon = Acker-/Saubohne; NICHT moderne grüne/Kidneybohnen (Phaseolus erst nach 1500); nicht verwechseln mit „bon nusz"=Baumnuss
→ Erdbeere (Fragaria) (Lemma: erdbeere)
Pflanzeüberregional (fnhd.)Lesefalle
bresteling/Bräschtling/Brestling = Erdbeere, NICHT Preiselbeere/Heidelbeere; steht oft neben bromber=Brombeere
→ Borretsch (Borago officinalis) (Lemma: borretsch)
Pflanzealemannisch
essbare Garten-/Heilpflanze
→ Traubenkämme / Stielgerüst der Weintraube (Rappen) - das holzige Gerüst, an dem die Beeren sitzen (Lemma: kamm)
PflanzebairischLesefalle
Mondsee-Variante zu kammen (ch/k-Lautung). Traubenkämme = Rappen/Stielgerüst; „ab den chempten brechen" = die Beeren abbeeren/entrappen (vom Gerüst lösen). Weinbau-Begriff. Frisch-Indikator: meint frische Weintrauben, nicht Rosinen. Cross-source vgl. ri15632-043 kammen.
→ Kerne (Mandelkerne oder Quittenkerne) - ODER Kirschen, im Korpus nicht abschließend geklärt (Lemma: kern)
ZutatbairischLesefalle
→ Topf / Pfanne (Kochgefäß) (Lemma: topf)
GerätbairischLesefalle
Bairische ch-für-t-Lautform (vgl. bair. „hafen" als Parallelbegriff für Topf). NICHT der Kopf des Tieres. Mon-071 übersetzt „leg sie dann in den Topf", mon-072 hat dieselbe Form zweimal an vergleichbarer Stelle; Zwilling mha-139 hat dort „in den Hafen"/„in der Pfanne oder in dem Hafen". Mon-103 („choppf voll von tail" = ein Gefäß voll Teig) wird durch Zwilling mha-151 („hafen von taig") bestätigt.
→ Wacholderbeere (Lemma: wacholder)
ZutatbairischLesefalle
Mondsee-Variante zu kranbipir/Kranbeer = Wacholder. NICHT Preiselbeere/Cranberry - ein bekannter falscher Freund. Beleg: m5919-009 ("Brachvogel am Spieß mit Wacholderbeeren").
→ Krebse / Krebs-Speise (Lemma: kreusen)
ZutatbairischLesefalle
Mondsee-Variante zu krewssen = Krebse (mon-016, im Rezepttext; Titelform grewssen). NICHT „Krausen/Gebäck".
→ Teigtasche / Hülle (nicht „Kropf" im anatomischen Sinn) (Lemma: kropf)
GerätbairischLesefalle
Wörtlich „Kropf" - hier aber keine Anatomie (Schilddrüsenschwellung, Vogelkropf), sondern eine Teigtasche/Hülle, die den Braten umschließt. Als Substantiv im Korpus ein Hapax, die Technik selbst ist aber durch den Zwilling m5919-064 (Eierteig-Ummantelung eines ganzen Huhns) bestätigt.
→ Kümmel (Lemma: kümmel)
ZutatbairischLesefalle
Bairische Form von Kümmel, in Gewürzaufzählungen neben Pfeffer/Ingwer/Safran. Leicht zu verwechseln mit „chum" = „komm!" (Imperativ von mhd. komen) - nur der Kontext (Zutatenliste vs. Handlungsanweisung) entscheidet.
→ krümmen (zur Hufeisen-Form biegen) (Lemma: krimpfen)
TechnikbairischLesefalle
Bestätigt durch den Zwilling ri15632-012, der an derselben Satzposition „krumpt ez alz die hueff eysen" (krümme es wie die Hufeisen) hat - sieben Rezepte im Korpus belegen dasselbe Hufeisen-Gebäck-Cluster.
→ Kragen-/Halsbereich des Krebses (Fleisch oder Schalenstück, genaue Butcherei unklar) (Lemma: kragen)
ZutatbairischLesefalle
Kein Hapax im engeren Sinn: 'kragel/kregelin/kraglein' (Diminutiv zu 'Kragen') ist bei Lexer, Grimm und Idiotikon als eigenständiges Wort belegt, nur im Korpus selbst einmalig. Ob 'ckragel' hier das Fleisch aus dieser Zone meint (gestützt durch kkm-012, das 'Hälß' als eigens verarbeiteten Krebsteil neben Scheren/Bäuchen nennt) oder ein intaktes Schalenstück mit Scheren/Beinen zur dekorativen Rekonstruktion des Krebses, ist aus dem Text allein nicht zu entscheiden - kkm-012 hackt kleine Scheren klein in die Füllung, legt aber große Scheren separat zurück, was für eine Mischung aus beidem spricht statt für eine einheitliche Lesart.
→ Getrocknete Birnen - lebt bis heute als "Hutzeln" weiter (bair.-österr./schwäbisch, vgl. Hutzelbrot); im normalen Supermarkt/Wochenmarkt kaum zu bekommen, online unter "Hutzeln" leicht (Lemma: hutzel)
ZutatbairischLesefalle
Lexer führt "hutzel" direkt als "getrocknete birne" (WB-Beleg). Nicht mit Wurzelgemüse/Knollen verwechseln, wie ein älterer Kandidaten-Eintrag vermutete.
→ Kleines Verschlussstück/Pfropfen aus Teig für eine eigens gebrochene Öffnung im Pastetendeckel (Lemma: cluster)
TechnikmittelhochdeutschLesefalle
Zwilling koe-019 hat an vergleichbarer Stelle "blezelenn" für dasselbe Element.
→ Gericht aus dünnen Eierfladen in Milch
GerichtmittelhochdeutschLesefalle
col ris/colris = dünne Eierfladen in Milch (3 Rezepte BvgS 65-67), NICHT Kohlreis (kein Kohl/Reis); Namensursprung ungeklärt
→ Kleines Würzmittel - Diminutiv von "condiment" (Würzsud/Würzmittel) (Lemma: condiment)
Zutatmittelhochdeutsch
Diminutivform, im Korpus sonst nur die Grundform "condiment" belegt (z.B. bgs-050).
→ Vermutlich eine editorische oder handschriftliche Randmarke (Verweis-/Kapitelmarkierung), keine Zutat oder Anweisung (Lemma: editions-kürzel)
Sonstigesmittelhochdeutsch
Erscheint an mehreren Stellen isoliert im Transkript, ohne erkennbaren Bezug zum umgebenden Rezepttext - in Übersetzungen bewusst nicht mitgeführt.
→ Eingelegtes/fermentiertes Gemüse (Vorform von Sauerkraut/Sauergemüse), vom lat. "compositum" = Zusammengelegtes - HAT NICHTS mit dem modernen süßen "Kompott" zu tun (Lemma: kompost)
GerichtmittelhochdeutschLesefalle
Falscher Freund zum Neuhochdeutschen: "Kompost/Kompott" suggeriert Süßes, gemeint ist aber saures Einlegegemüse.
→ Ziger = Quark/Frischkäse - hier aus Mandeln statt Milch hergestellt, ein veganes Käseimitat der Fastenküche (Lemma: ziger)
Gerichtmittelhochdeutsch
Der Name verspricht Käse, geliefert wird eine Illusion (Mandelmilch + Gelatine/Bindemittel statt Milch).
→ ziehen/abziehen (Teig glattziehen, Salz herausziehen), nicht 'formen' (Lemma: ziehen)
VerbbairischLesefalle
→ Zimtblüte (zimit-bluot) (Lemma: zimtblüte)
ZutatalemannischLesefalle
NICHT „Zimt + Blut"
→ Zwiebeln (Lemma: zwiebel)
Zutatalemannisch
seltene namentliche Zwiebel-Nennung
→ Zimtblüte (Cinnamomum cassia, teils als "Cassiablüte" im Handel), NICHT "Kassia-Knospen" als eigenständiger Ausdruck - selbes Buch loest es selbst auf (Lemma: zimtblüte)
ZutatbairischLesefalle
→ Zwiebel - NICHT eine Verbform für 'zerlegen' (Lemma: zwiebel)
ZutatbairischLesefalle
Bairische Schreibvariante zu 'zwifel/zwibel/zibolle' = Zwiebel, per CoReMA-GAMS-Objektseite mit Wikidata Q3406628 verifiziert. Fehlte in einer früheren Übersetzung komplett in den Zutaten, weil das Wort als Verb ('zerlegen') statt als Substantiv gelesen wurde.
→ Junge Dohle (Rabenvogel) - Wort ist in mon-200 vom Schreiber selbst WIEDER GESTRICHEN worden, daher NICHT die tatsächliche Rezept-Lesart dort (die Vogelart bleibt in mon-200 final unbenannt); als Beleg für den Begriff selbst aber wertvoll (Lemma: dohle)
Begriffbairisch-österreichisch
"Dachl" ist im Salzburgischen Idiotikon (Anhang zu Lorenz Hübner, Beschreibung des Erzstiftes Salzburg, 1796, S. 955-984) direkt als "die Dohle" belegt - Mondsee (Oberösterreich) liegt im selben Dialektraum, direkt an Salzburg angrenzend. In mon-200 (fol. 070r, TEI-Beleg mit <del>-Markierung) schreibt der Schreiber zunächst "dachlain", streicht es aber vollständig und ersetzt es durch "das" (davon wiederum das "s" gestrichen) - Endfassung "da", von CoReMA selbst als "unsolved" markiert. Zeigt aber: der Schreiber kannte "dachlain"=junge Dohle als Wort, hat sich hier nur gegen die Artangabe entschieden.
→ Fester, nicht aufgehender Teig (ohne Triebmittel) - hält eine Füllung und wird beim Ausbacken knusprig (Lemma: fester teig)
Technikmittelhochdeutsch
Schreibvarianten "teyc"/"teyk" im Korpus - derselbe Begriff, keine zwei unterschiedlichen Teigarten.
→ dick (fest, dickflüssig) - nicht das Pronomen „dich" (Lemma: dick)
BegriffbairischLesefalle
ck/ch-Schwund: „dich" für „dick" - Zwilling m5919-037 hat an derselben Stelle im Brandteig-Rezept die reguläre Schreibung „pey der dick peleib". Gemeint ist die feste Konsistenz des Teigs vor der Ei-Zugabe, kein Pronomen.
→ Darum, ringsherum - die flüssige Mandelmilch wird rings um den geformten Laib gegossen, NICHT von oben darüber (Lemma: darum)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Leicht als "darüber" misszuverstehen - die Präposition bestimmt hier eine ganz andere Gieß-Choreographie (ringsherum statt von oben).
→ Dünn in schienen-/streifenförmigen Scheiben (vermutlich zu mhd. schine, "Schiene") (Lemma: schienenförmig)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Hapax - kommt nur in diesem einen Rezept vor, keine Parallelstelle im Korpus gefunden.
→ ganze (getrocknete) Pfefferkörner (Lemma: pfefferkörner)
Zutatalemannisch
neben gemahlenem Pfeffer
→ eine angemessene, wohldosierte Menge (Lemma: maß)
TechnikbairischLesefalle
„Nach [rechtem] Maß" heißt eine angemessene, wohldosierte Menge - KEINE Mini-Prise. Der wortnahe Zwilling im Kochbuch Cgm 5919 (m5919-040: „salcz sein mas") bestätigt dieselbe feste, korpusweite Wendung für „nach eigenem Ermessen salzen".
→ aufkochen/aufwallen lassen (Lemma: erwellen)
VerbmittelbairischLesefalle
→ ausgeklaubt, verlesen, gesaeubert (Lemma: erklauben)
Technikbairisch
"die schon erclawpt sein" = sorgfaeltig verlesen.
→ Erdbeere, NICHT Erbse (Lemma: ertber)
Zutatalemannisch-schwäbischLesefalle
Lexer: "erper s. ertber"; Idiotikon: "erd-ber-/erper-". CoReMA-Sachglosse verlinkt konsistent zu Wikidata Q146684 (Erdbeere). Twin rfk-068 hat dieselbe Stelle bereits korrekt als Erdbeeren gelesen.
→ erhitzen / aufwallen lassen (Lemma: erwallen)
TechnikalemannischLesefalle
erwoll/erwell; NICHT „vollenden"
→ „färb es" (Lemma: färben)
Technikalemannisch
farb/farbs; meist mit Safran
→ „färb es, solange (es) roh [ist]" (Lemma: färben solange roh)
TechnikalemannischLesefalle
Zeitangabe; NICHT „rötlich"/Blut
→ fangen / fange / auffangen (Lemma: fangen)
Technikalemannisch
fauch den schwaisz = Blut auffangen
→ färbe (Imperativ von ferben/verben) - NICHT 'verreibe' (Lemma: färben)
VerbbairischLesefalle
'Ferib' ist Imperativ von 'ferben/verben' = färben, nicht von 'verreiben'. Bestätigt durch CoReMA-Glossierung und die Korpus-Zwillinge ri15632-005 (färbt an gleicher Stelle explizit mit Safran) und mon-141.
→ Veilchen-Mus - ein sämiger Brei mit Veilchenblüten als Farb- und Aromageber (Lemma: veilchenmus)
Gerichtmittelhochdeutsch
"fial bluomen" = Veilchenblüten, im Mittelalter häufig zum Färben und Aromatisieren von Speisen verwendet.
→ Fließende Sülze - ausdrücklich KEIN festes Aspik, sondern eine dünnflüssige, gewürzte Essig-Brühe als Sauce über kaltem Fleisch (Lemma: fliessende sulze)
GerichtmittelhochdeutschLesefalle
"Sülze" suggeriert im modernen Sprachgebrauch reflexartig ein festes Aspik/Gelee - das Adjektiv "fliezzende" widerspricht dem im Text ausdrücklich.
→ Forelle (Lemma: forelle)
TierbairischLesefalle
Bairisch/schwäbisch „Forche(n)" ist ein Homograph: kann auch Kiefer/Föhre (Baum) bedeuten. Im Fisch-Kontext (mon-040, neben Aal und Brachsen als Grill-Alternative genannt) eindeutig Forelle.
→ Keule (Geflügelkeule), nicht Fuß (Lemma: keule)
ZutatbairischLesefalle
CoReMA glossiert das Wort (bzw. die Schreibvarianten „füßchen"/„Fusslenn") auf den GAMS-Objektseiten zu allen drei Rezepten übereinstimmend als englisch „chicken leg" (Wikidata Q7196561) - eine Keule, kein abgetrennter Fuß. Kulinarisch naheliegend: Leber, Magen und Keule sind zusammen die ergiebigsten Teile, wenn kein ganzes Huhn zur Verfügung steht. Derselbe Fuß-als-Keule-Sprachgebrauch mit identischem CoReMA-Beleg findet sich unter „phuesß" bei Wildbret (mon-072) - ein wiederkehrendes Muster in diesem Korpus.
→ Gericht aus Innereien in dunkler Pfeffersoße/Sauce (als Vorspeise/Gang gereicht) (Lemma: vor-essen)
GerichtalemannischLesefalle
furhess; NICHT „für den Fürsten"
→ Vermutlich Galgant (Alpinia officinarum) - Lesart UNSICHER, CoReMA führt die Stelle als ungelöst/Hapax (Lemma: galgant)
Zutatalemannisch-schwäbischLesefalle
Frühere Fassung behauptete fälschlich, die CoReMA-TEI-Edition bestätige "Kardamom" - per WebFetch widerlegt, CoReMA markiert die Stelle tatsächlich als "unsolved". Bei Zitaten externer Editionen IMMER gegenprüfen, nicht aus einem früheren Draft übernehmen.
→ Gallerte / Gelee / gelierte (kalte) Speise (Lemma: gallerte)
Gerichtalemannisch
galrei; in Cgm 384 weit gefasst
→ geröstet (bähen = leicht rösten) (Lemma: bähen)
TechnikalemannischLesefalle
gebättes/gebatem; NICHT „gebacken/eingeweicht"
→ Geharztes Gefäß (Innenseite mit Baumharz/Pech ausgekleidet, zur Abdichtung), NICHT "gut vorbereitetes Gefäß" (Lemma: gehertzet)
GerätmittelhochdeutschLesefalle
Dient der Abdichtung/Haltbarmachung des Gefäßes für die Met-Lagerung.
→ Verlesen, sortiert (von Stielen/minderwertigen Stücken befreit) - bei Trockenfrüchten wie Rosinen NICHT "eingeweicht" (Lemma: lesen)
TechnikfrühneuhochdeutschLesefalle
"weinpern woll gelessen" (mon-188) und "erlessen" (mon-190) sind dieselbe Verbfamilie (zu "lesen" = sortieren/auslesen, vgl. "Weinlese"), nicht zu "einweichen" oder "auflösen". Verwandt, aber nicht identisch mit "erclawpt" (ri15632-004, zu "klauben" statt "lesen") - beide meinen sortieren, andere Verbwurzel.
→ Partizip "gepraten/praten" = gebraten, NICHT Brät - bei Fleisch-Substantiv mit Artikel ("ain gepraten huen" = ein gebratenes Huhn) (Lemma: gebraten)
TechnikbairischLesefalle
Gegenrichtung zu geprät=Brät: Partizip gepraten=gebraten vs. Substantiv prät=Brät/Farce; Artikel+Morphologie entscheiden. prat kann zudem Brot sein (vgl. pfefferbrot, m5919-061). Cross-source bgs-028/koe-002. Mondsee-Variante: gepratten huen czw glid das chlain (mon-080) - ohne Zwillingsvergleich liest sich "czw" leicht als Zahl "zwei" statt als Präposition "zu"; korrekt ist "ein gebratenes Huhn, klein zerteilt", nicht "Hühnerbrät und zwei Stücke Fleisch". Zwilling m5919-063 nennt das Gericht selbst "Mörserhühner".
→ das Brät = (rohes) fein zu zerkleinerndes Fleisch-/Fischfleisch (Farce), NICHT "gebraten" (Lemma: brät)
ZutatbairischLesefalle
geprät/prät = Brät; auch "hechten prät" = Hechtbrät. Modell-Falle: als "gebraten" (geprat) fehlgelesen. Bestätigt Ehlert §2.6.
→ ausgeweidet (von Innereien befreit) (Lemma: ausgeweidet)
Technikalemannisch
gewaidest
→ ausgerollter (gewellter) Teig (Lemma: gewellter teig)
TechnikalemannischLesefalle
NICHT „gewalkt"
→ Zu mhd. "werren" (verwirren/hineinmischen) - NICHT "gekocht" (Lemma: hineingemischt)
VerbmittelhochdeutschLesefalle
Frühere Lesart suggerierte einen im Text nicht belegten separaten Kochschritt.
→ saure Hafergrütze (später auch allgemein: feste, gegossene und kalt gestockte Speise) (Lemma: geislitz)
GerichtmehrereLesefalle
NICHT von "Geiß" (Ziege) - reiner Klanganklang, keine echte Wortverwandtschaft. Slawisches Lehnwort (böhm. kyselice = saure Mehlspeise, kyselý = sauer), belegt bei Lexer (15. Jh.), Schweizerischem Idiotikon und Grimm'schem DWB, das eine fast wortgleiche Zubereitungsanweisung zitiert wie mon-152 ("so seud sy und geusz sy dann auf ain schussel..."). In Alpendialekten (Pustertal, Kärnten) bis in die Neuzeit für sauren, kalt gegessenen Haferbrei belegt. Name weitete sich auch auf andere gegossene/gestockte Speisen aus (m5919-015: Kalbsfuß-Sülze, kein Getreide). DRITTE Bestätigung: Grimm zitiert die Stelle explizit aus "meister Hans, des von Wirtenberg koch" (= unser Korpus-mha, title_original identisch: "Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch") - im CoReMA-Cache bs1.132 vorhanden ("Geysslicz in der vasten mach also"), bündelt dort BEIDE Mondsee-Varianten (Reindl-Aufwallen wie mon-151 + Erkalten/Haut abziehen/Mandelmilch wie mon-152) in einem Eintrag samt Subrecipe. Mittlerweile im mha-*.json-Korpus angekommen und am 2026-07-06 quadriga-reviewt: mha-132 ("Geyslicz: Warm und Kalt in der Fastenzeit") übersetzt korrekt als Geislitz/saure Hafergrütze, deckt beide Varianten (warm/kalt) in einem Rezept ab.
→ Vermutlich "mit einem Kragen/Rand versehen"
TechnikbairischLesefalle
Hapax legomenon, kein externer Beleg - Lesart gestützt auf die Wortfamilie "Kragen" (Lexer/Grimm/Idiotikon). Beschreibt vermutlich die obere Öffnung eines Kruges.
→ Krebse / Krebs-Speise (Lemma: kreusen)
ZutatbairischLesefalle
Mondsee-Variante zu krewssen = Krebse (mon-016 „Krebsmus", Titelform; Körperform chrewssen). NICHT „Krausen/Gebäck".
→ das (grosse/spitze) Ende der Eierschale, wo man das Ei aufschlaegt/oeffnet; NICHT steifer Eischnee (Lemma: spitz)
TechnikbairischLesefalle
→ Grieben (Fett-/Speck-Grieben); hier falsche Grieben aus gerösteten Brotwürfeln als Fasten-Ersatz (Lemma: grieben)
ZutatalemannischLesefalle
gruben = Grieben (Grammeln); NICHT „Gruben/Löcher"
→ eingelegte unreife (grüne) Walnüsse - im Vorsommer eingemacht/entbittert; roh zu bitter, zur Fastenzeit nicht frisch verfügbar (Lemma: grüne nüsse)
ZutatalemannischLesefalle
NICHT frische rohe Nüsse (zu bitter) und NICHT getrocknete reife Nüsse
→ roh / gruen (Lemma: gruen)
BegriffmittelbairischLesefalle
gruey = gruen = noch roh; NICHT "sehr fein"
→ Eierschalen (Lemma: gucke)
ZutatbairischLesefalle
"wieder in die gucken" = zurueck in die leeren Eierschalen. Ehlert "in die Schalen".
→ Gutes Gewürzpulver - Sammelbegriff, genaue Zusammensetzung nicht spezifiziert (typisch: Pfeffer, Ingwer, Galgant, Muskat, Zimt) (Lemma: gutes gewürzpulver)
Zutatbairisch
Formelhafte Wendung "guecz/guetz" (gutes) + "stupp" (Pulver/Gewürzpulver, vgl. "stupp es dann ab" = bestäube es).
→ Topf (Kochgefäß), nicht Mörser
Gerätalemannisch-schwäbischLesefalle
Alemannisch-schwäbisches Parallelwort zum bairischen "chopff" (siehe dort). Bei mha-167 explizit gegen Mörser-Lesart abgegrenzt: Mandeln werden im Hafen (Topf) mit einem Hölzchen gerührt, nicht im Mörser gestoßen.
→ Hosennestel (bildhafter Name fuer Hautstreifen/Baender), NICHT "Hasenteile" (Lemma: hosennestel)
BegriffbairischLesefalle
Titel und Text durchgaengig mit "Hase" statt der Hosen-/Nestel-Bildsprache verwechselt.
→ Hausen (Stör)
ZutatmittelbairischLesefalle
fetter Fisch, wie Speck ausgelassen; NICHT Hecht (mager). Vgl. Hausenblase
→ Hauswurz / Dachwurz (Sempervivum tectorum), Heilpflanze (Lemma: hauswurz)
ZutatbairischLesefalle
NICHT generische 'Gewuerze'
→ Topf, Kochgefäß (Lemma: hafen)
GegenstandbairischLesefalle
Bairisch "Hafen" = Topf, NICHT "Hefe" (Backtriebmittel) - klassischer False-Friend durch die ähnliche Schreibung.
→ Heidnische Kuchen - nach vorherrschender Forschungsmeinung Bezeichnung für eine als fremd/exotisch empfundene Zubereitung (hier eine ungewöhnliche Fleisch-Apfel-Mischung), kein religiöser Gegensatz zu "christlichen" Speisen (Lemma: heidnische kuchen)
Gerichtmittelhochdeutsch
Der Name bezieht sich auf die Fremdartigkeit der Zutatenkombination, nicht auf eine tatsächliche kultische/religiöse Zuordnung.
→ Hohlbraten - eine um einen Spieß geformte, gebratene Kalbfleisch-Farce, die nach Entfernen des Spießes hohl ist und sich in Ringe schneiden und füllen lässt (Lemma: hohlbraten)
GerichtmittelhochdeutschLesefalle
Nicht "Hohlbrot" (ausgehöhltes Brot) - der Umlaut "ö" in der Harsch-Fassung ("hol bröten") passt zu mhd. brâten, nicht zu brot. kkm-065 ("Holbrahten von Kalbfleisch") liefert die exakte Bauanleitung und bestätigt die Lesart; MHDBDB-Morphologie (hol+brâten) und Schweizerisches Idiotikon stützen sie zusätzlich. Ändert die Gerichtsidentität von bgs-090 grundlegend (Doppel-Farce-Konstruktion statt Fladen mit Brotkern).
→ Hälse (Krebs-Schwanzfleisch bloßlegen) (Lemma: hals)
SonstigesalemannischLesefalle
häls/hels; NICHT „Holz"
→ Honigseim - dickflüssiger, ungeläuterter Honig (nicht der industriell erhitzte/gefilterte Flüssighonig des Handels); NICHT Honigwasser und NICHT Met. Moderner Ersatz: cremiger Honig (Lemma: honigseim)
ZutatmittelhochdeutschLesefalle
Wiederkehrender Terminus im Buch von guter Speise für ungeklärten, dickflüssigen Honig. Verwechslungsgefahr mit "Honigwasser" (verdünnt) oder "Met" (vergoren) - keins von beidem. Ralf (erfahrener Met-Brauer) bestätigt die Seim-Lesart gegen eine Schaum-Lesart; Lexer belegt "honecseim" direkt (4 Fundstellen), eine Form "honecschume" ist nirgends belegt. DWDS (s.v. "seimig"/"Honigseim") bestätigt unabhängig: "Honigseim = ungeläuterter Honig", mhd. "honecseim/honecsein"; "seim/seimig" = "dickflüssig", nicht dünnflüssig.
→ Eingeweide / Innereien (mhd. in-gäder / in-geäder) (Lemma: eingeweide)
ZutatalemannischLesefalle
hack das ingader = die Innereien; NICHT „zusammen" (frei erfundene Variante)
→ (kleine Menge) Öl (Lemma: öl)
ZutatbairischLesefalle
Hapax (nur mon-104 belegt), am plausibelsten als „in Ölein" (Diminutiv zu Öl) zu lesen - passend zum Weichdünsten der Zwiebeln vor dem Zusammenführen mit dem Fisch. Kein Fremdwörterbuch-Beleg; Alternative „Brühe/andere Flüssigkeit" bleibt schwächer, da Öl kulinarisch die naheliegendste Lesart fürs Weichdünsten ist.
→ Traubenstiele / Stielgerüst der Weintraube (Rappen) - das holzige Gerüst, an dem die Beeren sitzen (Lemma: kamm)
PflanzebairischLesefalle
kammen/Rappen = Stielgerüst der Traube; „ab dem kammen" = Beeren abbeeren/entrappen (vom Gerüst lösen) -> Frisch-Indikator: weinper hier = FRISCHE Trauben, nicht Rosinen. Mondsee-Variante: chempten (mon-035).
→ Hammel (Fleisch des kastrierten Schafbocks)
ZutatbairischLesefalle
kastraeun; NICHT 'Kapaun'
→ das Schlechte / Ungenießbare (Lemma: das böse)
SonstigesalemannischLesefalle
alem. für kär; NICHT „Kraut/Magen"
→ Gut aufquellen/anschwellen (sichtbares Quellen in Flüssigkeit), NICHT "garen" (Lemma: kinen)
TechnikmittelhochdeutschLesefalle
Bezeichnet das Quellen der Frucht in der Flüssigkeit vor dem eigentlichen Sieden, nicht den Garvorgang selbst.
→ Formel-Überschrift des Buches von guter Speise für ein Rezept, das als besonders fein/geschickt gilt - kein auf ein einzelnes Gericht gemünzter Kalauer (Lemma: kluge speise)
Begriffmittelhochdeutsch
Wiederkehrende Kapitel-Floskel, keine Beschreibung der konkreten Zubereitungstechnik.
→ Markhaltige Knochen bzw. das Knochenmark selbst, NICHT einfach "Knochen" allgemein (Lemma: markknochen)
ZutatmittelhochdeutschLesefalle
Gestützt durch CoReMA-Glossen-Korpus (Wikidata Q546523 "bone marrow") und Harsch-Edition. Liefert Fett/Bindung, nicht nur Geschmack wie gewöhnliche Suppenknochen.
→ Wacholderbeere (Lemma: wacholder)
ZutatmittelbairischLesefalle
bairisch ‘Kranewitt/Kranbeer’ = Wacholder; NICHT Cranberry/Preiselbeere (moderner Falscher Freund). Mondsee-Variante: chraniperen (mon-070).
→ Krebse / Krebs-Speise (Lemma: kreusen)
ZutatbairischLesefalle
krewssen = Krebse (vgl. Kachelmus 46). NICHT 'Krausen/Gebaeck'. Mondsee-Schreibvarianten: grewssen/chrewssen.
→ Krause Eier (südoberdt./alemann. Lautvariante u→o zu rheinfränk. ‚kruse‘ = kraus/gekräuselt); Textur krümelig/gekräuselt (Lemma: krause eier)
GerichtmehrereLesefalle
→ Hitzegrad-Adverbial "auf schwacher/gemäßigter Hitze", NICHT nachträgliches Abkühlen (Lemma: kuel)
Technikalemannisch-schwäbischLesefalle
"Prat es kuel" = "brate es auf schwacher Hitze" (ein Vorgang), nicht zwei getrennte Schritte (braten, dann abkühlen). Bestätigt durch Cgm-5919-Parallelen ("rast es kull auff kolen", "las es kuel pachen ... das Es nicht verprynn").
→ Gericht in einem irdenen/glasierten Gefaess (Kachel) gekocht (Lemma: kachelmus)
GerichtbairischLesefalle
CoReMA liest 'krichel'; = kächel (Kachel/Tongefaess). NICHT 'krichel/Dohle'
→ lautere/ganze Eier (Lemma: itel ayr)
ZutatmittelbairischLesefalle
latig ayr = ytal/itel ayr = ganze Eier (l/t-Verlesung); NICHT "fluessige Eier"
→ Latwerge - eine süße, dicke Fruchtpaste, oft auch als Heilmittel (Elektuarium) gebräuchlich (Lemma: latwerge)
Gerichtmittelhochdeutsch
Gut haltbar und transportabel - Grenzgänger zwischen Küche und mittelalterlicher Apotheke.
→ Flaches Pfannengericht aus Hühner-Mägen/-Lebern mit Ei und Kümmel gebunden
GerichtmittelhochdeutschLesefalle
Hapax legomenon, Etymologie unklar (evtl. mhd. lasche/laschen "flacher Streifen" oder lat. lixa "Köchin"). Inhaltliche Identität ist klar, nur der Name ungeklärt.
→ Lebkuchen / Gewürzgebäck / gewürztes Gebäck / Honigkuchen (Lemma: lebkuchen)
Zutatüberregional (fnhd.)Lesefalle
auch lepczelten; NICHT „Zeltlein"
→ Lachs, NICHT Schleie (Lemma: lahs)
ZutatmittelhochdeutschLesefalle
Eine der beiden Fischvarianten im Schlusssatz des Rezepts.
→ weicher (Ausback-)Teig (zu len=weich) (Lemma: leiner teig)
TechnikbairischLesefalle
leins/lenen/leinen taygel = weicher Backteig. NICHT 'Leinen-Teig/duenn wie Leinen'
→ weich (von Eiern: weich gesotten)
TechnikbairischLesefalle
Hs 'leu' (sinnlos) -> Edition emendiert 'len'=weich. NICHT 'lange'
→ Finkenart (mhd. lovinke), hier als bewusst absurde, unbeschaffbare Scherzzutat ("lovinken zvngen" = Finkenzungen) (Lemma: fink)
TiermittelhochdeutschLesefalle
Hapax im Korpus, nur bgs-053 belegt (Küchenscherz-Rezept).
→ Verklebte Schreibung "mach"+"czwenn" (=zwei, Kardinalzahl), kein Hapax und keine Jahreszeit-Bezeichnung ("Maerzaal") (Lemma: zwei)
ZahlwortbairischLesefalle
→ Mohn (Schlafmohn); im Innereien-/medizinischen Kontext wörtlich Magen (Lemma: mohn)
Zutatüberregional (fnhd.)Lesefalle
im Speise-/Fasten-Kontext = Mohn (mha-005/024); bei Innereien-Rezepten aber wörtlich Magen möglich - Kontext prüfen
→ Mandel-Quark (ziger = Quark, Lexer III,1110); kaeseartig eingedickte Mandelmilch (Lemma: mandelziger)
GerichtalemannischLesefalle
cziger/ziger = Quark (Ehlert „Suarke aus Mandeln"); NICHT bloss „Mandelcreme/Blancmanger"
→ Mandelquark/Mandelkaese (Fasten-Kaeseimitat aus abgetropfter Mandelmilch)
Gerichtbairisch
→ Vermutlich kleine Käse-Ei-Portionen ("Käs-Mäsle"), NICHT gesichert als "Teigmasse" (Lemma: masse)
Gerichtalemannisch-schwäbischLesefalle
Hapax legomenon. Lexikalisch ist mhd. mâze/masse vor allem als "Maß, Mäßigung" belegt, nicht als "Teigmasse" - kulinarische Deutung stützt sich auf Nähe zum schwäbischen Käs-Mäsle, keine gesicherte Belegstelle.
→ Hühnermagen (Muskelmagen), NICHT Rindermark/Knochenmark (Lemma: hühnermagen)
ZutatmittelhochdeutschLesefalle
CoReMA-Sachglosse zur selben Handschrift (M11.95) belegt eindeutig Hühnermagen, gestützt durch MHDBDB-Lemma "mage" und den Kontrast zum direkt vorangehenden Rezept derselben Schreiberhand, das "knucken" (=Knochenmark) korrekt verwendet - zwei ähnlich klingende, aber unterschiedliche Zutaten in Nachbarrezepten.
→ Schmutz/Staub (nicht Mehl) - eigenes fnhd. Lemma "mël", getrennt von "mel"/Mehl; CoReMA-Glosse Q555882 mit explizitem Ausschluss-Vermerk (Lemma: schmutz)
ZutatfruehneuhochdeutschLesefalle
Getrocknete Feigen werden vom Schmutz der Lagerung abgewaschen ("wasch das mel dauon"), nicht von einer erfundenen Mehl-Bestaeubung.
→ Kontraktion aus "menge" (misch) + enklitischem "ez" (es) - ein eigener Arbeitsschritt NACH dem vorherigen Röstschritt, nicht Teil davon (Lemma: mische es)
VerbmittelhochdeutschLesefalle
Wurde bisher so gelesen, als gehöre das Würzen zum Röstvorgang selbst; tatsächlich folgt "mengez" als separater Schritt nach dem Rösten.
→ Rubrik-/Kopfformel "merke!" (nota), KEIN Gerichtsname - nicht "Mark" oder "Hals" (Lemma: merken)
BegriffbairischLesefalle
Invariante Kopfformel dieses Schreibers ("Aber anderlay huner ... merck" = "merke: noch eine andere Art Huhn"). Modell-Falle: als Gerichtsname (Hals/Mark) oder Inhaltswort fehlgelesen.
→ Beimischung / Zugabe (von Zutaten)
TechnikalemannischLesefalle
one alle merung von X = ohne Beimischung von X (Ausschluss!); NICHT „Vermehrung/Volumen"
→ Messing (Buntmetall am Topfboden: Hitzeverteiler, kein Anbrennen)
ZutatbairischLesefalle
CoReMA liest 'nessel'; NICHT 'Brennnessel' - nur Anfangsbuchstabe m/n
→ laengliches, ausgehoehltes Gefaess / Mulde / Moersertrog
GerätbairischLesefalle
Ehlert: 'laengl. ausgehoehltes Gefaess'. NICHT Moerser/Getreidemass; hier flacher Trog zum Trocknen
→ Morcheln (auch als Formziel für Schaugerichte: "falsche Morcheln") (Lemma: morchel)
PflanzemehrereLesefalle
mhd. auch Möhre; hier Morchel (vgl. Rez. 69). In mon-148 (maurochen/welischweinper) bezeichnet CoReMA-GAMS (o:corema.gr1.148) das Rezept selbst direkt als "Fake morels, raisins and almonds" - eine Süß-Mandel-Masse wird zur Morchel-Silhouette (Hut+Stiel) geformt, im Text als "Birne" mit Mandel-"Stiel" beschrieben. Spellingfamilie breiter belegt: mawrochen (mon-205, echte gefüllte Morcheln), mauerochen/maurochen auch in Wolfenbüttel Wo3 (CoReMA o:corema.wo3b.108/109), dort von CoReMA direkt als Zutat "morel" glossiert - unabhängige Cross-Manuskript-Bestätigung derselben Lesart.
→ In kleine Brocken/Stücke schneiden (Lehnwort, vgl. frz./it. morceau/morsello = Bissen/Stück) (Lemma: morceau)
VerbmittelhochdeutschLesefalle
Hapax im Korpus, nur bgs-047 belegt. Romanisches Lehnwort, keine germanische Wurzel - Indiz für den urbanen, weltoffenen Würzburger Entstehungskontext des Buchs von guter Speise.
→ kontextabhängig: geschnitten→Muskatblüte (Macis), sonst Muskatnuss (Lemma: muskatnuss/muskatblüte)
ZutatmittelbairischLesefalle
mustat/muscat = Muskat-Gewürz, NICHT Senf (=senft, m5919-017). KONTEXT-REGELN: (1) steht „schneiden" dabei → Muskatblüte (Macis), denn die ledrigen Blütenhäutchen schneidet man, die harte Nuss reibt man (060/098/101/103). (2) reiben/Pulver/Gewürzliste/ohne Verb → Muskatnuss, mit Macis als Alternative (013/021/094/095/096/104). (3) impliziert die Menge eine oder mehrere GANZE Nüsse („drei mustat") → immer Macis, sonst toxisch (060/098/103).
→ Gewürznelken (Nägelein/Bratnägelein); gerieben = zerstoßene Nelken (Lemma: gewürznelke)
Zutatüberregional (fnhd.)Lesefalle
Nägelein/negelein/nagel = Gewürznelken (von der Nagel-/Nägelein-Form), NICHT Eisennagel. „griben pratt nagel" = geriebene Bratnägelein = zerstoßene Nelken. Korpusweit verbreitet (mha/meb/koe/foc u.a.).
→ Rahm/Sahne (fettreiche Schicht auf unhomogenisierter Milch) (Lemma: obere Milch)
ZutatbairischLesefalle
Wörtlich 'obere Milch' - bezieht sich auf den Rahm bzw. die Sahne, die sich beim Stehenlassen auf unhomogenisierter Milch oben absetzt, nicht auf eine eigene Milchsorte.
→ Hirsebrei (Vergleichsgericht für Form/Konsistenz) - Kompositum aus 'pan-' (Panicum/Hirse) + 'prein' (Brei) (Lemma: hirsebrei)
GerichtbairischLesefalle
Kompositum: 'pan-' verweist auf Panicum/Rispenhirse (so auch CoReMA-Wikidata Q165196), '-prein' ist eigenständig belegt - Schmeller glossiert 'prein' direkt als lat. 'milium' (Hirse) UND 'puls' (Brei/Mus), MHDBDB führt 'prein' als Schreibvariante des Lemmas 'brî' (=Brei). 'Pan-' präzisiert also gegenüber dem allgemeineren 'prein' (das laut Schmeller auch anderes Getreide-Mus meinen konnte) speziell auf Hirsebrei. Frühere Lesart 'Brotpudding' war unbelegt und ist zu verwerfen. Hapax im Korpus, aber außerhalb gut bezeugt.
→ würzige, gebundene Sauce / ein Pfeffer-Gericht ODER schlicht das Gewürz Pfeffer (auch Pfefferbrot) - Kontext entscheidet
Gerichtalemannisch
nicht das Gewürz
→ Gewürzbrot (Saucenbrot zum Binden)
ZutatalemannischLesefalle
pfeffer brott; Gewürzbrot, NICHT „Brot für Pfeffersauce"/nicht scharf
→ Pfannkuchen (dünne, in der Pfanne gebackene Eierfladen) (Lemma: pfannzelten)
GerichtbairischLesefalle
Pfann + zelten (zelten = flacher Kuchen/Fladen, vgl. bimezelten); pfannengebackener Eierfladen = Pfannkuchen. NICHT Lebzelten/Lebkuchen (vgl. leczelten).
→ Keule (Wildbretkeule), nicht Fuß (Lemma: keule)
ZutatbairischLesefalle
CoReMA glossiert das Wort auf der GAMS-Objektseite zu mon-072 selbst wörtlich als englisch „deer joint" (Wikidata Q67777561 „haunch of venison") - eine Keule, kein abgetrennter Fuß. Handschriftlich zunächst als „fueß" angesetzt, vom Schreiber selbst durchgestrichen und durch den Fachbegriff ersetzt. Derselbe Fuß-als-Keule-Sprachgebrauch mit identischem CoReMA-Beleg findet sich unter „fuessel" bei Geflügel (mon-086, m5919-096, koe-020) - ein wiederkehrendes Muster in diesem Korpus.
→ UNGEKLÄRT (Hapax); Fyndling-Lesart: „be-zelter" Wein - Wein mit eingekochtem Gewürz-/Lebzelten (Lemma: be-zelten)
BegriffbairischLesefalle
HAPAX, nur mon-025, kein Wörterbuchbeleg - KEINE gesicherte Lesart. Fyndling-Synthese: bair. p-=b-, piczolten=Partizip „be-zelt(et)" -> Wein, in dem Lebzelten/Honigzelten aufgekocht wurde (kongruiert mit mask. „wein"; zelten-Wortfeld vgl. leczelten/bimezelten; ergibt Lebkuchen-Weinsauce). Alt.: alpenromanisch pizzolo/Picolit = gespritzter/besonderer Wein (erklärt -o-).
→ in der Pfanne gebackener Eierkuchen; kontextabhängig auch Platte / flache Schale (Lemma: eierkuchen)
ZutatalemannischLesefalle
gewürfelt in Sauce; NICHT Fladenbrot
→ Blatter/Blase (Tierblase), auch als Gussform (Lemma: blatter)
GerätbairischLesefalle
p/b-Wechsel: plater=blater=Blase. NICHT 'Platte/Teller'
→ dünner Fladen aus der Ei-Semmel-Masse, kein eigener Teig (Lemma: Fladen)
FormbairischLesefalle
Bezeichnet keinen separat angesetzten Mehlteig, sondern einen dünnen Fladen, der direkt aus der zuvor angerührten Ei-Semmel-Masse in der Pfanne gebacken wird - zwei solche Fladen bilden Boden und Deckel der Pastete. Bestätigt durch den wortnahen Zwilling m5919-101, dessen FAQ dieselbe Konstruktion ausdrücklich klärt.
→ klopfen/schlagen (mhd. bliuwen); Stockfisch vor dem Waessern klopfen (Lemma: blaeuen)
TechnikbairischLesefalle
'stockvisch plew' = Stockfisch klopfen. NICHT 'blau kochen' (Forelle blau)
→ Bock(s) (Lemma: bock)
ZutatmittelbairischLesefalle
pochs leber = Bocksleber (p fuer b, Schreiberfalle); NICHT Ochsenleber
→ Polei-Minze (Mentha pulegium) - leicht giftig, Ersatz reguläre Minze (Lemma: polei-minze)
ZutatmehrereLesefalle
→ braten (Imperativ „brat es") (Lemma: braten)
TechnikbairischLesefalle
bair. pracz = brat(en), VERB (b/p-Wechsel). NICHT Nomen „Bratwurst" - Verlesung an „wurst pracz". Auch m5919-043/058. MHDBDB brâten.
→ Breit, ausgebreitet (zu "breiten"/"praiten") - NICHT von "braten"/"pracz" abgeleitet (Lemma: breit)
TechnikbairischLesefalle
"praycz plat(t)" = breiter Fladen. Verwechslungsgefahr mit "braten" wegen ähnlichen Anlauts; Zwillingsbeleg mon-176 ("mach ain praycz platt von taig das nicht czw dunn sey" + "praydt das platt In die phan" = breite den Fladen in die Pfanne) stützt eindeutig die Breiten-Lesart.
→ Vermutlich Paste/Brei aus gemahlenen Mandeln oder eingeweichtem Weißbrot (Bindemittel/Weißfärbung)
Zutatalemannisch-schwäbischLesefalle
Hapax legomenon, auch von CoReMA als ungeklärt vermerkt. Lesart ergibt sich aus Kontext, kein gesicherter Wörterbucheintrag.
→ (Gewuerz-)Pulver; "puluer daz wol" = gut wuerzen / mit Gewuerz bestreuen, NICHT mit Mehl bestaeuben (Lemma: pulver)
TechnikbairischLesefalle
Ehlert 2.6 "puluer: bestreu mit Gewuerz". Modell-Falle: als "mit Mehl bestaeuben" gelesen.
→ Gericht aus Ei, Milch und Butter (frischer Ei-Milch-Kaese) (Lemma: buttermilch)
GerichtbairischLesefalle
NICHT modernes Buttermilch-Getraenk; Ei+Milch gerinnt, abgeseiht, mit Butter
→ Butter (Substantiv, schwache Dativ-/Akkusativform auf -en), nicht das Verb "buttern" (Lemma: buter)
Zutatalemannisch-schwäbischLesefalle
→ rech praten = Rehbraten (Reh!), NICHT Rebhuhn (Lemma: reh)
ZutatbairischLesefalle
mhd. reh = Reh; Modell-Falle: als "Rebhuhn" gelesen (Verwechslung mit "rep huen" ri15632-001). Ehlert 2.6 "Rehbraten aus Fisch".
→ Konsistenz „wie Wachsbrei" (Lemma: wie wachsbrei)
Technikalemannisch
Konsistenzangabe für feste Paste
→ Wacholderdrossel (Krammetsvogel) (Lemma: wacholderdrossel)
TieralemannischLesefalle
Reichenau kranatfogel; NICHT Rebhuhn
→ Rand, Kante (hier: Tellerrand)
Begriffalemannisch-schwäbischLesefalle
Beleglage dünn, nur ein Idiotikon-Fund stützt diese Lesart.
→ Reindl - flaches Pfännchen / kleine Bratschüssel (Lemma: reindl)
GerätbairischLesefalle
Reindl = Gefäßname (flache Pfanne/Schüssel), NICHT „rundes Gericht". Grimm-Beleg. Bair./österr.; moderne Praxis: Pfännchen.
→ Reibschale/Moerser (lat. mortarium); Gefaess zum Reiben (Lemma: reibscherben)
GerätbairischLesefalle
Ehlert: 'Topf zum Reiben'; = mortarium -> Moerser/Reibschale. Edition emendiert vnd->in. KEINE Brotkrume/Zutat. Anders als bare 'scherben'=Teigform
→ Rainfal - historischer Import-Suesswein (Malvasia-Verwandter), NICHT Reismehl (Lemma: rainfal)
ZutatmittelhochdeutschLesefalle
Loest zugleich Titel "Weinmus" und die zuvor unerklaerte Zutat "Wein" auf; CoReMA-Glosse + Grimm/Lexer unabhaengig bestaetigt.
→ Kleines Schälchen/Tasse voll (ungenaue Mengenangabe) (Lemma: rindlein)
Begriffalemannisch-schwäbischLesefalle
Beleglage dünn, ähnlich wie "reim". Inzwischen mehrfach im Korpus belegt (kein Hapax mehr).
→ Kleine hohle Teigröhrchen, auf zuegklach gesteckt und mit Blumen gefüllt (Lemma: ror)
Technikalemannisch-schwäbischLesefalle
CoReMA (bs1.286) führt den Begriff als ungeklärten Hapax. Lesart gestützt durch Parallelbeleg rfk-073 (rorlin).
→ Rosen(-blüten), NICHT "ros" (Pferd) (Lemma: rose)
PflanzebairischLesefalle
Über die CoReMA-Objektseite der Nachbarrezeptseite gr1.180 als "Rose" (Wikidata Q34687) bestätigt, trotz lexikalischer Nähe zu "ros"/Pferd - klassischer Fehlfreund.
→ Roß-eisen = Hufeisen (Form); krumme Krapfen werden hufeisenförmig gebogen (Lemma: roßeisen)
FormalemannischLesefalle
rosysen/roszysen = Hufeisen; NICHT „Rosinen"
→ rote Feld-/Grauerbse (Pisum sativum subsp. arvense) (Lemma: felderbse)
ZutatalemannischLesefalle
alte Grau-/Kapuzinererbse, rotbraunes Trockenkorn; NICHT Linse/Bohne/moderne grüne Erbse (Bohne=faba; Phaseolus erst nach 1500)
→ "Inhalt" oder "Rückstand" (in "das der ruck da von nit gee") - echte, ungelöste Ambiguität
BegriffbairischLesefalle
Bedeutet vermutlich, dass beim Verschließen des Honigglases nichts vom Inhalt/Sirup entweichen soll - keine gesicherte Einzelwort-Lesart, nur aus dem Satzsinn erschlossen.
→ Roggenbrot (Brotbindung) (Lemma: roggenbrot)
Zutatalemannisch
ruggim brott
→ meist Speisesalz; die Wendung als ain salse/saltz = Salse (würzige Tunke), NICHT Salz (Lemma: salse)
GerichtalemannischLesefalle
sältz; „als ain saltz" = als Salse, NICHT Speisesalz
→ Salbei (salvia officinalis) (Lemma: salbei)
PflanzebairischLesefalle
bair. Variante zu selbey = Salbei (salvia). mon-018 mit pettersill (Petersilie) als klassische Kräutermischung. NICHT Sellerie.
→ Schwarz, dunkel (b ersetzt w im Anlaut, zu mhd. "swarz") - eigenständige, bewusst angestrebte dunkle Optik-Kategorie (Lemma: swarz)
Begriffbairisch
Bairische Lautform mit b/w-Wechsel im Anlaut (nicht sch/s wie zunächst vermutet). Corpus-intern zweifach belegt: mon-193 (Rindfleischpastete, dunkel durch Anrösten+Gewürze) und mon-144 (Fischrogen, dunkel durch scharfes Anbraten in Öl) - zwei verschiedene Techniken führen zum selben gewünschten Optik-Ergebnis.
→ Schachbrettartig geschnitten/angerichtet, NICHT "Schafzacken" (Lemma: schachzabel)
Technikalemannisch-schwäbischLesefalle
→ Kleines Gefäß zum Abschöpfen des Sirups, NICHT ein Reinigungswerkzeug für die Zutat selbst (Lemma: schaff)
GerätbairischLesefalle
→ Bairisch-österreichische Variante von "schon", hier im Sinne von "gründlich/sauber", nicht zeitlich (Lemma: schon)
Begriffbairisch
Im Kontext des Waschens von Zutaten (Birnen) ist "gründlich" die kulinarisch plausiblere Lesart als das ästhetische "schön".
→ schachbrettartig geschnitten (Lemma: schachzabel)
TechnikbairischLesefalle
Bairische Lautvariante von mhd. „schâchzabel" (Schachbrett), textkritisch über sieben Parallelstellen im Korpus gestützt (schaffczag(lat)/schach zaglatt/schagzaglett/schaff czaglat). Bedeutet „schachbrettartig geschnitten", NICHT „Schafzacken/gezackt" (zagel = Schwanz ist hier kein Schnittbegriff). Mondsee-Variante: schaff czaglat (mon-105).
→ Strohwisch/Strohunterlage, die unter das Seihtuch gelegt wird, damit die Molke ablaufen kann - das historische Käse-Abtropfgestell (Lemma: strohwisch)
GerätmittelhochdeutschLesefalle
Nicht "Schüssel" oder "Schale" - schaub ist das Stroh-Gestell selbst, kein Gefäß.
→ Schafbraten (Adjektiv zu "schâf"), NICHT Lammbraten/Jungtier (Lemma: schaf)
ZutatmittelhochdeutschLesefalle
Schließt eine Lücke der Gloning-Edition; findet sich an dieser Stelle in der Harsch-Edition. Verwechslung mit "Lamm" ist naheliegend, aber falsch.
→ aus Teig geformte Teighülle/Pastetenform
GerätalemannischLesefalle
hier NICHT Tongefäß
→ Wappenschild - hier als Formvorgabe für die Anordnung mehrerer Pasteten-Ecken auf einem Fladen (Lemma: wappenschild)
Begriffmittelhochdeutsch
Höfisch-repräsentatives Gestaltungsdetail, kein reales Schild-Objekt im Gericht.
→ Holzschiene bzw. Rührspatel zum Umrühren (nicht Rohr/Schien-Metall) (Lemma: schiene)
GerätmittelhochdeutschLesefalle
Korpuskonsistent als Rührwerkzeug verwendet ("ruerez mit schinen"), an allen vier Belegstellen dieselbe Bedeutung - kein Einzelfall, sondern feste Küchen-Terminologie des Buchs von guter Speise.
→ Schlehen (Lemma: schlehe)
ZutatalemannischLesefalle
slëhe
→ Schleie (Karpfenfisch) (Lemma: schleie)
TieralemannischLesefalle
NICHT Hecht
→ Modalverb "soll/sollen" (3. Person), NICHT eine Form von "schälen" - trotz oberflächlicher Ähnlichkeit (Lemma: soll)
VerbbairischLesefalle
Alle 7 Korpus-Belege sind eindeutig Modalverb ("das schol man essen" = "das soll man essen"), nie "schälen" - auch wenn "schälen" lexikalisch belegt ist (Grimm: "opfel zu scholn"). Bei mon-063 führte die Schäl-Lesart auf eine falsche Fährte (grüne Walnüsse werden für diese Konservierungsart angestochen, nicht geschält) - erst der korpusweite Konsistenzcheck deckte die Verwechslung auf.
→ sauber/gründlich (nicht 'schön' im ästhetischen Sinn) (Lemma: schön)
BegriffmehrereLesefalle
'Schön' bedeutet hier nicht ästhetisch schön, sondern je nach Satzstellung 'sauber/rein' (mon-117: Kalbsfüße vor dem Kochen säubern) oder adverbial 'gründlich/ausreichend lange' (m384-065: 'sud sy denn schon' = dann gründlich sieden, bis gar). Beide Lesarten sind Ableger derselben mhd. Grundbedeutung ('schone' = rein, ordentlich), nicht der modernen ästhetischen.
→ "Schotten" = die beim Kochen der Mohnmilch obenauf schwimmende, quarkartige Masse (Mohn-Quark-Analogon) - kein Gefaess/Sieb (Lemma: schotten)
ZutatbairischLesefalle
Dreifach belegt (Woerterbuch, Zwilling mha-024, CoReMA-GAMS-Glosse zu gr1.213); durchgaengig als Behaelter fehlinterpretiert gewesen (text_modern, annotations, FAQ, editors_note, ingredients).
→ Blut (des Wilds) (Lemma: blut)
ZutatalemannischLesefalle
Jägersprache; NICHT „Fleisch"
→ Salbei (salvia officinalis) (Lemma: salbei)
Pflanzeüberregional (fnhd.)Lesefalle
selbey/selbei/selbe = Salbei (salvia), NICHT Sellerie - Verlesung; mit Petersilie klassische Fisch-Kräutermischung. Bair. Variante: saluan (mon-018).
→ Salbei (Lemma: salbei)
PflanzealemannischLesefalle
NICHT „selbst"
→ (geriebene) Semmel/Weissbrot zur Bindung; NICHT Mehl (Mehlbindung anachronistisch) (Lemma: semmel)
ZutatallgemeinLesefalle
semel <- lat. simila; ma. bindet man mit Brot/Semmel/Mandel/Ei/Reis, nicht mit Mehl. Verb "reyb...dar ein" = geriebene Semmel. Ehlert rendert tlw. "Weizenmehl".
→ Ysop (Lemma: ysop)
PflanzealemannischLesefalle
jsope
→ Konjunktiv von "sein" (Eigenschaftsbeschreibung), NICHT Form von "seihen" (Lemma: sei)
VerbbairischLesefalle
Fehllesart erfand einen kompletten Extra-Arbeitsschritt ("Seihe die Lauge und...").
→ rund/kugelrund (Lemma: sinwel)
BegriffmittelbairischLesefalle
sinwel/sinbel = rund; Schreiber setzt b für w
→ rund, kugelig (mhd. sinewel)
Technikbairisch
"erwel die daz si sinwel werden" = waehle die runden aus.
→ zerkleinern und einarbeiten/unterschlagen, nicht durch ein Tuch passieren (Lemma: schlagen)
VerbbairischLesefalle
'Slahen' (schlagen) meint hier das Zerkleinern und Einarbeiten: gebratenes Fleisch (Hühner/Tauben) wird klein gehackt und unter die vorbereitete Semmel-Ei-Masse geschlagen. Kein Passieren durch ein Tuch oder Sieb - im Text ist von einem solchen Arbeitsschritt nirgends die Rede. Bestätigt durch den textgleichen Zwilling m5919-096 ('schlag dan daruter').
→ Schmieren/bestreichen (mhd. smirwen), NICHT süßen (Lemma: schmieren)
VerbmittelhochdeutschLesefalle
Bezugswort im Gloning-Transkript nicht erhalten; wahrscheinlichste Lesart: Honig wird auf die Trocknungsunterlage gestrichen, nicht auf die Fruchtmasse selbst.
→ Kohlspalten (aus dem Kohlkopf geschnittene Stücke, wie Kartoffelspalten aus der Kartoffel) (Lemma: kohlspalten)
ZutatbairischLesefalle
„Spelten" sind aus dem Kohlkopf geschnittene Kohlspalten (chraut/chraucz = Weißkohl) - dieselbe Schneidetechnik wie bei modernen Kartoffelspalten, nur aus Kohl statt Kartoffel. Keine Teighüllen und nicht zu verwechseln mit „Spelt" (dem Getreide Dinkel). Belegt durch die baugleichen Nachbarrezepte mon-090 und mon-091 im selben Kochbuch.
→ Spanferkel (junges Schwein) (Lemma: spanferkel)
ZutatmittelbairischLesefalle
spensaw/spansaw = Span-Sau = Spanferkel; Fleischspeise, KEIN Fisch
→ ansetzen/anstecken/hineinstecken - NICHT zerstoßen (Lemma: ansetzen)
VerbbairischLesefalle
'Stoz an' bedeutet hier 'ansetzen/anstecken', nicht 'zerstoßen' (wie 'stoßen' im Mörser-Kontext meist bedeutet) - Verwechslungsgefahr, da 'stoz'/'stoß' im selben Rezept auch für die Mörserarbeit steht. Kontext (Wiederzusammenfügen von Krebsschalenhälften) klärt die Bedeutung.
→ Straubenteig - dünnflüssiger Teig, der durch einen Trichter in heißes Fett gegossen wird (krauses Schmalzgebäck "Strauben"); im Rezepttext meist als Vergleichsmaßstab für Dünnflüssigkeit genannt, nicht als Zutat (Lemma: straubenteig)
Technikbairisch
Wiederkehrender Vergleichsbegriff im Mondseer Kochbuch, um die gewünschte Konsistenz eines anderen Teigs (z.B. Eierteig) zu beschreiben - keine eigene Zutat im jeweiligen Rezept.
→ frittiertes Schmalzgebäck (krapfenartig) (Lemma: straube)
Gerichtalemannisch
strubeten/struben; NICHT „Zerstreutes/Verstreutes"
→ bepudern / bestreuen / abstäuben mit feinem Pulver - meist Gewürzpulver (gburcz-stoup: Zimt, Nelken, Ingwer), auch Mehl (Lemma: stuppen)
TechnikbairischLesefalle
mhd. stuben/stüpfen = stauben, mit Staub/Pulver bedecken; zugrundeliegendes Substantiv stoup/stoub/staup = Staub (WB-belegt Lexer/Idiotikon, im Rezeptkorpus aber nur das Verb). Verb stuppen/abstuppen = ein Gericht/eine Zutat mit feinem Pulver bepudern. WELCHES Pulver ist kontextabhängig: meist Gewürz (mon-010 dann Macis, mon-035 „ab mit gburcz"), im Teig-/Anti-Klebe-Kontext auch Mehl (mon-024, Teig im Säcklein). mon-040 „stupp sy nicht" = würze/bepudere sie nicht (gegrillt, kein Mehl). Daneben „alz ein stupp" = staubtrocken (ri15632-040).
→ UNGEKLÄRT - wörtlich "Blut des/der Sydel" (sweyz = mhd. Jägersprache für Blut, NICHT Schweiß, vgl. "Schweißhund"), Scherzzutat in einem Küchenscherz-Rezept; "sydel" bleibt unklar, verbreitete Deutung "Sumpfbinse" NICHT durch MHDBDB gestützt (Lemma: sydel-bluot)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Hapax, nur bgs-054 belegt. Grimm belegt "der bluotec sweiz" (Parzival 387,24) für sweiz=Blut des erlegten Wilds. MHDBDB führt den Wortstamm "sydel/sedel" vorrangig auf "Sitz, Wohnstatt" statt auf eine Pflanze - die gängige Pflanzen-Lesart ("Sumpfbinsen-Schweiß") ist damit doppelt widerlegt. Bedeutung von "sydel" bleibt offen, Funktion im Scherzrezept (unbeschaffbare Zutat) ist unabhängig davon klar.
→ Teig (nicht „Teil") (Lemma: taig)
ZutatbairischLesefalle
Schreibvariante von „taig" (Teig) - NICHT das moderne Wort „Teil" (Anteil/Portion), obwohl die Buchstabenfolge das nahelegt. Bestätigt durch den Zwilling mha-151, der an derselben Stelle „taig" schreibt („mach ain hafen von taig" = mach ein Gefäß aus Teig).
→ Teil/Portion (nicht "Teig") - im Kontext der Formung/Backens leicht mit "Teig" verwechselt (Lemma: teil)
BegriffbairischLesefalle
11 Korpus-Belegstellen + CoReMA-GAMS gr1.205 bestaetigen "Teil", nicht Teig; betraf Ingredient-Eintrag und text_modern.
→ Zimtbluete (getrocknete Zimt-/Kassienbluete), nicht bloss gemahlener Zimt (Lemma: zimtbluete)
ZutatbairischLesefalle
"plue"/"pluot" = Bluete; Zwilling m384-012 "czinmit pluot" = Zimtbluete. Ehlert glossiert knapp "Zimt". NICHT Thymian.
→ Eidotter (Lemma: dotter)
ZutatbairischLesefalle
bair. tutter/totter = (Ei-)Dotter. NICHT „Hälfte" - Verlesung. Auch ka1-035/082. Cross-source bestätigt.
→ Satzeröffnende Disjunktion "anfangen/fangen oder [direkt] machen" (Lemma: vâhen)
Begriffalemannisch-schwäbischLesefalle
Gestützt durch Zwilling mon-083 ("vach den Swayß" = "fang das Blut auf"). MHDBDB belegt "vach" nur als Adjektiv (Gewässer/Handarbeit/Jagd), ein eindeutiger Beleg für "beginnen" fehlt.
→ rein (weiß, sauber) - Farbreinheit, nicht Feinheit der Textur (Lemma: rein)
BegriffbairischLesefalle
Bedeutet 'rein' im Sinn von Farb-/Sauberkeitsreinheit, nicht 'fein' (Textur) - die Feinheit ist im Text bereits durch 'klein hacken' ausgedrückt. Der Zwilling m5919-091 hat an identischer Stelle die eindeutige Form 'rain weins'.
→ Fette, fettreiche Brühe - das Fett ist gewünschter Geschmacksträger, NICHT zu entfernen/entfetten (Lemma: feist)
ZutatbairischLesefalle
mhd. "veist/vaist" = fett, beleibt. Naheliegende Fehllesart "entfettete Brühe" (da man im Kochkontext oft Brühe entfettet), aber gemeint ist das Gegenteil: eine bewusst fettreiche Brühe für Geschmack und Bindung.
→ Forelle (Lemma: forelle)
TierbairischLesefalle
Mondsee-Variante zu forchen (v/f-Wechsel, im Buch durchgehend). NICHT generisch „Fische, die die Farbe stören" - konkret Forellen, die beim Sieden viel rötlich-graue Hautfarbe/Schleim abgeben und die Farb-Sülze eintrüben; daher Sonderklärung mit Hausenblase.
→ Krapfen für die Fastenzeit - ohne Fleisch, Eier oder tierische Milch (Fisch erlaubt, Mandelmilch statt Milch/Ei) (Lemma: fastenkrapfen)
Gerichtmittelhochdeutsch
Wiederkehrende Rezept-Serie im Buch von guter Speise mit gemeinsamer Fastenzeit-Logik (Fisch/Mandelmilch statt Fleisch/Milch/Ei).
→ Bei Flüssigkeiten: lau/kalt werden, abkühlen (Grimm DWB, Abschn. B.1.a/b) - NICHT "aufkochen" oder "reduzieren" (Lemma: überschlagen)
TechnikfrühneuhochdeutschLesefalle
Naheliegende Fehllesart im Kochkontext ("überschlagen" klingt nach Reduzieren/Aufwallen), aber Grimm belegt für Flüssigkeiten nur "kalt/lau werden". mon-186: Die siedend heiß gewürzte Brühe wird gezielt abkühlen gelassen, bis sie nur noch wenig wärmer ist als Lab-Temperatur, bevor der kalte Kohl hineinkommt - dieselbe Logik wie beim Käsen (Lab erst nach Abkühlen zugesetzt).
→ Fette Brühe oder fetter Sud - unklar ob eigenes Bratfett/Kochsud oder separat zugekaufte/angesetzte Brühe gemeint ist (Lemma: fette brühe)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Echter Crux ohne eindeutige Textstütze - Eigenfett-Lesart vs. zugekaufte-Brühe-Lesart bleiben beide plausibel, im Rezept als interpretive_choice dokumentiert.
→ Um/herum (Richtungsangabe), z.B. "vemme gen dem fuere" = dem Feuer zugewandt drehen (Lemma: umme)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Bestätigt durch Zwilling koe-019 ("vmen vnd vmenn Gantz" = ringsum/rundherum an vergleichbarer Stelle).
→ vom vorigen Jahr (Lemma: vorjährig)
SonstigesalemannischLesefalle
wärent; war zuvor weggelassen
→ Wiederkehrende Schlussformel des Buches von guter Speise, kein gerichtsspezifischer Hinweis - taucht sowohl bei süßen als auch bei herzhaften Rezepten auf (Lemma: nicht versalzen)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Leicht als gerichtsspezifische Salz-Warnung misszuverstehen (z.B. bei Süßspeisen als vermeintlicher Hinweis auf versehentliche Verwechslung) - tatsächlich eine stehende Buch-Floskel, 7+ Belege korpusweit.
→ Beschädige/verdirb es nicht (von mhd. versêren), NICHT "verbrenne es nicht" (Lemma: nicht verderben)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Formal der Schlussformel "versaltz niht" ähnlich, aber ein anderes Verb (versêren = schädigen/verwunden, nicht versalzen) - zwei getrennte, nicht austauschbare Floskeln desselben Buches.
→ Geviertelt (Form/Verfahren), nicht ein Mengenanteil von einem Viertel (Lemma: viertail)
Technikalemannisch-schwäbisch;bairischLesefalle
→ Milchner = männlicher Fischsamen (neben Rogen) (Lemma: milchner)
ZutatalemannischLesefalle
roggen, milch vnd lebren = Rogen, Milch(ner) und Leber (drei Teile); NICHT zu „Fischrogenmilch" verschmelzen
→ Fischschuppen als Geliermittel (kollagenreich, im Moerser zerstossen) (Lemma: fischschuppe)
ZutatbairischLesefalle
Substantiv, NICHT Verb 'Fisch schuppen'. Schuppen = Gelatine; Hausenblase als Alternative ('auch gut')
→ Verschmelzung aus Imperativ "back" und angehängtem Pronomen "-es" (= "back es", brate es) - keine eigene Vokabel (Lemma: back es)
Verbmittelhochdeutsch
Analog zu anderen Imperativ+Enklise-Formen im Korpus (vgl. "gibz hin" = gib es hin).
→ das Äußere (der gebratenen Leber) abschneiden (Lemma: das äußere abschneiden)
Technikalemannisch
vsser darab
→ wie ein Euterlein (Vergleich: gegrillte Euterscheiben) (Lemma: euterlein)
TechnikalemannischLesefalle
vtterlin/üterlin = üter (Euter); „legs vff ainen rost als ain vtterlin"; NICHT „kleines Fleischstück"
→ Wachteln (Lemma: wachtel)
Tieralemannisch
Hs. wachel
→ Wacholderbeeren (regionale Doppelbenennung), NICHT die moderne Cranberry (Lemma: wacholder)
Zutatalemannisch-schwäbischLesefalle
Zwei Bezeichnungen im Original für dieselbe Beere (Juniperus communis); "krannbatper" verleitet zur Fehllesung als moderne Cranberry.
→ Rosinen (Projekt-Default fuer weinper/winper) (Lemma: weinbeere)
Zutatbairisch
weinper -> Rosinen, ausser klare Frisch-Indikatoren; Zwilling mha-031 nennt Rosinen.
→ weinsäuerliche, herbe Apfelsorte (Weinapfel) (Lemma: weinapfel)
ZutatbairischLesefalle
→ Weinling-/Obstbaum (Apfelbaum); sein „pech“ = Obstbaum-Gummi (Gummifluss) (Lemma: weinapfelbaum)
PflanzebairischLesefalle
weinling (=Weinapfel, mon-033/Goetze) + pawm (Baum) = Obstbaum. Das „pech“ davon ist NICHT Nadelbaum-Harz, sondern der Gummifluss des Obstbaums (Kirschgummi-artig), ein wasserlösliches, hitzestabiles Pflanzengummi -> als Sülz-Binder, der auch warm fest hält. Korpus-erschlossen; Alternative Nadelbaum-Harz chemisch unpassend (hydrophob).
→ Weinbeeren - im Zweifel Rosinen (getrocknet), nicht frische Weintrauben (Lemma: weinbeere)
ZutatmehrereLesefalle
„Weinbeeren" ist wörtlich, gemeint sind aber meist getrocknete Weinbeeren = Rosinen, nicht frische Weintrauben - so die Standardlesart in mehreren Mondsee- und Schwesterrezepten (auch als „weinperren" belegt, mon-107). Nur bei einem ausdrücklichen Frisch-Marker im Text ist an frische Weintrauben zu denken. Weitere Stützung außerhalb des Korpus: Lexer führt „weinper" 1482 direkt als lateinisch „passile" (= Rosine), Grimm ebenso als „trucken weinper... rosine".
→ Welsche (fremde, importierte) Weinbeeren - getrocknete Trauben/Rosinen, NICHT Walnüsse (Lemma: rosinen)
ZutatmittelhochdeutschLesefalle
"Welsch" markiert Herkunft (fremdländisch/importiert), nicht die Frucht selbst - "winber" ist die Weinbeere/Rosine. Cross-verifiziert gegen Primaer- und Zweitquelle.
→ Gekröse / Magen (Lemma: wanst)
ZutatalemannischLesefalle
< wanst/wänstlein
→ Weichseln / Sauerkirschen (Prunus cerasus) (Lemma: weichsel)
Zutatbairisch
bair./österr. Begriff für Sauerkirschen. WB-belegt: Idiotikon, Fischer („amarellen, weichsel"), Pritzel, Grimm. Hier frittiert: in Teig getunkt und in Schmalz ausgebacken (mon-015 „Frittierte Sauerkirschen").
→ Vermutlich Mus aus Weichseln (Sauerkirschen), NICHT "helles/weißes Mus" - der Korpus trennt die Schreibweise wis(s)el- konsequent von wizz- (weiß) (Lemma: weichselmus)
GerichtmittelhochdeutschLesefalle
Gestützt durch MHDBDB-Lemma und den fast gleichlautenden Zwilling m725-004 "weichsell muesz"; Gattungs-Alternative (helles Mus) bleibt als Crux dokumentiert, nicht ausgeschlossen.
→ Würfelförmig geschnitten (Lemma: wuerfelig)
Technikmittelhochdeutsch
Wiederkehrende Schnittform-Angabe im Buch von guter Speise.
→ Würfelig/rautenförmig einschneiden (Schnitttechnik), NICHT "in Lappen schneiden"
Technikalemannisch-schwäbischLesefalle
Bestätigt durch Twin mon-085 und MHDBDB (würfeleht). Das Objekt bleibt dabei als Ganzes erkennbar, das Einschneiden zerlegt es nicht vollständig.
→ würfelig / in Würfel (Lemma: würfelig)
TechnikmehrereLesefalle
→ meist Ingwer (Standardlesart); kontextabhängig Rosinen (Lemma: imber)
Zutatüberregional (fnhd.)Lesefalle
Standard = Ingwer (Ehlert Cgm384: ymber neben Zimt). NUR bei großer Menge / gewaschen / verlesen / süßer Paste = v/y-Verlesung für winber=Rosinen (mha-007/009). Nicht kategorisch als Weinbeere lesen.
→ Frisch, ungetrocknet (NICHT botanisch "immergrün") (Lemma: grüene)
Zutatalemannisch-schwäbischLesefalle
Kontrast zum später im selben Text genannten "weisser ymber gestossner" (geschälter, getrockneter Ingwer). Doppelform "ymber grun ymber grunne" ist vermutlich Schreiber-Dittographie, keine bewusste Verstärkung.
→ lauter (ganze) Eier - itel/ytal/eitel = bloß / nichts als / nur (Lemma: itel)
ZutatalemannischLesefalle
ytalayer = ytal ayer; itel = bloß/nur, NICHT „rein/pur" → falsch als Eigelb gelesen
→ zerzupfen (Fleisch in Fasern zerteilen) (Lemma: zeisen)
VerbbairischLesefalle
Wortfamilie zaisen/zeisen = zupfen, zerrupfen, zerzausen (Fischer-Wörterbuch: „abzaisen" = abrupfen; Grimm: „schaben, zaisen"; MHDBDB-Lemma „zeisen"). Bedeutet „zerzupfen" (Fleisch in Fasern zerteilen), nicht ein Körperteil. Zwilling mha-131 hat an derselben Stelle „zer czaiss das" (= zerzupfe es); das italienische Pendant ant-048 verwendet an vergleichbarer Stelle sfilare (zerfasern).
→ zu heiß (Lemma: zu heiß)
BegriffmittelbairischLesefalle
zehays = zu heiß (Schmalz/Pfanne); NICHT "zu salzig"
→ Kleine kegelförmige Teig-Zacken/Stäbchen - strukturelles Halte-Element, nicht nur Dekor (Lemma: zuc/zucke)
Technikalemannisch-schwäbischLesefalle
CoReMA (bs1.286) führt den Begriff als ungeklärten Hapax. Lesart gestützt durch Parallelbeleg rfk-073 (czweckly) und interne Textlogik (Halterung für roerlach).
→ Zuletzt, schließlich (mhd. "ze jungest", bei Lexer/Grimm als feste zeitliche Wendung belegt) - KEINE Reihenfolgeangabe im Sinne von "zuerst" (Lemma: ze jungest)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Verwechslungsgefahr: "iuengest" klingt nach "jüngst/neu", ist hier aber ein feststehendes Zeitadverb für den letzten Schritt einer Abfolge.
→ Zimtblüte (Lemma: zimtblüte)
ZutatbairischLesefalle
Automatisch aus den Rezept-Anmerkungen zusammengestellt, ungeprüft. Jeder Begriff kommt in mindestens zwei Rezepten vor.