Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Schlage die Erdbeeren durch ein Sieb mit Weißbrot und mit Honig. Gib Essig und Wein hinzu und gute Gewürze. Dies nennt man ein Erdbeermus.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Erper | Erdbeeren | - | - |
| weissem prot | Weißbrot | - | - |
| honigk | Honig | - | - |
| essich | Essig | - | - |
| wein | Wein | - | - |
| guot gewurcz | Gute Gewürze | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein süß-saures Erdbeermus - passierte Erdbeeren mit Weißbrot gebunden, mit Honig gesüßt, mit Essig und Wein gesäuert, gewürzt. Nahezu wortgleich zu rfk-068 (Rheinfränkisches Kochbuch: „slag erperen dorch mit wiszem brode vnd mit honige vnde mit wurczen vnde mit eszige“) und verwandt mit m725-003 (Erdbeermus mit Wein und Gewürzen) - ein im Korpus mehrfach belegter Rezepttyp.
Praxis. Frische oder eingelegte Erdbeeren durch ein Sieb oder Tuch streichen, mit eingeweichtem Weißbrot binden, mit Honig süßen, mit Essig und Wein säuern, gut würzen.
Ein ‚Erper muoss' ist ein Mus aus passierten Erdbeeren, gebunden mit Weißbrot, gesüßt mit Honig und gesäuert mit Essig und Wein. Diese süß-saure Kombination mit Gewürzen war ein verbreitetes mittelalterliches Muster für Fruchtmuse.
Bedingt. Weißbrot, Honig, Essig und Wein sind lagerfähig, doch frische Erdbeeren sind saisonal und halten sich nicht lange. Für das Lager empfehlen sich eingelegte oder eingekochte Erdbeeren; die Zubereitung selbst braucht nur ein Tuch oder Sieb zum Passieren.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Kochbuch des Meisters Hans', das um 1460 in Basel verfasst wurde.
Da das Rezept keine spezifischen Gewürze nennt, empfiehlt sich eine typische mittelalterliche Gewürzmischung. Dazu gehören oft Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat und Zimt.
‚Erper' ist eine frühneuhochdeutsche Schreibvariante von ‚Ertber'/Erdbeere (Lexer: „erper s. ertber“; Idiotikon: „erd-ber- erper-“), nicht von ‚Erbse'. Die CoReMA-Sachglosse verlinkt ‚Erper' im Volltext konsistent zu Wikidata Q146684 (Erdbeere). ‚Muoss' (modern: Mus) bezeichnete im Mittelalter eine breite Palette von Pürees, Breien oder dickflüssigen Speisen.
Bedeutet, die Erdbeeren durch ein Sieb oder Tuch zu passieren, um ein glattes Mus zu erhalten - vgl. m725-003: „treib sy dann durch ein tuech“.
‚Gute Gewürze' waren im Mittelalter typischerweise eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat und Zimt.
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