aines gelides lang
→ ein Fingerglied lang (ca. 2-3 cm) (Lemma: fingerglied lang)
Technikalemannisch
Schnittangabe
Fremde Wörter im Originaltext entschlüsselt: 296 kuratierte Lesefallen mit Beleg & Quelle, plus ein automatisch geerntetes Register mit rund 1613 weiteren Begriffen.
Eine Lesefalle ist ein Wort, das wie modernes Deutsch aussieht, aber etwas anderes bedeutet - „arwis" ist keine „erwiesene" Sache, sondern alemannisch für Erbse. Mittelalterliche Kochtexte sind voll solcher Fallen, und wer sie übersieht, übersetzt am Sinn vorbei.
Die 296 kuratierten Einträge unten sind von Hand gegen Editionen und historische Wörterbücher geprüft (Ehlert 1999, Lexer, Schweizerisches Idiotikon, Fischer, Goetze, MHDBDB, Gloning, CoReMA/Wikidata) und mit Beleg-Rezepten verknüpft. Das Begriffsregister darunter ist automatisch aus den Anmerkungen aller Rezepte geerntet und nicht redaktionell geprüft - nützlich zum Stöbern, aber ohne dieselbe Verlässlichkeitsgarantie. Wörterbuch-Belege basieren auf OCR historischer Drucke (19. Jh.) und sind kritisch zu lesen.
→ ein Fingerglied lang (ca. 2-3 cm) (Lemma: fingerglied lang)
Technikalemannisch
Schnittangabe
→ anlegen (auflegen, z.B. Gefluegel zum Braten binden/spicken), NICHT geleiten/begleiten (Lemma: anlegen)
VerbalemannischLesefalle
„angeleiti/angeleitet" sieht wie eine Ableitung von „geleiten" (begleiten) aus, stammt aber von „anlegen" (auflegen/binden) - bestätigt durch m384-065 („Angelegte Hühner", sehr gut belegt) und einen Lemma-Treffer in der MHDBDB. Betraf in ka1-053 durchgängig Titel, Übersetzung, Worterklärungen und Fragen.
→ Erbsen (bair./österr. Arbeis/Erbeis) (Lemma: erbse)
ZutatbairischLesefalle
bair./österr. Arbeis/Erbeis = Erbse (Goetze, Grimm); Wortfamilie mit arwis (alem.) und aribassen (Backerbsen). NICHT Ackerbohne/Saubohne (das wäre „Bohne"). mon-047/048: Erbsen-Püree als Schau-/Imitationsgericht (Scheinbraten bzw. „Regenwürmer" durchs Sieb).
→ Backerbsen (erbsengroße Teigtröpfchen, durch den Schaumlöffel ins heiße Schmalz ausgebacken) (Lemma: erbse)
GerichtbairischLesefalle
bair. Dialektform zu „Erbsen"; hier der Gerichtsname (Backerbsen), nicht als Eigenname stehenlassen. Wortfamilie vgl. alem. arwis = Erbse (m384). Technik: Teig durch Schaumlöffel ins Fett gießen.
→ Erbse (Lemma: erbse)
ZutatalemannischLesefalle
arwiszen/ärwißen; NICHT „erwiesen/bekannte Art"
→ Schalotte, von lat. ascalonia (Ascalon) (Lemma: schalotte)
Zutatmittelhochdeutsch
Wiederkehrende Zutat im Buch von guter Speise, klar von "Knoblauch" (knobelouch) zu unterscheiden.
→ Den Duft/das Aroma verlieren, ausdünsten (Grimm DWB: "exhalare, evaporare, den geruch verlieren") - NICHT "verderben/schlecht werden" (Lemma: ausriechen)
BegrifffrühneuhochdeutschLesefalle
Naheliegende Fehllesart "verderben" im Konservierungskontext, durch Grimms DWB widerlegt (nur "Geruch verlieren" belegt, Beispiel Hans Sachs). mon-186 trennt textlich klar Aroma-Frische ("nicht awsriech über 8 Tage") von Gesamthaltbarkeit ("Iar vnd tag") - zwei verschiedene Eigenschaften, kein Widerspruch. Löste den bis dahin ungeklärten Hapax-Crux in mon-184 auf.
→ Bein / Knochen (bei Krebsen: Beine/Scheren) (Lemma: bein)
SonstigesalemannischLesefalle
bain von den buchen; NICHT Schalen/Brühe
→ Pastetenkopf - eine geformte, mit Fleisch gefüllte oder ausdrücklich leere ("ler") Teighülle als Aufbau-Element von Schaugerichten (Lemma: pastetenkopf)
Gerichtmittelhochdeutsch
Bastel meint im Buch von guter Speise sowohl gefüllte Pastetenschalen (bastel kopf) als auch reine Teig-Zierstücke (bgs-093) - je nach Rezept zu unterscheiden, keine feste Einheitsbedeutung.
→ Pastete (Lemma: pastete)
GerichtalemannischLesefalle
auch basteten; NICHT „rätselhaft/Bastard"
→ Krauseminze (Mentha crispa) (Lemma: deiment)
ZutatfnhdLesefalle
beimenten/beymenten, Nebenform zu deiment = Krauseminze (Mentha crispa). Zweiter Bestandteil aus lat. mentha. Belegt: FWB s.v. deiment (zitiert Marzell 3,152); Fischer Schwaeb. WB "beiment: Mentha crispa". Vorkommen: kkm-019/087/101/102. Fruehere Fehllesarten (Lorbeer/Borretsch/Zitronenmelisse/Melisse) ausgeraeumt.
→ Beeren (e-Vokal) (Lemma: beere)
ZutatbairischLesefalle
beren (e) = Beeren, ABER biren/piren/pirnen (i) = Birnen - Vokal entscheidet. 'dezgleichen' kann Methode meinen, nicht Frucht
→ Barsch (Fisch), NICHT ein Adjektiv zur Mandelmilch (Lemma: barsch)
TiermittelhochdeutschLesefalle
In bgs-062 kann „bersige mandelmilich" als „Barsche, dazu dicke Mandelmilch" gelesen werden. Im selben Buch bezeichnet „bersige" an zwei anderen Stellen (bgs-055, bgs-056) eindeutig den Fisch Barsch; für eine Lesart als Adjektiv zur Mandelmilch liegt kein Wörterbuchbeleg vor. Die Fisch-Lesart macht bgs-062 zu einem Fastenfischgericht.
→ Schneidet/putzt sie sauber zurecht (Lemma: sauber zurecht)
Verbmittelhochdeutsch
Vorbereitungsschritt vor dem eigentlichen Garen, keine eigene Garanweisung.
→ beste - Superlativ zu gut (Lemma: best)
Begriffmittelhochdeutsch
bgs-054 „daz ist daz aller beste ding“. Nicht zu „veiste“ = fett ziehen, obwohl beide Wörter im selben Buch stehen.
→ besten - Superlativ zu gut (Lemma: best)
Begriffmehrere
→ Rote Bete - liefert im Buch von guter Speise die rote Färbung für Saucen wie Agraz (Lemma: bete)
Zutatmittelhochdeutsch
Nicht zu verwechseln mit dem neuhochdeutschen "Benzin" (rein orthografische Ähnlichkeit, kein etymologischer Zusammenhang).
→ Birnen (Plural von Birne) (Lemma: birne)
Zutatüberregional (fnhd.)Lesefalle
bieren/biren/pyern = Birnen, NICHT Bier(e) (auch wenn die Form heute wie ein Plural von "Bier" aussieht) und NICHT Beeren - Letzteres die eigentliche historische Verlesungsgefahr wegen Nähe zu (Wacholder)beeren (Ehlert übersetzt durchweg Birnen)
→ flaches Gewürz-Backwerk (mit Piment gebacken); zelten = Fladen/flacher Kuchen (Lemma: zelten)
ZutatalemannischLesefalle
bimezelten/bymenczelten; Pfeffer-/Lebzelten-artig, gerieben als Binder+Gewürzträger; NICHT neutrale Semmelbrösel. Verwandt: leczelten/lepczelten=Lebzelten
→ Birsing/Bersing = Barsch (Fisch), NICHT Pfirsich (Lemma: barsch)
Zutatfnhd.Lesefalle
KKM schreibt Pfirsich getrennt "Pfirsing" (kkm-039); Birsing/Bersing immer Fisch (Sülze/Fischbrüh). Modell-Falle: als Pfirsich gelesen.
→ Blancmanger (weißes Prunkgericht aus Geflügel oder Fisch, Mandelmilch, Reismehl) (Lemma: blancmanger)
Gerichtbairisch
Handschriftlicher Name des Blancmanger im Buch guter Speise (auch „blamenser"). Kein Hapax innerhalb dieser Quelle, aber außerhalb des BvgS im Korpus nicht belegt - andere Quellen nennen dasselbe Gericht anders (mhd./frnhd. „weißmus"/„weißes gericht", katalanisch „menjar blanc", italienisch „biancomangiare"). Siehe Grundlagen-Kapitel Blancmanger für die vollständige Familie.
→ Eierpfannkuchen (Deckel/Einlage) (Lemma: eierpfannkuchen)
Zutatalemannisch
ayer plat; flacher Eier-/Pfannkuchen
→ Blüte
Pflanzealemannisch
plüst; z.B. bonen bluost=Bohnenblüte
→ ⚠️ Bleiweiß, basisches Bleicarbonat - GIFTIG; hier als Klärmittel für trüb gewordenen Wein (Lemma: bleiweiß)
Zutatsüdrheinfränkisch (westmitteldeutsch)Lesefalle
⚠️ GIFTIG - basisches Bleicarbonat, ein Malerpigment. Anders als metallisches Blei löst es sich in der Säure des Weins; Bleivergiftungen durch behandelten Wein sind historisch gut belegt. Der Eintrag steht hier zur Dokumentation, nicht als Anleitung. Die Lesefalle ist die Endung: „-wiß“ verführt dazu, die Stelle als Farbanweisung zu lesen („weiß machen“), zumal das Kapitel überschrieben ist „Do ein win sin farwe verlorn hat“. Es ist aber ein Stoffname. Aufschlussreich ist die Nachbarschaft: wbd-028 rührt Bleiweiß und kriden (Kreide, Calciumcarbonat) im selben Handgriff ein, beide als „milch“ mit demselben Wein angesetzt, nur zwei Stunden versetzt. Beides sind Carbonate, die Weinsäure binden - für den Verfasser war das dieselbe Methode mit einem zweiten weißen Pulver, nicht ein Wagnis. Das Nachbarkapitel wbd-029 klärt denselben trüben Wein harmlos mit Malve und Alaun; das Buch stellt beide Wege nebeneinander. Verboten war der Zusatz schon damals, und namentlich: Ulm nahm 1487 jedem Wirt den Eid ab, seinem Wein kein „Bleiweiss“ beigegeben zu haben; ein Edikt von 1497 verbot die Ceruse, dasselbe Bleicarbonat, ausdrücklich gegen die häufigen tödlichen Erkrankungen, die man auf Wein zurückführte - als deren Zeichen galten Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit, aus heutiger Sicht das Bild einer chronischen Bleivergiftung (Eisinger, Medical History 26/1982, S. 297). Nürnberg untersagte ohnehin „kainerley gemechte, swie daz genant ist“. Beides liegt vor der Entstehungszeit des Buchs. Was fehlte, war nicht das Verbot, sondern der Nachweis: prüfen konnte man einen Wein nicht, und Blei war zugleich Arznei. Den Beweis führte erst Eberhard Gockel in Ulm, 1694-1696. Die praktische Grenze lag zwischen Ausschank und eigenem Keller - ein Kellerhandbuch wie dieses meint den eigenen. Korpusweit ist wbd-028 der einzige Fall, in dem Blei in etwas Trinkbares kommt - die übrigen Treffer meinen Bleiglasur an Gefäßen (rfk-014, kkm-077; mha-160 warnt bereits davor) oder sind bairisch „plumben“, also Pflaumen. Siehe auch „gemachter wein“.
→ Baumnüsse = (grüne) Walnüsse (Lemma: baumnuss)
ZutatalemannischLesefalle
boun nusz; NICHT Bohnen
→ Acker-/Saubohne (Vicia faba); vor 1500 die einzige Bohne (Lemma: ackerbohne)
ZutatalemannischLesefalle
bonen/bon = Acker-/Saubohne; NICHT moderne grüne/Kidneybohnen (Phaseolus erst nach 1500); nicht verwechseln mit „bon nusz"=Baumnuss
→ Erdbeere (Fragaria) (Lemma: erdbeere)
Pflanzeüberregional (fnhd.)Lesefalle
bresteling/Bräschtling/Brestling = Erdbeere, NICHT Preiselbeere/Heidelbeere; steht oft neben bromber=Brombeere
→ Borretsch (Borago officinalis) (Lemma: borretsch)
Pflanzealemannisch
essbare Garten-/Heilpflanze
→ Traubenkämme / Stielgerüst der Weintraube (Rappen) - das holzige Gerüst, an dem die Beeren sitzen (Lemma: kamm)
PflanzebairischLesefalle
Mondsee-Variante zu kammen (ch/k-Lautung). Traubenkämme = Rappen/Stielgerüst; „ab den chempten brechen" = die Beeren abbeeren/entrappen (vom Gerüst lösen). Weinbau-Begriff. Frisch-Indikator: meint frische Weintrauben, nicht Rosinen. Cross-source vgl. ri15632-043 kammen.
→ Kerne (Mandelkerne oder Quittenkerne) - ODER Kirschen, im Korpus nicht abschließend geklärt (Lemma: kern)
ZutatbairischLesefalle
→ Topf / Pfanne (Kochgefäß) (Lemma: topf)
GerätbairischLesefalle
Bairische ch-für-t-Lautform (vgl. bair. „hafen" als Parallelbegriff für Topf). NICHT der Kopf des Tieres. Mon-071 übersetzt „leg sie dann in den Topf", mon-072 hat dieselbe Form zweimal an vergleichbarer Stelle; Zwilling mha-139 hat dort „in den Hafen"/„in der Pfanne oder in dem Hafen". Mon-103 („choppf voll von tail" = ein Gefäß voll Teig) wird durch Zwilling mha-151 („hafen von taig") bestätigt.
→ Wacholderbeere (Lemma: wacholder)
ZutatbairischLesefalle
Mondsee-Variante zu kranbipir/Kranbeer = Wacholder. NICHT Preiselbeere/Cranberry - ein bekannter falscher Freund. Beleg: m5919-009 ("Brachvogel am Spieß mit Wacholderbeeren").
→ Krebse / Krebs-Speise (Lemma: kreusen)
ZutatbairischLesefalle
Mondsee-Variante zu krewssen = Krebse (mon-016, im Rezepttext; Titelform grewssen). NICHT „Krausen/Gebäck".
→ Teigtasche / Hülle (nicht „Kropf" im anatomischen Sinn) (Lemma: kropf)
GerätbairischLesefalle
Wörtlich „Kropf" - hier aber keine Anatomie (Schilddrüsenschwellung, Vogelkropf), sondern eine Teigtasche/Hülle, die den Braten umschließt. Als Substantiv im Korpus ein Hapax, die Technik selbst ist aber durch den Zwilling m5919-064 (Eierteig-Ummantelung eines ganzen Huhns) bestätigt.
→ Kümmel (Lemma: kümmel)
ZutatbairischLesefalle
Bairische Form von Kümmel, in Gewürzaufzählungen neben Pfeffer/Ingwer/Safran. Leicht zu verwechseln mit „chum" = „komm!" (Imperativ von mhd. komen) - nur der Kontext (Zutatenliste vs. Handlungsanweisung) entscheidet.
→ krümmen (zur Hufeisen-Form biegen) (Lemma: krimpfen)
TechnikbairischLesefalle
Bestätigt durch den Zwilling ri15632-012, der an derselben Satzposition „krumpt ez alz die hueff eysen" (krümme es wie die Hufeisen) hat - sieben Rezepte im Korpus belegen dasselbe Hufeisen-Gebäck-Cluster.
→ Kragen-/Halsbereich des Krebses (Fleisch oder Schalenstück, genaue Butcherei unklar) (Lemma: kragen)
ZutatbairischLesefalle
Kein Hapax im engeren Sinn: 'kragel/kregelin/kraglein' (Diminutiv zu 'Kragen') ist bei Lexer, Grimm und Idiotikon als eigenständiges Wort belegt, nur im Korpus selbst einmalig. Ob 'ckragel' hier das Fleisch aus dieser Zone meint (gestützt durch kkm-012, das 'Hälß' als eigens verarbeiteten Krebsteil neben Scheren/Bäuchen nennt) oder ein intaktes Schalenstück mit Scheren/Beinen zur dekorativen Rekonstruktion des Krebses, ist aus dem Text allein nicht zu entscheiden - kkm-012 hackt kleine Scheren klein in die Füllung, legt aber große Scheren separat zurück, was für eine Mischung aus beidem spricht statt für eine einheitliche Lesart.
→ Getrocknete Birnen - lebt bis heute als "Hutzeln" weiter (bair.-österr./schwäbisch, vgl. Hutzelbrot); im normalen Supermarkt/Wochenmarkt kaum zu bekommen, online unter "Hutzeln" leicht (Lemma: hutzel)
ZutatbairischLesefalle
Lexer führt "hutzel" direkt als "getrocknete birne" (WB-Beleg). Nicht mit Wurzelgemüse/Knollen verwechseln, wie ein älterer Kandidaten-Eintrag vermutete.
→ Kleines Verschlussstück/Pfropfen aus Teig für eine eigens gebrochene Öffnung im Pastetendeckel (Lemma: cluster)
TechnikmittelhochdeutschLesefalle
Zwilling koe-019 hat an vergleichbarer Stelle "blezelenn" für dasselbe Element.
→ Gericht aus dünnen Eierfladen in Milch
GerichtmittelhochdeutschLesefalle
col ris/colris = dünne Eierfladen in Milch (3 Rezepte BvgS 65-67), NICHT Kohlreis (kein Kohl/Reis); Namensursprung ungeklärt
→ Kleines Würzmittel - Diminutiv von "condiment" (Würzsud/Würzmittel) (Lemma: condiment)
Zutatmittelhochdeutsch
Diminutivform, im Korpus sonst nur die Grundform "condiment" belegt (z.B. bgs-050).
→ Vermutlich eine editorische oder handschriftliche Randmarke (Verweis-/Kapitelmarkierung), keine Zutat oder Anweisung (Lemma: editions-kürzel)
Sonstigesmittelhochdeutsch
Erscheint an mehreren Stellen isoliert im Transkript, ohne erkennbaren Bezug zum umgebenden Rezepttext - in Übersetzungen bewusst nicht mitgeführt.
→ Eingelegtes/fermentiertes Gemüse (Vorform von Sauerkraut/Sauergemüse), vom lat. "compositum" = Zusammengelegtes - HAT NICHTS mit dem modernen süßen "Kompott" zu tun (Lemma: kompost)
GerichtmittelhochdeutschLesefalle
Falscher Freund zum Neuhochdeutschen: "Kompost/Kompott" suggeriert Süßes, gemeint ist aber saures Einlegegemüse.
→ Ziger = Quark/Frischkäse - hier aus Mandeln statt Milch hergestellt, ein veganes Käseimitat der Fastenküche (Lemma: ziger)
Gerichtmittelhochdeutsch
Der Name verspricht Käse, geliefert wird eine Illusion (Mandelmilch + Gelatine/Bindemittel statt Milch).
→ ziehen/abziehen (Teig glattziehen, Salz herausziehen), nicht 'formen' (Lemma: ziehen)
VerbbairischLesefalle
→ Zimtblüte (zimit-bluot) (Lemma: zimtblüte)
ZutatalemannischLesefalle
NICHT „Zimt + Blut"
→ Kichererbse (Cicer arietinum, lat. cicer), NICHT Gartenerbse - CoReMAs Wikidata-Glosse ("garden pea", Q29472543) ist hier ungenau (Lemma: kichererbse)
ZutatbairischLesefalle
Grimm belegt "Zieser/Ziser" eindeutig als Kichererbse entlang der deutsch-romanischen Sprachgrenze (Schmeller, Wiener "ziserl") - genau der Sprachraum des Mondseer Kochbuchs. Zwillinge mha-288/m384-056 nutzen fuer dieselbe Technik das andere Wort "arbaiss"/"arwisz" (gewoehnliche Erbse) - Gegenprobe bestaetigt die abweichende Frucht.
→ Zwiebeln (Lemma: zwiebel)
Zutatalemannisch
seltene namentliche Zwiebel-Nennung
→ Zimtblüte (Cinnamomum cassia, teils als "Cassiablüte" im Handel), NICHT "Kassia-Knospen" als eigenständiger Ausdruck - selbes Buch loest es selbst auf (Lemma: zimtblüte)
ZutatbairischLesefalle
→ Zwiebel - NICHT eine Verbform für 'zerlegen' (Lemma: zwiebel)
ZutatbairischLesefalle
Bairische Schreibvariante zu 'zwifel/zwibel/zibolle' = Zwiebel, per CoReMA-GAMS-Objektseite mit Wikidata Q3406628 verifiziert. Fehlte in einer früheren Übersetzung komplett in den Zutaten, weil das Wort als Verb ('zerlegen') statt als Substantiv gelesen wurde.
→ Junge Dohle (Rabenvogel) - Wort ist in mon-200 vom Schreiber selbst WIEDER GESTRICHEN worden, daher NICHT die tatsächliche Rezept-Lesart dort (die Vogelart bleibt in mon-200 final unbenannt); als Beleg für den Begriff selbst aber wertvoll (Lemma: dohle)
Begriffbairisch-österreichisch
Dachl ist im Salzburgischen Idiotikon (Anhang zu Lorenz Hübner, Beschreibung des Erzstiftes Salzburg, 1796, S. 955-984) direkt als "die Dohle" belegt - Mondsee (Oberösterreich) liegt im selben Dialektraum, direkt an Salzburg angrenzend. In mon-200 (fol. 070r, TEI-Beleg mit <del>-Markierung) schreibt der Schreiber zunächst "dachlain", streicht es aber vollständig und ersetzt es durch "das" (davon wiederum das "s" gestrichen) - Endfassung "da", von CoReMA selbst als "unsolved" markiert. Zeigt aber: der Schreiber kannte "dachlain"=junge Dohle als Wort, hat sich hier nur gegen die Artangabe entschieden.
→ Fester, nicht aufgehender Teig (ohne Triebmittel) - hält eine Füllung und wird beim Ausbacken knusprig (Lemma: fester teig)
Technikmittelhochdeutsch
Schreibvarianten "teyc"/"teyk" im Korpus - derselbe Begriff, keine zwei unterschiedlichen Teigarten.
→ dick (fest, dickflüssig) - nicht das Pronomen „dich" (Lemma: dick)
BegriffbairischLesefalle
ck/ch-Schwund: „dich" für „dick" - Zwilling m5919-037 hat an derselben Stelle im Brandteig-Rezept die reguläre Schreibung „pey der dick peleib". Gemeint ist die feste Konsistenz des Teigs vor der Ei-Zugabe, kein Pronomen.
→ Darum, ringsherum - die flüssige Mandelmilch wird rings um den geformten Laib gegossen, NICHT von oben darüber (Lemma: darum)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Leicht als "darüber" misszuverstehen - die Präposition bestimmt hier eine ganz andere Gieß-Choreographie (ringsherum statt von oben).
→ Dünn in schienen-/streifenförmigen Scheiben (vermutlich zu mhd. schine, "Schiene") (Lemma: schienenförmig)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Hapax - kommt nur in diesem einen Rezept vor, keine Parallelstelle im Korpus gefunden.
→ ganze (getrocknete) Pfefferkörner (Lemma: pfefferkörner)
Zutatalemannisch
neben gemahlenem Pfeffer
→ Erbse - „rote earwisz“ ist die rote Felderbse (Lemma: erbse)
ZutatalemannischLesefalle
Zur alemannischen Wortfamilie „arwis“ = Erbse, vgl. den Eintrag „aribassen“. Die Schreibung mit ea- verdeckt das Wort; NICHT als Fremdwort lesen.
→ auf die eigene/besondere Art (Lesart unsicher) (Lemma: eigen)
Sonstigesoberrheinisch-alemannischLesefalle
Superlativ-/Intensivform von "eigen" selbst nicht direkt belegt, nur die Grundform "eigene" (Benecke, Idiotikon, Grimm); Lesart bleibt Vermutung, im Text gehedged
→ eine Zubereitung; meist die angemachte Würzsauce zu einem Gericht, nicht das Gericht selbst (Lemma: gemacht)
Begriffüberregional (fnhd.)Lesefalle
Substantiviertes Partizip, nicht das Verb: „ein gemacht Kraut“ (koe-032, ri15632-044) ist kein „gemachtes Kraut“, sondern Kraut mit einem Gemachten, also mit einer angemachten Sauce aus Senf, Honig und Wein. mon-255 macht es explizit - „an ein chrautt ein gemacht“, ein Gemachtes zu einem Kraut. Grimm DWB „Gemächt“ II,2 führt die Bedeutung Zubereitung/Zurichtung. Noch unübersetzt und betroffen: b4-161 und w1-164 tragen es im Titel („Das ist ain guts gemachts“), so1-037 hat „in das gemacht tuon“. Beim Wein hat dasselbe Wort die schlechte Bedeutung, siehe „gemachter wein“.
→ eine angemessene, wohldosierte Menge (Lemma: maß)
TechnikbairischLesefalle
„Nach [rechtem] Maß" heißt eine angemessene, wohldosierte Menge - KEINE Mini-Prise. Der wortnahe Zwilling im Kochbuch Cgm 5919 (m5919-040: „salcz sein mas") bestätigt dieselbe feste, korpusweite Wendung für „nach eigenem Ermessen salzen".
→ aufkochen/aufwallen lassen (Lemma: erwellen)
VerbmittelbairischLesefalle
→ ausgeklaubt, verlesen, gesaeubert (Lemma: erklauben)
Technikbairisch
die schon erclawpt sein = sorgfaeltig verlesen.
→ ausgeklaubt, verlesen, gesäubert (Lemma: erklauben)
Technikbairisch
Vgl. bereits erfassten Eintrag „erclawpt" (muenchner_clm15632); hier im Kontext „vnd ischen arbais muss erklaub" = die Erbsen müssen verlesen sein.
→ Erdbeere, NICHT Erbse (Lemma: ertber)
Zutatalemannisch-schwäbischLesefalle
Lexer: "erper s. ertber"; Idiotikon: "erd-ber-/erper-". CoReMA-Sachglosse verlinkt konsistent zu Wikidata Q146684 (Erdbeere). Twin rfk-068 hat dieselbe Stelle bereits korrekt als Erdbeeren gelesen.
→ erhitzen / aufwallen lassen (Lemma: erwallen)
TechnikalemannischLesefalle
→ fett - vom Fett des Fisches und vom eingefetteten Mörser (Lemma: feist)
ZutatbairischLesefalle
→ „färb es" (Lemma: färben)
Technikalemannisch
farb/farbs; meist mit Safran
→ „färb es, solange (es) roh [ist]" (Lemma: färben solange roh)
TechnikalemannischLesefalle
Zeitangabe; NICHT „rötlich"/Blut
→ fangen / fange / auffangen (Lemma: fangen)
Technikalemannisch
fauch den schwaisz = Blut auffangen
→ Pfennwert - die Menge, die man für einen Pfennig bekam (Preisangabe, kein Maß) (Lemma: pfennwert)
MengemittelbairischLesefalle
So steht es im Transkript, weil die Handschrift p und f mit einer kleinen Lücke schreibt und die CoReMA-Edition diese Trennung übernimmt („p fenbert“, beide Male auf fol. 97v). Gelesen wird es als ein Wort: pfenbert = Pfennwert, bairisch mit b für w. Siehe pfenbert und pfenbart für die Belege bei Schmeller und Grimm sowie den Zwilling m5919-007.
→ färbe (Imperativ von ferben/verben) - NICHT 'verreibe' (Lemma: färben)
VerbbairischLesefalle
'Ferib' ist Imperativ von 'ferben/verben' = färben, nicht von 'verreiben'. Bestätigt durch CoReMA-Glossierung und die Korpus-Zwillinge ri15632-005 (färbt an gleicher Stelle explizit mit Safran) und mon-141.
→ fest (Lemma: fest)
Begriffmittelhochdeutsch
In der Haltbarkeitsangabe zur Sülze: je fester, desto besser.
→ Veilchen-Mus - ein sämiger Brei mit Veilchenblüten als Farb- und Aromageber (Lemma: veilchenmus)
Gerichtmittelhochdeutsch
fial bluomen = Veilchenblüten, im Mittelalter häufig zum Färben und Aromatisieren von Speisen verwendet.
→ Fließende Sülze - ausdrücklich KEIN festes Aspik, sondern eine dünnflüssige, gewürzte Essig-Brühe als Sauce über kaltem Fleisch (Lemma: fliessende sulze)
GerichtmittelhochdeutschLesefalle
Sülze suggeriert im modernen Sprachgebrauch reflexartig ein festes Aspik/Gelee - das Adjektiv "fliezzende" widerspricht dem im Text ausdrücklich.
→ Forelle (Lemma: forelle)
TierbairischLesefalle
Bairisch/schwäbisch „Forche(n)" ist ein Homograph: kann auch Kiefer/Föhre (Baum) bedeuten. Im Fisch-Kontext (mon-040, neben Aal und Brachsen als Grill-Alternative genannt) eindeutig Forelle.
→ Keule (Geflügelkeule), nicht Fuß (Lemma: keule)
ZutatbairischLesefalle
CoReMA glossiert das Wort (bzw. die Schreibvarianten „füßchen"/„Fusslenn") auf den GAMS-Objektseiten zu allen drei Rezepten übereinstimmend als englisch „chicken leg" (Wikidata Q7196561) - eine Keule, kein abgetrennter Fuß. Kulinarisch naheliegend: Leber, Magen und Keule sind zusammen die ergiebigsten Teile, wenn kein ganzes Huhn zur Verfügung steht. Derselbe Fuß-als-Keule-Sprachgebrauch mit identischem CoReMA-Beleg findet sich unter „phuesß" bei Wildbret (mon-072) - ein wiederkehrendes Muster in diesem Korpus.
→ Gericht aus Innereien in dunkler Pfeffersoße/Sauce (als Vorspeise/Gang gereicht) (Lemma: vor-essen)
GerichtalemannischLesefalle
furhess; NICHT „für den Fürsten"
→ Vermutlich Galgant (Alpinia officinarum) - Lesart UNSICHER, CoReMA führt die Stelle als ungelöst/Hapax (Lemma: galgant)
Zutatalemannisch-schwäbischLesefalle
Frühere Fassung behauptete fälschlich, die CoReMA-TEI-Edition bestätige "Kardamom" - per WebFetch widerlegt, CoReMA markiert die Stelle tatsächlich als "unsolved". Bei Zitaten externer Editionen IMMER gegenprüfen, nicht aus einem früheren Draft übernehmen.
→ Gallerte / Gelee / gelierte (kalte) Speise (Lemma: gallerte)
Gerichtalemannisch
galrei; in Cgm 384 weit gefasst
→ geröstet (bähen = leicht rösten) (Lemma: bähen)
TechnikalemannischLesefalle
gebättes/gebatem; NICHT „gebacken/eingeweicht"
→ Geharztes Gefäß (Innenseite mit Baumharz/Pech ausgekleidet, zur Abdichtung), NICHT "gut vorbereitetes Gefäß" (Lemma: gehertzet)
GerätmittelhochdeutschLesefalle
Dient der Abdichtung/Haltbarmachung des Gefäßes für die Met-Lagerung.
→ Verlesen, sortiert (von Stielen/minderwertigen Stücken befreit) - bei Trockenfrüchten wie Rosinen NICHT "eingeweicht" (Lemma: lesen)
TechnikfrühneuhochdeutschLesefalle
weinpern woll gelessen (mon-188) und "erlessen" (mon-190) sind dieselbe Verbfamilie (zu "lesen" = sortieren/auslesen, vgl. "Weinlese"), nicht zu "einweichen" oder "auflösen". Verwandt, aber nicht identisch mit "erclawpt" (ri15632-004, zu "klauben" statt "lesen") - beide meinen sortieren, andere Verbwurzel.
→ Glied - „aines gelides lang“ meint ein Fingerglied als Längenmaß, etwa 2 bis 3 cm (Lemma: glied)
Mengealemannisch
Genitiv zu „glid“. Das Maß bezieht sich auf das Fingerglied, nicht auf ein Gelenk und nicht auf das Glied einer Kette.
→ gepanschter Wein; künstlich behandelter Wein mit unerlaubten Zusätzen
Begriffüberregional (fnhd.)Lesefalle
Nicht „zubereiteter Wein“, sondern gepanschter. Belegte Sonderbedeutung von „machen“ im Weinkontext: Grimm DWB „Gemächt“ II,2c, „von künstlichem herrichten und anmachen des weins“. Nürnberg verbot es schon im 13./14. Jh. - niemand solle Wein „mit kainerley gemechte, swie daz genant ist“ machen; einzige Ausnahme war die Eiklarschönung welschen Weins. Strafe: zehn Pfund Heller und fünf Jahre Schankverbot, für den Ausführenden lebenslange Stadtverweisung (Baader, Nürnberger Polizeiordnungen, 1861, S. 205). Die Ordnung von 1497 nennt die Mittel: gebrannter Wein, Waidasche, Senf, Speck, Milch, Wasser, dazu Schwefeln. Erkennungszeichen im Text ist die Nachbarschaft: k1-006 und kkm-016 nennen „gemachte wyn“ neben „verdorben“ und „zäh“, also neben zwei Weinfehlern. Davon zu trennen ist der selbst angesetzte Würzwein, den so1-130 unter der Rubrik „Von gemachtem Win“ führt.
→ Partizip "gepraten/praten" = gebraten, NICHT Brät - bei Fleisch-Substantiv mit Artikel ("ain gepraten huen" = ein gebratenes Huhn) (Lemma: gebraten)
TechnikbairischLesefalle
Gegenrichtung zu geprät=Brät: Partizip gepraten=gebraten vs. Substantiv prät=Brät/Farce; Artikel+Morphologie entscheiden. prat kann zudem Brot sein (vgl. pfefferbrot, m5919-061). Cross-source bgs-028/koe-002. Mondsee-Variante: gepratten huen czw glid das chlain (mon-080) - ohne Zwillingsvergleich liest sich "czw" leicht als Zahl "zwei" statt als Präposition "zu"; korrekt ist "ein gebratenes Huhn, klein zerteilt", nicht "Hühnerbrät und zwei Stücke Fleisch". Zwilling m5919-063 nennt das Gericht selbst "Mörserhühner".
→ das Brät = (rohes) fein zu zerkleinerndes Fleisch-/Fischfleisch (Farce), NICHT "gebraten" (Lemma: brät)
ZutatbairischLesefalle
geprät/prät = Brät; auch "hechten prät" = Hechtbrät. Modell-Falle: als "gebraten" (geprat) fehlgelesen. Bestätigt Ehlert §2.6.
→ kraeftig durcharbeiten, kneten - beim Teig, NICHT Leder gerben (Lemma: kneten)
TechnikmittelbairischLesefalle
⚠️ Unsere Lesart aus dem Kontext, KEINE Woerterbuch-Bedeutung: die Woerterbuecher belegen fuer das Wort das Gerben von Leder bei Benecke und Lexer, das Reinigen von Getreide von den Spelzen bei Fischer und derbes Pruegeln bei Grimm - eine Teig-Bedeutung steht dort nirgends. Gemeinsamer Kern aller drei ist kraeftiges Durcharbeiten, und beide Korpusstellen stehen im Teigkontext: ka2-056 „Mach ainen taig ab mit gerben“, mon-229 „leg ain platt auff den gerben taig“. Etymologisch gehoert das Wort zu ahd. garawan = bereiten, zuruesten.
→ ausgeweidet (von Innereien befreit) (Lemma: ausgeweidet)
Technikalemannisch
gewaidest
→ ausgerollter (gewellter) Teig (Lemma: gewellter teig)
TechnikalemannischLesefalle
NICHT „gewalkt"
→ Zu mhd. "werren" (verwirren/hineinmischen) - NICHT "gekocht" (Lemma: hineingemischt)
VerbmittelhochdeutschLesefalle
Frühere Lesart suggerierte einen im Text nicht belegten separaten Kochschritt.
→ saure Hafergrütze (später auch allgemein: feste, gegossene und kalt gestockte Speise) (Lemma: geislitz)
GerichtmehrereLesefalle
NICHT von „Geiß" (Ziege) - reiner Klanganklang, keine echte Wortverwandtschaft. Slawisches Lehnwort (böhm. kyselice = saure Mehlspeise, kyselý = sauer), belegt bei Lexer (15. Jh.), im Schweizerischen Idiotikon und im Grimmschen Wörterbuch, das eine fast wortgleiche Zubereitungsanweisung zitiert wie mon-152 („so seud sy und geusz sy dann auf ain schussel..."). In Alpendialekten (Pustertal, Kärnten) bis in die Neuzeit für sauren, kalt gegessenen Haferbrei belegt. Der Name weitete sich auch auf andere gegossene oder gestockte Speisen aus (m5919-015: Kalbsfuß-Sülze, kein Getreide). Dritte Bestätigung: Grimm zitiert die Stelle ausdrücklich aus „meister Hans, des von Wirtenberg koch" - das ist unser Meister-Hans-Kochbuch, der Originaltitel stimmt wörtlich überein. Bei CoReMA (bs1.132) bündelt ein Eintrag beide Mondsee-Varianten: das Aufwallen im Reindl wie in mon-151 und das Erkalten mit Hautabziehen und Mandelmilch wie in mon-152. In unserem Korpus liegt die Stelle als mha-132 („Geyslicz: Warm und Kalt in der Fastenzeit") übersetzt und geprüft vor, als Geislitz beziehungsweise saure Hafergrütze, und deckt beide Varianten in einem Rezept ab.
→ Vermutlich "mit einem Kragen/Rand versehen"
TechnikbairischLesefalle
Hapax legomenon, kein externer Beleg - Lesart gestützt auf die Wortfamilie "Kragen" (Lexer/Grimm/Idiotikon). Beschreibt vermutlich die obere Öffnung eines Kruges.
→ Krebse / Krebs-Speise (Lemma: kreusen)
ZutatbairischLesefalle
Mondsee-Variante zu krewssen = Krebse (mon-016 „Krebsmus", Titelform; Körperform chrewssen). NICHT „Krausen/Gebäck".
→ das (grosse/spitze) Ende der Eierschale, wo man das Ei aufschlaegt/oeffnet; NICHT steifer Eischnee (Lemma: spitz)
TechnikbairischLesefalle
→ Grieben (Fett-/Speck-Grieben); hier falsche Grieben aus gerösteten Brotwürfeln als Fasten-Ersatz (Lemma: grieben)
ZutatalemannischLesefalle
gruben = Grieben (Grammeln); NICHT „Gruben/Löcher"
→ eingelegte unreife (grüne) Walnüsse - im Vorsommer eingemacht/entbittert; roh zu bitter, zur Fastenzeit nicht frisch verfügbar (Lemma: grüne nüsse)
ZutatalemannischLesefalle
NICHT frische rohe Nüsse (zu bitter) und NICHT getrocknete reife Nüsse
→ roh / gruen (Lemma: gruen)
BegriffmittelbairischLesefalle
gruey = gruen = noch roh; NICHT "sehr fein"
→ roh / unverarbeitet (Garzustand), NICHT Farbe/frisch (Lemma: gruen)
BegriffalemannischLesefalle
→ Graupen, Grütze (hier vermutlich Gerstengraupen) (Lemma: graupe)
Zutatbairisch
CoReMA-Sachglosse verknüpft die Stelle direkt mit Wikidata Q1436715 (groat). Text nennt Gerste als Ersatz, falls keine Graupen vorhanden sind.
→ Eierschalen (Lemma: gucke)
ZutatbairischLesefalle
wieder in die gucken = zurueck in die leeren Eierschalen. Ehlert "in die Schalen".
→ Gutes Gewürzpulver - Sammelbegriff, genaue Zusammensetzung nicht spezifiziert (typisch: Pfeffer, Ingwer, Galgant, Muskat, Zimt) (Lemma: gutes gewürzpulver)
Zutatbairisch
Formelhafte Wendung "guecz/guetz" (gutes) + "stupp" (Pulver/Gewürzpulver, vgl. "stupp es dann ab" = bestäube es).
→ Topf (Kochgefäß), nicht Mörser
Gerätalemannisch-schwäbischLesefalle
Alemannisch-schwäbisches Parallelwort zum bairischen "chopff" (siehe dort). Bei mha-167 explizit gegen Mörser-Lesart abgegrenzt: Mandeln werden im Hafen (Topf) mit einem Hölzchen gerührt, nicht im Mörser gestoßen.
→ Hosennestel (bildhafter Name fuer Hautstreifen/Baender), NICHT "Hasenteile" (Lemma: hosennestel)
BegriffbairischLesefalle
Titel und Text durchgaengig mit "Hase" statt der Hosen-/Nestel-Bildsprache verwechselt.
→ Hausen (Stör)
ZutatmittelbairischLesefalle
fetter Fisch, wie Speck ausgelassen; NICHT Hecht (mager). Vgl. Hausenblase
→ Hauswurz / Dachwurz (Sempervivum tectorum), Heilpflanze (Lemma: hauswurz)
ZutatbairischLesefalle
NICHT generische 'Gewuerze'
→ Topf, Kochgefäß (Lemma: hafen)
GegenstandbairischLesefalle
Bairisch "Hafen" = Topf, NICHT "Hefe" (Backtriebmittel) - klassischer False-Friend durch die ähnliche Schreibung.
→ Heidnische Kuchen - nach vorherrschender Forschungsmeinung Bezeichnung für eine als fremd/exotisch empfundene Zubereitung (hier eine ungewöhnliche Fleisch-Apfel-Mischung), kein religiöser Gegensatz zu "christlichen" Speisen (Lemma: heidnische kuchen)
Gerichtmittelhochdeutsch
Der Name bezieht sich auf die Fremdartigkeit der Zutatenkombination, nicht auf eine tatsächliche kultische/religiöse Zuordnung.
→ Hohlbraten - eine um einen Spieß geformte, gebratene Kalbfleisch-Farce, die nach Entfernen des Spießes hohl ist und sich in Ringe schneiden und füllen lässt (Lemma: hohlbraten)
GerichtmittelhochdeutschLesefalle
Nicht "Hohlbrot" (ausgehöhltes Brot) - der Umlaut "ö" in der Harsch-Fassung ("hol bröten") passt zu mhd. brâten, nicht zu brot. kkm-065 ("Holbrahten von Kalbfleisch") liefert die exakte Bauanleitung und bestätigt die Lesart; MHDBDB-Morphologie (hol+brâten) und Schweizerisches Idiotikon stützen sie zusätzlich. Ändert die Gerichtsidentität von bgs-090 grundlegend (Doppel-Farce-Konstruktion statt Fladen mit Brotkern).
→ Hälse (Krebs-Schwanzfleisch bloßlegen) (Lemma: hals)
SonstigesalemannischLesefalle
häls/hels; NICHT „Holz"
→ Honigseim - dickflüssiger, ungeläuterter Honig (nicht der industriell erhitzte/gefilterte Flüssighonig des Handels); NICHT Honigwasser und NICHT Met. Moderner Ersatz: cremiger Honig (Lemma: honigseim)
ZutatmittelhochdeutschLesefalle
Wiederkehrender Terminus im Buch von guter Speise für ungeklärten, dickflüssigen Honig. Verwechslungsgefahr mit "Honigwasser" (verdünnt) oder "Met" (vergoren) - keins von beidem. Ralf (erfahrener Met-Brauer) bestätigt die Seim-Lesart gegen eine Schaum-Lesart; Lexer belegt "honecseim" direkt (4 Fundstellen), eine Form "honecschume" ist nirgends belegt. DWDS (s.v. "seimig"/"Honigseim") bestätigt unabhängig: "Honigseim = ungeläuterter Honig", mhd. "honecseim/honecsein"; "seim/seimig" = "dickflüssig", nicht dünnflüssig.
→ Dörrbirnen, getrocknete Birnenschnitze (Lemma: hutzel)
Zutatfnhd
Lexer setzt „hützel, hutzel" als „getrocknete birne" an und belegt genau die Pluralform: „ein gemues von hutzeln". Grimm DWB führt „hutzel" als gedörrtes Obst, Äpfel- oder Birnenschnitz, nennt hutzel als die oberdeutsche Form und zitiert dafür die Kuchenmeisterei selbst - „gute huczelbirn", kuchenmeist. b3 -, dazu hutzelbirne = gedörrte Birne und hutzelbrühe = decoctum pirorum siccatorum. In kkm-097 stehen „dürr Hutzeln" ausdrücklich neben frischen Birnensorten „Regel oder Leutsbiern, Wasserbiern, Brahtbiern"; das schließt die zweite Grimm-Bedeutung „Holzbirne" hier aus. Sachlich dieselbe Zutat wie huzell in koe-018 und cloczen/kletzen.
→ Dörrbirnen, getrocknete Birnenschnitze (Lemma: hutzel)
Zutatfnhd
Schreibvariante zu hutzeln, siehe dort; Beleg und Autoritäten identisch. In kkm-050 sind die „guten Hutzlen" neben geschälten frischen Birnen und Birnwasser die getrocknete Zutat der Fastenspeise.
→ Eingeweide / Innereien (mhd. in-gäder / in-geäder) (Lemma: eingeweide)
ZutatalemannischLesefalle
hack das ingader = die Innereien; NICHT „zusammen" (frei erfundene Variante)
→ (kleine Menge) Öl (Lemma: öl)
ZutatbairischLesefalle
Hapax (nur mon-104 belegt), am plausibelsten als „in Ölein" (Diminutiv zu Öl) zu lesen - passend zum Weichdünsten der Zwiebeln vor dem Zusammenführen mit dem Fisch. Kein Fremdwörterbuch-Beleg; Alternative „Brühe/andere Flüssigkeit" bleibt schwächer, da Öl kulinarisch die naheliegendste Lesart fürs Weichdünsten ist.
→ kalte Aschenlauge (Reinigungswasser für getrocknete Hülsenfrüchte)
Technikbairisch
Lauge aus Holzasche und Wasser zum Waschen/Reinigen getrockneter Erbsen vor dem Kochen.
→ Traubenstiele / Stielgerüst der Weintraube (Rappen) - das holzige Gerüst, an dem die Beeren sitzen (Lemma: kamm)
PflanzebairischLesefalle
kammen/Rappen = Stielgerüst der Traube; „ab dem kammen" = Beeren abbeeren/entrappen (vom Gerüst lösen) -> Frisch-Indikator: weinper hier = FRISCHE Trauben, nicht Rosinen. Mondsee-Variante: chempten (mon-035).
→ Hammel (Fleisch des kastrierten Schafbocks)
ZutatbairischLesefalle
kastraeun; NICHT 'Kapaun'
→ das Schlechte / Ungenießbare (Lemma: das böse)
SonstigesalemannischLesefalle
alem. für kär; NICHT „Kraut/Magen"
→ Kirsch-Sülze / Kirschmus (zum Schwärzen bzw. Süßen von Saucen); NICHT von "Salz" abzuleiten (Lemma: kers-seltz)
Zutatostschwäbisch (augsburgisch)Lesefalle
Zusammengesetzt aus "kers" (Kirsche, frühnhd. "kersche/kirsche") und "seltz" (Sülze bzw. eingekochtes Dickobst) - die Buchstabenfolge legt fälschlich "Salz" nahe. Bestätigt durch saw-046, wo blosses "seltz" im selben Buch eindeutig als Sülze übersetzt wird, sowie durch saw-007/saw-007a, die "kersseltz" konsequent als Kirschmus lesen.
→ Gut aufquellen/anschwellen (sichtbares Quellen in Flüssigkeit), NICHT "garen" (Lemma: kinen)
TechnikmittelhochdeutschLesefalle
Bezeichnet das Quellen der Frucht in der Flüssigkeit vor dem eigentlichen Sieden, nicht den Garvorgang selbst.
→ Formel-Überschrift des Buches von guter Speise für ein Rezept, das als besonders fein/geschickt gilt - kein auf ein einzelnes Gericht gemünzter Kalauer (Lemma: kluge speise)
Begriffmittelhochdeutsch
Wiederkehrende Kapitel-Floskel, keine Beschreibung der konkreten Zubereitungstechnik.
→ Markhaltige Knochen bzw. das Knochenmark selbst, NICHT einfach "Knochen" allgemein (Lemma: markknochen)
ZutatmittelhochdeutschLesefalle
Gestützt durch CoReMA-Glossen-Korpus (Wikidata Q546523 "bone marrow") und Harsch-Edition. Liefert Fett/Bindung, nicht nur Geschmack wie gewöhnliche Suppenknochen.
→ Wacholderbeere (Lemma: wacholder)
ZutatmittelbairischLesefalle
bairisch ‘Kranewitt/Kranbeer’ = Wacholder; NICHT Cranberry/Preiselbeere (moderner Falscher Freund). Mondsee-Variante: chraniperen (mon-070).
→ Krebse / Krebs-Speise (Lemma: kreusen)
ZutatbairischLesefalle
krewssen = Krebse (vgl. Kachelmus 46). NICHT 'Krausen/Gebaeck'. Mondsee-Schreibvarianten: grewssen/chrewssen.
→ Krause Eier (südoberdt./alemann. Lautvariante u→o zu rheinfränk. ‚kruse‘ = kraus/gekräuselt); Textur krümelig/gekräuselt (Lemma: krause eier)
GerichtmehrereLesefalle
→ Hitzegrad-Adverbial "auf schwacher/gemäßigter Hitze", NICHT nachträgliches Abkühlen (Lemma: kuel)
Technikalemannisch-schwäbischLesefalle
Prat es kuel = "brate es auf schwacher Hitze" (ein Vorgang), nicht zwei getrennte Schritte (braten, dann abkühlen). Bestätigt durch Cgm-5919-Parallelen ("rast es kull auff kolen", "las es kuel pachen ... das Es nicht verprynn").
→ Gericht in einem irdenen/glasierten Gefaess (Kachel) gekocht (Lemma: kachelmus)
GerichtbairischLesefalle
CoReMA liest 'krichel'; = kächel (Kachel/Tongefaess). NICHT 'krichel/Dohle'
→ lautere/ganze Eier (Lemma: itel ayr)
ZutatmittelbairischLesefalle
latig ayr = ytal/itel ayr = ganze Eier (l/t-Verlesung); NICHT "fluessige Eier"
→ Latwerge - eine süße, dicke Fruchtpaste, oft auch als Heilmittel (Elektuarium) gebräuchlich (Lemma: latwerge)
Gerichtmittelhochdeutsch
Gut haltbar und transportabel - Grenzgänger zwischen Küche und mittelalterlicher Apotheke.
→ Flaches Pfannengericht aus Hühner-Mägen/-Lebern mit Ei und Kümmel gebunden
GerichtmittelhochdeutschLesefalle
Hapax legomenon, Etymologie unklar (evtl. mhd. lasche/laschen "flacher Streifen" oder lat. lixa "Köchin"). Inhaltliche Identität ist klar, nur der Name ungeklärt.
→ Lebkuchen / Gewürzgebäck / gewürztes Gebäck / Honigkuchen (Lemma: lebkuchen)
Zutatüberregional (fnhd.)Lesefalle
auch lepczelten; NICHT „Zeltlein"
→ Lachs, NICHT Schleie (Lemma: lahs)
ZutatmittelhochdeutschLesefalle
Eine der beiden Fischvarianten im Schlusssatz des Rezepts.
→ weicher (Ausback-)Teig (zu len=weich) (Lemma: leiner teig)
TechnikbairischLesefalle
leins/lenen/leinen taygel = weicher Backteig. NICHT 'Leinen-Teig/duenn wie Leinen'
→ weich (von Eiern: weich gesotten)
TechnikbairischLesefalle
Hs 'leu' (sinnlos) -> Edition emendiert 'len'=weich. NICHT 'lange'
→ Finkenart (mhd. lovinke), hier als bewusst absurde, unbeschaffbare Scherzzutat ("lovinken zvngen" = Finkenzungen) (Lemma: fink)
TiermittelhochdeutschLesefalle
Hapax im Korpus, nur bgs-053 belegt (Küchenscherz-Rezept).
→ UNGEKLAERT (Hapax) - entweder 'gluehen' oder alemannisch/schweizerdeutsch 'schauen, lugen' (Lemma: luen (ungeklaert))
VerbalemannischLesefalle
HAPAX, nur ka1-052. Ursprünglich als „glühen" gelesen, was eine ganze Erzählung zur Gartechnik über der Glut stützte; das Schweizerische Idiotikon belegt dialektal aber ebenso gut „luen" = „schauen/lugen", passend zur alemannischen Herkunft von Ka1. In unserem Review auf ungeklärt herabgestuft, beide Lesarten dokumentiert - KEINE gesicherte Lesart.
→ abschmecken und vollenden, NICHT servieren und NICHT vom Feuer nehmen (Lemma: abschmecken)
TechnikmehrereLesefalle
Formelhafte Schlusswendung, 33 Stellen in 32 Rezepten aus vier Buechern. Was folgt, ist immer die Zutat, mit der abgeschmeckt wird: „machs ab mit saltz vnd würtz“, „machs ab mit zucker“, „machs ab mit buttern“, „machs ab mit honig vnd mit gewurcz“. Deshalb heisst „ab machen“ hier abschmecken und fertigstellen. Die naheliegende Fehllesart „serviere es“ oder „nimm es ab“ passt an keiner dieser Stellen. Auch dort gemeint, wo die Zutat fehlt: ka2-054 „legs In dy aier prue vnd machs ab“.
→ Verklebte Schreibung "mach"+"czwenn" (=zwei, Kardinalzahl), kein Hapax und keine Jahreszeit-Bezeichnung ("Maerzaal") (Lemma: zwei)
ZahlwortbairischLesefalle
→ Mohn (Schlafmohn); im Innereien-/medizinischen Kontext wörtlich Magen (Lemma: mohn)
Zutatüberregional (fnhd.)Lesefalle
im Speise-/Fasten-Kontext = Mohn (mha-005/024); bei Innereien-Rezepten aber wörtlich Magen möglich - Kontext prüfen
→ Mandel-Quark (ziger = Quark, Lexer III,1110); kaeseartig eingedickte Mandelmilch (Lemma: mandelziger)
GerichtalemannischLesefalle
cziger/ziger = Quark (Ehlert „Suarke aus Mandeln"); NICHT bloss „Mandelcreme/Blancmanger"
→ Mandelquark/Mandelkaese (Fasten-Kaeseimitat aus abgetropfter Mandelmilch)
Gerichtbairisch
→ Gebackenes Käse-Ei-Gebäck (vermutlich Diminutiv aus mhd. "masse" + Suffix "-ancz/-enczen"), NICHT Hapax legomenon (Lemma: käs-mäsle)
Gerichtübergreifend (schwäbisch-alemannisch + bairisch-österreichisch)
→ Vermutlich kleine Käse-Ei-Portionen ("Käs-Mäsle"), NICHT gesichert als "Teigmasse" (Lemma: masse)
Gerichtalemannisch-schwäbischLesefalle
Hapax legomenon. Lexikalisch ist mhd. mâze/masse vor allem als "Maß, Mäßigung" belegt, nicht als "Teigmasse" - kulinarische Deutung stützt sich auf Nähe zum schwäbischen Käs-Mäsle, keine gesicherte Belegstelle.
→ Hühnermagen (Muskelmagen), NICHT Rindermark/Knochenmark (Lemma: hühnermagen)
ZutatmittelhochdeutschLesefalle
CoReMA-Sachglosse zur selben Handschrift (M11.95) belegt eindeutig Hühnermagen, gestützt durch MHDBDB-Lemma "mage" und den Kontrast zum direkt vorangehenden Rezept derselben Schreiberhand, das "knucken" (=Knochenmark) korrekt verwendet - zwei ähnlich klingende, aber unterschiedliche Zutaten in Nachbarrezepten.
→ Schmutz/Staub (nicht Mehl) - eigenes fnhd. Lemma "mël", getrennt von "mel"/Mehl; CoReMA-Glosse Q555882 mit explizitem Ausschluss-Vermerk (Lemma: schmutz)
ZutatfruehneuhochdeutschLesefalle
Getrocknete Feigen werden vom Schmutz der Lagerung abgewaschen ("wasch das mel dauon"), nicht von einer erfundenen Mehl-Bestaeubung.
→ Kontraktion aus "menge" (misch) + enklitischem "ez" (es) - ein eigener Arbeitsschritt NACH dem vorherigen Röstschritt, nicht Teil davon (Lemma: mische es)
VerbmittelhochdeutschLesefalle
Wurde bisher so gelesen, als gehöre das Würzen zum Röstvorgang selbst; tatsächlich folgt "mengez" als separater Schritt nach dem Rösten.
→ Rubrik-/Kopfformel "merke!" (nota), KEIN Gerichtsname - nicht "Mark" oder "Hals" (Lemma: merken)
BegriffbairischLesefalle
Invariante Kopfformel dieses Schreibers ("Aber anderlay huner ... merck" = "merke: noch eine andere Art Huhn"). Modell-Falle: als Gerichtsname (Hals/Mark) oder Inhaltswort fehlgelesen.
→ Beimischung / Zugabe (von Zutaten)
TechnikalemannischLesefalle
one alle merung von X = ohne Beimischung von X (Ausschluss!); NICHT „Vermehrung/Volumen"
→ Messing (Buntmetall am Topfboden: Hitzeverteiler, kein Anbrennen)
ZutatbairischLesefalle
CoReMA liest 'nessel'; NICHT 'Brennnessel' - nur Anfangsbuchstabe m/n
→ Maß - ZWEI Bedeutungen: als Volumeneinheit („ein moisz honigs“) oder abstrakt als rechtes Verhältnis („zu rechter moisz“) (Lemma: maß)
Mengeripuarisch (westmitteldeutsch)Lesefalle
Ripuarische Schreibung von „Maß“ (mhd. mâz): langes a wird zu langem o, das <i> ist Längenzeichen - dieselbe Schreibweise wie in „loiszs“, „zuloisz“, „koilfuer“ im selben Buch. ⚠️ Die Falle ist nicht das Wort, sondern die Konstruktion. „ein moisz“ plus Stoff im Genitiv ist die VOLUMENEINHEIT: „Nym ein moisz honigseym“ (k1-167), „Nim ein moisz honigs“ (k1-151). „zu rechter moisz“ und „zu mossen“ meinen dagegen das ABSTRAKTE Maß, also das richtige Verhältnis beim Abschmecken: „mach sy ab zcu rechter moisz mit wurtzen vnd saltz“ (k1-001), „Wurtze vnd Saltze sie zu mossen“ (k1-087) - dort keine Mengenangabe hineinlesen. Zwei der vier k1-Belege sind abstrakt. Die Einheit ist durch den Zwilling gesichert, nicht erschlossen: k1-167 „Nym ein moisz honigseym / Broombere . v . quartarium“ steht in so1-133 als „So nim ein maß honig saym vnd bramber funff mas“. ⚠️ Wie groß die Maß war, ist UNBEKANNT - k1-167 mischt deutsche und lateinische Maße im selben Satz, und das Verhältnis quartarium : moisz ist nicht belegt. Keine Litermenge daraus ableiten. Die zwei Lesarten sind KEIN Homonym, sondern die beiden Pole eines Wortes, und beide leben im heutigen Deutsch weiter: konkret im Maßkrug, abstrakt in „mit zweierlei Maß messen“ und „das rechte Maß“. Wer das im Kopf hat, erkennt die Stelle richtig. ⚠️ DRITTE Falle, ein echtes Homograph: „moisz“ kann im Westmitteldeutschen auch das Modalverb „muss“ sein. Grimm belegt es s.v. KEGELSCHIEBER aus den Weisthümern (2,208): „was dan von spieler und kegelschieber gescheen will, das moisz mit der drier herren erlaubunge sament gescheen“ - dort heißt „das moisz“ eindeutig „das muss“. In K1 selbst wird das Modalverb „Musz“ geschrieben (k1-005: „Musz man mit wurtzen abtemperiren“), die Unterscheidung trägt dort also - aber sie ist nicht schreibungssicher und darf nicht vorausgesetzt werden. Faustregel: steht ein Verb dahinter, ist es „muss“; steht ein Stoff dahinter, ist es „Maß“.
→ laengliches, ausgehoehltes Gefaess / Mulde / Moersertrog
GerätbairischLesefalle
Ehlert: 'laengl. ausgehoehltes Gefaess'. NICHT Moerser/Getreidemass; hier flacher Trog zum Trocknen
→ Morcheln (auch als Formziel für Schaugerichte: "falsche Morcheln") (Lemma: morchel)
PflanzemehrereLesefalle
mhd. auch Möhre; hier Morchel (vgl. Rez. 69). In mon-148 (maurochen/welischweinper) bezeichnet CoReMA-GAMS (o:corema.gr1.148) das Rezept selbst direkt als "Fake morels, raisins and almonds" - eine Süß-Mandel-Masse wird zur Morchel-Silhouette (Hut+Stiel) geformt, im Text als "Birne" mit Mandel-"Stiel" beschrieben. Spellingfamilie breiter belegt: mawrochen (mon-205, echte gefüllte Morcheln), mauerochen/maurochen auch in Wolfenbüttel Wo3 (CoReMA o:corema.wo3b.108/109), dort von CoReMA direkt als Zutat "morel" glossiert - unabhängige Cross-Manuskript-Bestätigung derselben Lesart.
→ laengliches ausgehoehltes Gefaess, Backmulde oder Trog (Lemma: molter)
GerätmittelbairischLesefalle
→ laengliches ausgehoehltes Gefaess, Backmulde oder Trog (Lemma: molter)
GerätmittelbairischLesefalle
ka2-002 „leg In In ain char oder multer“ stellt Gefaess und Mulde nebeneinander und macht damit die Wortart klar. Autenrieth setzt „die Mulde“ direkt mit „multer“ gleich. Dieselbe Vokabel wie der Eintrag „molter“; NICHT Moerser und kein Getreidemass.
→ In kleine Brocken/Stücke schneiden (Lehnwort, vgl. frz./it. morceau/morsello = Bissen/Stück) (Lemma: morceau)
VerbmittelhochdeutschLesefalle
Hapax im Korpus, nur bgs-047 belegt. Romanisches Lehnwort, keine germanische Wurzel - Indiz für den urbanen, weltoffenen Würzburger Entstehungskontext des Buchs von guter Speise.
→ kontextabhängig: geschnitten→Muskatblüte (Macis), sonst Muskatnuss (Lemma: muskatnuss/muskatblüte)
ZutatmittelbairischLesefalle
mustat/muscat = Muskat-Gewürz, NICHT Senf (=senft, m5919-017). KONTEXT-REGELN: (1) steht „schneiden" dabei → Muskatblüte (Macis), denn die ledrigen Blütenhäutchen schneidet man, die harte Nuss reibt man (060/098/101/103). (2) reiben/Pulver/Gewürzliste/ohne Verb → Muskatnuss, mit Macis als Alternative (013/021/094/095/096/104). (3) impliziert die Menge eine oder mehrere GANZE Nüsse („drei mustat") → immer Macis, sonst toxisch (060/098/103).
→ Gewürznelken (Nägelein/Bratnägelein); gerieben = zerstoßene Nelken (Lemma: gewürznelke)
Zutatüberregional (fnhd.)Lesefalle
Nägelein/negelein/nagel = Gewürznelken (von der Nagel-/Nägelein-Form), NICHT Eisennagel. „griben pratt nagel" = geriebene Bratnägelein = zerstoßene Nelken. Korpusweit verbreitet (mha/meb/koe/foc u.a.).
→ Rahm/Sahne (fettreiche Schicht auf unhomogenisierter Milch) (Lemma: obere Milch)
ZutatbairischLesefalle
Wörtlich 'obere Milch' - bezieht sich auf den Rahm bzw. die Sahne, die sich beim Stehenlassen auf unhomogenisierter Milch oben absetzt, nicht auf eine eigene Milchsorte.
→ Hirsebrei (Vergleichsgericht für Form/Konsistenz) - Kompositum aus 'pan-' (Panicum/Hirse) + 'prein' (Brei) (Lemma: hirsebrei)
GerichtbairischLesefalle
Kompositum: 'pan-' verweist auf Panicum/Rispenhirse (so auch CoReMA-Wikidata Q165196), '-prein' ist eigenständig belegt - Schmeller glossiert 'prein' direkt als lat. 'milium' (Hirse) UND 'puls' (Brei/Mus), MHDBDB führt 'prein' als Schreibvariante des Lemmas 'brî' (=Brei). 'Pan-' präzisiert also gegenüber dem allgemeineren 'prein' (das laut Schmeller auch anderes Getreide-Mus meinen konnte) speziell auf Hirsebrei. Frühere Lesart 'Brotpudding' war unbelegt und ist zu verwerfen. Hapax im Korpus, aber außerhalb gut bezeugt.
→ böhmisch (Fragment von „pehaymisch"/„behamysch") (Lemma: böhmisch)
Adjektivbairisch
B4 bricht das Wort am Zeilenende ab; w1-074 erhält den vollen Titel „Ein behamysch arbaiss" und bestätigt damit extern die böhmische Lesart sowie den b/p-Wechsel.
→ besten - Superlativ zu gut, Schreibung mit doppeltem s (Lemma: best)
Begriffbairisch
„richt In an im pessten safft“ - im besten Saft anrichten.
→ fest werden, gelieren (Lemma: fest)
VerbbairischLesefalle
„wie man sulcz macht daz sy pald peste“ und „so pestet die sülcz pald“ - die Sülze soll schnell fest werden. NICHT als Superlativ „beste“ lesen: dieselbe Buchstabenfolge steht in anderen Rezepten als „pesten“ für „besten“.
→ besten - Superlativ zu gut, mit bairischem p für b (Lemma: best)
Begriffbairisch
Im Korpus durchweg „dem pesten wein“, „dem pesten kraut“, „dem pesten gewurcz“. ACHTUNG: dieselbe Buchstabenfolge steht in m467-001 als „peste“ für „fest werden“, siehe dort.
→ würzige, gebundene Sauce / ein Pfeffer-Gericht ODER schlicht das Gewürz Pfeffer (auch Pfefferbrot) - Kontext entscheidet
Gerichtalemannisch
nicht das Gewürz
→ Gewürzbrot (Saucenbrot zum Binden)
ZutatalemannischLesefalle
pfeffer brott; Gewürzbrot, NICHT „Brot für Pfeffersauce"/nicht scharf
→ Pfennwert - die Menge, die man für einen Pfennig bekam (Preisangabe, kein Maß) (Lemma: pfennwert)
MengebairischLesefalle
Schreibvariante zu pfenbert, siehe dort. In m5919-007 „ainem pfenbart ober milch“, also ein Pfennwert Obermilch - das Wort steht dort mit Artikel und ohne Zahl, ist also ein Substantiv und keine Abkürzung.
→ Pfennwert - die Menge, die man für einen Pfennig bekam (Preisangabe, kein Maß) (Lemma: pfennwert)
MengemittelbairischLesefalle
Bairisch mit b für w, deshalb pfenbert statt pfenwert. Schmeller führt unter dem Lemma Pfennwert genau diese Schreibung in genau dieser Konstruktion: „ain pfenbert prot“, „mit zwain pfenbert brot“, daneben „zwai pfenwert semlen opfern“ (Monumenta Boica XIX, 162 und 349). Grimm glossiert „ein pfenwert (für 1 pfennig) biren“. NICHT als Pfund lesen: Ka2 schreibt Pfund immer aus (ka2-029 „ein pfunt mandel“), ein alleinstehendes p als Abkürzung kommt nicht vor. Am Faksimile fol. 97v in Vollauflösung gegengeprüft, die Stelle steht dort zweimal. Zwilling mit Milchprodukt: m5919-007.
→ Pfannkuchen (dünne, in der Pfanne gebackene Eierfladen) (Lemma: pfannzelten)
GerichtbairischLesefalle
Pfann + zelten (zelten = flacher Kuchen/Fladen, vgl. bimezelten); pfannengebackener Eierfladen = Pfannkuchen. NICHT Lebzelten/Lebkuchen (vgl. leczelten).
→ Keule (Wildbretkeule), nicht Fuß (Lemma: keule)
ZutatbairischLesefalle
CoReMA glossiert das Wort auf der GAMS-Objektseite zu mon-072 selbst wörtlich als englisch „deer joint" (Wikidata Q67777561 „haunch of venison") - eine Keule, kein abgetrennter Fuß. Handschriftlich zunächst als „fueß" angesetzt, vom Schreiber selbst durchgestrichen und durch den Fachbegriff ersetzt. Derselbe Fuß-als-Keule-Sprachgebrauch mit identischem CoReMA-Beleg findet sich unter „fuessel" bei Geflügel (mon-086, m5919-096, koe-020) - ein wiederkehrendes Muster in diesem Korpus.
→ UNGEKLÄRT (Hapax); Fyndling-Lesart: „be-zelter" Wein - Wein mit eingekochtem Gewürz-/Lebzelten (Lemma: be-zelten)
BegriffbairischLesefalle
HAPAX, nur mon-025, kein Wörterbuchbeleg - KEINE gesicherte Lesart. Fyndling-Synthese: bair. p-=b-, piczolten=Partizip „be-zelt(et)" -> Wein, in dem Lebzelten/Honigzelten aufgekocht wurde (kongruiert mit mask. „wein"; zelten-Wortfeld vgl. leczelten/bimezelten; ergibt Lebkuchen-Weinsauce). Alt.: alpenromanisch pizzolo/Picolit = gespritzter/besonderer Wein (erklärt -o-).
→ in der Pfanne gebackener Eierkuchen; kontextabhängig auch Platte / flache Schale (Lemma: eierkuchen)
ZutatalemannischLesefalle
gewürfelt in Sauce; NICHT Fladenbrot
→ Blatter/Blase (Tierblase), auch als Gussform (Lemma: blatter)
GerätbairischLesefalle
p/b-Wechsel: plater=blater=Blase. NICHT 'Platte/Teller'
→ dünner Fladen aus der Ei-Semmel-Masse, kein eigener Teig (Lemma: Fladen)
FormbairischLesefalle
Bezeichnet keinen separat angesetzten Mehlteig, sondern einen dünnen Fladen, der direkt aus der zuvor angerührten Ei-Semmel-Masse in der Pfanne gebacken wird - zwei solche Fladen bilden Boden und Deckel der Pastete. Bestätigt durch den wortnahen Zwilling m5919-101, dessen FAQ dieselbe Konstruktion ausdrücklich klärt.
→ klopfen/schlagen (mhd. bliuwen); Stockfisch vor dem Waessern klopfen (Lemma: blaeuen)
TechnikbairischLesefalle
'stockvisch plew' = Stockfisch klopfen. NICHT 'blau kochen' (Forelle blau)
→ Bock(s) (Lemma: bock)
ZutatmittelbairischLesefalle
pochs leber = Bocksleber (p fuer b, Schreiberfalle); NICHT Ochsenleber
→ Polei-Minze (Mentha pulegium) - leicht giftig, Ersatz reguläre Minze (Lemma: polei-minze)
ZutatmehrereLesefalle
→ braten (Imperativ „brat es") (Lemma: braten)
TechnikbairischLesefalle
bair. pracz = brat(en), VERB (b/p-Wechsel). NICHT Nomen „Bratwurst" - Verlesung an „wurst pracz". Auch m5919-043/058. MHDBDB brâten.
→ Breit, ausgebreitet (zu "breiten"/"praiten") - NICHT von "braten"/"pracz" abgeleitet (Lemma: breit)
TechnikbairischLesefalle
praycz plat(t) = breiter Fladen. Verwechslungsgefahr mit "braten" wegen ähnlichen Anlauts; Zwillingsbeleg mon-176 ("mach ain praycz platt von taig das nicht czw dunn sey" + "praydt das platt In die phan" = breite den Fladen in die Pfanne) stützt eindeutig die Breiten-Lesart.
→ bräunen/anbraten (Lemma: braten)
TechnikbairischLesefalle
Bairischer b/p-Wechsel wie bei „pracz"=braten; Kontext (Fleisch in der Pfanne) stützt die Brat-Lesart, Wort selbst ist in keinem Wörterbuch belegt. w1-074 hat an derselben Stelle „prewun".
→ Vermutlich Paste/Brei aus gemahlenen Mandeln oder eingeweichtem Weißbrot (Bindemittel/Weißfärbung)
Zutatalemannisch-schwäbischLesefalle
Hapax legomenon, auch von CoReMA als ungeklärt vermerkt. Lesart ergibt sich aus Kontext, kein gesicherter Wörterbucheintrag.
→ (Gewuerz-)Pulver; "puluer daz wol" = gut wuerzen / mit Gewuerz bestreuen, NICHT mit Mehl bestaeuben (Lemma: pulver)
TechnikbairischLesefalle
Ehlert 2.6 "puluer: bestreu mit Gewuerz". Modell-Falle: als "mit Mehl bestaeuben" gelesen.
→ Gericht aus Ei, Milch und Butter (frischer Ei-Milch-Kaese) (Lemma: buttermilch)
GerichtbairischLesefalle
NICHT modernes Buttermilch-Getraenk; Ei+Milch gerinnt, abgeseiht, mit Butter
→ Butter (Substantiv, schwache Dativ-/Akkusativform auf -en), nicht das Verb "buttern" (Lemma: buter)
Zutatalemannisch-schwäbischLesefalle
→ Rot gebraten/geröstet (Farbangabe des Huhns), NICHT "wohlgeraten/gut zubereitet" (Lemma: rot gebraten)
ZutatbairischLesefalle
CoReMAs eigene Rezepttitel-Übersetzung "Sauce for red roasted chicken" (o:corema.gr1.221) bestätigt die Farb-Lesart direkt. Zwilling mha-185 ("Grüne Begleitsauce für schwarze und rote Hühner") bestätigt unabhängig dieselbe Gruen-Sauce-zu-Rot-Huhn-Konvention der Mondseer Farbhühner-Serie (schwarz/mon-219, weiß/mon-221, grün/mon-218).
→ Rainfal (auch reinfal, rayuol, reymel) - historischer italienischer Süßwein aus der Malvasier-Familie, keine Pflanze/kein Kraut (Lemma: rainfal)
ZutatbairischLesefalle
→ rech praten = Rehbraten (Reh!), NICHT Rebhuhn (Lemma: reh)
ZutatbairischLesefalle
mhd. reh = Reh; Modell-Falle: als "Rebhuhn" gelesen (Verwechslung mit "rep huen" ri15632-001). Ehlert 2.6 "Rehbraten aus Fisch".
→ Konsistenz „wie Wachsbrei" (Lemma: wie wachsbrei)
Technikalemannisch
Konsistenzangabe für feste Paste
→ Wacholder - „reckolter fogel“ ist die Wacholderdrossel (Lemma: wacholder)
PflanzealemannischLesefalle
Goetze setzt es direkt gleich: „reckolter m. wacholder“. MHDBDB ordnet die Schreibung dem Lemma „reckholter“ zu. NICHT als Eigenname stehen lassen.
→ Wacholderdrossel (Krammetsvogel) (Lemma: wacholderdrossel)
TieralemannischLesefalle
Reichenau kranatfogel; NICHT Rebhuhn
→ Rand, Kante (hier: Tellerrand)
Begriffalemannisch-schwäbischLesefalle
Beleglage dünn, nur ein Idiotikon-Fund stützt diese Lesart.
→ Reindl - flaches Pfännchen / kleine Bratschüssel (Lemma: reindl)
GerätbairischLesefalle
Reindl = Gefäßname (flache Pfanne/Schüssel), NICHT „rundes Gericht". Grimm-Beleg. Bair./österr.; moderne Praxis: Pfännchen.
→ Wacholder - Schreibung mit einfachem k (Lemma: wacholder)
PflanzealemannischLesefalle
Wie „reckolter“, hier in „sud rekolter fogel gar wol In ainem frischen flaisch brug“.
→ Reibschale/Moerser (lat. mortarium); Gefaess zum Reiben (Lemma: reibscherben)
GerätbairischLesefalle
Ehlert: 'Topf zum Reiben'; = mortarium -> Moerser/Reibschale. Edition emendiert vnd->in. KEINE Brotkrume/Zutat. Anders als bare 'scherben'=Teigform
→ Rainfal - historischer Import-Suesswein (Malvasia-Verwandter), NICHT Reismehl (Lemma: rainfal)
ZutatmittelhochdeutschLesefalle
Loest zugleich Titel "Weinmus" und die zuvor unerklaerte Zutat "Wein" auf; CoReMA-Glosse + Grimm/Lexer unabhaengig bestaetigt.
→ Kleines Schälchen/Tasse voll (ungenaue Mengenangabe) (Lemma: rindlein)
Begriffalemannisch-schwäbischLesefalle
Beleglage dünn, ähnlich wie "reim". Inzwischen mehrfach im Korpus belegt (kein Hapax mehr).
→ Kleine hohle Teigröhrchen, auf zuegklach gesteckt und mit Blumen gefüllt (Lemma: ror)
Technikalemannisch-schwäbischLesefalle
CoReMA (bs1.286) führt den Begriff als ungeklärten Hapax. Lesart gestützt durch Parallelbeleg rfk-073 (rorlin).
→ Rosen(-blüten), NICHT "ros" (Pferd) (Lemma: rose)
PflanzebairischLesefalle
Über die CoReMA-Objektseite der Nachbarrezeptseite gr1.180 als "Rose" (Wikidata Q34687) bestätigt, trotz lexikalischer Nähe zu "ros"/Pferd - klassischer Fehlfreund.
→ Roß-eisen = Hufeisen (Form); krumme Krapfen werden hufeisenförmig gebogen (Lemma: roßeisen)
FormalemannischLesefalle
rosysen/roszysen/roß ysen/ross eisen = Hufeisen; NICHT „Rosinen", NICHT „weißes Eisen". Vier Zeugen desselben Rezepts: m384-077, ka1-075, ka2-005, alb-013. In alb-013 ist die Stelle zu „wiß/wist ysen" verschrieben - Kopierfehler DER HANDSCHRIFT (leichtere Lesart verdrängt die schwerere), nicht der Transkription; die Zwillinge sichern die Lesart.
→ rote Feld-/Grauerbse (Pisum sativum subsp. arvense) (Lemma: felderbse)
ZutatalemannischLesefalle
alte Grau-/Kapuzinererbse, rotbraunes Trockenkorn; NICHT Linse/Bohne/moderne grüne Erbse (Bohne=faba; Phaseolus erst nach 1500)
→ Inhalt oder "Rückstand" (in "das der ruck da von nit gee") - echte, ungelöste Ambiguität
BegriffbairischLesefalle
Bedeutet vermutlich, dass beim Verschließen des Honigglases nichts vom Inhalt/Sirup entweichen soll - keine gesicherte Einzelwort-Lesart, nur aus dem Satzsinn erschlossen.
→ Roggen - „ruggin brott“ ist Roggenbrot, im Korpus durchweg als Bindemittel in den Mörser gestoßen (Lemma: roggen)
ZutatalemannischLesefalle
Lexer führt „ruckin, ruggin, rockin“ in einer Reihe, Diefenbach setzt die Form mit lat. secale gleich, Grimm nennt sie ebenso. NICHT zu „Rücken“ oder „rauh“ ziehen. Im Korpus steht das Wort ausschließlich vor „brott“.
→ Roggenbrot (Brotbindung) (Lemma: roggenbrot)
Zutatalemannisch
ruggim brott
→ Rumanier (auch Romanie, rumanie) - historischer italienischer Import-Süßwein, keine Kräuterpflanze (Lemma: rumanier)
ZutatbairischLesefalle
CoReMA-Glossierung identifiziert die Stelle direkt (w1-016: rumanie="rumanier"). Bildet mit Rayffall/Rainfal ein Paar süßer Import-Weine, mit denen Saucen durchgeschlagen werden.
→ meist Speisesalz; die Wendung als ain salse/saltz = Salse (würzige Tunke), NICHT Salz (Lemma: salse)
GerichtalemannischLesefalle
sältz; „als ain saltz" = als Salse, NICHT Speisesalz
→ Salbei (salvia officinalis) (Lemma: salbei)
PflanzebairischLesefalle
bair. Variante zu selbey = Salbei (salvia). mon-018 mit pettersill (Petersilie) als klassische Kräutermischung. NICHT Sellerie.
→ Schwarz, dunkel (b ersetzt w im Anlaut, zu mhd. "swarz") - eigenständige, bewusst angestrebte dunkle Optik-Kategorie (Lemma: swarz)
Begriffbairisch
Bairische Lautform mit b/w-Wechsel im Anlaut (nicht sch/s wie zunächst vermutet). Corpus-intern zweifach belegt: mon-193 (Rindfleischpastete, dunkel durch Anrösten+Gewürze) und mon-144 (Fischrogen, dunkel durch scharfes Anbraten in Öl) - zwei verschiedene Techniken führen zum selben gewünschten Optik-Ergebnis.
→ Schachbrett - „schaffczag lat“ meint schachbrettartig geschnitten (Lemma: schachzabel)
TechnikbairischLesefalle
→ Schachbrettartig geschnitten/angerichtet, NICHT "Schafzacken" (Lemma: schachzabel)
Technikalemannisch-schwäbischLesefalle
→ Kleines Gefäß zum Abschöpfen des Sirups, NICHT ein Reinigungswerkzeug für die Zutat selbst (Lemma: schaff)
GerätbairischLesefalle
→ Bairisch-österreichische Variante von "schon", hier im Sinne von "gründlich/sauber", nicht zeitlich (Lemma: schon)
Begriffbairisch
Im Kontext des Waschens von Zutaten (Birnen) ist "gründlich" die kulinarisch plausiblere Lesart als das ästhetische "schön".
→ schachbrettartig geschnitten (Lemma: schachzabel)
TechnikbairischLesefalle
Bairische Lautvariante von mhd. „schâchzabel" (Schachbrett), textkritisch über sieben Parallelstellen im Korpus gestützt (schaffczag(lat)/schach zaglatt/schagzaglett/schaff czaglat). Bedeutet „schachbrettartig geschnitten", NICHT „Schafzacken/gezackt" (zagel = Schwanz ist hier kein Schnittbegriff). Mondsee-Variante: schaff czaglat (mon-105).
→ Strohwisch/Strohunterlage, die unter das Seihtuch gelegt wird, damit die Molke ablaufen kann - das historische Käse-Abtropfgestell (Lemma: strohwisch)
GerätmittelhochdeutschLesefalle
Nicht "Schüssel" oder "Schale" - schaub ist das Stroh-Gestell selbst, kein Gefäß.
→ Schafbraten (Adjektiv zu "schâf"), NICHT Lammbraten/Jungtier (Lemma: schaf)
ZutatmittelhochdeutschLesefalle
Schließt eine Lücke der Gloning-Edition; findet sich an dieser Stelle in der Harsch-Edition. Verwechslung mit "Lamm" ist naheliegend, aber falsch.
→ aus Teig geformte Teighülle/Pastetenform
GerätalemannischLesefalle
hier NICHT Tongefäß
→ Wappenschild - hier als Formvorgabe für die Anordnung mehrerer Pasteten-Ecken auf einem Fladen (Lemma: wappenschild)
Begriffmittelhochdeutsch
Höfisch-repräsentatives Gestaltungsdetail, kein reales Schild-Objekt im Gericht.
→ schienenförmig - in schmale, fingerbreite Streifen geschnitten (Lemma: schiene)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
MHDBDB ordnet die Schreibung dem Lemma „schin“ zu. Die Stelle selbst gibt das Maß: „duenne schineht gesoten. vingers breit gemaht“.
→ Holzschiene bzw. Rührspatel zum Umrühren (nicht Rohr/Schien-Metall) (Lemma: schiene)
GerätmittelhochdeutschLesefalle
Korpuskonsistent als Rührwerkzeug verwendet ("ruerez mit schinen"), an allen vier Belegstellen dieselbe Bedeutung - kein Einzelfall, sondern feste Küchen-Terminologie des Buchs von guter Speise.
→ Schlehen (Lemma: schlehe)
ZutatalemannischLesefalle
slëhe
→ Schleie (Karpfenfisch) (Lemma: schleie)
TieralemannischLesefalle
NICHT Hecht
→ Modalverb "soll/sollen" (3. Person), NICHT eine Form von "schälen" - trotz oberflächlicher Ähnlichkeit (Lemma: soll)
VerbbairischLesefalle
Alle 7 Korpus-Belege sind eindeutig Modalverb ("das schol man essen" = "das soll man essen"), nie "schälen" - auch wenn "schälen" lexikalisch belegt ist (Grimm: "opfel zu scholn"). Bei mon-063 führte die Schäl-Lesart auf eine falsche Fährte (grüne Walnüsse werden für diese Konservierungsart angestochen, nicht geschält) - erst der korpusweite Konsistenzcheck deckte die Verwechslung auf.
→ sauber/gründlich (nicht 'schön' im ästhetischen Sinn) (Lemma: schön)
BegriffmehrereLesefalle
'Schön' bedeutet hier nicht ästhetisch schön, sondern je nach Satzstellung 'sauber/rein' (mon-117: Kalbsfüße vor dem Kochen säubern) oder adverbial 'gründlich/ausreichend lange' (m384-065: 'sud sy denn schon' = dann gründlich sieden, bis gar). Beide Lesarten sind Ableger derselben mhd. Grundbedeutung ('schone' = rein, ordentlich), nicht der modernen ästhetischen.
→ Schotten = die beim Kochen der Mohnmilch obenauf schwimmende, quarkartige Masse (Mohn-Quark-Analogon) - kein Gefaess/Sieb (Lemma: schotten)
ZutatbairischLesefalle
Dreifach belegt: Wörterbuch, Zwilling mha-024 und die CoReMA-Glosse zu gr1.213. Zuvor durchgängig als Behälter fehlinterpretiert - in der Übersetzung, den Worterklärungen, den Fragen, der redaktionellen Anmerkung und der Zutatenliste.
→ Blut (des Wilds) (Lemma: blut)
ZutatalemannischLesefalle
Jägersprache; NICHT „Fleisch"
→ Schaugericht/Entremet zur höfischen Unterhaltung - mhd./fnhd. "schimpf" meint hier Kurzweil/Scherz/Turnierspiel, NICHT die heutige Bedeutung "Beleidigung" (Lemma: schimpfessen)
GerichtbairischLesefalle
Grimm-DWB: "schimpf" bedeutete in mhd./fnhd. Zeit vor allem "scherz, spasz, kurzweil" sowie "ritterlicher schimpf, kampfspiel, turnier" - die heute alleinige Bedeutung "ehrverletzung, schmach" verdraengte den urspruenglichen Sinn erst spaeter vollstaendig (MHDBDB-Bedeutungsfeld: Scherz/Ernst). "Scherzgericht" als Uebersetzung verengt zu stark auf blossen Witz.
→ Salbei (salvia officinalis) (Lemma: salbei)
Pflanzeüberregional (fnhd.)Lesefalle
selbey/selbei/selbe = Salbei (salvia), NICHT Sellerie - Verlesung; mit Petersilie klassische Fisch-Kräutermischung. Bair. Variante: saluan (mon-018).
→ Salbei (Lemma: salbei)
PflanzealemannischLesefalle
NICHT „selbst"
→ (geriebene) Semmel/Weissbrot zur Bindung; NICHT Mehl (Mehlbindung anachronistisch) (Lemma: semmel)
ZutatallgemeinLesefalle
semel <- lat. simila; ma. bindet man mit Brot/Semmel/Mandel/Ei/Reis, nicht mit Mehl. Verb "reyb...dar ein" = geriebene Semmel. Ehlert rendert tlw. "Weizenmehl".
→ Ysop (Lemma: ysop)
PflanzealemannischLesefalle
jsope
→ Konjunktiv von "sein" (Eigenschaftsbeschreibung), NICHT Form von "seihen" (Lemma: sei)
VerbbairischLesefalle
Fehllesart erfand einen kompletten Extra-Arbeitsschritt ("Seihe die Lauge und...").
→ rund/kugelrund (Lemma: sinwel)
BegriffmittelbairischLesefalle
sinwel/sinbel = rund; Schreiber setzt b für w
→ rund, kugelig (mhd. sinewel)
Technikbairisch
erwel die daz si sinwel werden = waehle die runden aus.
→ zerkleinern und einarbeiten/unterschlagen, nicht durch ein Tuch passieren (Lemma: schlagen)
VerbbairischLesefalle
'Slahen' (schlagen) meint hier das Zerkleinern und Einarbeiten: gebratenes Fleisch (Hühner/Tauben) wird klein gehackt und unter die vorbereitete Semmel-Ei-Masse geschlagen. Kein Passieren durch ein Tuch oder Sieb - im Text ist von einem solchen Arbeitsschritt nirgends die Rede. Bestätigt durch den textgleichen Zwilling m5919-096 ('schlag dan daruter').
→ Schmieren/bestreichen (mhd. smirwen), NICHT süßen (Lemma: schmieren)
VerbmittelhochdeutschLesefalle
Bezugswort im Gloning-Transkript nicht erhalten; wahrscheinlichste Lesart: Honig wird auf die Trocknungsunterlage gestrichen, nicht auf die Fruchtmasse selbst.
→ Kohlspalten (aus dem Kohlkopf geschnittene Stücke, wie Kartoffelspalten aus der Kartoffel) (Lemma: kohlspalten)
ZutatbairischLesefalle
„Spelten" sind aus dem Kohlkopf geschnittene Kohlspalten (chraut/chraucz = Weißkohl) - dieselbe Schneidetechnik wie bei modernen Kartoffelspalten, nur aus Kohl statt Kartoffel. Keine Teighüllen und nicht zu verwechseln mit „Spelt" (dem Getreide Dinkel). Belegt durch die baugleichen Nachbarrezepte mon-090 und mon-091 im selben Kochbuch.
→ Spanferkel (junges Schwein) (Lemma: spanferkel)
ZutatmittelbairischLesefalle
spensaw/spansaw = Span-Sau = Spanferkel; Fleischspeise, KEIN Fisch
→ Fleisch vom noch säugenden Widderlamm (Milchlamm) (Lemma: spünnewider)
Zutatalemannisch-schwäbischLesefalle
„spin“ gehört zu mhd. „spünne“ = Muttermilch, „wider“ ist der Schafbock - zusammen das noch säugende, milchgemästete Widderlamm, NICHT Hammelfleisch im heutigen Sinn (ausgewachsenes Tier). Eigenes Stichwort in beiden mhd. Standardwörterbüchern: Benecke/Müller/Zarncke Bd. III, Sp. 621a und Lexer, je s.v. „spünne-widerin“ = „von einem Widder, der noch saugt“, beide belegt mit „spin widerîn fleisch“ (Grimm, Weisthümer Bd. 1, S. 1). Das Aarauer Stadtrecht 1410/1455 (Idiotikon Bd. 8, s.v. Schäffis) kennt „spinwidrin und scheffin fleisch“ als getrennte Metzger-Fleischsorten, spinwidrin teurer als Schaffleisch, und verbietet, Fleisch eines Muttertiers („das gelambret haut“) oder eines unkastrierten Bocks („das die hoden haut“) als spinwidris zu verkaufen. Dieselbe Wortfamilie korpusintern in „spensaw“ = Spanferkel (m5919-020). Verworfen wurde die Lesart „spin“ = Speck (zu mhd. spint): das alemannische „Spin“ (Idiotikon Bd. 10) meint das Splintholz, „wider“ bliebe funktionslos, und ein Rezept mit der Überschrift „ain kurtz flaisch“ nennte seine Fleischsorte nirgends. Die Getrenntschreibung in alb-024 ist kein Gegenargument: derselbe Schreiber schreibt „pfankuochen“ und „pfan kuochen“ im selben Rezept.
→ ansetzen/anstecken/hineinstecken - NICHT zerstoßen (Lemma: ansetzen)
VerbbairischLesefalle
'Stoz an' bedeutet hier 'ansetzen/anstecken', nicht 'zerstoßen' (wie 'stoßen' im Mörser-Kontext meist bedeutet) - Verwechslungsgefahr, da 'stoz'/'stoß' im selben Rezept auch für die Mörserarbeit steht. Kontext (Wiederzusammenfügen von Krebsschalenhälften) klärt die Bedeutung.
→ Straubenteig - dünnflüssiger Teig, der durch einen Trichter in heißes Fett gegossen wird (krauses Schmalzgebäck "Strauben"); im Rezepttext meist als Vergleichsmaßstab für Dünnflüssigkeit genannt, nicht als Zutat (Lemma: straubenteig)
Technikbairisch
Wiederkehrender Vergleichsbegriff im Mondseer Kochbuch, um die gewünschte Konsistenz eines anderen Teigs (z.B. Eierteig) zu beschreiben - keine eigene Zutat im jeweiligen Rezept.
→ frittiertes Schmalzgebäck (krapfenartig) (Lemma: straube)
Gerichtalemannisch
strubeten/struben; NICHT „Zerstreutes/Verstreutes"
→ bepudern / bestreuen / abstäuben mit feinem Pulver - meist Gewürzpulver (gburcz-stoup: Zimt, Nelken, Ingwer), auch Mehl (Lemma: stuppen)
TechnikbairischLesefalle
mhd. stuben/stüpfen = stauben, mit Staub/Pulver bedecken; zugrundeliegendes Substantiv stoup/stoub/staup = Staub (WB-belegt Lexer/Idiotikon, im Rezeptkorpus aber nur das Verb). Verb stuppen/abstuppen = ein Gericht/eine Zutat mit feinem Pulver bepudern. WELCHES Pulver ist kontextabhängig: meist Gewürz (mon-010 dann Macis, mon-035 „ab mit gburcz"), im Teig-/Anti-Klebe-Kontext auch Mehl (mon-024, Teig im Säcklein). mon-040 „stupp sy nicht" = würze/bepudere sie nicht (gegrillt, kein Mehl). Daneben „alz ein stupp" = staubtrocken (ri15632-040).
→ UNGEKLÄRT - wörtlich "Blut des/der Sydel" (sweyz = mhd. Jägersprache für Blut, NICHT Schweiß, vgl. "Schweißhund"), Scherzzutat in einem Küchenscherz-Rezept; "sydel" bleibt unklar, verbreitete Deutung "Sumpfbinse" NICHT durch MHDBDB gestützt (Lemma: sydel-bluot)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Hapax, nur bgs-054 belegt. Grimm belegt "der bluotec sweiz" (Parzival 387,24) für sweiz=Blut des erlegten Wilds. MHDBDB führt den Wortstamm "sydel/sedel" vorrangig auf "Sitz, Wohnstatt" statt auf eine Pflanze - die gängige Pflanzen-Lesart ("Sumpfbinsen-Schweiß") ist damit doppelt widerlegt. Bedeutung von "sydel" bleibt offen, Funktion im Scherzrezept (unbeschaffbare Zutat) ist unabhängig davon klar.
→ Teig (nicht „Teil") (Lemma: taig)
ZutatbairischLesefalle
Schreibvariante von „taig" (Teig) - NICHT das moderne Wort „Teil" (Anteil/Portion), obwohl die Buchstabenfolge das nahelegt. Bestätigt durch den Zwilling mha-151, der an derselben Stelle „taig" schreibt („mach ain hafen von taig" = mach ein Gefäß aus Teig).
→ Teil/Portion (nicht "Teig") - im Kontext der Formung/Backens leicht mit "Teig" verwechselt (Lemma: teil)
BegriffbairischLesefalle
11 Belegstellen im Korpus und die CoReMA-Glosse zu gr1.205 bestätigen „Teil", nicht Teig; betroffen waren die Zutatenliste und die Übersetzung.
→ Teiglein, kleine Teigmenge (Lemma: teiglein)
Technikbairisch
Verkleinerungsform zu Teig, MHDBDB ordnet die Schreibung dem Lemma „teic“ zu. Steht im Korpus mit „lenen/leins“, also als weicher Ausbackteig.
→ Zimt - „thimend plue“ ist die Zimtblüte (Lemma: zimt)
ZutatbairischLesefalle
→ Zimtbluete (getrocknete Zimt-/Kassienbluete), nicht bloss gemahlener Zimt (Lemma: zimtbluete)
ZutatbairischLesefalle
plue/"pluot" = Bluete; Zwilling m384-012 "czinmit pluot" = Zimtbluete. Ehlert glossiert knapp "Zimt". NICHT Thymian.
→ Historisch primär eine mit Wein getraenkte, mit Gewuerz/Zimt/Zucker bestreute Weissbrotscheibe (nicht die Wuerzung selbst, sondern das Brotgericht) (Lemma: driet)
SubstantivoberdeutschLesefalle
Grimm/DWB (dwds.de/wb/dwb/driet) belegt woertlich: "mit wein getraenkte und mit gewuerz, zimmt und zucker bestreute weiszbrotscheibe" - also Brot als Basis, Gewuerz+Zimt+Zucker als Bestreuung, nicht "Gewuerzzucker" als eigenstaendige Substanz. Schmeller (Bayerisches Wb.) deckt sich damit: "Triet, panis escharites imbutus vino" (in Wein getraenktes geroestetes Brot); die oft zitierte Latein-Phrase "a tribus ingredientibus" glossiert er selbst als "gebaehte Semmel, guter Malvasier und Zucker" - Brot+Wein+Zucker, keine reine Gewuerzmischung. In wo10 (Kunst- und Artzneibuch, 1543) tragen wo10-013/017/018 aber den Titel "Triet" fuer reine, trockene Gewuerz-/Arznei-Pulvermischungen ohne Brot und Wein (Huehnermagen, rote Koralle, Galgant etc.) - strukturell identisch mit den benachbarten "Species Bertholdi"-Rezepten (wo10-009/010/011/012/019). Hypothese, nicht gesichert: Der Kompilator nutzt "Triet" hier als Synonym fuer ein zusammengesetztes Apotheker-Pulver, moeglicherweise anknuepfend an eine bei Schmeller sekundaer belegte Nebenbedeutung ("Sal condimentarius, ein Driet alias tragea") - ein Bedeutungswandel in Gang, nicht die aeltere Brot-Wein-Speise. Offener Widerspruch zwischen Woerterbuch-Bedeutung und Rezeptinhalt, nicht selbst aufloesen. ACHTUNG Homonym-Falle: Das niederdeutsch/niederfraenkisch-rheinische "Driet" ("Wat soll dae Driet?") ist ein voellig unverwandtes Wort mit der Bedeutung Dreck/Mist/Kot, von germ. *dritan ("scheissen") - siehe LVR Mitmachwoerterbuch (mitmachwoerterbuch.lvr.de/detailansicht.php?Artikel=Driss). Bei Lemma-Arbeit zu "driet"/"triet" immer pruefen, welches der beiden nicht verwandten Woerter gemeint ist. UPDATE (bestaetigt via Web, 2026-08-20): Das Schweizerische Idiotikon und patrimoineculinaire.ch belegen unabhaengig vom wo10-Korpus genau die hier vermutete Bedeutungsspaltung: "Traes"/"Triaet"/"Triet" gehen auf hochdeutsch "Trisenet" (Apothekerlexikon, spaetes 18. Jh.: "ein groebliches Pulver") zurueck. In der Schweiz sind seit dem 16. Jh. BEIDE Zweige belegt - die suesse Weinbrotschnitte ("Triaetschnitte", 1751 im Kochbuch der Dorothea Welti-Trippel mit bis zu 12 Gewuerzen) UND ein reines, trockenes Verdauungspulver ("Traesent"/Magentraes), das im Glarnerland seit ca. 1900 unter dem Markennamen "Trietolt" (= "Triet"/Pulver + Nachname Landolt) bis heute verkauft wird (Zucker, Sandelholz, Zimt, Muskat, Nelken, Ingwer). Das stuetzt die wo10-013/017/018-Hypothese (Pulver-Lesart) erheblich, ohne sie zu beweisen - unabhaengiger Beleg fuer denselben Wortspaltungs-Mechanismus, nicht fuer die Absicht des Wolfenbuetteler Schreibers 1543. Quellen: glarnerland.ch/de/map/poi/trietolt-magentras, patrimoineculinaire.ch/Produkt/Magentras-Trietolt/247.
→ trocken/dickflüssig gekocht (nicht wässrig) (Lemma: trocken)
Technikbairisch
Bezieht sich sowohl auf eingekochte Erbsen als auch auf trocken gegarte Gerste/Graupen sowie das trockene Anrichten.
→ Eidotter (Lemma: dotter)
ZutatbairischLesefalle
bair. tutter/totter = (Ei-)Dotter. NICHT „Hälfte" - Verlesung. Auch ka1-035/082. Cross-source bestätigt.
→ Satzeröffnende Disjunktion "anfangen/fangen oder [direkt] machen" (Lemma: vâhen)
Begriffalemannisch-schwäbischLesefalle
Gestützt durch Zwilling mon-083 ("vach den Swayß" = "fang das Blut auf"). MHDBDB belegt "vach" nur als Adjektiv (Gewässer/Handarbeit/Jagd), ein eindeutiger Beleg für "beginnen" fehlt.
→ rein (weiß, sauber) - Farbreinheit, nicht Feinheit der Textur (Lemma: rein)
BegriffbairischLesefalle
Bedeutet 'rein' im Sinn von Farb-/Sauberkeitsreinheit, nicht 'fein' (Textur) - die Feinheit ist im Text bereits durch 'klein hacken' ausgedrückt. Der Zwilling m5919-091 hat an identischer Stelle die eindeutige Form 'rain weins'.
→ fett, fettig - „vaiste prue“ ist eine fette Brühe (Lemma: feist)
ZutatbairischLesefalle
Lexer führt „veiß“ als Lemma und nennt „feiszt, feist, vaist“ in derselben Zeile als Parallelformen. NICHT über den v/w-Wechsel als „weiß“ lesen. mon-114 macht es eindeutig: die vaiste prue tritt dort an die Stelle der oberen Milch, also für etwas Fettes.
→ Fette, fettreiche Brühe - das Fett ist gewünschter Geschmacksträger, NICHT zu entfernen/entfetten (Lemma: feist)
ZutatbairischLesefalle
mhd. "veist/vaist" = fett, beleibt. Naheliegende Fehllesart "entfettete Brühe" (da man im Kochkontext oft Brühe entfettet), aber gemeint ist das Gegenteil: eine bewusst fettreiche Brühe für Geschmack und Bindung.
→ Forelle (Lemma: forelle)
TierbairischLesefalle
Mondsee-Variante zu forchen (v/f-Wechsel, im Buch durchgehend). NICHT generisch „Fische, die die Farbe stören" - konkret Forellen, die beim Sieden viel rötlich-graue Hautfarbe/Schleim abgeben und die Farb-Sülze eintrüben; daher Sonderklärung mit Hausenblase.
→ Krapfen für die Fastenzeit - ohne Fleisch, Eier oder tierische Milch (Fisch erlaubt, Mandelmilch statt Milch/Ei) (Lemma: fastenkrapfen)
Gerichtmittelhochdeutsch
Wiederkehrende Rezept-Serie im Buch von guter Speise mit gemeinsamer Fastenzeit-Logik (Fisch/Mandelmilch statt Fleisch/Milch/Ei).
→ Bei Flüssigkeiten: lau/kalt werden, abkühlen (Grimm DWB, Abschn. B.1.a/b) - NICHT "aufkochen" oder "reduzieren" (Lemma: überschlagen)
TechnikfrühneuhochdeutschLesefalle
Naheliegende Fehllesart im Kochkontext ("überschlagen" klingt nach Reduzieren/Aufwallen), aber Grimm belegt für Flüssigkeiten nur "kalt/lau werden". mon-186: Die siedend heiß gewürzte Brühe wird gezielt abkühlen gelassen, bis sie nur noch wenig wärmer ist als Lab-Temperatur, bevor der kalte Kohl hineinkommt - dieselbe Logik wie beim Käsen (Lab erst nach Abkühlen zugesetzt).
→ fett werden, Öl abgeben (Lemma: feist)
VerbmittelhochdeutschLesefalle
„Alse sie veiste beginnen, so sprenge dor vf“ - wenn die gestoßenen Kerne anfangen zu ölen. Verbale Verwendung derselben Vokabel wie „vaiste“.
→ fett - „in eime veisten sode“ ist ein fetter Sud (Lemma: feist)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Dieselbe Vokabel wie „vaiste“ und „faisten“. Im selben Buch steht bgs-039 „stoz die besten moerser. Alse sie veiste beginnen“ - „besten“ und „veiste“ stehen dort in einem Satz nebeneinander und sind zwei verschiedene Wörter.
→ Fette Brühe oder fetter Sud - unklar ob eigenes Bratfett/Kochsud oder separat zugekaufte/angesetzte Brühe gemeint ist (Lemma: fette brühe)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Echter Crux ohne eindeutige Textstütze - Eigenfett-Lesart vs. zugekaufte-Brühe-Lesart bleiben beide plausibel, im Rezept als interpretive_choice dokumentiert.
→ fett, fettig (vom Mörser: eingefettet) (Lemma: feist)
SonstigesostmitteldeutschLesefalle
Lexer führt ‚veiß‘ als Lemma und nennt ‚feiszt, feist, vaist‘ in derselben Zeile als Parallelformen (crassus, pinguis) - die Schreibungen mit -st- und mit -ß- sind also ein Wort. Die CoReMA-Edition vermerkt zu koe-013, Gollub lese ‚veißenn‘; das ist damit eine Transkriptionsfrage und keine Bedeutungsfrage. NICHT über den v/w-Wechsel als ‚weiß‘ lesen - ein weißer Mörser wäre neben der Angabe ‚der heiß sey‘ auch sachlich sinnlos. Parallelstellen im Korpus: m5919-065 ‚faisten haissen morser‘, mon-081 ‚vaisten haissen morsar‘.
→ Um/herum (Richtungsangabe), z.B. "vemme gen dem fuere" = dem Feuer zugewandt drehen (Lemma: umme)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Bestätigt durch Zwilling koe-019 ("vmen vnd vmenn Gantz" = ringsum/rundherum an vergleichbarer Stelle).
→ vom vorigen Jahr (Lemma: vorjährig)
SonstigesalemannischLesefalle
wärent; war zuvor weggelassen
→ Wiederkehrende Schlussformel des Buches von guter Speise, kein gerichtsspezifischer Hinweis - taucht sowohl bei süßen als auch bei herzhaften Rezepten auf (Lemma: nicht versalzen)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Leicht als gerichtsspezifische Salz-Warnung misszuverstehen (z.B. bei Süßspeisen als vermeintlicher Hinweis auf versehentliche Verwechslung) - tatsächlich eine stehende Buch-Floskel, 7+ Belege korpusweit.
→ Beschädige/verdirb es nicht (von mhd. versêren), NICHT "verbrenne es nicht" (Lemma: nicht verderben)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Formal der Schlussformel "versaltz niht" ähnlich, aber ein anderes Verb (versêren = schädigen/verwunden, nicht versalzen) - zwei getrennte, nicht austauschbare Floskeln desselben Buches.
→ fest, steif (Lemma: fest)
Begriffbairisch
→ Geviertelt (Form/Verfahren), nicht ein Mengenanteil von einem Viertel (Lemma: viertail)
Technikalemannisch-schwäbisch;bairischLesefalle
→ Milchner = männlicher Fischsamen (neben Rogen) (Lemma: milchner)
ZutatalemannischLesefalle
roggen, milch vnd lebren = Rogen, Milch(ner) und Leber (drei Teile); NICHT zu „Fischrogenmilch" verschmelzen
→ Fischschuppen als Geliermittel (kollagenreich, im Moerser zerstossen) (Lemma: fischschuppe)
ZutatbairischLesefalle
Substantiv, NICHT Verb 'Fisch schuppen'. Schuppen = Gelatine; Hausenblase als Alternative ('auch gut')
→ Verschmelzung aus Imperativ "back" und angehängtem Pronomen "-es" (= "back es", brate es) - keine eigene Vokabel (Lemma: back es)
Verbmittelhochdeutsch
Analog zu anderen Imperativ+Enklise-Formen im Korpus (vgl. "gibz hin" = gib es hin).
→ Stärke (Bindemittel zum Andicken), letztlich zu lat. amylum (Lemma: stärke)
ZutatbairischLesefalle
Fünffach bezeugter Hapax derselben Wortfamilie mit stark schwankender Schreibung: vmedumb (b4-061), vmbedum (b4-032), vmerdum (w1-033), vmudum (mha-002), dazu vmerduz im noch unreviewten Entwurf w1-064. Die CoReMA-Sachglosse verknüpft jede Fundstelle unabhängig und unmodifiziert mit Wikidata Q41534 (Stärke). mha-002 nennt an derselben Stelle offen die Ersatzoption „semlein prot" (feines Weißbrot) - genau die aus dem Korpus bekannte Substitutionslogik für die teure Weizenstärke. In keinem MHD-Wörterbuch (Lexer, Benecke, Schmeller) direkt belegt; Götzes Frühneuhochdeutsches Glossar bestätigt aber dieselbe Wortfamilie "amel-" (amelkorn = Dinkel/amylum, amelung = Kraftmehl) für genau diesen Sprachraum und diese Periode - stützt die vermutete Herleitung aus lat. amylum, auch wenn die genaue Lautentwicklung zu den bezeugten v-Formen ungeklärt bleibt.
→ das Äußere (der gebratenen Leber) abschneiden (Lemma: das äußere abschneiden)
Technikalemannisch
vsser darab
→ wie ein Euterlein (Vergleich: gegrillte Euterscheiben) (Lemma: euterlein)
TechnikalemannischLesefalle
vtterlin/üterlin = üter (Euter); „legs vff ainen rost als ain vtterlin"; NICHT „kleines Fleischstück"
→ Wachteln (Lemma: wachtel)
Tieralemannisch
Hs. wachel
→ Welsch (fremde, importierte) Weinbeeren/Rosinen aus romanischsprachigen Laendern - NICHT "walisisch" (aus Wales), reiner False-Friend (Lemma: welsch)
ZutatbairischLesefalle
Cross-Book-Parallele zu "welsche winber" (buch-guter-speise:bgs-060) - dieselbe Lesefalle, andere Handschrift/Dialekt.
→ Wacholderbeeren (regionale Doppelbenennung), NICHT die moderne Cranberry (Lemma: wacholder)
Zutatalemannisch-schwäbischLesefalle
Zwei Bezeichnungen im Original für dieselbe Beere (Juniperus communis); "krannbatper" verleitet zur Fehllesung als moderne Cranberry.
→ Rosinen (Projekt-Default fuer weinper/winper) (Lemma: weinbeere)
Zutatbairisch
weinper -> Rosinen, ausser klare Frisch-Indikatoren; Zwilling mha-031 nennt Rosinen.
→ weinsäuerliche, herbe Apfelsorte (Weinapfel) (Lemma: weinapfel)
ZutatbairischLesefalle
→ Weinling-/Obstbaum (Apfelbaum); sein „pech“ = Obstbaum-Gummi (Gummifluss) (Lemma: weinapfelbaum)
PflanzebairischLesefalle
weinling (=Weinapfel, mon-033/Goetze) + pawm (Baum) = Obstbaum. Das „pech“ davon ist NICHT Nadelbaum-Harz, sondern der Gummifluss des Obstbaums (Kirschgummi-artig), ein wasserlösliches, hitzestabiles Pflanzengummi -> als Sülz-Binder, der auch warm fest hält. Korpus-erschlossen; Alternative Nadelbaum-Harz chemisch unpassend (hydrophob).
→ Weinbeeren - im Zweifel Rosinen (getrocknet), nicht frische Weintrauben (Lemma: weinbeere)
ZutatmehrereLesefalle
„Weinbeeren" ist wörtlich, gemeint sind aber meist getrocknete Weinbeeren = Rosinen, nicht frische Weintrauben - so die Standardlesart in mehreren Mondsee- und Schwesterrezepten (auch als „weinperren" belegt, mon-107). Nur bei einem ausdrücklichen Frisch-Marker im Text ist an frische Weintrauben zu denken. Weitere Stützung außerhalb des Korpus: Lexer führt „weinper" 1482 direkt als lateinisch „passile" (= Rosine), Grimm ebenso als „trucken weinper... rosine".
→ Welsche (fremde, importierte) Weinbeeren - getrocknete Trauben/Rosinen, NICHT Walnüsse (Lemma: rosinen)
ZutatmittelhochdeutschLesefalle
Welsch markiert Herkunft (fremdländisch/importiert), nicht die Frucht selbst - "winber" ist die Weinbeere/Rosine. Cross-verifiziert gegen Primaer- und Zweitquelle.
→ Gekröse / Magen (Lemma: wanst)
ZutatalemannischLesefalle
< wanst/wänstlein
→ Weichseln / Sauerkirschen (Prunus cerasus) (Lemma: weichsel)
Zutatbairisch
bair./österr. Begriff für Sauerkirschen. WB-belegt: Idiotikon, Fischer („amarellen, weichsel"), Pritzel, Grimm. Hier frittiert: in Teig getunkt und in Schmalz ausgebacken (mon-015 „Frittierte Sauerkirschen").
→ Wahrscheinlich Mus aus Weichseln (Sauerkirschen); eine Lesart als „helles/weißes Mus“ bleibt als Restunsicherheit möglich (Lemma: weichselmus)
GerichtmittelhochdeutschLesefalle
Die unmittelbare Binnenstelle bgs-084 nennt „sure wiseln“ und erklärt sie als „kirsen“; das stützt die Weichsel-Lesung direkt. Die Gattungs-Alternative bleibt dokumentiert, ist aber schwächer.
→ Würfelförmig geschnitten (Lemma: wuerfelig)
Technikmittelhochdeutsch
Wiederkehrende Schnittform-Angabe im Buch von guter Speise.
→ Würfelig/rautenförmig einschneiden (Schnitttechnik), NICHT "in Lappen schneiden"
Technikalemannisch-schwäbischLesefalle
Bestätigt durch Twin mon-085 und MHDBDB (würfeleht). Das Objekt bleibt dabei als Ganzes erkennbar, das Einschneiden zerlegt es nicht vollständig.
→ würfelig / in Würfel (Lemma: würfelig)
TechnikmehrereLesefalle
→ meist Ingwer (Standardlesart); kontextabhängig Rosinen (Lemma: imber)
Zutatüberregional (fnhd.)Lesefalle
Standardlesart Ingwer. Nur bei großer Menge, gewaschen, verlesen oder als süße Paste lesen wir eine v/y-Verlesung für winber = Rosinen (mha-007/009). CoReMA (Böhm/Klug 2021, GAMS bs1.7 und bs1.9) glossiert beide Stellen eindeutig als Ingwer, ohne Alternative - wir weichen bewusst ab, weil ein Pfund Ingwer als Grundmasse einer Paste oder Sauce kulinarisch nicht trägt. Ehlert deckt Meister Hans nicht ab, uns liegt keine Edition dazu vor; die frühere Zuschreibung an Ehlert war falsch. Nicht kategorisch als Weinbeere lesen.
→ Frisch, ungetrocknet (NICHT botanisch "immergrün") (Lemma: grüene)
Zutatalemannisch-schwäbischLesefalle
Kontrast zum später im selben Text genannten "weisser ymber gestossner" (geschälter, getrockneter Ingwer). Doppelform "ymber grun ymber grunne" ist vermutlich Schreiber-Dittographie, keine bewusste Verstärkung.
→ lauter (ganze) Eier - itel/ytal/eitel = bloß / nichts als / nur (Lemma: itel)
ZutatalemannischLesefalle
ytalayer = ytal ayer; itel = bloß/nur, NICHT „rein/pur" → falsch als Eigelb gelesen
→ zerzupfen (Fleisch in Fasern zerteilen) (Lemma: zeisen)
VerbbairischLesefalle
Wortfamilie zaisen/zeisen = zupfen, zerrupfen, zerzausen (Fischer-Wörterbuch: „abzaisen" = abrupfen; Grimm: „schaben, zaisen"; MHDBDB-Lemma „zeisen"). Bedeutet „zerzupfen" (Fleisch in Fasern zerteilen), nicht ein Körperteil. Zwilling mha-131 hat an derselben Stelle „zer czaiss das" (= zerzupfe es); das italienische Pendant ant-048 verwendet an vergleichbarer Stelle sfilare (zerfasern).
→ sogleich, sofort (Lemma: zehant)
Sonstigesoberrheinisch-alemannisch
mhd. Zeitadverb, im Korpus Hapax; Hand-Scan-Zweifel des Editors durch MHDBDB-Beleg aufgelöst (nicht fehlerhaft, nur selten)
→ zu heiß (Lemma: zu heiß)
BegriffmittelbairischLesefalle
zehays = zu heiß (Schmalz/Pfanne); NICHT "zu salzig"
→ Kleine kegelförmige Teig-Zacken/Stäbchen - strukturelles Halte-Element, nicht nur Dekor (Lemma: zuc/zucke)
Technikalemannisch-schwäbischLesefalle
CoReMA (bs1.286) führt den Begriff als ungeklärten Hapax. Lesart gestützt durch Parallelbeleg rfk-073 (czweckly) und interne Textlogik (Halterung für roerlach).
→ Zuletzt, schließlich (mhd. "ze jungest", bei Lexer/Grimm als feste zeitliche Wendung belegt) - KEINE Reihenfolgeangabe im Sinne von "zuerst" (Lemma: ze jungest)
BegriffmittelhochdeutschLesefalle
Verwechslungsgefahr: "iuengest" klingt nach "jüngst/neu", ist hier aber ein feststehendes Zeitadverb für den letzten Schritt einer Abfolge.
→ Zimt - „zymeid plue“ ist die Zimtblüte (Lemma: zimt)
ZutatbairischLesefalle
Steht in derselben Senf-Zubereitung wie „czinmit pluot“ in m384-012 und „thimend plue“ in ri15632-006, jeweils gestoßen und unter den Senf gemischt.
→ Zimtblüte (Lemma: zimtblüte)
ZutatbairischLesefalle
Automatisch aus den Rezept-Anmerkungen zusammengestellt, ungeprüft. Jeder Begriff kommt in mindestens zwei Rezepten vor.